Kriegstagebuch 2 von Infanterie-Leutnant Hans Altrogge aus Arnsberg, item 43

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ich ans Werfen. Etwas mißtrauisch gegen diese gefährlichen

Mordinstrumente ging ich zum Werferstand.

Über die Handhabung waren wir genügend informiert,

aber es zeigte sich auch hier bei, daß zwischen Theorie

und Praxis ein großer Unterschied besteht. Man sollte

nach dem Abreißen der Schnur zählen: einundzwanzig,

zweiundzwanzig, dreiundzwanzig und dann die

Handgranate so weit als möglich fortwerfen. Es

klappte. Gleich nach dem ersten Wurfe wurde ich

etwas zutraulicher. Die Sache fing an, mir Spaß zu

machen. Ich hätte sofort noch ein Dutzend davon werfen

mögen. Einigen war dann doch das Herz in die

Hose gekrochen. Sie rissen ab und schon war das Ding

aus ihren Händen, aber nur eben über den Rand

geworfen. Zwei hatten dermaßen die Geistesgegenwart

verloren, daß sie die Granate zu Boden fallen

ließen. Nur dem schnellen Zugreifen des leitenden

Pioniers war es zu verdanken, daß die beiden Werfer

nicht von ihren eigenen Granaten zerrissen wurden.

          Um 5 Uhr waren wir wieder in unserer „Villa Mari.“

Ich ging zum Bache, weniger um mich zu waschen,

sondern um mich abzukühlen.

4. April.

Heute wurden wir ganz besonders früh von unserer

holzwollenen Lagerstätte getrommelt. Um ½6 Uhr marschierten

wir wieder zu demselben Platz ab, auf dem wir

gestern Handgranaten geworfen hatten. Die ganze

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ich ans Werfen. Etwas mißtrauisch gegen diese gefährlichen

Mordinstrumente ging ich zum Werferstand.

Über die Handhabung waren wir genügend informiert,

aber es zeigte sich auch hier bei, daß zwischen Theorie

und Praxis ein großer Unterschied besteht. Man sollte

nach dem Abreißen der Schnur zählen: einundzwanzig,

zweiundzwanzig, dreiundzwanzig und dann die

Handgranate so weit als möglich fortwerfen. Es

klappte. Gleich nach dem ersten Wurfe wurde ich

etwas zutraulicher. Die Sache fing an, mir Spaß zu

machen. Ich hätte sofort noch ein Dutzend davon werfen

mögen. Einigen war dann doch das Herz in die

Hose gekrochen. Sie rissen ab und schon war das Ding

aus ihren Händen, aber nur eben über den Rand

geworfen. Zwei hatten dermaßen die Geistesgegenwart

verloren, daß sie die Granate zu Boden fallen

ließen. Nur dem schnellen Zugreifen des leitenden

Pioniers war es zu verdanken, daß die beiden Werfer

nicht von ihren eigenen Granaten zerrissen wurden.

          Um 5 Uhr waren wir wieder in unserer „Villa Mari.“

Ich ging zum Bache, weniger um mich zu waschen,

sondern um mich abzukühlen.

4. April.

Heute wurden wir ganz besonders früh von unserer

holzwollenen Lagerstätte getrommelt. Um ½6 Uhr marschierten

wir wieder zu demselben Platz ab, auf dem wir

gestern Handgranaten geworfen hatten. Die ganze


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  • May 18, 2017 23:33:58 Beate Jochem

    ich ans Werfen. Etwas mißtrauisch gegen diese gefährlichen

    Mordinstrumente ging ich zum Werferstand.

    Über die Handhabung waren wir genügend informiert,

    aber es zeigte sich auch hier bei, daß zwischen Theorie

    und Praxis ein großer Unterschied besteht. Man sollte

    nach dem Abreißen der Schnur zählen: einundzwanzig,

    zweiundzwanzig, dreiundzwanzig und dann die

    Handgranate so weit als möglich fortwerfen. Es

    klappte. Gleich nach dem ersten Wurfe wurde ich

    etwas zutraulicher. Die Sache fing an, mir Spaß zu

    machen. Ich hätte sofort noch ein Dutzend davon werfen

    mögen. Einigen war dann doch das Herz in die

    Hose gekrochen. Sie rissen ab und schon war das Ding

    aus ihren Händen, aber nur eben über den Rand

    geworfen. Zwei hatten dermaßen die Geistesgegenwart

    verloren, daß sie die Granate zu Boden fallen

    ließen. Nur dem schnellen Zugreifen des leitenden

    Pioniers war es zu verdanken, daß die beiden Werfer

    nicht von ihren eigenen Granaten zerrissen wurden.

              Um 5 Uhr waren wir wieder in unserer „Villa Mari.“

    Ich ging zum Bache, weniger um mich zu waschen,

    sondern um mich abzukühlen.

    4. April.

    Heute wurden wir ganz besonders früh von unserer

    holzwollenen Lagerstätte getrommelt. Um ½6 Uhr marschierten

    wir wieder zu demselben Platz ab, auf dem wir

    gestern Handgranaten geworfen hatten. Die ganze

  • February 26, 2017 12:47:36 Erich St

    ich ans Werfen. Etwas mißtrauisch gegen diese gefähr-

    lichen Mordinstrumente ging ich zum Werferstand.

    Über die Handhabung waren wir genügend informiert,

    aber es zeigte sich auch hier bei, daß zwischen Theorie

    und Praxis ein großer Unterschied besteht. Man sollte

    nach dem Abreißen der Schnur zählen: einundzwanzig,

    zweiundzwanzig, dreiundzwanzig und dann die

    Handgranate so weit als möglich fortwerfen. Es

    klappte. Gleich nach dem ersten Wurfe wurde ich

    etwas zutraulicher. Die Sache fing an, mir Spaß zu

    machen. Ich hätte sofort noch ein Dutzend davon wer-

    fen mögen. Einigen war dann doch das Herz in die

    Hose gekrochen. Sie rissen ab und schon war das Ding

    aus ihren Händen, aber nur eben über den Rand

    geworfen. Zwei hatten dermaßen die Geistesgegen-

    wart verloren, daß sie die Granate zu Boden fallen

    ließen. Nur dem schnellen Zugreifen des leitenden

    Pioniers war es zu verdanken, daß die beiden Wer-

    fer nicht von ihren eigenen Granaten zerrissen wurden.

              Um 5 Uhr waren wir wieder in unserer „Villa Mari.“

    Ich ging zum Bache, weniger um mich zu waschen,

    sondern um mich abzukühlen.

    4. April.

    Heute wurden wir ganz besonders früh von unserer

    holzwollenen Lagerstätte getrommelt. Um ½6 Uhr mar-

    schierten wir wieder zu demselben Platz ab, auf dem wir

    gestern Handgranaten geworfen hatten. Die ganze


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    Somme

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17625 / 200510
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Alexandra Bloch Pfister
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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