Kriegstagebuch 3 von Infanterie-Leutnant Hans Altrogge aus Arnsberg, item 146

Edit transcription:
...
Transcription saved
Enhance your transcribing experience by using full-screen mode

Transcription

You have to be logged in to transcribe. Please login or register and click the pencil-button again

            Das Deutschlandlied

                 von Bixschoote

             Klavierspiel in der Schlacht


Am 10. Oktober 1914 standen Regimenter der Kriegsfreiwilligen bei Bixschoote

in schweren, verlustreichen Kämpfen. Auf Bixschoote lag schwerstes Feuer. Plötz-

lich saß inmitten der zusammenkrachenden Ruinen ein junger K r i e g s f r e i -

w i l l i g e r am K l a v i e r und spielte das Lied der Deutschen, das begeistert

von den fast verzweifelten jungen Soldaten aufgenommen wurde und sie zu

neuem Vorsturm veranlaßte. Wir haben den ehem. Regimentsadjutanten des

RIR. 205, Hauptmann a. D. F r h r. v o n W a c h t m e i s t e r, als

Augenzeugen dieses berühmt gewordenen Vorgangs gebeten, uns darüber

einen Tatsachenbereicht zu geben, den wir nachstehend veröffentlichen.


Seit Tagen war in und um Bixschoote, be-

sonders westlich nach dem Yser-Kanal zu,

schwer gekämpft. Am 3. November hatte unser

RIR. 205 unter empfindlichen Verlusten den

Ort genommen.


Am 9. abends erhielten wir den Korps-

befehl, daß am 10., morgens um 6.30 Uhr, ge-

stürmt werden sollte. Unsere Stellung lag west-

lich von Bixschoote, dem Terrain angepaßt

in welliger Linie. Ich befand mich als Regi-

mentsadjutant mit unserem Kommandeur Oberst

Frhr. v. Schleinitz, dem früheren Kommandeur

der Schutztruppe in Ostafrika, beim III. Batail-

lon westlich von Bixschoote. Rechts von uns lag,

durch einen breiten Graben getrennt, das II. Ba-

taillon etwas vorgestaffelt, wie es das Terrain

mit sich brachte. Der Feind war etwa 150 Meter

entfernt.


Der Graben, in dem sich die beiden Batail-

lone aufhielten, war nur wenig vertieft, da das

Grundwasser sehr hoch stand. Infolgedessen war

das Herauskommen sehr leicht, aber er hatte den

Nachteil, daß der Feind unsere lebhaften Bewe-

gungen erkennen konnte, obwohl das Wetter

in der Morgendämmerung neblig und schum-

merig war.


Im Augenblick, als wir um 6.30 Uhr aus

dem Graben stürmten, schlug uns rasendes MG-

und Infanteriefeuer entgegen. Wir warfen

uns nach etwa 50 Meter hin. Als die Lungen

wieder etwas zur Ruhe gekommen waren, rief

Oberst v. Schleinitz: "Sprung auf, marsch,

marsch!" aber - rechts und links, so weit wir

sehen konnten, erhob sich kein Mensch. Alles

war tot oder verwundet. Oberst v. Schleinitz

und ich lagen allein.


Eine kurze Ueberlegung. Wir krochen zurück,

ganz flach, dauernd bestreut von feindlichen Ge-

schossen. Im Graben fanden wir noch vier bis

fünf lebende Leute. Wir verteilten uns sofort

auf die Stellung und schossen wie toll auf den

Feind, um ihn über unsere Zahl zu täuschen.

Gewehre und Munition waren ja genug vor-

handen.


Auf Befehl von Obersten v. Schleinitz mel-

dete ich telefonisch der Brigade: "S t u r m  a u s -

g e f ü h r t. U e b e r l e b e n d  s e c h s  M a n n.

Bitte um sofortige Verstärkung." Die Brigade

sagte ganze zwanzig Mann zu, die in einer

halben Stunde eintreffen sollten. Inzwischen

schossen wir paar Männer weiter, was die Ge-

wehre hielten. Schließlich kam die Verstärkung

in Gestalt von einem Unteroffizier und zwanzig

Mann, die sich sofort zwischen uns in den Gra-

ben schoben. Pötzlich tauchten halbrechts von

uns Pickelhauben auf — es war das II. Batail-

lon, das auf die feindlichen Gräben losstürmte.

Wir knapp dreißig Mann schlossen uns an,

kamen sprungweise über die 150 Meter und

machten mit dem II. Bataillon zusammen 1400

Gefangene.


Nach kurzem Verschnaufen hieß es wieder:

"Sprung auf, marsch, marsch!", Richtung Kanal.

Wir kamen aber nicht durch. Der Feind stand

zum größten Teil hinter dem Kanal. Von den

Bäumen schossen Scharfschützen und MG., und

da das Terrain vollkommen flach war, hatten

wir bald schwere Verluste. Trotz der um uns

herumpfeifenden Kugeln und Sprengstücke stand

Oberst v. Schleinitz aufrecht neben mir,

und wir beobachteten durch unsere Gläser den

Feind. Plötzlich drehte sich mein Kommandeur

auf dem Absatz ein paarmal herum und schlug

hin. Eine Kugel hatte seinen Hals durchbohrt.

Ich zog ihn in eine Mulde und verband ihn, so

gut es ging.


Von Bixschoote her kam der Regiments-

kommandeur vom RIR. 207, Oberst v. Henck,

und übernahm nunmehr den Befehl über die

vorderste Linie.


Mit einem Musketier brachte ich unseren

Kommandeur zurück zum Verbandsplatz, der sich

beim Brigadestab in einem Gehöft hinter Bix-

schoote befand.


Der Brigadekommandeur, Generalmajor

Frhr. v. Diringshofen, gab mir nun den Befehl

mit einem Zug nach B i x sc h o o t e vorzugehen,

Versprengte zu sammeln und mich mit ihnen in

die vorderste Linie einzuschieben.


Bixschoote ist ein flämisches Bauerndorf. In

der Mitte stand die Kirche auf einem großen

freien Platz. Die Einwohner waren längst fort.

Als einzig lebendes Wesen fanden wir eine

Katze, die sich nicht von ihrem Haus trennen

wollte. Durch Artilleriefeuer war der Ort be-

reits stark mitgenommen, die Wohnräume waren

zerschossen und kein Haus mehr heil.


Es war kurz nach Mittag. Wir gingen vor-

sichtig durch den Ort und hielten uns nach Mög-

lichkeit im Schutze der Häuser, da die Kugeln

wie Bienen um uns herum summten und die

feindliche Artillerie feste auf uns funkte.


Beim Durchsuchen der Häuser sahen wir in

einem Hause zu ebener Erde ein Klavier.

Ein paar handfeste Kerle packten zu, und eins,

zwei, drei stand es draußen an der Hauswand.

Ein Kriegsfreiwilliger schlug den Deckel auf und

spielte einen flotten Marsch. Als er damit

fertig war, ließ ich das Deutschlandlied spielen,

um Stimmung zu machen. Mit 25 bis 30 Mann

sangen wir vereint mit Klavierbegleitung den

ersten Vers, und unter dem Singen des zweiten

Verses sausten wir über dar Feld in die vor-

derste Linie.


Wer der tapfere Klavierspieler war, ist mir

leider nicht bekannt geworden; er ist einer der

Unbekannten des Großen Krieges geblieben. Ich

weiß nur, daß der Kriegsfreiwilige die Lage

richtig erfaßt hatte und uns mit seinem Spiel

mächtig hoch riß.


Nach Meldung aus der vordersten Linie

war ich der einzige überlebende Offizier. Auf

Befehl der Brigade übernahm ich das Kom-

mando über die Reste des Regiments, im

ganzen rund 90 Mann.


Von dem Divisionskommandeur General-

leutnant v. Dorrer, erhielt ich, nachdem das

Regiment aus der vordersten Linie gezogen war.

das Eiserne Kreuz I. Klasse.


Lesestunde

Eine Auswahl neuer Bücher


Die hier genannten Bücher sind durch jede Buchhandlung

oder den Buchversand des Kyffhäuser-Verlages, Berlin W 30,

Geißbergstraße 2, zu beziehen.


Du und die Natur. Eine moderne Kritik

für jedermann. Von D r. P a u l  K a r l s o n.

355 Seiten. Mit 165 Zeichnungen. Ullstein-

Verlag Berlin. — Ein junger, frischer und geist-

voller Gelehrter versucht es hier, einmal die.

Formeln der Physik so aufzulösen, daß jeder-

mann versteht, was gemeint ist. Er erzählt in

leichtem Plauderton nette Geschichten — und

jede erklärt ein physikalisches Geheimnis.

Lustige Zeichnungen ergänzen den immer inter-

essant geschriebenen Text, mit dem der Verfasser

die Wissenschaft der Physik volkstümlich klar-

macht. Ob er nun vom Rohstoff, von Atomen,

vom Wunder der Elektrizität, vom Rundfunk

oder Röntgenstrahlen erzählt, immer gelingt es

dem Verfasser, unverständlichen Formelkram so

zu übersetzen, daß der einfache Menschenverstand

versteht, was gemeint ist und vor allem auch die

Zusammenhänge versteht. Ein Buch, das für

jeden eine Freude sein wird, der sich in unter-

haltsamer Form über die Wunderwelt um uns

belehren lassen will; eine schöne Gabe aber vor

allem für die heranreifende Jugend, der durch

dieses Buch zugleich beste Kenntnisse vermittelt

werden.

or.


"Westermanns Monatshefte" bringen im Novemberheft eine

interessante Schilderung über den Ausflug des deutschen

Freiballons "Bartsch v. Sigsfeld" in die 11 000-Meter-Höhe.

Bei dieser Hochfahrt, die der Erforschung der S t r a  t o -

s p h ä r e dient, konnten durch Infrarotplatten die ersten

photographischen Ausnahmen aus dieser Höhe gemacht wer-

den. Einige dieser Bilder, die z. T. verblüffende Ergebnisse

brachten, werden in "Westermanns Monatsheften" ver-

öffentlicht.


"Belhagen & Klasings Monatshefte". Aus dem dem November-

heft dieser Zeitschrift ist besonders die buntbebilderte Schilde-

rung des sächsischen Jagdschlosses M o r i t z b u r g erwäh-

nenswert. Interessant ist auch die Schilderung, die der 

Dichter Gustav Frenssen über die L a n d g e w i n n u n g

a n  d e r N o r d s e e gibt.


Kyffhäuser / Nr. 45 / 10. November 1935


Transcription saved

            Das Deutschlandlied

                 von Bixschoote

             Klavierspiel in der Schlacht


Am 10. Oktober 1914 standen Regimenter der Kriegsfreiwilligen bei Bixschoote

in schweren, verlustreichen Kämpfen. Auf Bixschoote lag schwerstes Feuer. Plötz-

lich saß inmitten der zusammenkrachenden Ruinen ein junger K r i e g s f r e i -

w i l l i g e r am K l a v i e r und spielte das Lied der Deutschen, das begeistert

von den fast verzweifelten jungen Soldaten aufgenommen wurde und sie zu

neuem Vorsturm veranlaßte. Wir haben den ehem. Regimentsadjutanten des

RIR. 205, Hauptmann a. D. F r h r. v o n W a c h t m e i s t e r, als

Augenzeugen dieses berühmt gewordenen Vorgangs gebeten, uns darüber

einen Tatsachenbereicht zu geben, den wir nachstehend veröffentlichen.


Seit Tagen war in und um Bixschoote, be-

sonders westlich nach dem Yser-Kanal zu,

schwer gekämpft. Am 3. November hatte unser

RIR. 205 unter empfindlichen Verlusten den

Ort genommen.


Am 9. abends erhielten wir den Korps-

befehl, daß am 10., morgens um 6.30 Uhr, ge-

stürmt werden sollte. Unsere Stellung lag west-

lich von Bixschoote, dem Terrain angepaßt

in welliger Linie. Ich befand mich als Regi-

mentsadjutant mit unserem Kommandeur Oberst

Frhr. v. Schleinitz, dem früheren Kommandeur

der Schutztruppe in Ostafrika, beim III. Batail-

lon westlich von Bixschoote. Rechts von uns lag,

durch einen breiten Graben getrennt, das II. Ba-

taillon etwas vorgestaffelt, wie es das Terrain

mit sich brachte. Der Feind war etwa 150 Meter

entfernt.


Der Graben, in dem sich die beiden Batail-

lone aufhielten, war nur wenig vertieft, da das

Grundwasser sehr hoch stand. Infolgedessen war

das Herauskommen sehr leicht, aber er hatte den

Nachteil, daß der Feind unsere lebhaften Bewe-

gungen erkennen konnte, obwohl das Wetter

in der Morgendämmerung neblig und schum-

merig war.


Im Augenblick, als wir um 6.30 Uhr aus

dem Graben stürmten, schlug uns rasendes MG-

und Infanteriefeuer entgegen. Wir warfen

uns nach etwa 50 Meter hin. Als die Lungen

wieder etwas zur Ruhe gekommen waren, rief

Oberst v. Schleinitz: "Sprung auf, marsch,

marsch!" aber - rechts und links, so weit wir

sehen konnten, erhob sich kein Mensch. Alles

war tot oder verwundet. Oberst v. Schleinitz

und ich lagen allein.


Eine kurze Ueberlegung. Wir krochen zurück,

ganz flach, dauernd bestreut von feindlichen Ge-

schossen. Im Graben fanden wir noch vier bis

fünf lebende Leute. Wir verteilten uns sofort

auf die Stellung und schossen wie toll auf den

Feind, um ihn über unsere Zahl zu täuschen.

Gewehre und Munition waren ja genug vor-

handen.


Auf Befehl von Obersten v. Schleinitz mel-

dete ich telefonisch der Brigade: "S t u r m  a u s -

g e f ü h r t. U e b e r l e b e n d  s e c h s  M a n n.

Bitte um sofortige Verstärkung." Die Brigade

sagte ganze zwanzig Mann zu, die in einer

halben Stunde eintreffen sollten. Inzwischen

schossen wir paar Männer weiter, was die Ge-

wehre hielten. Schließlich kam die Verstärkung

in Gestalt von einem Unteroffizier und zwanzig

Mann, die sich sofort zwischen uns in den Gra-

ben schoben. Pötzlich tauchten halbrechts von

uns Pickelhauben auf — es war das II. Batail-

lon, das auf die feindlichen Gräben losstürmte.

Wir knapp dreißig Mann schlossen uns an,

kamen sprungweise über die 150 Meter und

machten mit dem II. Bataillon zusammen 1400

Gefangene.


Nach kurzem Verschnaufen hieß es wieder:

"Sprung auf, marsch, marsch!", Richtung Kanal.

Wir kamen aber nicht durch. Der Feind stand

zum größten Teil hinter dem Kanal. Von den

Bäumen schossen Scharfschützen und MG., und

da das Terrain vollkommen flach war, hatten

wir bald schwere Verluste. Trotz der um uns

herumpfeifenden Kugeln und Sprengstücke stand

Oberst v. Schleinitz aufrecht neben mir,

und wir beobachteten durch unsere Gläser den

Feind. Plötzlich drehte sich mein Kommandeur

auf dem Absatz ein paarmal herum und schlug

hin. Eine Kugel hatte seinen Hals durchbohrt.

Ich zog ihn in eine Mulde und verband ihn, so

gut es ging.


Von Bixschoote her kam der Regiments-

kommandeur vom RIR. 207, Oberst v. Henck,

und übernahm nunmehr den Befehl über die

vorderste Linie.


Mit einem Musketier brachte ich unseren

Kommandeur zurück zum Verbandsplatz, der sich

beim Brigadestab in einem Gehöft hinter Bix-

schoote befand.


Der Brigadekommandeur, Generalmajor

Frhr. v. Diringshofen, gab mir nun den Befehl

mit einem Zug nach B i x sc h o o t e vorzugehen,

Versprengte zu sammeln und mich mit ihnen in

die vorderste Linie einzuschieben.


Bixschoote ist ein flämisches Bauerndorf. In

der Mitte stand die Kirche auf einem großen

freien Platz. Die Einwohner waren längst fort.

Als einzig lebendes Wesen fanden wir eine

Katze, die sich nicht von ihrem Haus trennen

wollte. Durch Artilleriefeuer war der Ort be-

reits stark mitgenommen, die Wohnräume waren

zerschossen und kein Haus mehr heil.


Es war kurz nach Mittag. Wir gingen vor-

sichtig durch den Ort und hielten uns nach Mög-

lichkeit im Schutze der Häuser, da die Kugeln

wie Bienen um uns herum summten und die

feindliche Artillerie feste auf uns funkte.


Beim Durchsuchen der Häuser sahen wir in

einem Hause zu ebener Erde ein Klavier.

Ein paar handfeste Kerle packten zu, und eins,

zwei, drei stand es draußen an der Hauswand.

Ein Kriegsfreiwilliger schlug den Deckel auf und

spielte einen flotten Marsch. Als er damit

fertig war, ließ ich das Deutschlandlied spielen,

um Stimmung zu machen. Mit 25 bis 30 Mann

sangen wir vereint mit Klavierbegleitung den

ersten Vers, und unter dem Singen des zweiten

Verses sausten wir über dar Feld in die vor-

derste Linie.


Wer der tapfere Klavierspieler war, ist mir

leider nicht bekannt geworden; er ist einer der

Unbekannten des Großen Krieges geblieben. Ich

weiß nur, daß der Kriegsfreiwilige die Lage

richtig erfaßt hatte und uns mit seinem Spiel

mächtig hoch riß.


Nach Meldung aus der vordersten Linie

war ich der einzige überlebende Offizier. Auf

Befehl der Brigade übernahm ich das Kom-

mando über die Reste des Regiments, im

ganzen rund 90 Mann.


Von dem Divisionskommandeur General-

leutnant v. Dorrer, erhielt ich, nachdem das

Regiment aus der vordersten Linie gezogen war.

das Eiserne Kreuz I. Klasse.


Lesestunde

Eine Auswahl neuer Bücher


Die hier genannten Bücher sind durch jede Buchhandlung

oder den Buchversand des Kyffhäuser-Verlages, Berlin W 30,

Geißbergstraße 2, zu beziehen.


Du und die Natur. Eine moderne Kritik

für jedermann. Von D r. P a u l  K a r l s o n.

355 Seiten. Mit 165 Zeichnungen. Ullstein-

Verlag Berlin. — Ein junger, frischer und geist-

voller Gelehrter versucht es hier, einmal die.

Formeln der Physik so aufzulösen, daß jeder-

mann versteht, was gemeint ist. Er erzählt in

leichtem Plauderton nette Geschichten — und

jede erklärt ein physikalisches Geheimnis.

Lustige Zeichnungen ergänzen den immer inter-

essant geschriebenen Text, mit dem der Verfasser

die Wissenschaft der Physik volkstümlich klar-

macht. Ob er nun vom Rohstoff, von Atomen,

vom Wunder der Elektrizität, vom Rundfunk

oder Röntgenstrahlen erzählt, immer gelingt es

dem Verfasser, unverständlichen Formelkram so

zu übersetzen, daß der einfache Menschenverstand

versteht, was gemeint ist und vor allem auch die

Zusammenhänge versteht. Ein Buch, das für

jeden eine Freude sein wird, der sich in unter-

haltsamer Form über die Wunderwelt um uns

belehren lassen will; eine schöne Gabe aber vor

allem für die heranreifende Jugend, der durch

dieses Buch zugleich beste Kenntnisse vermittelt

werden.

or.


"Westermanns Monatshefte" bringen im Novemberheft eine

interessante Schilderung über den Ausflug des deutschen

Freiballons "Bartsch v. Sigsfeld" in die 11 000-Meter-Höhe.

Bei dieser Hochfahrt, die der Erforschung der S t r a  t o -

s p h ä r e dient, konnten durch Infrarotplatten die ersten

photographischen Ausnahmen aus dieser Höhe gemacht wer-

den. Einige dieser Bilder, die z. T. verblüffende Ergebnisse

brachten, werden in "Westermanns Monatsheften" ver-

öffentlicht.


"Belhagen & Klasings Monatshefte". Aus dem dem November-

heft dieser Zeitschrift ist besonders die buntbebilderte Schilde-

rung des sächsischen Jagdschlosses M o r i t z b u r g erwäh-

nenswert. Interessant ist auch die Schilderung, die der 

Dichter Gustav Frenssen über die L a n d g e w i n n u n g

a n  d e r N o r d s e e gibt.


Kyffhäuser / Nr. 45 / 10. November 1935



Transcription history
  • July 11, 2017 22:44:52 Rolf Kranz

                Das Deutschlandlied

                     von Bixschoote

                 Klavierspiel in der Schlacht


    Am 10. Oktober 1914 standen Regimenter der Kriegsfreiwilligen bei Bixschoote

    in schweren, verlustreichen Kämpfen. Auf Bixschoote lag schwerstes Feuer. Plötz-

    lich saß inmitten der zusammenkrachenden Ruinen ein junger K r i e g s f r e i -

    w i l l i g e r am K l a v i e r und spielte das Lied der Deutschen, das begeistert

    von den fast verzweifelten jungen Soldaten aufgenommen wurde und sie zu

    neuem Vorsturm veranlaßte. Wir haben den ehem. Regimentsadjutanten des

    RIR. 205, Hauptmann a. D. F r h r. v o n W a c h t m e i s t e r, als

    Augenzeugen dieses berühmt gewordenen Vorgangs gebeten, uns darüber

    einen Tatsachenbereicht zu geben, den wir nachstehend veröffentlichen.


    Seit Tagen war in und um Bixschoote, be-

    sonders westlich nach dem Yser-Kanal zu,

    schwer gekämpft. Am 3. November hatte unser

    RIR. 205 unter empfindlichen Verlusten den

    Ort genommen.


    Am 9. abends erhielten wir den Korps-

    befehl, daß am 10., morgens um 6.30 Uhr, ge-

    stürmt werden sollte. Unsere Stellung lag west-

    lich von Bixschoote, dem Terrain angepaßt

    in welliger Linie. Ich befand mich als Regi-

    mentsadjutant mit unserem Kommandeur Oberst

    Frhr. v. Schleinitz, dem früheren Kommandeur

    der Schutztruppe in Ostafrika, beim III. Batail-

    lon westlich von Bixschoote. Rechts von uns lag,

    durch einen breiten Graben getrennt, das II. Ba-

    taillon etwas vorgestaffelt, wie es das Terrain

    mit sich brachte. Der Feind war etwa 150 Meter

    entfernt.


    Der Graben, in dem sich die beiden Batail-

    lone aufhielten, war nur wenig vertieft, da das

    Grundwasser sehr hoch stand. Infolgedessen war

    das Herauskommen sehr leicht, aber er hatte den

    Nachteil, daß der Feind unsere lebhaften Bewe-

    gungen erkennen konnte, obwohl das Wetter

    in der Morgendämmerung neblig und schum-

    merig war.


    Im Augenblick, als wir um 6.30 Uhr aus

    dem Graben stürmten, schlug uns rasendes MG-

    und Infanteriefeuer entgegen. Wir warfen

    uns nach etwa 50 Meter hin. Als die Lungen

    wieder etwas zur Ruhe gekommen waren, rief

    Oberst v. Schleinitz: "Sprung auf, marsch,

    marsch!" aber - rechts und links, so weit wir

    sehen konnten, erhob sich kein Mensch. Alles

    war tot oder verwundet. Oberst v. Schleinitz

    und ich lagen allein.


    Eine kurze Ueberlegung. Wir krochen zurück,

    ganz flach, dauernd bestreut von feindlichen Ge-

    schossen. Im Graben fanden wir noch vier bis

    fünf lebende Leute. Wir verteilten uns sofort

    auf die Stellung und schossen wie toll auf den

    Feind, um ihn über unsere Zahl zu täuschen.

    Gewehre und Munition waren ja genug vor-

    handen.


    Auf Befehl von Obersten v. Schleinitz mel-

    dete ich telefonisch der Brigade: "S t u r m  a u s -

    g e f ü h r t. U e b e r l e b e n d  s e c h s  M a n n.

    Bitte um sofortige Verstärkung." Die Brigade

    sagte ganze zwanzig Mann zu, die in einer

    halben Stunde eintreffen sollten. Inzwischen

    schossen wir paar Männer weiter, was die Ge-

    wehre hielten. Schließlich kam die Verstärkung

    in Gestalt von einem Unteroffizier und zwanzig

    Mann, die sich sofort zwischen uns in den Gra-

    ben schoben. Pötzlich tauchten halbrechts von

    uns Pickelhauben auf — es war das II. Batail-

    lon, das auf die feindlichen Gräben losstürmte.

    Wir knapp dreißig Mann schlossen uns an,

    kamen sprungweise über die 150 Meter und

    machten mit dem II. Bataillon zusammen 1400

    Gefangene.


    Nach kurzem Verschnaufen hieß es wieder:

    "Sprung auf, marsch, marsch!", Richtung Kanal.

    Wir kamen aber nicht durch. Der Feind stand

    zum größten Teil hinter dem Kanal. Von den

    Bäumen schossen Scharfschützen und MG., und

    da das Terrain vollkommen flach war, hatten

    wir bald schwere Verluste. Trotz der um uns

    herumpfeifenden Kugeln und Sprengstücke stand

    Oberst v. Schleinitz aufrecht neben mir,

    und wir beobachteten durch unsere Gläser den

    Feind. Plötzlich drehte sich mein Kommandeur

    auf dem Absatz ein paarmal herum und schlug

    hin. Eine Kugel hatte seinen Hals durchbohrt.

    Ich zog ihn in eine Mulde und verband ihn, so

    gut es ging.


    Von Bixschoote her kam der Regiments-

    kommandeur vom RIR. 207, Oberst v. Henck,

    und übernahm nunmehr den Befehl über die

    vorderste Linie.


    Mit einem Musketier brachte ich unseren

    Kommandeur zurück zum Verbandsplatz, der sich

    beim Brigadestab in einem Gehöft hinter Bix-

    schoote befand.


    Der Brigadekommandeur, Generalmajor

    Frhr. v. Diringshofen, gab mir nun den Befehl

    mit einem Zug nach B i x sc h o o t e vorzugehen,

    Versprengte zu sammeln und mich mit ihnen in

    die vorderste Linie einzuschieben.


    Bixschoote ist ein flämisches Bauerndorf. In

    der Mitte stand die Kirche auf einem großen

    freien Platz. Die Einwohner waren längst fort.

    Als einzig lebendes Wesen fanden wir eine

    Katze, die sich nicht von ihrem Haus trennen

    wollte. Durch Artilleriefeuer war der Ort be-

    reits stark mitgenommen, die Wohnräume waren

    zerschossen und kein Haus mehr heil.


    Es war kurz nach Mittag. Wir gingen vor-

    sichtig durch den Ort und hielten uns nach Mög-

    lichkeit im Schutze der Häuser, da die Kugeln

    wie Bienen um uns herum summten und die

    feindliche Artillerie feste auf uns funkte.


    Beim Durchsuchen der Häuser sahen wir in

    einem Hause zu ebener Erde ein Klavier.

    Ein paar handfeste Kerle packten zu, und eins,

    zwei, drei stand es draußen an der Hauswand.

    Ein Kriegsfreiwilliger schlug den Deckel auf und

    spielte einen flotten Marsch. Als er damit

    fertig war, ließ ich das Deutschlandlied spielen,

    um Stimmung zu machen. Mit 25 bis 30 Mann

    sangen wir vereint mit Klavierbegleitung den

    ersten Vers, und unter dem Singen des zweiten

    Verses sausten wir über dar Feld in die vor-

    derste Linie.


    Wer der tapfere Klavierspieler war, ist mir

    leider nicht bekannt geworden; er ist einer der

    Unbekannten des Großen Krieges geblieben. Ich

    weiß nur, daß der Kriegsfreiwilige die Lage

    richtig erfaßt hatte und uns mit seinem Spiel

    mächtig hoch riß.


    Nach Meldung aus der vordersten Linie

    war ich der einzige überlebende Offizier. Auf

    Befehl der Brigade übernahm ich das Kom-

    mando über die Reste des Regiments, im

    ganzen rund 90 Mann.


    Von dem Divisionskommandeur General-

    leutnant v. Dorrer, erhielt ich, nachdem das

    Regiment aus der vordersten Linie gezogen war.

    das Eiserne Kreuz I. Klasse.


    Lesestunde

    Eine Auswahl neuer Bücher


    Die hier genannten Bücher sind durch jede Buchhandlung

    oder den Buchversand des Kyffhäuser-Verlages, Berlin W 30,

    Geißbergstraße 2, zu beziehen.


    Du und die Natur. Eine moderne Kritik

    für jedermann. Von D r. P a u l  K a r l s o n.

    355 Seiten. Mit 165 Zeichnungen. Ullstein-

    Verlag Berlin. — Ein junger, frischer und geist-

    voller Gelehrter versucht es hier, einmal die.

    Formeln der Physik so aufzulösen, daß jeder-

    mann versteht, was gemeint ist. Er erzählt in

    leichtem Plauderton nette Geschichten — und

    jede erklärt ein physikalisches Geheimnis.

    Lustige Zeichnungen ergänzen den immer inter-

    essant geschriebenen Text, mit dem der Verfasser

    die Wissenschaft der Physik volkstümlich klar-

    macht. Ob er nun vom Rohstoff, von Atomen,

    vom Wunder der Elektrizität, vom Rundfunk

    oder Röntgenstrahlen erzählt, immer gelingt es

    dem Verfasser, unverständlichen Formelkram so

    zu übersetzen, daß der einfache Menschenverstand

    versteht, was gemeint ist und vor allem auch die

    Zusammenhänge versteht. Ein Buch, das für

    jeden eine Freude sein wird, der sich in unter-

    haltsamer Form über die Wunderwelt um uns

    belehren lassen will; eine schöne Gabe aber vor

    allem für die heranreifende Jugend, der durch

    dieses Buch zugleich beste Kenntnisse vermittelt

    werden.

    or.


    "Westermanns Monatshefte" bringen im Novemberheft eine

    interessante Schilderung über den Ausflug des deutschen

    Freiballons "Bartsch v. Sigsfeld" in die 11 000-Meter-Höhe.

    Bei dieser Hochfahrt, die der Erforschung der S t r a  t o -

    s p h ä r e dient, konnten durch Infrarotplatten die ersten

    photographischen Ausnahmen aus dieser Höhe gemacht wer-

    den. Einige dieser Bilder, die z. T. verblüffende Ergebnisse

    brachten, werden in "Westermanns Monatsheften" ver-

    öffentlicht.


    "Belhagen & Klasings Monatshefte". Aus dem dem November-

    heft dieser Zeitschrift ist besonders die buntbebilderte Schilde-

    rung des sächsischen Jagdschlosses M o r i t z b u r g erwäh-

    nenswert. Interessant ist auch die Schilderung, die der 

    Dichter Gustav Frenssen über die L a n d g e w i n n u n g

    a n  d e r N o r d s e e gibt.


    Kyffhäuser / Nr. 45 / 10. November 1935


  • Das Deutschlandlied

    von Birschoote

    Klavierspiel in der Schlacht


    Am 10. Oktober 1914 standen Regimenter der Kriegsfreiwilligen bei Bixschoote

    in schweren, verlustreichen Kämpfen. Auf Bixschoote lag schwerstes Feuer. Plötz-

    lich saß inmitten der zusammenkrachenden Ruinen ein junger K r i e g s f r e i -

    w i l l i g e r am K l a v i e r und spielte das Lied der Deutschen, das begeistert

    von den fast verzweifelten jungen Soldaten aufgenommen wurde und sie zu

    neuem Borsturm veranlaßte. Wir haben den ehem. Regimentsadjutanten des

    RJR. 205, Hauptmann a. D. F r h r. v o n W a c h t m e i s t e r, als

    Augenzeugen dieses berühmt gewordenen Vorgangs gebeten, uns darüber

    einen Tatsachenbereicht zu geben, den wir nachstehend veröffentlichen.


    Seit Tagen war in und um Bixschoote, be-

    sonders westlich nach dem Yser-Kanal zu,

    schwer gekämpt. Am 3. November hatte unser

    RJR. 205 unter empfindlichen Verlusten den

    Ort genommen.


    Am 9. abends erhielten wir den Korps-

    befehl, daß am 10., morgens um 6.30 Uhr, ge-

    stürmt werden sollte. Unsere Stellung lag west-

    lich von Bixschoote, dem Terrain angepaßt

    in welliger Linie. Ich befand mich als Regi-

    mentsadjutant mit unserem Kommandeur Oberst

    Frhr. v. Schleinitz, dem früheren Kommandeur

    der Schutztruppe in Ostafrika, beim III. Batail-

    lon westlich von Bixschoote. Rechts von uns lag,

    durch einen breiten Graben getrennt, das II. Ba-

    taillon etwas vorgestaffelt, wie es das Terrain

    mit sich brachte. Der Feind war etwa 150 Meter

    entfernt.


    Der Graben, in dem sich die beiden Batail-

    lone aufhielten, war nur wenig vertieft, da das

    Grundwasser sehr hoch stand. Infolgedessen war

    das Herauskommen sehr leicht, aber er hatte den

    Nachteil, daß der Feind unsere lebhaften Bewe-

    gungen erkennen konnte, obwohl das Wetter

    in der Morgendämmerung neblig und schum-

    merig war.


    Im Augenblick, als wir um 6.30 Uhr aus

    dem Graben stürmten, schlug uns rasendes MG-

    und Infanteriefeuer entgegen. Wir warfen

    uns nach etwa 50 Meter hin. Als die Lungen

    wieder etwas zur Ruhe gekommen waren, rief

    Oberst v. Schleinitz: "Sprung auf, marsch,

    marsch!" aber - rechts und links, so weit wir

    sehen konnten, erhob sich kein Mensch. Alles

    war tot oder verundet. Oberst v. Schleinitz

    und ich lagen allein.


    Eine kurze Ueberlegung. Wir krochen zurück,

    ganz flach, dauernd bestreut von feindlichen Ge-

    schossen. Im Graben fanden wir noch vier bis

    fünf lebende Leute. Wir verteilten uns sofort

    auf die Stellung und schossen wie toll auf den

    Feind, um ihn über unsere Zahl zu täuschen.

    Gewehre und Munition waren ja genug vor-

    handen.


    Auf Befehl von Obersten v. Schleinitz mel-

    dete ich telefonisch der Brigade: "S t u r m  a u s -

    g e f ü h r t. U e b e r l e b e n d  s e c h s  M a n n.

    Bitte um sofortige Verstärkung." Die Brigade

    sagte ganze zwanzig Mann zu, die in einer

    halben Stunde eintreffen sollten. Inzwischen

    schossen wir paar Männer weiter, was die Ge-

    wehre hielten. Schließlich kam die Verstärkung

    in Gestalt von einem Unteroffizier und zwanzig

    Mann, die sich sofort zwischen uns in den Gra-

    ben schaben. Pötzlich tauchten halbrechts von

    Pickelhauben auf — es war das II. Batail-

    lon, das auf die feindlichen Gräben losstürmte.

    Wir knapp dreißig Wann schlossen uns an,.

    kamen sprungweise über die 150 Meter und

    machten mit dem II. Bataillon zusammen 1400

    Gefangene.


    Nach kurzem Verschnausen hieß es wieder:

    "Sprung auf, marsch, marsch!", Richtung Kanal.

    Wir kamen aber nicht durch. Der Feind stand

    zum größten Teil hinter dem Kanal. Von den

    Bäumen schossen Scharfschützen und MG., und

    da das Terrain vollkommen flach war, hatten

    wir bald schwere Verluste. Trotz der um uns

    herumpfeifenden Kugeln und Sprengstücke stand

    Oberst v. Schleinitz aufrecht neben mir,

    und wir beobachteten durch unsere Gläser den

    Feind. Plötzlich drehte sich mein Kommandeur

    auf dem Absatz ein paarmal herum und schlug

    hin. Eine Kugel hatte seinen Hals durchbohrt.

    Ich zog ihn in eine Mulde und verband ihn, so

    gut es ging.


    Von Bixschoote her kam der Regiments-

    kommandeur vom RJR. 207, Oberst v. Henck,

    und übernahm nunmehr den Befehl über die

    vorderste Linie.


    Mit einem Musketier brachte ich unseren

    Kommandeur zurück zum Verbandsplatz, der sich

    beim Brigadestab in einem Gehöft hinter Bix-

    schoote befand.


    Der Brigadekommandeur, Generalmajor

    Frhr. v. Diringshofen, gab mir nun den Befehl

    mit einem Zug nach B i x sc h o o t e vorzugehen,

    Versprengte zu sammeln und mich mit ihnen in

    die vorderste Linie einzuschieben.


    Bixschoote ist ein flämisches Bauerndorf. In

    der Mitte stand die Kirche auf einem großen

    freien Platz. Die Einwohner waren längst fort.

    Als einzig lebendes Wesen fanden wir eine

    Katze, die sich nicht von ihrem Haus trennen

    wollte. Durch Artilleriefeuer war der Ort be-

    reits stark mitgenommen, die Wohnräume waren

    zerschossen und kein Haus mehr heil.


    Es war kurz nach Mittag. Wir gingen vor-

    sichtig durch den Ort und hielten uns nach Mög-

    lichkeit im Schutze der Häuser, da die Kugeln

    wie Bienen um uns herum summten und die

    feindliche Artillerie feste auf uns funkte.


    Beim Durchsuchen der Häuser sahen wir in

    einem Hause zu ebener Erde ein Klavier.

    Ein paar handfeste Kerle packten zu, und eins,

    zwei, drei stand es draußen an der Hauswand.

    Ein Kriegsfreiwilliger schlug den Deckel auf und

    spielte einen flotten Marsch. Als er damit

    fertig war, ließ ich das Deutschlandlied spielen,

    um Stimmng zu machen. Mit 25 bis 30 Mann

    sangen wir vereint mit Klavierbegleitung den

    ersten Vers, und unter dem Singen des zweiten

    Verses sausten wir über dar Feld in die vor-

    derste Linie.


    Wer der tapfere Klavierspieler war, ist mir

    leider nicht bekannt geworden; er ist einer der

    Unbekannten des Großen Krieges geblieben. Ich

    weiß nur, daß der Kriegsfreiwilige die Lage

    richtig erfaßt hatte und uns mit seinem Spiel

    mächtig hoch riß.


    Nach Meldung aus der vordersten Linie

    war ich der einzige überlebende Offizier. Auf

    Befehl der Brigade übernahm ich das Kom-

    mando über die Reste des Regiments, im

    ganzen rund 90 Mann.


    Von dem Divisionskommandeur General-

    leutnant v. Dorrer, erhielt ich, nachdem das

    Regiment aus der vordersten Linie gezogen war.

    das Eiserne Kreuz I. Klasse.


    Lesestunde

    Eine Auswahl neuer Bücher


    Die hier genannten Bücher sind durch jede Buchhandlung

    oder den Buchversand des Kyffhäuser-Verlages, Berlin W 30,

    Geißbergstraße 2, zu beziehen.


    Du und die Natur. Eine moderne Kritik

    für jedermann. Von D r. P a u l  K a r l s o n.

    355 Seiten. Mit 165 Zeichnungen. Ullstein-

    Verlag Berlin. — Ein junger, frischer und geist-

    voller Gelehrter versucht es hier, einmal die.

    Formeln der Physik so aufzulösen, daß jeder-

    mann versteht, was gemeint ist. Er erzählt in

    leichtem Plauderton nette Geschichten — und

    jede erklärt ein physikalisches Geheimnis.

    Lustige Zeichnungen ergänzen den immer inter-

    essant geschriebenen Text, mit dem der Verfasser

    die Wissenschaft der Physik volkstümlich klar-

    macht. Ob er nun vom Rohstoff, von Atomen,

    vom Wunder der Elektrizität, vom Rundfunk

    oder Röntgenstrahlen erzählt, immer gelingt es

    dem Verfasser, unverständlichen Formelkram so

    zu übersetzen, daß der einfache Menschenverstand

    versteht, was gemeint ist und vor allem auch die

    Zusammenhänge versteht. Ein Buch, das für

    jeden eine Freude sein wird, der sich in unter-

    haltsamer Form über die Wunderwelt um uns

    belehren lassen will; eine schöne Gabe aber vor

    allem für die heranreifende Jugend, der durch

    dieses Buch zugleich beste Kenntnisse vermittelt

    werden. or.


    "Westermanns Monatshefte" bringen im Novemberheft eine

    interessante Schilderung über den Ausflug des deutschen

    Freiballons "Bartsch v. Sigsfeld" in die 11 000-Meter-Höhe.

    Bei dieser Hochfahrt, die der Erforschung der S t r a  t o -

    s p h ä r e dient, konnten durch Infrarotplatten die ersten

    photographischen Ausnahmen aus dieser Höhe gemacht wer-

    den. Einige dieser Bilder, die z. T. verblüffende Ergebnisse

    brachten, werden in "Westermanns Monatsheften" ver-

    öffentlicht.


    "Belhagen & Klasings Monatshefte". Aus dem dem November-

    heft dieser Zeitschrift ist besonders die buntbebilderte Schilde-

    rung des sächsischen Jagdschlosses M o r i t z b u r g erwäh-

    nenswert. Interessant ist auch die Schilderung, die der 

    Dichter Gustav Frenssen über die L a n d g e w i n n u n g

    a n  d e r N o r d s e e gibt.


    Kyffhäuser / Nr. 45 / 10. November 1935



Description

Save description
  • 50.9258047||2.8646858||

    Bixschoote

  • 51.406047|| 8.066486||

    Arnsberg

    ||1
Location(s)
  • Story location Arnsberg
  • Document location Bixschoote


ID
17626 / 200767
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Alexandra Bloch Pfister
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


October 10, 1914

  • Balkans
  • Eastern Front

  • Trench Life



Notes and questions

Login to leave a note