Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 127

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S. 231

Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

bleiche Heldenstirn.

III.

Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

"Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

Kaiserin:

Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

in der Ewigkeit.

Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

des ewigen Lebens.

So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

in Ewigkeit.

Semper talis!

Amen.


Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

hiesigen Pfarrkriche das Wort:


Predigt des Kaplans Nickel.

Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


Liebe Kameraden!

Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

eilen freudig zum Gotteshaus.

Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

und Leib teilten.

Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

war ein Ehrengang.

Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

hielten von Liebe und Treu.

Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

Vater im Himmel trösten und danken.

"Du findest den Freund nimmermehr", so singt

das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

Helden einst ihre Leben grüßen.

Das Erste Garde-Regiment und die ihm

angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

"Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

Herzen seiner Zuhörer:


Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

richten sich selbst.

Wir aber erheben Einspruch dagegen, in Deutschland

als Fremde oder Bürger 2. Kl. behandelt zu werden. Wir

verlangen Haus- und Heimatsrech in unserem Vaterland!

Wenn wir die lange Reihe der Männer an unserem

geistigen Auge vorbeiziehen lassen, die an unsere Seite

den Heldentod starben, an ihrer Spitze die beiden edlen

Kommandeure, unser lieben Oberstleutnant von Bismarck, der,

durch 30jährigen Dienst mit dem Regiment verwachsne, uns

zu einer lebenden Regimentsgeschichte geworden war, und der

tapfer Oberstleutnant von Schmidt, Führer des 1.

Garde-Reserve-Regiments, hinter ihnen all die herrlichen Mönner mit

den vom Feuer glühender Vaterlandsliebe leuchtenden Augen

und dem ehernen Willen im hezren, ihr Letztes einzusetzen für

Deutschlands Größe - wenn wir diese schier endlose Reihe -

an uns vorüberziehen lassen, so wird es uns klar, was mit

ihnen Deutschland verloren hat, und gleichzeitig erklärt sich

uns mancher schwre Schicksalstag der letzten 5 Jahre, manche

Schmach, die wir hingenommen habe von innen und außen.

Es waren eben die Besten unseres Volkes, die der Rasen deckt.

Aber, - und damit wende ich mich in erster Linie an Sie,

verehrte Hinterbliebene, - nicht vergebens ist das edle Blut

geflossen, wie es enge Auffassungen so oft in den letzten Jahren

geklagt hat. Wie vor Jahrhunderten durch das Blut der

christlichen Märtyrer nicht, nach dem Willen ihrer Mörder,

das Christentum erstickt wurde, sondern zu neuer Größe

erstand, so wird auch aus der Blutsaat unserer gefallenen

Helden einst die Ernte neuer deutscher Größe erwachsne. Wenn

einmal wieder die Sonne der Freiheit über den deutschen

Landen leuchtet, - es ist nur eine Frae der Zeit, - dann

ahben sie jene Männer mit heraufgeführt. Dazu ist aber

nötig, daß ihre Taten nicht untergehen mit uns, die wir sie

erlebten. Drum soll dieser steinerne Stahlhelmmann von ihnen

zeugen für alle Zeiten und kommende Geschlechter zur

Nacheiferung begeistern.

Noch ein anderer Gedanke des Trostes drängt sich mir

auf, wenn ich Sie verehrte Hinterbiebene, hier vor ir sehe:

Den SIeg, vor Augen sind unsere Helden gefallen, in der

Zuversicht, Deutschlands Größe erkämpft zu haben, Deutschlankds

Schmach brauchten sie nicht zu erlebn. Wahrlich ein herrliches,

ein beneidenswertes Los!

Aber nicht nur den Gefallenen gilt dieses Denkmal. Auch

Euch soll e ein mal der Ehre sein, tapfere Kameraden und

Mitkämpfer vom Ersten Garde- und 1. Garde-Reserve-

Regiment und die Ihr bei aneren Truppenteilen die

Erziehung des Ersen Garde-Regiments bewährt habt.

Ihr sollt, wenn Ihr zu diesem Stein emporblickt, Euch in Stolz

Eurer Taten erinnern und Eure Kinder darauf hinweisen.

Diesen Stolz haben wir uns erkämpft. Ihn kann uns niemand

nehmen. Wir brauchen ihn als Grundstein für Deutschlands

Freiheitsbau.

So möchte ich den Sinn des Mannes im Stahlhelm, der

vor uns stehen wird, zusammenfassen in die Worte, die vor

100 Jahren gesetzt wurden auf das Denkmal für die Freiheitskrieger

in Preußns Hauptstadt: " Den Gefallenen zur

Erinnerung, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden

Geschlechtern zur Nacheiferung."

Doch neben dem Stahlhelmmann grüßt uns noch eine zweite

altbekannte Gestalt, ein Grenadier Friedrichs des Großen.

Er zeugt davon, daß dieses Denkmal nicht nur den Kämpfern

des Weltkrieges, den toten wie den lebenden gilt, sondern noch einem

anderen großen Toten: Dem Ersten Garde-Regt. z. F. und seinen

Taten während eines Vierteljahrtausends. Die Geshcichte des

Ersten-Garde-Regts. sit ein treues Abbild von Preußen ruhmreicher

Geschichte. An Preußens stolzesten, entscheidenden Tagen durfte

das Regiments an entscheidender Stelle stehen. Ich nenne:

Wollwitz, Hohenfriedberg, Leuthen, Großgörschen, Königgrätz

und St. Privat. Auch in dem Riesenringen des Weltkrieges


S. 232

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S. 231

Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

bleiche Heldenstirn.

III.

Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

"Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

Kaiserin:

Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

in der Ewigkeit.

Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

des ewigen Lebens.

So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

in Ewigkeit.

Semper talis!

Amen.


Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

hiesigen Pfarrkriche das Wort:


Predigt des Kaplans Nickel.

Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


Liebe Kameraden!

Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

eilen freudig zum Gotteshaus.

Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

und Leib teilten.

Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

war ein Ehrengang.

Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

hielten von Liebe und Treu.

Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

Vater im Himmel trösten und danken.

"Du findest den Freund nimmermehr", so singt

das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

Helden einst ihre Leben grüßen.

Das Erste Garde-Regiment und die ihm

angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

"Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

Herzen seiner Zuhörer:


Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

richten sich selbst.

Wir aber erheben Einspruch dagegen, in Deutschland

als Fremde oder Bürger 2. Kl. behandelt zu werden. Wir

verlangen Haus- und Heimatsrech in unserem Vaterland!

Wenn wir die lange Reihe der Männer an unserem

geistigen Auge vorbeiziehen lassen, die an unsere Seite

den Heldentod starben, an ihrer Spitze die beiden edlen

Kommandeure, unser lieben Oberstleutnant von Bismarck, der,

durch 30jährigen Dienst mit dem Regiment verwachsne, uns

zu einer lebenden Regimentsgeschichte geworden war, und der

tapfer Oberstleutnant von Schmidt, Führer des 1.

Garde-Reserve-Regiments, hinter ihnen all die herrlichen Mönner mit

den vom Feuer glühender Vaterlandsliebe leuchtenden Augen

und dem ehernen Willen im hezren, ihr Letztes einzusetzen für

Deutschlands Größe - wenn wir diese schier endlose Reihe -

an uns vorüberziehen lassen, so wird es uns klar, was mit

ihnen Deutschland verloren hat, und gleichzeitig erklärt sich

uns mancher schwre Schicksalstag der letzten 5 Jahre, manche

Schmach, die wir hingenommen habe von innen und außen.

Es waren eben die Besten unseres Volkes, die der Rasen deckt.

Aber, - und damit wende ich mich in erster Linie an Sie,

verehrte Hinterbliebene, - nicht vergebens ist das edle Blut

geflossen, wie es enge Auffassungen so oft in den letzten Jahren

geklagt hat. Wie vor Jahrhunderten durch das Blut der

christlichen Märtyrer nicht, nach dem Willen ihrer Mörder,

das Christentum erstickt wurde, sondern zu neuer Größe

erstand, so wird auch aus der Blutsaat unserer gefallenen

Helden einst die Ernte neuer deutscher Größe erwachsne. Wenn

einmal wieder die Sonne der Freiheit über den deutschen

Landen leuchtet, - es ist nur eine Frae der Zeit, - dann

ahben sie jene Männer mit heraufgeführt. Dazu ist aber

nötig, daß ihre Taten nicht untergehen mit uns, die wir sie

erlebten. Drum soll dieser steinerne Stahlhelmmann von ihnen

zeugen für alle Zeiten und kommende Geschlechter zur

Nacheiferung begeistern.

Noch ein anderer Gedanke des Trostes drängt sich mir

auf, wenn ich Sie verehrte Hinterbiebene, hier vor ir sehe:

Den SIeg, vor Augen sind unsere Helden gefallen, in der

Zuversicht, Deutschlands Größe erkämpft zu haben, Deutschlankds

Schmach brauchten sie nicht zu erlebn. Wahrlich ein herrliches,

ein beneidenswertes Los!

Aber nicht nur den Gefallenen gilt dieses Denkmal. Auch

Euch soll e ein mal der Ehre sein, tapfere Kameraden und

Mitkämpfer vom Ersten Garde- und 1. Garde-Reserve-

Regiment und die Ihr bei aneren Truppenteilen die

Erziehung des Ersen Garde-Regiments bewährt habt.

Ihr sollt, wenn Ihr zu diesem Stein emporblickt, Euch in Stolz

Eurer Taten erinnern und Eure Kinder darauf hinweisen.

Diesen Stolz haben wir uns erkämpft. Ihn kann uns niemand

nehmen. Wir brauchen ihn als Grundstein für Deutschlands

Freiheitsbau.

So möchte ich den Sinn des Mannes im Stahlhelm, der

vor uns stehen wird, zusammenfassen in die Worte, die vor

100 Jahren gesetzt wurden auf das Denkmal für die Freiheitskrieger

in Preußns Hauptstadt: " Den Gefallenen zur

Erinnerung, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden

Geschlechtern zur Nacheiferung."

Doch neben dem Stahlhelmmann grüßt uns noch eine zweite

altbekannte Gestalt, ein Grenadier Friedrichs des Großen.

Er zeugt davon, daß dieses Denkmal nicht nur den Kämpfern

des Weltkrieges, den toten wie den lebenden gilt, sondern noch einem

anderen großen Toten: Dem Ersten Garde-Regt. z. F. und seinen

Taten während eines Vierteljahrtausends. Die Geshcichte des

Ersten-Garde-Regts. sit ein treues Abbild von Preußen ruhmreicher

Geschichte. An Preußens stolzesten, entscheidenden Tagen durfte

das Regiments an entscheidender Stelle stehen. Ich nenne:

Wollwitz, Hohenfriedberg, Leuthen, Großgörschen, Königgrätz

und St. Privat. Auch in dem Riesenringen des Weltkrieges


S. 232


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  • February 26, 2017 11:08:20 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

    Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

    tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

    gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

    den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

    denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

    uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

    Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

    Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

    hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

    Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

    ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

    um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

    die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

    Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

    richten sich selbst.

    Wir aber erheben Einspruch dagegen, in Deutschland

    als Fremde oder Bürger 2. Kl. behandelt zu werden. Wir

    verlangen Haus- und Heimatsrech in unserem Vaterland!

    Wenn wir die lange Reihe der Männer an unserem

    geistigen Auge vorbeiziehen lassen, die an unsere Seite

    den Heldentod starben, an ihrer Spitze die beiden edlen

    Kommandeure, unser lieben Oberstleutnant von Bismarck, der,

    durch 30jährigen Dienst mit dem Regiment verwachsne, uns

    zu einer lebenden Regimentsgeschichte geworden war, und der

    tapfer Oberstleutnant von Schmidt, Führer des 1.

    Garde-Reserve-Regiments, hinter ihnen all die herrlichen Mönner mit

    den vom Feuer glühender Vaterlandsliebe leuchtenden Augen

    und dem ehernen Willen im hezren, ihr Letztes einzusetzen für

    Deutschlands Größe - wenn wir diese schier endlose Reihe -

    an uns vorüberziehen lassen, so wird es uns klar, was mit

    ihnen Deutschland verloren hat, und gleichzeitig erklärt sich

    uns mancher schwre Schicksalstag der letzten 5 Jahre, manche

    Schmach, die wir hingenommen habe von innen und außen.

    Es waren eben die Besten unseres Volkes, die der Rasen deckt.

    Aber, - und damit wende ich mich in erster Linie an Sie,

    verehrte Hinterbliebene, - nicht vergebens ist das edle Blut

    geflossen, wie es enge Auffassungen so oft in den letzten Jahren

    geklagt hat. Wie vor Jahrhunderten durch das Blut der

    christlichen Märtyrer nicht, nach dem Willen ihrer Mörder,

    das Christentum erstickt wurde, sondern zu neuer Größe

    erstand, so wird auch aus der Blutsaat unserer gefallenen

    Helden einst die Ernte neuer deutscher Größe erwachsne. Wenn

    einmal wieder die Sonne der Freiheit über den deutschen

    Landen leuchtet, - es ist nur eine Frae der Zeit, - dann

    ahben sie jene Männer mit heraufgeführt. Dazu ist aber

    nötig, daß ihre Taten nicht untergehen mit uns, die wir sie

    erlebten. Drum soll dieser steinerne Stahlhelmmann von ihnen

    zeugen für alle Zeiten und kommende Geschlechter zur

    Nacheiferung begeistern.

    Noch ein anderer Gedanke des Trostes drängt sich mir

    auf, wenn ich Sie verehrte Hinterbiebene, hier vor ir sehe:

    Den SIeg, vor Augen sind unsere Helden gefallen, in der

    Zuversicht, Deutschlands Größe erkämpft zu haben, Deutschlankds

    Schmach brauchten sie nicht zu erlebn. Wahrlich ein herrliches,

    ein beneidenswertes Los!

    Aber nicht nur den Gefallenen gilt dieses Denkmal. Auch

    Euch soll e ein mal der Ehre sein, tapfere Kameraden und

    Mitkämpfer vom Ersten Garde- und 1. Garde-Reserve-

    Regiment und die Ihr bei aneren Truppenteilen die

    Erziehung des Ersen Garde-Regiments bewährt habt.

    Ihr sollt, wenn Ihr zu diesem Stein emporblickt, Euch in Stolz

    Eurer Taten erinnern und Eure Kinder darauf hinweisen.

    Diesen Stolz haben wir uns erkämpft. Ihn kann uns niemand

    nehmen. Wir brauchen ihn als Grundstein für Deutschlands

    Freiheitsbau.

    So möchte ich den Sinn des Mannes im Stahlhelm, der

    vor uns stehen wird, zusammenfassen in die Worte, die vor

    100 Jahren gesetzt wurden auf das Denkmal für die Freiheitskrieger

    in Preußns Hauptstadt: " Den Gefallenen zur

    Erinnerung, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden

    Geschlechtern zur Nacheiferung."

    Doch neben dem Stahlhelmmann grüßt uns noch eine zweite

    altbekannte Gestalt, ein Grenadier Friedrichs des Großen.

    Er zeugt davon, daß dieses Denkmal nicht nur den Kämpfern

    des Weltkrieges, den toten wie den lebenden gilt, sondern noch einem

    anderen großen Toten: Dem Ersten Garde-Regt. z. F. und seinen

    Taten während eines Vierteljahrtausends. Die Geshcichte des

    Ersten-Garde-Regts. sit ein treues Abbild von Preußen ruhmreicher

    Geschichte. An Preußens stolzesten, entscheidenden Tagen durfte

    das Regiments an entscheidender Stelle stehen. Ich nenne:

    Wollwitz, Hohenfriedberg, Leuthen, Großgörschen, Königgrätz

    und St. Privat. Auch in dem Riesenringen des Weltkrieges


    S. 232

  • February 26, 2017 11:08:15 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

    Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

    tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

    gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

    den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

    denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

    uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

    Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

    Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

    hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

    Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

    ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

    um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

    die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

    Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

    richten sich selbst.

    Wir aber erheben Einspruch dagegen, in Deutschland

    als Fremde oder Bürger 2. Kl. behandelt zu werden. Wir

    verlangen Haus- und Heimatsrech in unserem Vaterland!

    Wenn wir die lange Reihe der Männer an unserem

    geistigen Auge vorbeiziehen lassen, die an unsere Seite

    den Heldentod starben, an ihrer Spitze die beiden edlen

    Kommandeure, unser lieben Oberstleutnant von Bismarck, der,

    durch 30jährigen Dienst mit dem Regiment verwachsne, uns

    zu einer lebenden Regimentsgeschichte geworden war, und der

    tapfer Oberstleutnant von Schmidt, Führer des 1.

    Garde-Reserve-Regiments, hinter ihnen all die herrlichen Mönner mit

    den vom Feuer glühender Vaterlandsliebe leuchtenden Augen

    und dem ehernen Willen im hezren, ihr Letztes einzusetzen für

    Deutschlands Größe - wenn wir diese schier endlose Reihe -

    an uns vorüberziehen lassen, so wird es uns klar, was mit

    ihnen Deutschland verloren hat, und gleichzeitig erklärt sich

    uns mancher schwre Schicksalstag der letzten 5 Jahre, manche

    Schmach, die wir hingenommen habe von innen und außen.

    Es waren eben die Besten unseres Volkes, die der Rasen deckt.

    Aber, - und damit wende ich mich in erster Linie an Sie,

    verehrte Hinterbliebene, - nicht vergebens ist das edle Blut

    geflossen, wie es enge Auffassungen so oft in den letzten Jahren

    geklagt hat. Wie vor Jahrhunderten durch das Blut der

    christlichen Märtyrer nicht, nach dem Willen ihrer Mörder,

    das Christentum erstickt wurde, sondern zu neuer Größe

    erstand, so wird auch aus der Blutsaat unserer gefallenen

    Helden einst die Ernte neuer deutscher Größe erwachsne. Wenn

    einmal wieder die Sonne der Freiheit über den deutschen

    Landen leuchtet, - es ist nur eine Frae der Zeit, - dann

    ahben sie jene Männer mit heraufgeführt. Dazu ist aber

    nötig, daß ihre Taten nicht untergehen mit uns, die wir sie

    erlebten. Drum soll dieser steinerne Stahlhelmmann von ihnen

    zeugen für alle Zeiten und kommende Geschlechter zur

    Nacheiferung begeistern.

    Noch ein anderer Gedanke des Trostes drängt sich mir

    auf, wenn ich Sie verehrte Hinterbiebene, hier vor ir sehe:

    Den SIeg, vor Augen sind unsere Helden gefallen, in der

    Zuversicht, Deutschlands Größe erkämpft zu haben, Deutschlankds

    Schmach brauchten sie nicht zu erlebn. Wahrlich ein herrliches,

    ein beneidenswertes Los!

    Aber nicht nur den Gefallenen gilt dieses Denkmal. Auch

    Euch soll e ein mal der Ehre sein, tapfere Kameraden und

    Mitkämpfer vom Ersten Garde- und 1. Garde-Reserve-

    Regiment und die Ihr bei aneren Truppenteilen die

    Erziehung des Ersen Garde-Regiments bewährt habt.

    Ihr sollt, wenn Ihr zu diesem Stein emporblickt, Euch in Stolz

    Eurer Taten erinnern und Eure Kinder darauf hinweisen.

    Diesen Stolz haben wir uns erkämpft. Ihn kann uns niemand

    nehmen. Wir brauchen ihn als Grundstein für Deutschlands

    Freiheitsbau.

    So möchte ich den Sinn des Mannes im Stahlhelm, der

    vor uns stehen wird, zusammenfassen in die Worte, die vor

    100 Jahren gesetzt wurden auf das Denkmal für die Freiheitskrieger

    in Preußns Hauptstadt: " Den Gefallenen zur

    Erinnerung, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden

    Geschlechtern zur Nacheiferung."

    Doch neben dem Stahlhelmmann grüßt uns noch eine zweite

    altbekannte Gestalt, ein Grenadier Friedrichs des Großen.

    Er zeugt davon, daß dieses Denkmal nicht nur den Kämpfern

    des Weltkrieges, den toten wie den lebenden gilt, sondern noch einem

    anderen großen Toten: Dem Ersten Garde-Regt. z. F. und seinen

    Taten während eines Vierteljahrtausends. Die Geshcichte des

    Ersten-Garde-Regts. sit ein treues Abbild von Preußen ruhmreicher

    Geschichte. An Preußens stolzesten, entscheidenden Tagen durfte

    das Regiments an entscheidender Stelle stehen. Ich nenne:

    Wollwitz, Hohenfriedberg, Leuthen, Großgörschen, Königgrätz

    und St. Privat. Auch in dem Riesenringend es Weltkrieges


    S. 232


  • February 26, 2017 11:06:07 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

    Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

    tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

    gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

    den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

    denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

    uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

    Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

    Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

    hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

    Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

    ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

    um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

    die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

    Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

    richten sich selbst.

    Wir aber erheben Einspruch dagegen, in Deutschland

    als Fremde oder Bürger 2. Kl. behandelt zu werden. Wir

    verlangen Haus- und Heimatsrech in unserem Vaterland!

    Wenn wir die lange Reihe der Männer an unserem

    geistigen Auge vorbeiziehen lassen, die an unsere Seite

    den Heldentod starben, an ihrer Spitze die beiden edlen

    Kommandeure, unser lieben Oberstleutnant von Bismarck, der,

    durch 30jährigen Dienst mit dem Regiment verwachsne, uns

    zu einer lebenden Regimentsgeschichte geworden war, und der

    tapfer Oberstleutnant von Schmidt, Führer des 1.

    Garde-Reserve-Regiments, hinter ihnen all die herrlichen Mönner mit

    den vom Feuer glühender Vaterlandsliebe leuchtenden Augen

    und dem ehernen Willen im hezren, ihr Letztes einzusetzen für

    Deutschlands Größe - wenn wir diese schier endlose Reihe -

    an uns vorüberziehen lassen, so wird es uns klar, was mit

    ihnen Deutschland verloren hat, und gleichzeitig erklärt sich

    uns mancher schwre Schicksalstag der letzten 5 Jahre, manche

    Schmach, die wir hingenommen habe von innen und außen.

    Es waren eben die Besten unseres Volkes, die der Rasen deckt.

    Aber, - und damit wende ich mich in erster Linie an Sie,

    verehrte Hinterbliebene, - nicht vergebens ist das edle Blut

    geflossen, wie es enge Auffassungen so oft in den letzten Jahren

    geklagt hat. Wie vor Jahrhunderten durch das Blut der

    christlichen Märtyrer nicht, nach dem Willen ihrer Mörder,

    das Christentum erstickt wurde, sondern zu neuer Größe

    erstand, so wird auch aus der Blutsaat unserer gefallenen

    Helden einst die Ernte neuer deutscher Größe erwachsne. Wenn

    einmal wieder die Sonne der Freiheit über den deutschen

    Landen leuchtet, - es ist nur eine Frae der Zeit, - dann

    ahben sie jene Männer mit heraufgeführt. Dazu ist aber

    nötig, daß ihre Taten nicht untergehen mit uns, die wir sie

    erlebten. Drum soll dieser steinerne Stahlhelmmann von ihnen

    zeugen für alle Zeiten und kommende Geschlechter zur

    Nacheiferung begeistern.

    Noch ein anderer Gedanke des Trostes drängt sich mir

    auf, wenn ich Sie verehrte Hinterbiebene, hier vor ir sehe:

    Den SIeg, vor Augen sind unsere Helden gefallen, in der

    Zuversicht, Deutschlands Größe erkämpft zu haben, Deutschlankds

    Schmach brauchten sie nicht zu erlebn. Wahrlich ein herrliches,

    ein beneidenswertes Los!

    Aber nicht nur den Gefallenen gilt dieses Denkmal. Auch

    Euch soll e ein mal der Ehre sein, tapfere Kameraden und

    Mitkämpfer vom Ersten Garde- und 1. Garde-Reserve-

    Regiment und die Ihr bei aneren Truppenteilen die

    Erziehung des Ersen Garde-Regiments bewährt habt.

    Ihr sollt, wenn Ihr zu diesem Stein emporblickt, Euch in Stolz

    Eurer Taten erinnern und Eure Kinder darauf hinweisen.

    Diesen Stolz haben wir uns erkämpft. Ihn kann uns niemand

    nehmen. Wir brauchen ihn als Grundstein für Deutschlands

    Freiheitsbau.

    So möchte ich den Sinn des Mannes im Stahlhelm, der

    vor uns stehen wird, zusammenfassen in die Worte, die vor

    100 Jahren gesetzt wurden auf das Denkmal für die Freiheitskrieger

    in Preußns Hauptstadt: " Den Gefallenen zur

    Erinnerung, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden

    Geschlechtern zur Nacheiferung."

    Doch neben dem Stahlhelmmann grüßt uns noch eine zweite

    altbekannte Gestalt, ein Grenadier Friedrichs des Großen.



    S. 232


  • February 26, 2017 11:04:42 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

    Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

    tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

    gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

    den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

    denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

    uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

    Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

    Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

    hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

    Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

    ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

    um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

    die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

    Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

    richten sich selbst.

    Wir aber erheben Einspruch dagegen, in Deutschland

    als Fremde oder Bürger 2. Kl. behandelt zu werden. Wir

    verlangen Haus- und Heimatsrech in unserem Vaterland!

    Wenn wir die lange Reihe der Männer an unserem

    geistigen Auge vorbeiziehen lassen, die an unsere Seite

    den Heldentod starben, an ihrer Spitze die beiden edlen

    Kommandeure, unser lieben Oberstleutnant von Bismarck, der,

    durch 30jährigen Dienst mit dem Regiment verwachsne, uns

    zu einer lebenden Regimentsgeschichte geworden war, und der

    tapfer Oberstleutnant von Schmidt, Führer des 1.

    Garde-Reserve-Regiments, hinter ihnen all die herrlichen Mönner mit

    den vom Feuer glühender Vaterlandsliebe leuchtenden Augen

    und dem ehernen Willen im hezren, ihr Letztes einzusetzen für

    Deutschlands Größe - wenn wir diese schier endlose Reihe -

    an uns vorüberziehen lassen, so wird es uns klar, was mit

    ihnen Deutschland verloren hat, und gleichzeitig erklärt sich

    uns mancher schwre Schicksalstag der letzten 5 Jahre, manche

    Schmach, die wir hingenommen habe von innen und außen.

    Es waren eben die Besten unseres Volkes, die der Rasen deckt.

    Aber, - und damit wende ich mich in erster Linie an Sie,

    verehrte Hinterbliebene, - nicht vergebens ist das edle Blut

    geflossen, wie es enge Auffassungen so oft in den letzten Jahren

    geklagt hat. Wie vor Jahrhunderten durch das Blut der

    christlichen Märtyrer nicht, nach dem Willen ihrer Mörder,

    das Christentum erstickt wurde, sondern zu neuer Größe

    erstand, so wird auch aus der Blutsaat unserer gefallenen

    Helden einst die Ernte neuer deutscher Größe erwachsne. Wenn

    einmal wieder die Sonne der Freiheit über den deutschen

    Landen leuchtet, - es ist nur eine Frae der Zeit, - dann

    ahben sie jene Männer mit heraufgeführt. Dazu ist aber

    nötig, daß ihre Taten nicht untergehen mit uns, die wir sie

    erlebten. Drum soll dieser steinerne Stahlhelmmann von ihnen

    zeugen für alle Zeiten und kommende Geschlechter zur

    Nacheiferung begeistern.

    Noch ein anderer Gedanke des Trostes drängt sich mir

    auf, wenn ich Sie verehrte Hinterbiebene, hier vor ir sehe:

    Den SIeg, vor Augen sind unsere Helden gefallen, in der

    Zuversicht, Deutschlands Größe erkämpft zu haben, Deutschlankds

    Schmach brauchten sie nicht zu erlebn. Wahrlich ein herrliches,

    ein beneidenswertes Los!

    Aber nicht nur den Gefallenen gilt dieses Denkmal. Auch

    Euch soll e ein mal der Ehre sein, tapfere Kameraden und

    Mitkämpfer vom Ersten Garde- und 1. Garde-Reserve-

    Regiment und die Ihr bei aneren Truppenteilen die

    Erziehung des Ersen Garde-Regiments bewährt habt.

    Ihr sollt, wenn Ihr zu diesem Stein emporblickt, Euch in Stolz

    Eurer Taten erinnern und Eure Kinder darauf hinweisen.

    Diesen Stolz haben wir uns erkämpft. Ihn kann uns niemand

    nehmen. Wir brauchen ihn als Grundstein für Deutschlands

    Freiheitsbau.

    So möchte ich den Sinn des Mannes im Stahlhelm, der


    S. 232


  • February 26, 2017 11:01:52 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

    Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

    tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

    gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

    den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

    denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

    uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

    Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

    Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

    hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

    Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

    ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

    um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

    die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

    Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

    richten sich selbst.

    Wir aber erheben Einspruch dagegen, in Deutschland

    als Fremde oder Bürger 2. Kl. behandelt zu werden. Wir

    verlangen Haus- und Heimatsrech in unserem Vaterland!

    Wenn wir die lange Reihe der Männer an unserem

    geistigen Auge vorbeiziehen lassen, die an unsere Seite

    den Heldentod starben, an ihrer Spitze die beiden edlen

    Kommandeure, unser lieben Oberstleutnant von Bismarck, der,

    durch 30jährigen Dienst mit dem Regiment verwachsne, uns

    zu einer lebenden Regimentsgeschichte geworden war, und der

    tapfer Oberstleutnant von Schmidt, Führer des 1.

    Garde-Reserve-Regiments, hinter ihnen all die herrlichen Mönner mit

    den vom Feuer glühender Vaterlandsliebe leuchtenden Augen

    und dem ehernen Willen im hezren, ihr Letztes einzusetzen für

    Deutschlands Größe - wenn wir diese schier endlose Reihe -

    an uns vorüberziehen lassen, so wird es uns klar, was mit

    ihnen Deutschland verloren hat, und gleichzeitig erklärt sich

    uns mancher schwre Schicksalstag der letzten 5 Jahre, manche

    Schmach, die wir hingenommen habe von innen und außen.

    Es waren eben die Besten unseres Volkes, die der Rasen deckt.

    Aber, - und damit wende ich mich in erster Linie an Sie,

    verehrte Hinterbliebene, - nicht vergebens ist das edle Blut

    geflossen, wie es enge Auffassungen so oft in den letzten Jahren

    geklagt hat. Wie vor Jahrhunderten durch das Blut der

    christlichen Märtyrer nicht, nach dem Willen ihrer Mörder,

    das Christentum erstickt wurde, sondern zu neuer Größe

    erstand, so wird auch aus der Blutsaat unserer gefallenen

    Helden einst die Ernte neuer deutscher Größe erwachsne. Wenn

    einmal wieder die Sonne der Freiheit über den deutschen

    Landen leuchtet, - es ist nur eine Frae der Zeit, - dann

    ahben sie jene Männer mit heraufgeführt. Dazu ist aber

    nötig, daß ihre Taten nicht untergehen mit uns, die wir sie

    erlebten. Drum soll dieser steinerne Stahlhelmmann von ihnen

    zeugen für alle Zeiten und kommende Geschlechter zur

    Nacheiferung begeistern.


    S. 232


  • February 26, 2017 10:58:37 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

    Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

    tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

    gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

    den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

    denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

    uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

    Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

    Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

    hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

    Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

    ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

    um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

    die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

    Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

    richten sich selbst.

    Wir aber erheben Einspruch dagegen, in Deutschland

    als Fremde oder Bürger 2. Kl. behandelt zu werden. Wir

    verlangen Haus- und Heimatsrech in unserem Vaterland!

    Wenn wir die lange Reihe der Männer an unserem

    geistigen Auge vorbeiziehen lassen, die an unsere Seite

    den Heldentod starben, an ihrer Spitze die beiden edlen

    Kommandeure, unser lieben Oberstleutnant von Bismarck, der,

    durch 30jährigen Dienst mit dem Regiment verwachsne, uns

    zu einer lebenden Regimentsgeschichte geworden war, und der

    tapfer Oberstleutnant von Schmidt, Führer des 1.

    Garde-Reserve-Regiments, hinter ihnen all die herrlichen Mönner mit

    den vom Feuer glühender Vaterlandsliebe leuchtenden Augen

    und dem ehernen Willen im hezren, ihr Letztes einzusetzen für

    Deutschlands Größe - wenn wir diese schier endlose Reihe -

    an uns vorüberziehen lassen, so wird es uns klar, was mit

    ihnen Deutschland verloren hat, und gleichzeitig erklärt sich

    uns mancher schwre Schicksalstag der letzten 5 Jahre, manche



    S. 232


  • February 26, 2017 10:55:17 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.

    Verehrte Hinterbliebene unserer treuren Toten, liebe Kameraden,

    tapfere Kampfgenossen! Endlich ist der langersehnte Tag

    gekommen, an dem wir einen Teil des Dankes abtragen dürfen,

    den wir für unsere gefallenen Kameraden im Herzen tragen;

    denn ihnen in erster Linie gilt das herrliche Mal, das vor

    uns stehen wird. Doch soll es uns nicht erlaubt sein die

    Feier so zu begehen, wie es der Würde unseres stolzen

    Regimentes und seiner früheren Gefallenen entspricht. Man

    hat es gewagt, uns Einschränkungen aufzuerlegen. Jeder

    Bube darf öffentlich Vaterland und Heldentum schmähen. Aber

    ich darf nicht vor unserem Ruhmesdenkmal zu Euch sprechen,

    um dort der Großtaten unserer Väter zu gedenken und derer,

    die ihr Leben für das Vaterland ließen. Die in solcher

    Weise für die Sicherheit des Staates zu sorgen glauben,

    richten sich selbst.


    S. 232


  • February 26, 2017 10:52:28 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.



    S. 232


  • February 26, 2017 10:52:23 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal, jedes Wort haftet unauslöschlich in den

    Herzen seiner Zuhörer:


    Rede des Majors Grafn S. zu Eulenburg.



    S. 232


  • February 26, 2017 10:51:50 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    Auch die eigentliche Enthüllung und Weihe des Denkmals

    ist "mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse" durch den

    preußischen Minister des Innern recht einschneidenden

    Beschränkungen unterworfen. Ein parademarsch dr Regimenter

    am Denkmal soll nicht stattfinden, die Feier am Denkmal

    denkbar kurz sein. Major Graf zu Eulenburg, als dem

    letzten Kommandeur des Regiments fällt die Aufgabe zu, der

    Bedeutung des Denkmals, als eines Mals des Dankes an

    unsere gefallenen Helden, eines Mals der Ehre für die beiden

    Regimenter und eines Mals der Mahnung an uns und

    unsere nachkommen, Ausdruck zu geben.Seine Rede ist

    also ihrem Sinn nach der Beginn der Feier am Denkmal,

    muß nun aber der behördlichen Anordung wegen noch

    auf dem Kasernenhof gehalten werden. Doch der Zwang

    hat auch hier eine gute Seite: die durchdringende Stimme

    des Kommandeurs beherrscht den weiten Hof bis in die

    entferntesten Winkel, sicherer vielleicht als draußen den freien

    Platz am Denkmal


    S. 232


  • February 26, 2017 10:47:50 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen, die hier schlummern. Der Wind geht

    durch der Bäume Gipfel und ein Vöglein singt

    wehmütig die Totenklage. Doch auf dem schlichten Holzkreuz

    eines Heldengrabes sitzt ein FInk. Auch er stimmt ein

    Lied an. Es ist heller, lauter und fröhlicher als die

    Totenklage. Er singt von der unverwüstlichen Kraft, des

    Deutschen Volkes. Denn, wo solche Männer sterben,

    kann das Volk nicht untergehen. Er singt: " Du Deutsches

    Volk, Du mußt schreiten von der Nacht zum Licht. Per

    cucem ab Iucem! Gütiger Vater, gib, daß des Finken

    Lied halb Wirklichkeit werde.                                 Amen.

    Der Gottesdienst schließt mit dem gemeinsamen Gesang

    "Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten ..."


    S. 232


  • February 26, 2017 10:45:13 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.

    Doch Menschendank ist schwach. Wiederum soll der

    Vater im Himmel trösten und danken.

    "Du findest den Freund nimmermehr", so singt

    das irdische Lied. Das himmlische aber jubelt: "Es

    gibt ein Wiedersehn!" Denn ich bin die Auferstehung

    und das Leben, spricht Christus der Herr, wer an mich

    glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Den Lorbeer

    an der Stirn, den Palmzweig in der Hand weden die

    Helden einst ihre Leben grüßen.

    Das Erste Garde-Regiment und die ihm

    angeschlossenen Formationen haben über 8000 nunge Leben

    fürs Vaterland dahingegeben. Welch ein großer

    Friedhof! Mir deucht, als wäre ein abgrundtiefer See dabei,

    der die Tränen von jenen kaum fassen könnte, die

    um sie trauern. Es ist, as schmückten Trauerweiden

    diese weite Ruhestätte. Sie neigen ihr Haupt aus

    Ehrdurcht vor denen


    S. 232


  • February 26, 2017 10:42:03 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."

    Mit diesem Gebet haben wir unseren Dank in Gottes

    gütige Vaterhände gelegt. Möge er Eure Treue vergelten

    mit der Verheißung: "Wohlan, Ihr guten und getreuen

    Knechte, da Ihr auf Erden über Weniges getrau gewesen

    seid, will ich Euch über Vieles setzen im Himmel, geht

    ein in die Freuden Eures Herrn". In dem Hause

    unseres himmlischen Vaters sind viele Wohnungen, wäre

    es nicht so, so hätte es uns der Herr gesagt.

    Wo Helden sterben, da trauern Mütter und Väter,

    Frauen und Kinder. Auch ihnen, die ihr Leibstes

    opferten, gebührt unser Dank. Ein kleines Zeichen

    menschlichen Dankes ist ausgerichtet, ein Denkmal aus Stein.

    Es ist, als ob sich an ihm die gefallenen Helden, die

    überlebenden Kameradne Mütter und Väter, Frauen

    und Kinder die Hand reichten und traute Zwiesprache

    hielten von Liebe und Treu.


    S. 232


  • February 26, 2017 10:38:51 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.

    Habt Dank, Ihr treuen Toten, für Eure Tapferkeit!

    Eure Tapferkeit war nicht wie eine auflobernde Flamme,

    sie war gehärtet im Feuer der Treue und Liebe. Denn

    niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein

    Leben hingibt für seine Freunde. Ihr kämpftet mit

    gläubigem Herzen und demütigem Sinn. So habt Ihr

    die rein menschliche Tugend der Tapferkeit zu einer

    christlichen gemacht. Wie sollenw ir Euch das vergelten!

    Wir haben Euch in unsr Herz geschrieben. Danken

    wollen wir Euch durch unser fürbittendes Gebt. "O

    Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht

    leuchte ihnen, Herr, laß sie ruhn in Frieden."


    S. 232


  • February 26, 2017 10:36:42 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte werden die Ruhmestaten gerade dieses Regimentes

    preisen. Es ertrug nicht allein das Schwerste, nein, es

    hatte auch den Willen zu überwinden und zu fliegen.

    Noch sein letzter Gang an der Maas im November 18

    war ein Ehrengang.

    Die Toten des Regiments künden seine Großtaten.



    S. 232


  • February 26, 2017 10:35:39 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Gotteshaus.

    Ihr altes Regiment hat Sie gerufen. Der Ruf

    drang in Ihre Seele. Freudig kamen Sie herbei, weil

    es Sie drängte, jene zu sehen, mit denen Sie Freud

    und Leib teilten.

    Das Erste Garde-Regiment ist mit blankem Schild

    aus dem Kampfe hervorgegangen. Spätere

    Jahrhunderte


    S. 232


  • February 26, 2017 10:34:10 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)


    Liebe Kameraden!

    Wenn des Sonntags die Glocken im Trum

    erklingen, dann schlägt ihr Schall nicht bloß an unser

    Ohr, er dringt auch in unser Herz. Und die Gläubigen

    eilen freudig zum Goteshaus.


    S. 232


  • February 26, 2017 10:33:19 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    Leider war dem katholischen Seelsorger der Garnison

    aus der Zeit vor Kriegsausbruch, dem jetzigen Domprobst

    Dr. Middendorf, der gleichfalsl am 9.August 1914 auf dem

    Lustgarten gesprochen hat, nicht vergönnt, aus dem besetzten

    Köln herzueilen. Für ihm ergreift Kaplan Rickel von der

    hiesigen Pfarrkriche das Wort:


    Predigt des Kaplans Nickel.

    Wer immer sein Haus, Bruder oder Schwester, Vater

    oder Mutter, Weib oder Kind um meines Namens willen

    verläßt, der wird Hundertfältiges erhalten und das ewige

    Leben besizen. (Matthäus 19,29.)

    Liebe Kameraden!



    S. 232


  • February 26, 2017 10:30:48 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns

    endlich mit Ehren an - hier in der Zeit und droben

    in der Ewigkeit.

    Und wie wir durchs Schlachtenwetter gegangen, so

    wollen wir auch durch die heiligen Flammen deines

    ewigen Gerichtes gehen, gewiß der Vergebung der

    Sünden, gewiß der Gemeinschaft mit unsren Helden, gewiß

    des ewigen Lebens.

    So gehe es uns auf das ewige Licht in dir, dem

    Sohn des lebendigen Gottes über Leben und Sterben,

    in Kampf und Not, in Zeit und Ewigkeit:

    Jesus Christus, gestern, heut und derselbe auch

    in Ewigkeit.

    Semper talis!

    Amen.


    S. 232


  • February 26, 2017 10:28:47 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.

    Alles fährt hinaus über die Gegenwart dem ewigen

    Gericht entgegen: Derselbe Jesus Christus auch

    in Ewigkeit. Er wird richten die Lebendigen und

    die Toten und einem Jeglichen geben nach seinen

    Werken. Eins weiß ich: Ich möchte auch im ewigen Gericht

    nur ein Deutscher sein. Mir grautt vor diesen

    Judaslöhnen hinter der Szene des Welltheaters, in dem

    Siegfried die tragische Hauptrolle spielte, mir graut vor

    diesen heimlichen Verabredungen, die mit Mord

    begannen und mit Lüge endeten, mir graut vor diesen

    Gemeinheit der Feigheit, die aus lauter Angst quält

    und peinigt, das Unschuldige und Wehrlose, am

    allerliebsten, mir graut vor diesen erstickten Schreien der

    unschuldig Gefolterten und mir graut am allermeisten

    vor den Gebeten dieser Erzheuchler, die sich nun vorn

    in den Templ Gottes stellen und ein Tedeum nach

    dem anderen singen über dem nun endlich überwundenen

    "Barbaren". Nein: wir wollen weiter nichts, als was

    unser Kaiser und sein Haus, was die 8000 Grenadiere

    und Füsiliere vom Ersten Garde-Regiment und Ersten

    Garde-Reserve-Regiment taten am 9.August 1914: Auf

    die Knie wollen wir fallen im Geist geschart um unsern

    betenden Kaiser und unsere von oben uns segnende

    Kaiserin:

    Herr, hilf uns! Herr mach uns frei! Wir lassen dich

    nicht, du segnest uns denn! Dennoch bleiben wir stets

    an dir! Du hältst un, du rettest uns, du nimmst uns



    S. 232


  • February 26, 2017 10:23:59 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück zerbrichtst - semper talis: auch

    wir bleiben, was wir sind. Die Garde stirbt, doch sie

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    ergibt sich nicht dem Geist der Zeit, der Zersetzung und

    Verflachung und Verzwiflung. Dann muß Ostern

    kommen, wie es damals kam, und auf dem abgewälzten

    Grabstein Jesu bauen wir den Grenzstein der macht unsrer

    Feinde: den deutschen Körper möget ihr knebeln und

    knechten, des deutschen Geistes werdet ihr nie Herr

    werden! Auf diesen Grabstein bauen wir den

    Grundstein des neuen deutschen Hauses und seiner Zukunft

    und werden um die Seele unsrer Jugend: Werdet Jener

    würdig, die im Glauben an Deutschlands Größe und

    Ehre starben, die damals im Lustgarten Treue bis in

    den Tod schwuren durch den Mund ihres Kammandeurs,

    die letzten Rosen empfingen aus der Hand ihrer Kaiserin

    und dann kam nur noch der Lorbeer auf die blutige

    bleiche Heldenstirn.

    III.



    S. 232


  • February 26, 2017 10:20:34 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als totgetreue Mannen nichts zwischen uns

    und unsren Regimentschef treten lassen, so lassen wir

    bis in die Gedanken hinein nichts zwischen uns und

    unsren Gott treten: Du bleibest wie du bist - semper

    talis - sein sind wir, mit dir halten wir's, wir lassen

    dich nicht, auch wenn du uns unsren Stolz und unsre

    Freude und unser Glück


    S. 232


  • February 26, 2017 10:19:17 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über

    alledem, was unwiederbringlich da hin sit, weist er

    dahin, was wir bewähren müssen, wenn wir heute die

    Seele des Volks bewahren wollen vor dem Argen: Nie

    hat Gott so um unser Volk geworden, wie gerade jetzt.

    Wie wir als tot


    S. 232


  • February 26, 2017 10:18:12 Corinna Pichler (AUT)

    S. 231

    Haus fühlen. Potsdam ist die Schmiede und das

    Schmiedefeuer für das zerbrochene Siegmundsschwert

    der Fridericusgeist von gestern reicht dem Gardegeist

    von heute wie auf dem Ehrenmal die Hand und gibt

    ihm als Parole mit das alte herrliche "Dennoch", das

    uns von Rnersdorf nach Leuthen, von Jena nach

    Belle-Alliance, von 48 nach 71 geführt hat -  das wird sich

    auch nach 1918 wieder bewähren. Und das können

    wir, weil wir auf den "Christus heute" schauen. Wie

    oft haben Sie ihn totgesagt und genau so wie damals

    wälzen sich am Karfreitag Deutschlands die spottenden

    höhnenden Waffen an unsrer gekreuzigten Ohnmacht

    vorbei und warten auf unser langsames Absterben von

    innen und außen. Da ruft der Christus in uns mit

    den angenagekten Händen seinen Gott an, greift durch

    die Wolken hindurch an seines Vaters Herz und über

    alle Witwennot und alles Waisenleid aus dem Kriege,

    über gegenwärtige Schande und höllentiefes Leid, über



    S. 232


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    ID
    15873 / 169098
    Source
    http://europeana1914-1918.eu/...
    Contributor
    Heike Knothe
    License
    http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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