Kriegstagebuch von Jakob Graf, Tsingtau 2.08.1914 - 7.11.1914, item 17

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linke Seite

                                    -30-

zum Wäscheholen aus der Kompagniekammer.

Es waren uns 5 Mann u. Feldwebel Appel u.

Sergeant Blaaser. Auf dem gedeckten Weg gingen

wir über Teitungschau nach unserer Kaserne, begleitet

von den Segenswünschen der Japaner, welche

uns freigebig, wie immer, mit Granaten u. Schrauppnells

begleiteten. In Schweiß gebadet, aber ohne

Verletzung kamen wir glücklich in unserer schönen

Moltkekaserne an. Aber wie sah es da aus!

Das Wirtschaftsgebäude u. die Kaserne sah einem

Sieb gleich! Ganze Mauern waren eingestürzt!

Im Kasernenhof war ein Loch nach dem andern,

Granatsplitter u. Blindgänger lagen

haufenweise herum! Ein Alteisenhändler

hätte da ein sehr gutes Geschäft machen

können! Wir holten aus der Kammer Hemden,

Unterhosen, Strümpfe u. Handschuhe u. kleideten

uns selbst ganz neu ein.

Dann ging es schwerbeladen wieder der

Stellung zu. Ohne Unfall kamen wir auch

glücklich an.

Die feindlichen Schützengräben waren schon


rechte Seite

                                 -31-

bis an die weiße Mauer aufgeworfen u. von

da aus korrigierte der Feind auch mittels

Signalflaggen das Artilleriefeuer.

Wir waren kaum ½ Std. wieder in Stellung,

als wir auf unserer ganzen Front heftig

mit Maschinengewehrfeuer u. Gewehrfeuer vom

feindlichen Schützengraben zunächst der

weißen Mauer beschossen wurden.

Wir glaubten, der Feind wollte einen Durchbruch

machen u. alarmierten den 1. u. 2. Zug.

Der Schützengraben wurde zunächst die ganze

Zeit mit Scheinwerfern u. Leuchtpistolen erhellt

u. die zwei Schnelladekanonen

Kaliber 8,8 befunkten ihn auch ordentlich.

Während der ganzen Nacht krepierten unaufhörlich

die Schrauppnells u. Granaten über

unsern Köpfen. Es war geradezu ein Wunder,

daß keiner von uns verwundet wurde!

Nach u. nach wurde das feindliche Feuer

immer schwächer, bis es endlich ganz aufhörte.

Nur die feindliche Artillerie spielte unaufhörlich

zum Todestanz auf.


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                                    -30-

zum Wäscheholen aus der Kompagniekammer.

Es waren uns 5 Mann u. Feldwebel Appel u.

Sergeant Blaaser. Auf dem gedeckten Weg gingen

wir über Teitungschau nach unserer Kaserne, begleitet

von den Segenswünschen der Japaner, welche

uns freigebig, wie immer, mit Granaten u. Schrauppnells

begleiteten. In Schweiß gebadet, aber ohne

Verletzung kamen wir glücklich in unserer schönen

Moltkekaserne an. Aber wie sah es da aus!

Das Wirtschaftsgebäude u. die Kaserne sah einem

Sieb gleich! Ganze Mauern waren eingestürzt!

Im Kasernenhof war ein Loch nach dem andern,

Granatsplitter u. Blindgänger lagen

haufenweise herum! Ein Alteisenhändler

hätte da ein sehr gutes Geschäft machen

können! Wir holten aus der Kammer Hemden,

Unterhosen, Strümpfe u. Handschuhe u. kleideten

uns selbst ganz neu ein.

Dann ging es schwerbeladen wieder der

Stellung zu. Ohne Unfall kamen wir auch

glücklich an.

Die feindlichen Schützengräben waren schon


rechte Seite

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bis an die weiße Mauer aufgeworfen u. von

da aus korrigierte der Feind auch mittels

Signalflaggen das Artilleriefeuer.

Wir waren kaum ½ Std. wieder in Stellung,

als wir auf unserer ganzen Front heftig

mit Maschinengewehrfeuer u. Gewehrfeuer vom

feindlichen Schützengraben zunächst der

weißen Mauer beschossen wurden.

Wir glaubten, der Feind wollte einen Durchbruch

machen u. alarmierten den 1. u. 2. Zug.

Der Schützengraben wurde zunächst die ganze

Zeit mit Scheinwerfern u. Leuchtpistolen erhellt

u. die zwei Schnelladekanonen

Kaliber 8,8 befunkten ihn auch ordentlich.

Während der ganzen Nacht krepierten unaufhörlich

die Schrauppnells u. Granaten über

unsern Köpfen. Es war geradezu ein Wunder,

daß keiner von uns verwundet wurde!

Nach u. nach wurde das feindliche Feuer

immer schwächer, bis es endlich ganz aufhörte.

Nur die feindliche Artillerie spielte unaufhörlich

zum Todestanz auf.



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  • August 5, 2018 19:21:17 Beate Jochem

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                                        -30-

    zum Wäscheholen aus der Kompagniekammer.

    Es waren uns 5 Mann u. Feldwebel Appel u.

    Sergeant Blaaser. Auf dem gedeckten Weg gingen

    wir über Teitungschau nach unserer Kaserne, begleitet

    von den Segenswünschen der Japaner, welche

    uns freigebig, wie immer, mit Granaten u. Schrauppnells

    begleiteten. In Schweiß gebadet, aber ohne

    Verletzung kamen wir glücklich in unserer schönen

    Moltkekaserne an. Aber wie sah es da aus!

    Das Wirtschaftsgebäude u. die Kaserne sah einem

    Sieb gleich! Ganze Mauern waren eingestürzt!

    Im Kasernenhof war ein Loch nach dem andern,

    Granatsplitter u. Blindgänger lagen

    haufenweise herum! Ein Alteisenhändler

    hätte da ein sehr gutes Geschäft machen

    können! Wir holten aus der Kammer Hemden,

    Unterhosen, Strümpfe u. Handschuhe u. kleideten

    uns selbst ganz neu ein.

    Dann ging es schwerbeladen wieder der

    Stellung zu. Ohne Unfall kamen wir auch

    glücklich an.

    Die feindlichen Schützengräben waren schon


    rechte Seite

                                     -31-

    bis an die weiße Mauer aufgeworfen u. von

    da aus korrigierte der Feind auch mittels

    Signalflaggen das Artilleriefeuer.

    Wir waren kaum ½ Std. wieder in Stellung,

    als wir auf unserer ganzen Front heftig

    mit Maschinengewehrfeuer u. Gewehrfeuer vom

    feindlichen Schützengraben zunächst der

    weißen Mauer beschossen wurden.

    Wir glaubten, der Feind wollte einen Durchbruch

    machen u. alarmierten den 1. u. 2. Zug.

    Der Schützengraben wurde zunächst die ganze

    Zeit mit Scheinwerfern u. Leuchtpistolen erhellt

    u. die zwei Schnelladekanonen

    Kaliber 8,8 befunkten ihn auch ordentlich.

    Während der ganzen Nacht krepierten unaufhörlich

    die Schrauppnells u. Granaten über

    unsern Köpfen. Es war geradezu ein Wunder,

    daß keiner von uns verwundet wurde!

    Nach u. nach wurde das feindliche Feuer

    immer schwächer, bis es endlich ganz aufhörte.

    Nur die feindliche Artillerie spielte unaufhörlich

    zum Todestanz auf.


  • August 5, 2018 18:58:29 Beate Jochem

    linke Seite

                                        -30-

    zum Wäscheholen aus der Kompagniekammer.

    Es waren uns 5 Mann u. Feldwebel Appel u.

    Sergeant Blaaser. Auf dem gedeckten Weg gingen

    wir über Teitungschau nach unserer Kaserne, begleitet

    von den Segenswünschen der Japaner, welche

    uns freigebig, wie immer, mit Granaten u. Schrauppnells

    begleiteten. In Schweiß gebadet, aber ohne

    Verletzung kamen wir glücklich in unserer schönen

    Moltkekaserne an. Aber wie sah es da aus!

    Das Wirtschaftsgebäude u. die Kaserne sah einem

    Sieb gleich! Ganze Mauern waren eingestürzt!

    Im Kasernenhof war ein Loch nach dem andern,

    Granatsplitter u. Blindgänger lagen

    haufenweise herum! Ein Alteisenhändler

    hätte da ein sehr gutes Geschäft machen

    können! Wir holten aus der Kammer Hemden,

    Unterhosen, Strümpfe u. Handschuhe u. kleideten

    uns selbst ganz neu ein.

    Dann ging es schwerbeladen wieder der

    Stellung zu. Ohne Unfall kamen wir auch

    glücklich an.

    Die feindlichen Schützengräben waren schon


    rechte Seite

                                     -31-

    bis an die weiße Mauer aufgeworfen u. von

    da aus korrigierte der Feind auch mittels

    Signalflaggen das Artilleriefeuer.

    Wir waren kaum 1/2 Std. wieder in Stellung,

    als wir auf unserer ganzen Front heftig

    mit Maschinengewehrfeuer u. Gewehrfeuer vom

    feindlichen Schützengraben zunächst der

    weißen Mauer beschossen wurden.

    Wir glaubten, der Feind wollte einen Durchbruch

    machen u. alarmierten den 1. u. 2. Zug.

    Der Schützengraben wurde zunächst die ganze

    Zeit mit Scheinwerfern u. Leuchtpistolen erhellt

    u. die zwei Schnelladekanonen

    Kaliber 8,8 befunkten ihn auch ordentlich.

    Während der ganzen Nacht krepierten unaufhörlich

    die Schrauppnells u. Granaten über

    unsern Köpfen. Es war geradezu ein Wunder,

    daß keiner von uns verwundet wurde!

    Nach u. nach wurde das feindliche Feuer

    immer schwächer, bis es endlich ganz aufhörte.

    Nur die feindliche Artillerie spielte unaufhörlich

    zum Todestanz auf.



  • February 24, 2017 00:56:07 Tina J

    linke Seite

                                        -30-

    zum Wäscheholen aus der Kompagniekammer.

    Es waren uns 5 Mann u. Feldwebel Appel u.

    Sergeant Blaaser. Auf dem gedeckten Weg gingen

    wir über Teitungschau nach unserer Kaserne, begleitet

    von den Segenswünschen der Japaner, welche

    uns freigebig, wir immer, mit Granaten u. Schrauppnells

    begleiteten. In Schweiß gebadet, aber ohne

    Verletzung kamen wir glücklich in unserer schönen

    Moltkekaserne an. Aber wie sah es da aus!

    Das Wirtschaftsgebäude u. die Kaserne sah einem

    Sieb gleich! Ganze Mauern waren eingestürzt!

    Im Kasernenhof war ein Loch nach dem andern,

    Granatsplitter u. Blindgänger lagen

    haufenweise herum! Ein Alteisenhändler

    hätte da ein sehr gutes Geschäft machen

    können! Wir holten aus der Kammer Hemden,

    Unterhosen, Strümpfe u. Handschuhe u. kleideten

    uns selbst ganz neu ein.

    Dann ging es schwerbeladen wieder der

    Stellung zu. Ohne Unfall kamen wir auch

    glücklich an.

    Die feindlichen Schützengräben waren schon


    rechte Seite

                                     -31-

    bis an die weiße Mauer aufgeworfen u. von

    da aus korrigierte der Feind auch mittels

    Signalflaggen das Artilleriefeuer.

    Wir waren kaum 1/2 Std. wieder in Stellung,

    als wir auf unserer ganzen Front heftig

    mit Maschinengewehrfeuer u. Gewehrfeuer vom

    feindlichen Schützengraben zunächst der

    weißen Mauer beschossen wurden.

    Wir glaubten, der Feind wollte einen Durchbruch

    machen u. alarmierten den 1. u. 2. Zug.

    Der Schützengraben wurde zunächst die ganze

    Zeit mit Scheinwerfern u. Leuchtpistolen erhellt

    u. die zwei Schnelladekanonen

    Kaliber 8,8 befunkten ihn auch ordentlich.

    Während der ganzen Nacht krepierten unaufhörlich

    die Schrauppnells u. Granaten über

    unsern Köpfen. Es war geradezu ein Wunder,

    daß keiner von uns verwundet wurde!

    Nach u. nach wurde das feindliche Feuer

    immer schwächer, bis es endlich ganz aufhörte.

    Nur die feindliche Artillerie spielte unaufhörlich

    zum Todestanz auf.



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  • 36.0670807||120.38265209999997||

    Tsingtau/China

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  • Story location Tsingtau/China


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18861 / 226565
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Dr. Eva Schubert
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/



  • Naval Warfare

  • Prisoners of War



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