Tagebuchaufzeichnungen Reinhold Sieglerschmidt (5), item 104

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                                      6/VIII 17

  Mein Herzenstrautli, immer hat

sich noch nichts Besonderes ereignet.

Das Wetter ist andauernd

heiss, die Gewitter bringen wenig

Abkählung. Das sommerliche

Gebirge ist doch tief, wenn und

auch der Gleichmut, diese Tapferkeit

des Soldaten an starken Empfindungen

hinderte. Ich bade jetzt viel

im Gebirgsfluss, die kühle Strömung

ist wundervoll. Mit der Philosopie

habe ich wieder begonnen

(Aristoteles, Metaphysik). Wunderbar

tief, wirklich ganz tief sind

die Mondscheinnächte jetzt, wenn ein

unbestimmtes Licht alle Formen fremd u.

unbekannt erscheinen lässt und der Fluss silbern

aufleuchtet. Wie bin ich dir dann nah, meine

Sehnsucht, meine tiefe, stete Lebenshoffnung.

                                          Dein Reinhold ich.

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                                                 12/VIII 17

 Mein Herzenstrautli, wie bin ich

bei dir in unendlicher Sehnsucht. Heute am

Sonntag habe ich deinen Brief vom vorigen

Sonntag erhalten. Wie verstehe ich deine Stimmung.

Helenetrautli, einzig nahes Heleneich, welche

Unsumme tapferer Sehnsucht bedeuten diese

Sonntage für uns. Aber wie tief werden die

späteren Sonntage für uns sein, von einer Tiefe,

die ohne diesen Krieg nicht gewesen wäre, wie

Seligen muss uns zu Mute sein.

   Ich bin immer noch in der Batterie (d.h. in

der Feuerstellung der Batterie!!!). Das Wetter ist

in dieser Nacht recht kühl geworden. Trotzdem

schien am Tage wieder die warme Sommersonne.

Die Verpflegung ist durchaus hinreichend.

In der Kantine habe ich vor ein paar Tagen ein paar

Pfund norwegischen geräucherten Hering als Zubusse

gekauft. Die Marmelade ist gegen jede Verabredung.

Bei Mehrsendungen erfolgen Gegenmassregeln!!! Du Lieber,

du Böser, du guter, du einziger Mensch, es küsst dich

tausendmal

                                                          Dein Reinholdich.

 

 

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                                      6/VIII 17

  Mein Herzenstrautli, immer hat

sich noch nichts Besonderes ereignet.

Das Wetter ist andauernd

heiss, die Gewitter bringen wenig

Abkählung. Das sommerliche

Gebirge ist doch tief, wenn und

auch der Gleichmut, diese Tapferkeit

des Soldaten an starken Empfindungen

hinderte. Ich bade jetzt viel

im Gebirgsfluss, die kühle Strömung

ist wundervoll. Mit der Philosopie

habe ich wieder begonnen

(Aristoteles, Metaphysik). Wunderbar

tief, wirklich ganz tief sind

die Mondscheinnächte jetzt, wenn ein

unbestimmtes Licht alle Formen fremd u.

unbekannt erscheinen lässt und der Fluss silbern

aufleuchtet. Wie bin ich dir dann nah, meine

Sehnsucht, meine tiefe, stete Lebenshoffnung.

                                          Dein Reinhold ich.

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                                                 12/VIII 17

 Mein Herzenstrautli, wie bin ich

bei dir in unendlicher Sehnsucht. Heute am

Sonntag habe ich deinen Brief vom vorigen

Sonntag erhalten. Wie verstehe ich deine Stimmung.

Helenetrautli, einzig nahes Heleneich, welche

Unsumme tapferer Sehnsucht bedeuten diese

Sonntage für uns. Aber wie tief werden die

späteren Sonntage für uns sein, von einer Tiefe,

die ohne diesen Krieg nicht gewesen wäre, wie

Seligen muss uns zu Mute sein.

   Ich bin immer noch in der Batterie (d.h. in

der Feuerstellung der Batterie!!!). Das Wetter ist

in dieser Nacht recht kühl geworden. Trotzdem

schien am Tage wieder die warme Sommersonne.

Die Verpflegung ist durchaus hinreichend.

In der Kantine habe ich vor ein paar Tagen ein paar

Pfund norwegischen geräucherten Hering als Zubusse

gekauft. Die Marmelade ist gegen jede Verabredung.

Bei Mehrsendungen erfolgen Gegenmassregeln!!! Du Lieber,

du Böser, du guter, du einziger Mensch, es küsst dich

tausendmal

                                                          Dein Reinholdich.

 

 


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  • February 21, 2017 09:29:35 Barbara Kneidinger

                                          6/VIII 17

      Mein Herzenstrautli, immer hat

    sich noch nichts Besonderes ereignet.

    Das Wetter ist andauernd

    heiss, die Gewitter bringen wenig

    Abkählung. Das sommerliche

    Gebirge ist doch tief, wenn und

    auch der Gleichmut, diese Tapferkeit

    des Soldaten an starken Empfindungen

    hinderte. Ich bade jetzt viel

    im Gebirgsfluss, die kühle Strömung

    ist wundervoll. Mit der Philosopie

    habe ich wieder begonnen

    (Aristoteles, Metaphysik). Wunderbar

    tief, wirklich ganz tief sind

    die Mondscheinnächte jetzt, wenn ein

    unbestimmtes Licht alle Formen fremd u.

    unbekannt erscheinen lässt und der Fluss silbern

    aufleuchtet. Wie bin ich dir dann nah, meine

    Sehnsucht, meine tiefe, stete Lebenshoffnung.

                                              Dein Reinhold ich.

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                                                     12/VIII 17

     Mein Herzenstrautli, wie bin ich

    bei dir in unendlicher Sehnsucht. Heute am

    Sonntag habe ich deinen Brief vom vorigen

    Sonntag erhalten. Wie verstehe ich deine Stimmung.

    Helenetrautli, einzig nahes Heleneich, welche

    Unsumme tapferer Sehnsucht bedeuten diese

    Sonntage für uns. Aber wie tief werden die

    späteren Sonntage für uns sein, von einer Tiefe,

    die ohne diesen Krieg nicht gewesen wäre, wie

    Seligen muss uns zu Mute sein.

       Ich bin immer noch in der Batterie (d.h. in

    der Feuerstellung der Batterie!!!). Das Wetter ist

    in dieser Nacht recht kühl geworden. Trotzdem

    schien am Tage wieder die warme Sommersonne.

    Die Verpflegung ist durchaus hinreichend.

    In der Kantine habe ich vor ein paar Tagen ein paar

    Pfund norwegischen geräucherten Hering als Zubusse

    gekauft. Die Marmelade ist gegen jede Verabredung.

    Bei Mehrsendungen erfolgen Gegenmassregeln!!! Du Lieber,

    du Böser, du guter, du einziger Mensch, es küsst dich

    tausendmal

                                                              Dein Reinholdich.

     

     


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    bei Ploesti, Rumänien

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  • Story location bei Ploesti, Rumänien


ID
841 / 4147
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Jörn Sieglerschmidt
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/



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