Tagebuchaufzeichnungen von Georg Luber (leicht veränd. Abschrift), item 9

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      16.

hatten wir unsere Vorschriften u. mußten

tüchtig arbeiten. Als wir dort fertig waren,

zogen wir von einem Ort zum andern und

kamen nach Bersenay, Bourdenay, Bous

Fouy u. Rigny. In letztgenannter Ortschaft

trat am 11. Nov. 18 der langersehnte Waffen-

stillstand in Kraft. Infolgedessen wurde

unsere Arbeit eingestellt u. wir glaubten

unsere Heimat recht bald wiederzusehen.

Aber auch diesmal sollten wir uns wieder

einmal verrechnet haben, denn in 3 Tg.

ging es schon wieder auf Reisen. Auf

der 2 Tg. langen Fahrt hatten wir große

Kälte auszustehen. Der jetzige

Bestimmungsort war St. Dizier eine große

Stadt. Aber was sollten wir hier alles

erfahren? Sogleich am nächsten Tag meldeten

sich 6 Mann mit hohem Fieber krank.

Dasselbe kam schon am 2ten Tag über mich

u. meldete mich ebenfalls mit noch 68

Kameraden krank. Nach Aussage des

Arztes war die Grippe über uns gekommen,

die derart auftrat, daß bis

in 3 Tg. über 150 Mann schwer krank


      17.

dalagen. Eine eißkalte Baracke war unser

Lazarett. Ale eines Tages ein Oberarzt

kam, wurden sofort 40 Mann ins Lazarett

bestimmt, wovon einige auf dem Wege

u. 20 noch im Lazarett ins Jenseits abgerufen

wurden. Nachdem wir ungefähr

12-14 Tg. so dalagen, wurden wir dienstfähig

gemacht und mußten arbeiten wie

zuvor. Nun waren auch Amerikaner da,

welche auch eine Gefangenen Komp. hatten,

denen es aber weit besser ging wie uns.

Sie hatten dieselbe Verpflegung wie die Soldaten,

Kleidung u. Quartier aufs sorgfältigste

hergerichtet, u. demnach sie auch sehr zufrieden

waren. Die Amerikaner erkannten unser

schweres Los und wo sie uns erreichen konnten

brachten sie uns Brot, Zigaretten

u. Taback. So verließen wir die Stadt am

20.XII. und kamen nach La Mer Mont bei

Vaubecourt. Schon nach 14 Tg. ging es wieder

weiter nach Montmedy. Dasselbe ist eine

hübsche Stadt an der belgischen Grenze mit

einer alten Festung im Jahre 1432 erbaut.



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      16.

hatten wir unsere Vorschriften u. mußten

tüchtig arbeiten. Als wir dort fertig waren,

zogen wir von einem Ort zum andern und

kamen nach Bersenay, Bourdenay, Bous

Fouy u. Rigny. In letztgenannter Ortschaft

trat am 11. Nov. 18 der langersehnte Waffen-

stillstand in Kraft. Infolgedessen wurde

unsere Arbeit eingestellt u. wir glaubten

unsere Heimat recht bald wiederzusehen.

Aber auch diesmal sollten wir uns wieder

einmal verrechnet haben, denn in 3 Tg.

ging es schon wieder auf Reisen. Auf

der 2 Tg. langen Fahrt hatten wir große

Kälte auszustehen. Der jetzige

Bestimmungsort war St. Dizier eine große

Stadt. Aber was sollten wir hier alles

erfahren? Sogleich am nächsten Tag meldeten

sich 6 Mann mit hohem Fieber krank.

Dasselbe kam schon am 2ten Tag über mich

u. meldete mich ebenfalls mit noch 68

Kameraden krank. Nach Aussage des

Arztes war die Grippe über uns gekommen,

die derart auftrat, daß bis

in 3 Tg. über 150 Mann schwer krank


      17.

dalagen. Eine eißkalte Baracke war unser

Lazarett. Ale eines Tages ein Oberarzt

kam, wurden sofort 40 Mann ins Lazarett

bestimmt, wovon einige auf dem Wege

u. 20 noch im Lazarett ins Jenseits abgerufen

wurden. Nachdem wir ungefähr

12-14 Tg. so dalagen, wurden wir dienstfähig

gemacht und mußten arbeiten wie

zuvor. Nun waren auch Amerikaner da,

welche auch eine Gefangenen Komp. hatten,

denen es aber weit besser ging wie uns.

Sie hatten dieselbe Verpflegung wie die Soldaten,

Kleidung u. Quartier aufs sorgfältigste

hergerichtet, u. demnach sie auch sehr zufrieden

waren. Die Amerikaner erkannten unser

schweres Los und wo sie uns erreichen konnten

brachten sie uns Brot, Zigaretten

u. Taback. So verließen wir die Stadt am

20.XII. und kamen nach La Mer Mont bei

Vaubecourt. Schon nach 14 Tg. ging es wieder

weiter nach Montmedy. Dasselbe ist eine

hübsche Stadt an der belgischen Grenze mit

einer alten Festung im Jahre 1432 erbaut.




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  • March 31, 2017 20:26:54 Rolf Kranz

          16.

    hatten wir unsere Vorschriften u. mußten

    tüchtig arbeiten. Als wir dort fertig waren,

    zogen wir von einem Ort zum andern und

    kamen nach Bersenay, Bourdenay, Bous

    Fouy u. Rigny. In letztgenannter Ortschaft

    trat am 11. Nov. 18 der langersehnte Waffen-

    stillstand in Kraft. Infolgedessen wurde

    unsere Arbeit eingestellt u. wir glaubten

    unsere Heimat recht bald wiederzusehen.

    Aber auch diesmal sollten wir uns wieder

    einmal verrechnet haben, denn in 3 Tg.

    ging es schon wieder auf Reisen. Auf

    der 2 Tg. langen Fahrt hatten wir große

    Kälte auszustehen. Der jetzige

    Bestimmungsort war St. Dizier eine große

    Stadt. Aber was sollten wir hier alles

    erfahren? Sogleich am nächsten Tag meldeten

    sich 6 Mann mit hohem Fieber krank.

    Dasselbe kam schon am 2ten Tag über mich

    u. meldete mich ebenfalls mit noch 68

    Kameraden krank. Nach Aussage des

    Arztes war die Grippe über uns gekommen,

    die derart auftrat, daß bis

    in 3 Tg. über 150 Mann schwer krank


          17.

    dalagen. Eine eißkalte Baracke war unser

    Lazarett. Ale eines Tages ein Oberarzt

    kam, wurden sofort 40 Mann ins Lazarett

    bestimmt, wovon einige auf dem Wege

    u. 20 noch im Lazarett ins Jenseits abgerufen

    wurden. Nachdem wir ungefähr

    12-14 Tg. so dalagen, wurden wir dienstfähig

    gemacht und mußten arbeiten wie

    zuvor. Nun waren auch Amerikaner da,

    welche auch eine Gefangenen Komp. hatten,

    denen es aber weit besser ging wie uns.

    Sie hatten dieselbe Verpflegung wie die Soldaten,

    Kleidung u. Quartier aufs sorgfältigste

    hergerichtet, u. demnach sie auch sehr zufrieden

    waren. Die Amerikaner erkannten unser

    schweres Los und wo sie uns erreichen konnten

    brachten sie uns Brot, Zigaretten

    u. Taback. So verließen wir die Stadt am

    20.XII. und kamen nach La Mer Mont bei

    Vaubecourt. Schon nach 14 Tg. ging es wieder

    weiter nach Montmedy. Dasselbe ist eine

    hübsche Stadt an der belgischen Grenze mit

    einer alten Festung im Jahre 1432 erbaut.



Description

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  • 48.9344449||5.111287||

    Vaubecourt

  • 48.637692||4.947418||

    Saint-Dizier

  • 48.720102||6.728086||

    Bourdonnay

  • 47.471845||5.631109||

    Rigny

  • 49.519467||5.366609||

    Montmédy

Location(s)
  • Document location Vaubecourt
  • Additional document location Saint-Dizier
  • Additional document location Bourdonnay
  • Additional document location Rigny
  • Additional document location Montmédy
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ID
2742 / 35301
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Werner Luber
Licence
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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  • Trench Life

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