Tagebuchaufzeichnungen Reinhold Sieglerschmidt (4), item 61

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                                                 28. IX 15

Eine Feldflasche voll warmen

Kaffees ist erobert; nun geht´s

bei schönem Sonnenaufgang

zu unserer alten Beobachtung.

Zum ersten Male sehe ich, wie

zahlreiche Bäume beginnen, sich

herbstlich zu färben. Birken

gelb, Ahorne gelb und rot.

Ob diese geheimnisvollen, weissen

Mondnächte wirklich etwas Tötliches

hatten?

Ruhiger, schöner Tag auf Beobachtung.

Am Nachmittag kommt

die grosse Überraschung. Wir

kommen noch heute zurück,

werden jedenfalls verladen.

Wohin, unbekannt. Nachtmarsch

über Soly nach Medikri-Degessi.


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Übernachten in einer Scheune.

                                                 29. IX

Ruhetag in Medikri-Degessi. Ich

wasche mich seit 8 Tagen zum

ersten Male!! (Das vorige Quartier

habe ich immer nur für kurze

Nachtstunden gesehen, im Quartier

davor kein Wasser!) Es ist

doch ein schöner Zustand ein

reines Gesicht zu besitzen. Ich

lasse mich rasieren! Mir die Haare

schneiden! Ich wasche meine Essgeschirre

gründlich aus! Dann

koche ich mir Kartoffeln, Brod

ist "nima"  = nicht mehr , kommt aber jedenfalls

noch heute. Wenn wir wenigstens

unsere Post vor unserer Verladung

empfingen! Es ist seit 5 Tagen

ein Unteroffizier mit einem

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                                                 28. IX 15

Eine Feldflasche voll warmen

Kaffees ist erobert; nun geht´s

bei schönem Sonnenaufgang

zu unserer alten Beobachtung.

Zum ersten Male sehe ich, wie

zahlreiche Bäume beginnen, sich

herbstlich zu färben. Birken

gelb, Ahorne gelb und rot.

Ob diese geheimnisvollen, weissen

Mondnächte wirklich etwas Tötliches

hatten?

Ruhiger, schöner Tag auf Beobachtung.

Am Nachmittag kommt

die grosse Überraschung. Wir

kommen noch heute zurück,

werden jedenfalls verladen.

Wohin, unbekannt. Nachtmarsch

über Soly nach Medikri-Degessi.


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Übernachten in einer Scheune.

                                                 29. IX

Ruhetag in Medikri-Degessi. Ich

wasche mich seit 8 Tagen zum

ersten Male!! (Das vorige Quartier

habe ich immer nur für kurze

Nachtstunden gesehen, im Quartier

davor kein Wasser!) Es ist

doch ein schöner Zustand ein

reines Gesicht zu besitzen. Ich

lasse mich rasieren! Mir die Haare

schneiden! Ich wasche meine Essgeschirre

gründlich aus! Dann

koche ich mir Kartoffeln, Brod

ist "nima"  = nicht mehr , kommt aber jedenfalls

noch heute. Wenn wir wenigstens

unsere Post vor unserer Verladung

empfingen! Es ist seit 5 Tagen

ein Unteroffizier mit einem


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  • August 13, 2018 10:03:10 Eva Anna Welles (AUT)

                                                     28. IX 15

    Eine Feldflasche voll warmen

    Kaffees ist erobert; nun geht´s

    bei schönem Sonnenaufgang

    zu unserer alten Beobachtung.

    Zum ersten Male sehe ich, wie

    zahlreiche Bäume beginnen, sich

    herbstlich zu färben. Birken

    gelb, Ahorne gelb und rot.

    Ob diese geheimnisvollen, weissen

    Mondnächte wirklich etwas Tötliches

    hatten?

    Ruhiger, schöner Tag auf Beobachtung.

    Am Nachmittag kommt

    die grosse Überraschung. Wir

    kommen noch heute zurück,

    werden jedenfalls verladen.

    Wohin, unbekannt. Nachtmarsch

    über Soly nach Medikri-Degessi.


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    Übernachten in einer Scheune.

                                                     29. IX

    Ruhetag in Medikri-Degessi. Ich

    wasche mich seit 8 Tagen zum

    ersten Male!! (Das vorige Quartier

    habe ich immer nur für kurze

    Nachtstunden gesehen, im Quartier

    davor kein Wasser!) Es ist

    doch ein schöner Zustand ein

    reines Gesicht zu besitzen. Ich

    lasse mich rasieren! Mir die Haare

    schneiden! Ich wasche meine Essgeschirre

    gründlich aus! Dann

    koche ich mir Kartoffeln, Brod

    ist "nima"  = nicht mehr , kommt aber jedenfalls

    noch heute. Wenn wir wenigstens

    unsere Post vor unserer Verladung

    empfingen! Es ist seit 5 Tagen

    ein Unteroffizier mit einem

  • February 23, 2017 12:21:45 Barbara Kneidinger

                                                     28. IX 15

    Eine Feldflasche voll warmen

    Kaffees ist erobert; nun geht´s

    bei schönem Sonnenaufgang

    zu unserer alten Beobachtung.

    Zum ersten Male sehe ich, wie

    zahlreiche Bäume beginnen, sich

    herbstlich zu färben. Birken

    gelb, Ahorne gelb und rot.

    Ob diese geheimnisvollen, weissen

    Mondnächte wirklich etwas Tötliches

    hatten?

    Ruhiger, schöner Tag auf Beobachtung.

    Am Nachmittag kommt

    die grosse Überraschung. Wir

    kommen noch heute zurück,

    werden jedenfalls verladen.

    Wohin, unbekannt. Nachtmarsch

    über Soly nach Medikri-Degessi.

     

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    Übernachten in einer Scheune.

                                                     29. IX

    Ruhetag in Medikri-Degessi. Ich

    wasche mich seit 8 Tagen zum

    ersten Male!! (Das vorige Quartier

    habe ich immer nur für kurze

    Nachtstunden gesehen, im Quartier

    davor kein Wasser!) Es ist

    doch ein schöner Zustand ein

    reines Gesicht zu besitzen. Ich

    lasse mich rasieren! Mir die Haare

    schneiden! Ich wasche meine Essgeschirre

    gründlich aus! Dann

    koche ich mir Kartoffeln, Brod

    ist "nima", kommt aber jedenfalls

    noch heute. Wenn wir wenigstens

    unsere Post vor unserer Verladung

    empfingen! Es ist seit 5 Tagen

    ein Unteroffizier mit einem


Description

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  • 53.017127|| 20.890587||

    Przasnysz

    ||1
Location(s)
  • Story location Przasnysz


ID
840 / 3913
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Jörn Sieglerschmidt
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


September 28, 1915
  • Deutsch

  • Balkans
  • Eastern Front
  • Western Front




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