Tagebuchaufzeichnungen Reinhold Sieglerschmidt (5), item 68

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                                                   18/V 1917

Mein Herzenstrautli, wie froh hat mich

dein erster Brief gemacht, der gestern

ankam. Die beiden ersten haben also tatsächlich

nicht hergefunden. Es ist so viel

leichter, wenn der lebendige Zusammenhang

mit dem, der mir alles Leben ist,

vorhanden ist.

Ich habe mich jetzt schon ziemlich gründlich

informiert. Am interessantesten ist die

Verwertung der Fliegerbilder für die Kartographie.

Hier handelt es sich um ein modernes

Problem, dessen Lösung allerdings noch

sehr von der Geschicklichkeit des Einzelnen

abhängig ist.

Ich schrib dir schon, dass ich dann ins

Gebirge zur trigon. Ausbildung komme!

Was die Armeegruppe damit beabsichtigt,

darüber kann man mir hier auch nichts sagen.

Es heisst also Geduld haben.


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Das Wetter ist andauernd schön, jetzt

sehr warm. Doch mache ich mir ja aus

Hitze wenig. Nur für die Landwirtschaft

wäre Regen erwünscht. Am Himmelfahrtstag

bin ich hinaus bis zur Theiss gewandert,

habe die tiefe Landschaft genossen

und die Arme nach meinen Lieben gestreckt.

Ich füge dem Briefe eine Enzianpflanze

bei, die ich auf der Eisenbahnfahrt von

unserer Stellung durchs Gebirge pflückte.

Sie wird dir tief sein. Eine zweite im

nächsten Briefe. Ich benutzte einen kurzen

Aufenthalt, um sie im Lauf für

meinen Lieben zu gewinnen.

Ich bin bei dir in ganzer Nähe, in unendlicher

Sehnsucht. Ich küsse dich tausendmal

mein Leben, mein Ich.

                                  Dein Reinhold

Adressiere bitte beifolgenden Brief und

schicke mir auch Walters Adresse hierher!

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                                                   18/V 1917

Mein Herzenstrautli, wie froh hat mich

dein erster Brief gemacht, der gestern

ankam. Die beiden ersten haben also tatsächlich

nicht hergefunden. Es ist so viel

leichter, wenn der lebendige Zusammenhang

mit dem, der mir alles Leben ist,

vorhanden ist.

Ich habe mich jetzt schon ziemlich gründlich

informiert. Am interessantesten ist die

Verwertung der Fliegerbilder für die Kartographie.

Hier handelt es sich um ein modernes

Problem, dessen Lösung allerdings noch

sehr von der Geschicklichkeit des Einzelnen

abhängig ist.

Ich schrib dir schon, dass ich dann ins

Gebirge zur trigon. Ausbildung komme!

Was die Armeegruppe damit beabsichtigt,

darüber kann man mir hier auch nichts sagen.

Es heisst also Geduld haben.


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Das Wetter ist andauernd schön, jetzt

sehr warm. Doch mache ich mir ja aus

Hitze wenig. Nur für die Landwirtschaft

wäre Regen erwünscht. Am Himmelfahrtstag

bin ich hinaus bis zur Theiss gewandert,

habe die tiefe Landschaft genossen

und die Arme nach meinen Lieben gestreckt.

Ich füge dem Briefe eine Enzianpflanze

bei, die ich auf der Eisenbahnfahrt von

unserer Stellung durchs Gebirge pflückte.

Sie wird dir tief sein. Eine zweite im

nächsten Briefe. Ich benutzte einen kurzen

Aufenthalt, um sie im Lauf für

meinen Lieben zu gewinnen.

Ich bin bei dir in ganzer Nähe, in unendlicher

Sehnsucht. Ich küsse dich tausendmal

mein Leben, mein Ich.

                                  Dein Reinhold

Adressiere bitte beifolgenden Brief und

schicke mir auch Walters Adresse hierher!


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  • February 19, 2017 17:12:57 Barbara Kneidinger

                                                       18/V 1917

    Mein Herzenstrautli, wie froh hat mich

    dein erster Brief gemacht, der gestern

    ankam. Die beiden ersten haben also tatsächlich

    nicht hergefunden. Es ist so viel

    leichter, wenn der lebendige Zusammenhang

    mit dem, der mir alles Leben ist,

    vorhanden ist.

    Ich habe mich jetzt schon ziemlich gründlich

    informiert. Am interessantesten ist die

    Verwertung der Fliegerbilder für die Kartographie.

    Hier handelt es sich um ein modernes

    Problem, dessen Lösung allerdings noch

    sehr von der Geschicklichkeit des Einzelnen

    abhängig ist.

    Ich schrib dir schon, dass ich dann ins

    Gebirge zur trigon. Ausbildung komme!

    Was die Armeegruppe damit beabsichtigt,

    darüber kann man mir hier auch nichts sagen.

    Es heisst also Geduld haben.


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    Das Wetter ist andauernd schön, jetzt

    sehr warm. Doch mache ich mir ja aus

    Hitze wenig. Nur für die Landwirtschaft

    wäre Regen erwünscht. Am Himmelfahrtstag

    bin ich hinaus bis zur Theiss gewandert,

    habe die tiefe Landschaft genossen

    und die Arme nach meinen Lieben gestreckt.

    Ich füge dem Briefe eine Enzianpflanze

    bei, die ich auf der Eisenbahnfahrt von

    unserer Stellung durchs Gebirge pflückte.

    Sie wird dir tief sein. Eine zweite im

    nächsten Briefe. Ich benutzte einen kurzen

    Aufenthalt, um sie im Lauf für

    meinen Lieben zu gewinnen.

    Ich bin bei dir in ganzer Nähe, in unendlicher

    Sehnsucht. Ich küsse dich tausendmal

    mein Leben, mein Ich.

                                      Dein Reinhold

    Adressiere bitte beifolgenden Brief und

    schicke mir auch Walters Adresse hierher!


Description

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  • 44.88998250157895||26.58415066249995||

    bei Ploesti, Rumänien

    ||1
Location(s)
  • Story location bei Ploesti, Rumänien


ID
841 / 4086
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Jörn Sieglerschmidt
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/



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  • Eastern Front
  • Western Front




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