Tagebuchaufzeichnungen Reinhold Sieglerschmidt (4), item 66

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weiten Zwischenräumen besteht.

Erbeute Pflaumen, ein grosser Genuss,

da frisches Obst in der letzten Zeit

nicht zu erlangen war und wir

gerade nach dieser Richtung verwöhnt

waren. Schlafe wie meist

im Stall statt im Wohnhause aus

nahe "kriechenden" Gründen.


                                       3. X.

Morgens Postfreude. Leider sind

die Briefe veraltet, aber doch wie

wird der heutige Tag etwas besonderes.

Einige Zeilen werden in

der Stube bei kargem Lampenlicht

noch erwischt. Unser Marsch

findet ein schnelles Ende. Wir

sollen ins Quartier zurück und

uns dort alarmbereit halten.

Braucht man uns nicht mehr?


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Gemütlicher Sonntag, an dem man

zum Schreiben kommt. Die neuen

Kameraden gefallen mir besser als

die alten vom Beobachtungswagen.

Ich bin zufrieden, dass ich den ewig

unzufriedenen, quakelnden Fei

nicht mehr um mich habe trotz

seines burlesken Humors, mit dem

er sich selbst in echt rheinländischer

Weise auch nicht verschonte. Natürlich

Sozialist, aber im Einzelnen

leicht umstimmbar, im

Äussern und Gebahren lebhaft an

einen Frosch erinnernd. An eine

Katze lässt Kurschafski häufig

denken, wenn auch an eine mutige.

Aus Ostpreussen, jedenfalls

Pole der Abstammung nach (spricht

fertig polnisch), stets auf seinen

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weiten Zwischenräumen besteht.

Erbeute Pflaumen, ein grosser Genuss,

da frisches Obst in der letzten Zeit

nicht zu erlangen war und wir

gerade nach dieser Richtung verwöhnt

waren. Schlafe wie meist

im Stall statt im Wohnhause aus

nahe "kriechenden" Gründen.


                                       3. X.

Morgens Postfreude. Leider sind

die Briefe veraltet, aber doch wie

wird der heutige Tag etwas besonderes.

Einige Zeilen werden in

der Stube bei kargem Lampenlicht

noch erwischt. Unser Marsch

findet ein schnelles Ende. Wir

sollen ins Quartier zurück und

uns dort alarmbereit halten.

Braucht man uns nicht mehr?


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Gemütlicher Sonntag, an dem man

zum Schreiben kommt. Die neuen

Kameraden gefallen mir besser als

die alten vom Beobachtungswagen.

Ich bin zufrieden, dass ich den ewig

unzufriedenen, quakelnden Fei

nicht mehr um mich habe trotz

seines burlesken Humors, mit dem

er sich selbst in echt rheinländischer

Weise auch nicht verschonte. Natürlich

Sozialist, aber im Einzelnen

leicht umstimmbar, im

Äussern und Gebahren lebhaft an

einen Frosch erinnernd. An eine

Katze lässt Kurschafski häufig

denken, wenn auch an eine mutige.

Aus Ostpreussen, jedenfalls

Pole der Abstammung nach (spricht

fertig polnisch), stets auf seinen


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  • August 15, 2018 19:27:19 Eva Anna Welles (AUT)

    weiten Zwischenräumen besteht.

    Erbeute Pflaumen, ein grosser Genuss,

    da frisches Obst in der letzten Zeit

    nicht zu erlangen war und wir

    gerade nach dieser Richtung verwöhnt

    waren. Schlafe wie meist

    im Stall statt im Wohnhause aus

    nahe "kriechenden" Gründen.


                                           3. X.

    Morgens Postfreude. Leider sind

    die Briefe veraltet, aber doch wie

    wird der heutige Tag etwas besonderes.

    Einige Zeilen werden in

    der Stube bei kargem Lampenlicht

    noch erwischt. Unser Marsch

    findet ein schnelles Ende. Wir

    sollen ins Quartier zurück und

    uns dort alarmbereit halten.

    Braucht man uns nicht mehr?


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    Gemütlicher Sonntag, an dem man

    zum Schreiben kommt. Die neuen

    Kameraden gefallen mir besser als

    die alten vom Beobachtungswagen.

    Ich bin zufrieden, dass ich den ewig

    unzufriedenen, quakelnden Fei

    nicht mehr um mich habe trotz

    seines burlesken Humors, mit dem

    er sich selbst in echt rheinländischer

    Weise auch nicht verschonte. Natürlich

    Sozialist, aber im Einzelnen

    leicht umstimmbar, im

    Äussern und Gebahren lebhaft an

    einen Frosch erinnernd. An eine

    Katze lässt Kurschafski häufig

    denken, wenn auch an eine mutige.

    Aus Ostpreussen, jedenfalls

    Pole der Abstammung nach (spricht

    fertig polnisch), stets auf seinen

  • February 23, 2017 14:08:04 Barbara Kneidinger

    weiten Zwischenräumen besteht.

    Erbeute Pflaumen, ein grosser Genuss,

    da frisches Obst in der letzten Zeit

    nicht zu erlangen war und wir

    gerade nach dieser Richtung verwöhnt

    waren. Schlafe wie meist

    im Stall statt im Wohnhause aus

    nahe "kriechenden" Gründen.

     

                                           3. X.

    Morgens Postfreude. Leider sind

    die Briefe veraltet, aber doch wie

    wird der heutige Tag etwas besonderes.

    Einige Zeilen werden in

    der Stube bei kargem Lampenlicht

    noch erwischt. Unser Marsch

    findet ein schnelles Ende. Wir

    sollen ins Quartier zurück und

    uns dort alarmbereit halten.

    Braucht man uns nicht mehr?

     

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    Gemütlicher Sonntag, an dem man

    zum Schreiben kommt. Die neuen

    Kameraden gefallen mir besser als

    die alten vom Beobachtungswagen.

    Ich bin zufrieden, dass ich den ewig

    unzufriedenen, quakelnden Fei

    nicht mehr um mich habe trotz

    seines burlesken Humors, mit dem

    er sich selbst in echt rheinländischer

    Weise auch nicht verschonte. Natürlich

    Sozialität, aber im Einzelnen

    leicht umstimmbar, im

    Äussern und Gebahren lebhaft an

    einen Frosch erinnernd. An eine

    Katze lässt Kurschafski häufig

    denken, wenn auch an eine mutige.

    Aus Ostpreussen, jedenfalls

    Pole der Abstammung nach (spricht

    fertig polnisch), stets auf seinen

     


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    Przasnysz

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840 / 3918
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Jörn Sieglerschmidt
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


October 3, 1915
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