Kriegstagebuch 2 von Infanterie-Leutnant Hans Altrogge aus Arnsberg, item 76

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fast nichts mitbekam. Noch ein paarmal wiederholte sich dasselbe

Schauspiel. Immer nur bekamen wir „Klamotten.“ Doch

zusammengekauert blieben wir in unserer beschwerlichen Lage,

jeden Augenblick die Katastrophe erwartend. Über 2½ Stunden

hielt das Vernichtungsfeuer an. Jeder Nerv war angespannt.

Diese 2½ Stunden waren mir eine Ewigkeit geworden. Als

die andern endlich nach völliger Einstellung des Feuers

sich von mir erhoben, konnte ich mich allein nicht aufrichten.

Beine und Arme waren abgestorben. Von dem Gestank

war es mir übel geworden. Die andern richteten mich

auf. Ich setzte mich in den Graben, um erst ein wenig

frische Luft zu schnappen. Wir warteten dann auf weitere

Befehle. Es wurde durchgegeben, die Sachen weiter nach

vorn zu tragen. An der Stelle, wo wir sonst an dem Laufgraben

gearbeitet hatten, hörte der alte auf, wenigstens

als solcher war er nicht mehr zu erkennen, er war völlig

zerschossen und stand voll Wasser. Wir mußten deshalb

frei über das Gelände. Die Franzosen mußten wohl etwas

gemerkt haben, denn plötzlich setzte wieder ein lebhaftes

Schrapnellfeuer ein. Wir warfen unsere Bohlen

hin und suchten Deckung. Ein Schrapnell platzte direkt über

uns und die Kugeln fuhren in unmittelbarer Nähe

in den Boden. Eine sauste mir haarscharf am Kopf vorbei.

Ein Kamerad bekam eine Kugel in die auf dem

Rücken hängende Gasmaske, worin sich die Kugel verfing

und ihm so das Leben rettete. Leider ist derselbe

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fast nichts mitbekam. Noch ein paarmal wiederholte sich dasselbe

Schauspiel. Immer nur bekamen wir „Klamotten.“ Doch

zusammengekauert blieben wir in unserer beschwerlichen Lage,

jeden Augenblick die Katastrophe erwartend. Über 2½ Stunden

hielt das Vernichtungsfeuer an. Jeder Nerv war angespannt.

Diese 2½ Stunden waren mir eine Ewigkeit geworden. Als

die andern endlich nach völliger Einstellung des Feuers

sich von mir erhoben, konnte ich mich allein nicht aufrichten.

Beine und Arme waren abgestorben. Von dem Gestank

war es mir übel geworden. Die andern richteten mich

auf. Ich setzte mich in den Graben, um erst ein wenig

frische Luft zu schnappen. Wir warteten dann auf weitere

Befehle. Es wurde durchgegeben, die Sachen weiter nach

vorn zu tragen. An der Stelle, wo wir sonst an dem Laufgraben

gearbeitet hatten, hörte der alte auf, wenigstens

als solcher war er nicht mehr zu erkennen, er war völlig

zerschossen und stand voll Wasser. Wir mußten deshalb

frei über das Gelände. Die Franzosen mußten wohl etwas

gemerkt haben, denn plötzlich setzte wieder ein lebhaftes

Schrapnellfeuer ein. Wir warfen unsere Bohlen

hin und suchten Deckung. Ein Schrapnell platzte direkt über

uns und die Kugeln fuhren in unmittelbarer Nähe

in den Boden. Eine sauste mir haarscharf am Kopf vorbei.

Ein Kamerad bekam eine Kugel in die auf dem

Rücken hängende Gasmaske, worin sich die Kugel verfing

und ihm so das Leben rettete. Leider ist derselbe


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  • May 19, 2017 20:33:51 Beate Jochem

    fast nichts mitbekam. Noch ein paarmal wiederholte sich dasselbe

    Schauspiel. Immer nur bekamen wir „Klamotten.“ Doch

    zusammengekauert blieben wir in unserer beschwerlichen Lage,

    jeden Augenblick die Katastrophe erwartend. Über 2½ Stunden

    hielt das Vernichtungsfeuer an. Jeder Nerv war angespannt.

    Diese 2½ Stunden waren mir eine Ewigkeit geworden. Als

    die andern endlich nach völliger Einstellung des Feuers

    sich von mir erhoben, konnte ich mich allein nicht aufrichten.

    Beine und Arme waren abgestorben. Von dem Gestank

    war es mir übel geworden. Die andern richteten mich

    auf. Ich setzte mich in den Graben, um erst ein wenig

    frische Luft zu schnappen. Wir warteten dann auf weitere

    Befehle. Es wurde durchgegeben, die Sachen weiter nach

    vorn zu tragen. An der Stelle, wo wir sonst an dem Laufgraben

    gearbeitet hatten, hörte der alte auf, wenigstens

    als solcher war er nicht mehr zu erkennen, er war völlig

    zerschossen und stand voll Wasser. Wir mußten deshalb

    frei über das Gelände. Die Franzosen mußten wohl etwas

    gemerkt haben, denn plötzlich setzte wieder ein lebhaftes

    Schrapnellfeuer ein. Wir warfen unsere Bohlen

    hin und suchten Deckung. Ein Schrapnell platzte direkt über

    uns und die Kugeln fuhren in unmittelbarer Nähe

    in den Boden. Eine sauste mir haarscharf am Kopf vorbei.

    Ein Kamerad bekam eine Kugel in die auf dem

    Rücken hängende Gasmaske, worin sich die Kugel verfing

    und ihm so das Leben rettete. Leider ist derselbe

  • March 5, 2017 15:01:27 Erich St

    fast nichts mitbekam. Noch ein paarmal wiederholte sich das-

    selbe Schauspiel. Immer nur bekamen wir „Klamotten.“ Doch

    zusammengekauert blieben wir in unserer beschwerlichen Lage,

    jeden Augenblick die Katastrophe erwartend. Über 2½ Stunden

    hielt das Vernichtungsfeuer an. Jeder Nerv war angespannt.

    Diese 2½ Stunden waren mir eine Ewigkeit geworden. Als

    die andern endlich nach völliger Einstellung des Feuers

    sich von mir erhoben, konnte ich mich allein nicht aufrichten.

    Beine und Arme waren abgestorben. Von dem Gestank

    war es mir übel geworden. Die andern richteten mich

    auf. Ich setzte mich in den Graben um erst ein wenig

    frische Luft zu schnappen. Wir warteten dann auf weitere

    Befehle. Es wurde durchgegeben, die Sachen weiter nach

    vorn zu tragen. An der Stelle, wo wir sonst an dem Lauf-

    graben gearbeitet hatten, hörte der alte auf, wenigstens

    als solcher war er nicht mehr zu erkennen, er war völlig

    zerschossen und stand voll Wasser. Wir mußten deshalb

    frei über das Gelände. Die Franzosen mußten wohl et-

    was gemerkt haben, denn plötzlich setzte wieder ein leb-

    haftes Schrapnellfeuer ein. Wir warfen unsere Bohlen

    hin und suchten Deckung. Ein Schrapnell platzte direkt über

    uns und die Kugeln fuhren in unmittelbarer Nähe

    in den Boden. Eine sauste mir haarscharf am Kopf vor-

    bei. Ein Kamerad bekam eine Kugel in die auf dem

    Rücken hängende Gasmaske, worin sich die Kugel ver-

    fing und ihm so das Leben rettete. Leider ist derselbe


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    Somme

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17625 / 200543
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http://europeana1914-1918.eu/...
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Alexandra Bloch Pfister
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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