Tagebuchaufzeichnungen Reinhold Sieglerschmidt (4), item 59

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an den Wolken entlangstreift

und die strahlende Sonne siegreich

emporsteigt. Dann beginnt

der richtige Fernsprechertag

im schlimmsten Sinne:

Leitung aufnehmen und zum

Bataillon legen, dann als Fernsprecher

beim Bataillon allein

den ganzen Tag im offenen

Erdloch. Das Wetter ändert sich

bald, es regnet ununterbrochen.

Trübselig hockt man im nassen

Loch und friert. Bücher

und Briefe kann man nicht

vornehmen. Schliesslich soll ich

auch noch für die Nacht die Leitung

besetzen. Da regt sich dann

doch der Selbsterhaltungstrieb:

"Herr Hauptmann, ich habe


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kein Stroh und keine Decken!"

Bedauern und Achselzucken.

"Könnte der Kasten nicht ins

Zelt der Bataillonsbeobachtung?"

Ja, es geht. Nun heisst es noch den

Lautsprecher im Dunkel ins Zelt

verlegen, ohne die zahlreichen hier

laufenden Drähte zu verwechseln,

dann geht's durch den Regen zur

Protzensammelstelle, ein Weg

von einer Meile. An einem verlassenen

Feuer wird ein Rest des

Mittagessens gewärmt. Dann

geht´s weiter. Wie tropfende Geisterbärten

hängen die Birken in der

nassen Luft. Die Beine stolpern.

Endlich! Aber wo ist der Beobachtungswagen

mit Decken und Brod?

Er ist in der Batterie geblieben. Es

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an den Wolken entlangstreift

und die strahlende Sonne siegreich

emporsteigt. Dann beginnt

der richtige Fernsprechertag

im schlimmsten Sinne:

Leitung aufnehmen und zum

Bataillon legen, dann als Fernsprecher

beim Bataillon allein

den ganzen Tag im offenen

Erdloch. Das Wetter ändert sich

bald, es regnet ununterbrochen.

Trübselig hockt man im nassen

Loch und friert. Bücher

und Briefe kann man nicht

vornehmen. Schliesslich soll ich

auch noch für die Nacht die Leitung

besetzen. Da regt sich dann

doch der Selbsterhaltungstrieb:

"Herr Hauptmann, ich habe


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kein Stroh und keine Decken!"

Bedauern und Achselzucken.

"Könnte der Kasten nicht ins

Zelt der Bataillonsbeobachtung?"

Ja, es geht. Nun heisst es noch den

Lautsprecher im Dunkel ins Zelt

verlegen, ohne die zahlreichen hier

laufenden Drähte zu verwechseln,

dann geht's durch den Regen zur

Protzensammelstelle, ein Weg

von einer Meile. An einem verlassenen

Feuer wird ein Rest des

Mittagessens gewärmt. Dann

geht´s weiter. Wie tropfende Geisterbärten

hängen die Birken in der

nassen Luft. Die Beine stolpern.

Endlich! Aber wo ist der Beobachtungswagen

mit Decken und Brod?

Er ist in der Batterie geblieben. Es


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  • August 13, 2018 09:55:32 Eva Anna Welles (AUT)

    an den Wolken entlangstreift

    und die strahlende Sonne siegreich

    emporsteigt. Dann beginnt

    der richtige Fernsprechertag

    im schlimmsten Sinne:

    Leitung aufnehmen und zum

    Bataillon legen, dann als Fernsprecher

    beim Bataillon allein

    den ganzen Tag im offenen

    Erdloch. Das Wetter ändert sich

    bald, es regnet ununterbrochen.

    Trübselig hockt man im nassen

    Loch und friert. Bücher

    und Briefe kann man nicht

    vornehmen. Schliesslich soll ich

    auch noch für die Nacht die Leitung

    besetzen. Da regt sich dann

    doch der Selbsterhaltungstrieb:

    "Herr Hauptmann, ich habe


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    kein Stroh und keine Decken!"

    Bedauern und Achselzucken.

    "Könnte der Kasten nicht ins

    Zelt der Bataillonsbeobachtung?"

    Ja, es geht. Nun heisst es noch den

    Lautsprecher im Dunkel ins Zelt

    verlegen, ohne die zahlreichen hier

    laufenden Drähte zu verwechseln,

    dann geht's durch den Regen zur

    Protzensammelstelle, ein Weg

    von einer Meile. An einem verlassenen

    Feuer wird ein Rest des

    Mittagessens gewärmt. Dann

    geht´s weiter. Wie tropfende Geisterbärten

    hängen die Birken in der

    nassen Luft. Die Beine stolpern.

    Endlich! Aber wo ist der Beobachtungswagen

    mit Decken und Brod?

    Er ist in der Batterie geblieben. Es

  • February 23, 2017 11:54:18 Barbara Kneidinger

    an den Wolken entlangstreift

    und die strahlende Sonne siegreich

    emporsteigt. Dann beginnt

    der richtige Fernsprechertag

    im schlimmsten Sinne:

    Leitung aufnehmen und zum

    Bataillon liegen, dann als Fernsprecher

    beim Bataillon allein

    den ganzen Tag im offenen

    Erdloch. Das Wetter ändert sich

    bald, es regnet ununterbrochen.

    Trübselig hockt man im nassen

    Loch und friert. Bücher

    und Briefe kann man nicht

    vornehmen. Schliesslich soll ich

    auch noch für die Nacht die Leitung

    besetzen. Da regt sich dann

    doch der Selbsterhaltungstrieb:

    "Herr Hauptmann, ich habe

     

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    kein Stroh und keine Decken!"

    Bedauern und Achselzucken.

    "Könnte der Kasten nicht ins

    Zelt der Bataillonsbeobachtung?"

    Ja, es geht. Nun heisst es noch den

    Lautsprecher im Dunkel ins Zelt

    verlegen, ohne die zahlreichen hier

    laufenden Drähte zu verwechseln,

    dann geht es durch den Regen zur

    Protzensammelstelle, ein Weg

    von einer Meile. An einem verlassenen

    Feuer wird ein Rest des

    Mittagessens gewärmt. Dann

    geht´s weiter. Wie tropfende Geisterbärten

    hängen die Birken in der

    nassen Luft. Die Beine stolpern.

    Endlich! Aber wo ist der Beobachtungswagen

    mit Decken und Brod?

    Er ist in der Batterie geblieben. Es

     


  • February 23, 2017 10:34:35 Barbara Kneidinger

    an den Wolken entlangstreift

    und die strahlende Sonne siegreich

    emporsteigt. Dann beginnt

    der richtige Fernsprechertag

    im schlimmsten Sinne:

    Leitung aufnehmen und zum

    Bataillon liegen, dann als Fernsprecher

    beim Bataillon allein

    den ganzen Tag im offenen

    Erdloch. Das Wetter ändert sich

    bald, es regnet ununterbrochen.

    Trübselig hockt man im nassen

    Loch und friert. Bücher

    und Briefe kann man nicht

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840 / 3911
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Contributor
Jörn Sieglerschmidt
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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