Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 126

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S. 229

unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

Chef des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

jeden von uns unauslöschlich mit dem Lustgarten verbunden.

Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

9. August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahrt zur

Westgrenze befohlen hatte ! Und nun sind nach 10 Jahren

die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

zu hören, die am 9.August 1914 gesprochen hatten. Und

nun ist der Lustgarten uns verboten ! - Auch der

Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

Enttäuschung! Und doch hat der Tausch auch sein Gutes:

Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

wird in Wahrheit eine Familienfeier.

Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

Regimenter stehen still. Mit dem Yorck'schen Marsch rückt

die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

Hauptmann Graf v. Matuschka vom Portal V her auf den Platz

und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

alten Krieger gespannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

Kompagnie sorgsamst gewahrt.

Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

an einstmals !

Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, stattlichen

Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

treuen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

Zeiten habe ich Dich nicht vergessen; wir bleiben die Alten!

Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

gerückt war, bereit:


Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

              Eitel-Friedrich von Preußen.


                          Kameraden !


Als vor 10 Jahren am 1. August abends das 1. Bataillon

von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

Kommandeur, General von Friedeburg, den Befehl Sr. Maj.

zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

Welche Auszeichnung und Freude, diese auserwählte Schar

zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

zurückschallten. Am 9. wiederholte das mobile Regiment in

Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

vom Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

in dem Oise- oder Marnetal, an der Aisne oder Somme, in

Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

Tag der Ehrung unserer Toten geweiht.

Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tornister der

Alltagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und Häßliche

unserer Tage und geben Sie sich hin der Freude, heute einmal

wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

großen Familie, der, unseres alten Regiments. Nicht mehr

in Grenadiermütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

hohen Chefs in alter Semper talis-Treue gedenken. Wir

kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

Stillgestanden! Die Hüte ab ! Unser geliebtes altes Erstes

Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

Hurra! Hurra! Hurra!


Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

Versammlung.  "Rührt euch!"


Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons Infanterie-

Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


S. 230

mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

einzuleiten:


"Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

lässt für die Freunde.

In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

Vaterland,

Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

Grabesnacht.

Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

die Aehre,

Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

einst Euch kröne.


Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

9. August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

Regimenter erbeten hat:

Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

Regimenter erbeten hat:


               Predigt des Hofpredigers Richter.

                         Semper talis!

Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

auch in Ewigkeit".

Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

großen Königs mit den Feueraugen und dem

Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

wir unserer toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

historischer Stätte versammelt haben.

Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

schwingt sich hinüber über die schandbedeckte traurige

Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

gut oder böse. Das ist das gewaltigste

                     Semper talis

            "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

            Ewigkeit":

            Jesus - gestern der Held

            Christus - heute der Heiland

            Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

                                 I.

Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

glühen die Augen und flammen die Herzen deutscher

Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

Von dem 21. August 14, an dem bei Ismes der erste

Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

10. November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

der Maasfront - von dem 9. August 14, an dem sich

8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

kaiserlichen Familie unter der Führung der Hohenzollernprinzen,

des vielgeliebten Trommlers von Colonfay, zum

letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

14. Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

Das können wir nur, wenn das alte Geistespfingsten,

das in Flammen über die ersten Christen kam, uns auch

heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus,

ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

Weisheit Athens und des Reichtums von Corinth?

Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

und Genius, zwischen Nibelungengold und

Siegfriedsgeist, den der Deutsche und an seiner Spitze das erste

Regiment der ganzen deutschen Heeresmacht, das

Hohenzollernregiment auszufechten hatte. Heldentum ist nie

bloß Körperkraft und Heeresmacht, sondern Geistesmacht

gewesen, die, auch äußerlich besiegt, niemals zu

überwinden war. Heldentum allein kann sagen: Als die

Sterbenden und siehe wir leben, als die Armen, die doch

Viele reich machen, als die nichts haben und die doch

alles haben. Heldentum sagt: Ich bin vereidigt vor

einem Höheren, als vor einem gekrönten Haupt, mein

Haupt war dorngekrönt - und hielt an dem Tage

des Menschensohns die Augenverbindung mit dem

Ewigen, auch wenn sich alle Pilati der Weltmacht

mit feilem Herzen und geilen Sinnen aufgemacht hätten,

ihn loszureißen von seinem Lebensboden und

Lebensodem: Mein Vater! Dieser Jesus ist mein Herr und

mein Gott, der blieb in der Treue; der erste Semper

talis-Mann, der seinen Eid, seinen Todeseid

festgehalten hat mit angenagelten Händen: Du sagst es, ich

bin des lebendigen Gottes Sohn! Mir nach! Spricht

Christus unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Alle

die Tausende von Soldatenkreuzen über schlichten

Kriegergräben sie sprechen von diesem Geist, den auch der

Bismarck des Ersten Garde-Regiments vorlebte und

vorstarb: Wir sind geblieben, nicht bloß nach dem

Blutgesetz des Krieges, sondern nach dem Geistgesetz

Gottes in dem Geist der Treue:


        Mag die Welt die Schwüre zerreißen

        Wie im Winde die Spreu:

        Es gibt ein Wort von Eisen,

        Das heißt Soldatentreu!


                      II.

Das wird das "Semper talis" heute! Christus

heute der Heiland auch der Todeswunden im Herzen,

aus denen die Angehörigen unserer Helden noch heute

bluten, der brennenden Scham und Schande, mit der

wir heute mit knirschenden Zähnen und ohnmächtig

gerungenen Männerfäusten zu ringen haben. "Waffenlos

fiel ich in Feindes Haus" - so läßt Richard Wagner

die hehre Siegmundesgestalt in Hundings Hütte singen

- aber in des tückischen Alberichbruders Mime Hütte

schmiedet Siegfried das zerbrochene Schwert des Vaters

neu - und entsetzt schaut der Zwerg mit all' seinen

Listen und Tücken auf den jungen Helden; denn

"nur wer das Fürchten nicht gelernt, der

schmiedet Notung neu"! Unsre Waffenrüstung

ist nicht abgefallen, unser Schwert ist nicht

zerbrochen, denn wir sind nie besiegt, auch wenn

wir im eigenen Vaterlande uns wie in Feindes

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S. 229

unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

Chef des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

jeden von uns unauslöschlich mit dem Lustgarten verbunden.

Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

9. August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahrt zur

Westgrenze befohlen hatte ! Und nun sind nach 10 Jahren

die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

zu hören, die am 9.August 1914 gesprochen hatten. Und

nun ist der Lustgarten uns verboten ! - Auch der

Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

Enttäuschung! Und doch hat der Tausch auch sein Gutes:

Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

wird in Wahrheit eine Familienfeier.

Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

Regimenter stehen still. Mit dem Yorck'schen Marsch rückt

die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

Hauptmann Graf v. Matuschka vom Portal V her auf den Platz

und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

alten Krieger gespannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

Kompagnie sorgsamst gewahrt.

Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

an einstmals !

Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, stattlichen

Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

treuen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

Zeiten habe ich Dich nicht vergessen; wir bleiben die Alten!

Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

gerückt war, bereit:


Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

              Eitel-Friedrich von Preußen.


                          Kameraden !


Als vor 10 Jahren am 1. August abends das 1. Bataillon

von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

Kommandeur, General von Friedeburg, den Befehl Sr. Maj.

zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

Welche Auszeichnung und Freude, diese auserwählte Schar

zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

zurückschallten. Am 9. wiederholte das mobile Regiment in

Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

vom Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

in dem Oise- oder Marnetal, an der Aisne oder Somme, in

Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

Tag der Ehrung unserer Toten geweiht.

Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tornister der

Alltagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und Häßliche

unserer Tage und geben Sie sich hin der Freude, heute einmal

wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

großen Familie, der, unseres alten Regiments. Nicht mehr

in Grenadiermütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

hohen Chefs in alter Semper talis-Treue gedenken. Wir

kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

Stillgestanden! Die Hüte ab ! Unser geliebtes altes Erstes

Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

Hurra! Hurra! Hurra!


Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

Versammlung.  "Rührt euch!"


Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons Infanterie-

Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


S. 230

mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

einzuleiten:


"Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

lässt für die Freunde.

In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

Vaterland,

Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

Grabesnacht.

Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

die Aehre,

Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

einst Euch kröne.


Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

9. August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

Regimenter erbeten hat:

Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

Regimenter erbeten hat:


               Predigt des Hofpredigers Richter.

                         Semper talis!

Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

auch in Ewigkeit".

Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

großen Königs mit den Feueraugen und dem

Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

wir unserer toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

historischer Stätte versammelt haben.

Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

schwingt sich hinüber über die schandbedeckte traurige

Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

gut oder böse. Das ist das gewaltigste

                     Semper talis

            "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

            Ewigkeit":

            Jesus - gestern der Held

            Christus - heute der Heiland

            Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

                                 I.

Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

glühen die Augen und flammen die Herzen deutscher

Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

Von dem 21. August 14, an dem bei Ismes der erste

Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

10. November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

der Maasfront - von dem 9. August 14, an dem sich

8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

kaiserlichen Familie unter der Führung der Hohenzollernprinzen,

des vielgeliebten Trommlers von Colonfay, zum

letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

14. Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

Das können wir nur, wenn das alte Geistespfingsten,

das in Flammen über die ersten Christen kam, uns auch

heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus,

ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

Weisheit Athens und des Reichtums von Corinth?

Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

und Genius, zwischen Nibelungengold und

Siegfriedsgeist, den der Deutsche und an seiner Spitze das erste

Regiment der ganzen deutschen Heeresmacht, das

Hohenzollernregiment auszufechten hatte. Heldentum ist nie

bloß Körperkraft und Heeresmacht, sondern Geistesmacht

gewesen, die, auch äußerlich besiegt, niemals zu

überwinden war. Heldentum allein kann sagen: Als die

Sterbenden und siehe wir leben, als die Armen, die doch

Viele reich machen, als die nichts haben und die doch

alles haben. Heldentum sagt: Ich bin vereidigt vor

einem Höheren, als vor einem gekrönten Haupt, mein

Haupt war dorngekrönt - und hielt an dem Tage

des Menschensohns die Augenverbindung mit dem

Ewigen, auch wenn sich alle Pilati der Weltmacht

mit feilem Herzen und geilen Sinnen aufgemacht hätten,

ihn loszureißen von seinem Lebensboden und

Lebensodem: Mein Vater! Dieser Jesus ist mein Herr und

mein Gott, der blieb in der Treue; der erste Semper

talis-Mann, der seinen Eid, seinen Todeseid

festgehalten hat mit angenagelten Händen: Du sagst es, ich

bin des lebendigen Gottes Sohn! Mir nach! Spricht

Christus unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Alle

die Tausende von Soldatenkreuzen über schlichten

Kriegergräben sie sprechen von diesem Geist, den auch der

Bismarck des Ersten Garde-Regiments vorlebte und

vorstarb: Wir sind geblieben, nicht bloß nach dem

Blutgesetz des Krieges, sondern nach dem Geistgesetz

Gottes in dem Geist der Treue:


        Mag die Welt die Schwüre zerreißen

        Wie im Winde die Spreu:

        Es gibt ein Wort von Eisen,

        Das heißt Soldatentreu!


                      II.

Das wird das "Semper talis" heute! Christus

heute der Heiland auch der Todeswunden im Herzen,

aus denen die Angehörigen unserer Helden noch heute

bluten, der brennenden Scham und Schande, mit der

wir heute mit knirschenden Zähnen und ohnmächtig

gerungenen Männerfäusten zu ringen haben. "Waffenlos

fiel ich in Feindes Haus" - so läßt Richard Wagner

die hehre Siegmundesgestalt in Hundings Hütte singen

- aber in des tückischen Alberichbruders Mime Hütte

schmiedet Siegfried das zerbrochene Schwert des Vaters

neu - und entsetzt schaut der Zwerg mit all' seinen

Listen und Tücken auf den jungen Helden; denn

"nur wer das Fürchten nicht gelernt, der

schmiedet Notung neu"! Unsre Waffenrüstung

ist nicht abgefallen, unser Schwert ist nicht

zerbrochen, denn wir sind nie besiegt, auch wenn

wir im eigenen Vaterlande uns wie in Feindes


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  • March 7, 2017 20:45:38 Rolf Kranz

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chef des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschlich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9. August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahrt zur

    Westgrenze befohlen hatte ! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914 gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten ! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tausch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yorck'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka vom Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gespannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals !

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, stattlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treuen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht vergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

                  Eitel-Friedrich von Preußen.


                              Kameraden !


    Als vor 10 Jahren am 1. August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedeburg, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Freude, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiederholte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in dem Oise- oder Marnetal, an der Aisne oder Somme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrung unserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tornister der

    Alltagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und Häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freude, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Nicht mehr

    in Grenadiermütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper talis-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab ! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons Infanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freunde.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9. August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


                   Predigt des Hofpredigers Richter.

                             Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unserer toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer Stätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schandbedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

                         Semper talis

                "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

                Ewigkeit":

                Jesus - gestern der Held

                Christus - heute der Heiland

                Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

                                     I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzen deutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21. August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10. November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

    Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

    der Maasfront - von dem 9. August 14, an dem sich

    8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

    kaiserlichen Familie unter der Führung der Hohenzollernprinzen,

    des vielgeliebten Trommlers von Colonfay, zum

    letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

    14. Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

    geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

    Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

    waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

    Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

    Das können wir nur, wenn das alte Geistespfingsten,

    das in Flammen über die ersten Christen kam, uns auch

    heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

    jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus,

    ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

    und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

    gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

    Weisheit Athens und des Reichtums von Corinth?

    Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

    waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

    uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

    und Genius, zwischen Nibelungengold und

    Siegfriedsgeist, den der Deutsche und an seiner Spitze das erste

    Regiment der ganzen deutschen Heeresmacht, das

    Hohenzollernregiment auszufechten hatte. Heldentum ist nie

    bloß Körperkraft und Heeresmacht, sondern Geistesmacht

    gewesen, die, auch äußerlich besiegt, niemals zu

    überwinden war. Heldentum allein kann sagen: Als die

    Sterbenden und siehe wir leben, als die Armen, die doch

    Viele reich machen, als die nichts haben und die doch

    alles haben. Heldentum sagt: Ich bin vereidigt vor

    einem Höheren, als vor einem gekrönten Haupt, mein

    Haupt war dorngekrönt - und hielt an dem Tage

    des Menschensohns die Augenverbindung mit dem

    Ewigen, auch wenn sich alle Pilati der Weltmacht

    mit feilem Herzen und geilen Sinnen aufgemacht hätten,

    ihn loszureißen von seinem Lebensboden und

    Lebensodem: Mein Vater! Dieser Jesus ist mein Herr und

    mein Gott, der blieb in der Treue; der erste Semper

    talis-Mann, der seinen Eid, seinen Todeseid

    festgehalten hat mit angenagelten Händen: Du sagst es, ich

    bin des lebendigen Gottes Sohn! Mir nach! Spricht

    Christus unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Alle

    die Tausende von Soldatenkreuzen über schlichten

    Kriegergräben sie sprechen von diesem Geist, den auch der

    Bismarck des Ersten Garde-Regiments vorlebte und

    vorstarb: Wir sind geblieben, nicht bloß nach dem

    Blutgesetz des Krieges, sondern nach dem Geistgesetz

    Gottes in dem Geist der Treue:


            Mag die Welt die Schwüre zerreißen

            Wie im Winde die Spreu:

            Es gibt ein Wort von Eisen,

            Das heißt Soldatentreu!


                          II.

    Das wird das "Semper talis" heute! Christus

    heute der Heiland auch der Todeswunden im Herzen,

    aus denen die Angehörigen unserer Helden noch heute

    bluten, der brennenden Scham und Schande, mit der

    wir heute mit knirschenden Zähnen und ohnmächtig

    gerungenen Männerfäusten zu ringen haben. "Waffenlos

    fiel ich in Feindes Haus" - so läßt Richard Wagner

    die hehre Siegmundesgestalt in Hundings Hütte singen

    - aber in des tückischen Alberichbruders Mime Hütte

    schmiedet Siegfried das zerbrochene Schwert des Vaters

    neu - und entsetzt schaut der Zwerg mit all' seinen

    Listen und Tücken auf den jungen Helden; denn

    "nur wer das Fürchten nicht gelernt, der

    schmiedet Notung neu"! Unsre Waffenrüstung

    ist nicht abgefallen, unser Schwert ist nicht

    zerbrochen, denn wir sind nie besiegt, auch wenn

    wir im eigenen Vaterlande uns wie in Feindes

  • February 26, 2017 10:13:33 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzendeutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21.August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10.November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

    Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

    der Maasfront - von dem 9.August 14, an dem sich

    8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

    kaiserlichen Familie unter der Führung der

    Hohenzollernprinzen, des vielgeliebten Trommlers von Colonfah, zum

    letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

    14.Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

    geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

    Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

    waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

    Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

    Das können wir nur, wenn das alte Geistspfingsten,

    das in Flammen über die erten Christen kam, uns auch

    heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

    jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus.

    Ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

    und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

    gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

    Weisheit Athens und des Reichtums von Crointh?

    Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

    waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

    uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

    und Genius, zwischen Nibelungengold und

    Siegfriedsgeist, den der Deutsche und an seiner Spitze das erste

    Rgiment der ganzen deutschen Heeresmacht, das

    Hohenzollernregiment auszufechten hatte. Heldentum ist nie

    bloß Körperkraft und Heeresmacht, sondern Geistesmacht

    gewesen, die, auch äußerlich besiegt, niemals zu

    überwinden war. Heldentum allein kann sagen: Als die

    Sterbenden und siehe wir leben, als die Armen, die doch

    Viele reich machen, als die nichts haben und die doch

    alles haben. Heldentum sagt: Ich bin vereidigt vor

    einem Höheren, als vor einem gekrönten haupt, mein

    Haupt war dorngekrönt - und hielt an dem Tage

    des Menschensohns die Augenverbindung mit dem

    Ewigen, auch wenn sich alle Pliati der Weltmacht

    mit feilem Herzen und geilen Sinnen aufgemacht hätten,

    ihn loszureißen von seinem Lebensboden und

    Lebensodem: Mein Vater! Dieser Jesus ist mein Herr und

    mein Gott, der blieb in der Treue; der erste Semper

    talis-Mann, der seinen Eid, seinen Todeseid

    festgehalten hat mit angenaelten Händen: Du sagst es, ich

    bin des lebendigen Gottes Sohn! Mir nach! Spricht

    Christus unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Alle

    die Tausende von Soldatenkreuzen über schlichten

    Kriegergräben sie sprechen von diesem Geist, den auch der

    Bismarck des Ersten Garde-Regiments vorlebte und

    vorstarb: Wir sind geblieben, nicht bloß nach dem

    Blutgesetz des Krieges, sondern nach dem Geistgesetz

    Gottes in dem Geist der Treue:

    Mag die Welt die Schwüre zerreißen

    Wie im Winde die Spreu:

    Es gibt ein Wort von Eisen,

    Das heißt Soldatentreu!

    II.

    Das wird das "Semper talis" heute! Christus

    heute der Heiland auch der Todeswunden im Herzen,

    aus denen die Angehörigen unserer Helden noch ehute

    bluten, der brennenden Scham und Scande, mit der

    wir heute mit knirschenden Zähnen und ohnmächtig

    gerungenen Männerfäusten zu ringen haben. "Waffenlos

    fiel ich in Feindes Haus" - so läßt Richard Wagner

    die hehre Siegmundesgestalt in Hundings Hütte singen

    - aber in des tückischen Alberichbruders Mime Hütte

    schmiedet Siegfried das zerbrochene Schwert des Vaters

    neu - und entsetzt schaut der Zwerg mit all' seinen

    Listen und Tücken auf den jungen Helden; denn

    "nur wer das Fürchten nicht gelernt, der

    schmiedet Notung neu"! Unsre

    Waffenrüstung ist nicht abgefallen, unser Schwert ist nicht

    zerbrochen, denn wir sind nie besiegt, auch wenn

    wir im eigenen Vaterlande uns wie in Feindes


  • February 26, 2017 10:11:48 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzendeutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21.August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10.November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

    Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

    der Maasfront - von dem 9.August 14, an dem sich

    8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

    kaiserlichen Familie unter der Führung der

    Hohenzollernprinzen, des vielgeliebten Trommlers von Colonfah, zum

    letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

    14.Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

    geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

    Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

    waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

    Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

    Das können wir nur, wenn das alte Geistspfingsten,

    das in Flammen über die erten Christen kam, uns auch

    heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

    jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus.

    Ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

    und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

    gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

    Weisheit Athens und des Reichtums von Crointh?

    Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

    waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

    uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

    und Genius, zwischen Nibelungengold und

    Siegfriedsgeist, den der Deutsche und an seiner Spitze das erste

    Rgiment der ganzen deutschen Heeresmacht, das

    Hohenzollernregiment auszufechten hatte. Heldentum ist nie

    bloß Körperkraft und Heeresmacht, sondern Geistesmacht

    gewesen, die, auch äußerlich besiegt, niemals zu

    überwinden war. Heldentum allein kann sagen: Als die

    Sterbenden und siehe wir leben, als die Armen, die doch

    Viele reich machen, als die nichts haben und die doch

    alles haben. Heldentum sagt: Ich bin vereidigt vor

    einem Höheren, als vor einem gekrönten haupt, mein

    Haupt war dorngekrönt - und hielt an dem Tage

    des Menschensohns die Augenverbindung mit dem

    Ewigen, auch wenn sich alle Pliati der Weltmacht

    mit feilem Herzen und geilen Sinnen aufgemacht hätten,

    ihn loszureißen von seinem Lebensboden und

    Lebensodem: Mein Vater! Dieser Jesus ist mein Herr und

    mein Gott, der blieb in der Treue; der erste Semper

    talis-Mann, der seinen Eid, seinen Todeseid

    festgehalten hat mit angenaelten Händen: Du sagst es, ich

    bin des lebendigen Gottes Sohn! Mir nach! Spricht

    Christus unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Alle

    die Tausende von Soldatenkreuzen über schlichten

    Kriegergräben sie sprechen von diesem Geist, den auch der

    Bismarck des Ersten Garde-Regiments vorlebte und

    vorstarb: Wir sind geblieben, nicht bloß nach dem

    Blutgesetz des Krieges, sondern nach dem Geistgesetz

    Gottes in dem Geist der Treue:

    Mag die Welt die Schwüre zerreißen

    Wie im Winde die Spreu:

    Es gibt ein Wort von Eisen,

    Das heißt Soldatentreu!

    II.

    Das wird das "Semper talis" heute! Christus

    heute der Heiland auch der Todeswunden im Herzen,

    aus denen die Angehörigen unserer Helden noch ehute

    bluten, der brennenden Scham und Scande, mit der

    wir heute mit knirschenden Zähnen und ohnmächtig

    gerungenen Männerfäusten zu ringen haben. "Waffenlos

    fiel ich in Feindes Haus" - so läßt Richard Wagner

    die hehre Siegmundesgestalt in Hundings


  • February 26, 2017 10:11:28 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzendeutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21.August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10.November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

    Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

    der Maasfront - von dem 9.August 14, an dem sich

    8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

    kaiserlichen Familie unter der Führung der

    Hohenzollernprinzen, des vielgeliebten Trommlers von Colonfah, zum

    letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

    14.Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

    geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

    Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

    waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

    Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

    Das können wir nur, wenn das alte Geistspfingsten,

    das in Flammen über die erten Christen kam, uns auch

    heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

    jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus.

    Ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

    und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

    gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

    Weisheit Athens und des Reichtums von Crointh?

    Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

    waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

    uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

    und Genius, zwischen Nibelungengold und

    Siegfriedsgeist, den der Deutsche und an seiner Spitze das erste

    Rgiment der ganzen deutschen Heeresmacht, das

    Hohenzollernregiment auszufechten hatte. Heldentum ist nie

    bloß Körperkraft und Heeresmacht, sondern Geistesmacht

    gewesen, die, auch äußerlich besiegt, niemals zu

    überwinden war. Heldentum allein kann sagen: Als die

    Sterbenden und siehe wir leben, als die Armen, die doch

    Viele reich machen, als die nichts haben und die doch

    alles haben. Heldentum sagt: Ich bin vereidigt vor

    einem Höheren, als vor einem gekrönten haupt, mein

    Haupt war dorngekrönt - und hielt an dem Tage

    des Menschensohns die Augenverbindung mit dem

    Ewigen, auch wenn sich alle Pliati der Weltmacht

    mit feilem Herzen und geilen Sinnen aufgemacht hätten,

    ihn loszureißen von seinem Lebensboden und

    Lebensodem: Mein Vater! Dieser Jesus ist mein Herr und

    mein Gott, der blieb in der Treue; der erste Semper

    talis-Mann, der seinen Eid, seinen Todeseid

    festgehalten hat mit angenaelten Händen: Du sagst es, ich

    bin des lebendigen Gottes Sohn! Mir nach! Spricht

    Christus unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Alle

    die Tausende von Soldatenkreuzen über schlichten

    Kriegergräben sie sprechen von diesem Geist, den auch der

    Bismarck des Ersten Garde-Regiments vorlebte und

    vorstarb: Wir sind geblieben, nicht bloß nach dem

    Blutgesetz des Krieges, sondern nach dem Geistgesetz

    Gottes in dem Geist der Treue:

    Mag die Welt die Schwüre zerreißen

    Wie im Winde die Spreu:

    Es gibt ein Wort von Eisen,

    Das heißt Soldatentreu!

    II.

    Das wird das "Semper talis" heute! Christus

    heute der Heiland auch der Todeswunden im Herzen,

    aus denen die Angehörigen unserer Helden noch ehute

    bluten, der brennenden Scham und Scande, mit der

    wir heute mit knirschenden Zähnen und ohnmächtig

    gerungenen Männerfäusten zu ringen haben. "Waffenlos

    fiel ich in Feindes Haus" - so läßt Richard Wagnr

    die hehre Siegmundesgestalt in Hundings


  • February 26, 2017 10:10:08 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzendeutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21.August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10.November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

    Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

    der Maasfront - von dem 9.August 14, an dem sich

    8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

    kaiserlichen Familie unter der Führung der

    Hohenzollernprinzen, des vielgeliebten Trommlers von Colonfah, zum

    letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

    14.Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

    geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

    Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

    waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

    Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

    Das können wir nur, wenn das alte Geistspfingsten,

    das in Flammen über die erten Christen kam, uns auch

    heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

    jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus.

    Ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

    und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

    gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

    Weisheit Athens und des Reichtums von Crointh?

    Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

    waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

    uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

    und Genius, zwischen Nibelungengold und

    Siegfriedsgeist, den der Deutsche und an seiner Spitze das erste

    Rgiment der ganzen deutschen Heeresmacht, das

    Hohenzollernregiment auszufechten hatte. Heldentum ist nie

    bloß Körperkraft und Heeresmacht, sondern Geistesmacht

    gewesen, die, auch äußerlich besiegt, niemals zu

    überwinden war. Heldentum allein kann sagen: Als die

    Sterbenden und siehe wir leben, als die Armen, die doch

    Viele reich machen, als die nichts haben und die doch

    alles haben. Heldentum sagt: Ich bin vereidigt vor

    einem Höheren, als vor einem gekrönten haupt, mein

    Haupt war dorngekrönt - und hielt an dem Tage

    des Menschensohns die Augenverbindung mit dem

    Ewigen, auch wenn sich alle Pliati der Weltmacht

    mit feilem Herzen und geilen Sinnen aufgemacht hätten,

    ihn loszureißen von seinem Lebensboden und

    Lebensodem: Mein Vater! Dieser Jesus ist mein Herr und

    mein Gott, der blieb in der Treue; der erste Semper

    talis-Mann, der seinen Eid, seinen Todeseid

    festgehalten hat mit angenaelten Händen: Du sagst es, ich

    bin des lebendigen Gottes Sohn! Mir nach! Spricht

    Christus unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Alle

    die Tausende von Soldatenkreuzen über schlichten

    Kriegergräben sie sprechen von diesem Geist, den auch der

    Bismarck des Ersten Garde-Regiments vorlebte und

    vorstarb: Wir sind geblieben, nicht bloß nach dem

    Blutgesetz des Krieges, sondern nach dem Geistgesetz

    Gottes in dem Geist der Treue:

    Mag die Welt die Schwüre zerreißen

    Wie im Winde die Spreu:

    Es gibt ein Wort von Eisen,

    Das heißt Soldatentreu!

    II.



  • February 26, 2017 10:06:41 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzendeutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21.August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10.November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

    Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

    der Maasfront - von dem 9.August 14, an dem sich

    8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

    kaiserlichen Familie unter der Führung der

    Hohenzollernprinzen, des vielgeliebten Trommlers von Colonfah, zum

    letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

    14.Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

    geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

    Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

    waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

    Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

    Das können wir nur, wenn das alte Geistspfingsten,

    das in Flammen über die erten Christen kam, uns auch

    heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

    jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus.

    Ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

    und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

    gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

    Weisheit Athens und des Reichtums von Crointh?

    Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

    waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

    uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

    und Genius, zwischen Nibelungengold und

    Siegfriedsgeist, den der Deutsche und an seiner Spitze das erste

    Rgiment der ganzen deutschen Heeresmacht, das

    Hohenzollernregiment auszufechten hatte. Heldentum ist nie

    bloß Körperkraft und Heeresmacht, sondern Geistesmacht

    gewesen, die, auch äußerlich besiegt, niemals zu

    überwinden war. Heldentum allein kann sagen: Als die

    Sterbenden und siehe wir leben, als die Armen, die doch

    Viele reich machen, als die nichts haben und die doch

    alles haben. Heldentum sagt: Ich bin vereidigt vor

    einem Höheren, als vor einem gekrönten haupt, mein

    Haupt war dorngekrönt - und hielt an dem Tage

    des Menschensohns


  • February 26, 2017 10:04:45 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzendeutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21.August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10.November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

    Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

    der Maasfront - von dem 9.August 14, an dem sich

    8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

    kaiserlichen Familie unter der Führung der

    Hohenzollernprinzen, des vielgeliebten Trommlers von Colonfah, zum

    letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

    14.Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

    geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

    Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

    waren in dem Geist von Leuthen und Sedan, auch jetzt

    Die Grenadiere vom alten Fritz und vom großen Kaiser.

    Das können wir nur, wenn das alte Geistspfingsten,

    das in Flammen über die erten Christen kam, uns auch

    heute einigt: Sie blieben beständig, so heißt es von

    jenen Helden der ersten Zeit, in der Gemeinschaft! Jesus.

    Ihr Held, ging ihnen voran auch in Blut und Feuer

    und Rauchdampf. Und was waren sie, die kleine Schar,

    gegen jene große antike Welt der Macht Roms, der

    Weisheit Athens und des Reichtums von Crointh?

    Was war das Preußen Friedrichs gegen Europa? Was

    waren wir im Weltkrieg gegen die Welt? Es ist der

    uralte Kampf zwischen Zahl und Geist, zwischen Technik

    und Genius, zwischen Nibelungengold und

    Siegfriedsgeist


  • February 26, 2017 10:02:13 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzendeutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21.August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10.November 18, dem letzten großen Sturmangriff der

    Bataillone Arnim und Schauroth bei der Höhe 249 an

    der Maasfront - von dem 9.August 14, an dem sich

    8000 Grenadiere und Füsiliere mit dem Kaiser und der

    kaiserlichen Familie unter der Führung der

    Hohenzollernprinzen, des vielgeliebten Trommlers von Colonfah, zum

    letzten Gottesdienst im Lustgarten vereinten, bis zum

    14.Juni 24, an dem wir hier stehend Gott die Ehre

    geben wollen - dies Wort ist mit Euch wie mit den

    Toten gegangen: Semper talis. Wir bleiben, was wir

    waren in dem Geist von Leuthen nd Sedan, auch jetzt



  • February 26, 2017 10:00:09 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.

    Heldentum! Seid getrost, Kameraden, noch heute

    glühen die Augen und flammen die Herzendeutscher

    Jugend, wenn wir ihnen von ihren Helden erzählen.

    Von dem 21.August 14, an dem bei Ismes der erste

    Mann des Regiments, Füsilier Menge, fiel, bis zum

    10.November 18, dem letzten großen Sturmangriff der


  • February 26, 2017 09:58:51 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des

    ewigen Richters, der auch über dieses Stück Geschichte wie

    über unsere Feinde einmal gerechtes Gericht halten wird,

    wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die

    Gräber dringt, und wir Alle müssen offenbar werden

    vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher

    empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei

    gut oder böse. Das ist das gewaltigste

    Semper talis

    "Jesus Christus, gestern und heut und derselbe in

    Ewigkeit":

    Jesus - gestern der Held

    Christus - heute der Heiland

    Jesus Christus - in Ewigkeit der Richter

    I.



  • February 26, 2017 09:56:30 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!

    Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!

    Hebr. 13,8: "Jesus Christus gestern und heut und derselbe

    auch in Ewigkeit".

    Das Ehrenmal des Ersten Garde-Regiments, das

    heute der Enthüllung harrt, stellt Stein geworden

    denselben Gedanken dar, den unser Kaiser und

    Regimentschef einmal auf dem Lustgarten aussprach: "Wir sind

    und bleiben de Grenadiere vom großen Fritz!" Die alte

    Zeit. Der friderizianische Grenadier, reicht der neuen Zeit

    im Stahlhelm die Hand und darüber das Bild des

    großen Königs mit den Feueraugen und dem

    Felsenherzen: Semper talis - immer derselbe! Das nennen

    wir den ehernen Gleichschritt der Potsdamer Wachtparade,

    der zum Geisterschritt der großen Geschichte wird, wenn

    wir unsere toten Helden gedenken und ihnen zu Ehren

    uns vor dem Angesicht unseres ewigen Königs an

    historischer STätte versammelt haben.

    Bleib du im ew'gen Leben, mein guter

    Kamerad - das klingt nicht bloß, hinab in

    die Gräber der Toten in Ost und West, nein das

    schwingt sich hinüber über die schanddedeckte traurige

    Gegenwart, die - Gott ist, Zeuge - der deutsche

    Soldat nicht verschuldet hat, hinauf vor den Thron des



  • February 26, 2017 09:52:04 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem Herren sterben."


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrtren früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:


    Predigt des Hofpredigers Richter.

    Semper talis!



  • February 25, 2017 22:00:09 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.


    Nach dem Gesange der Festgemeinde "Großer Gott, wir

    loben dich ..." folgt die Predigt des Hofpredigers Richter,

    unseres allverehrten früheren Garnisonspfarrers, der uns so

    oft in der Garnisonskirche Gottes Wort ausgelegt und am

    9.August 1914 beim Feldgottesdienst auf dem Lustgarten

    den Segen des Himmels für die beiden kampfbereiten

    Regimenter erbeten hat:

    Selig sind die Toten, die dem herren sterben."


  • February 25, 2017 21:58:47 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um


    S. 230

    mit dem Vortrag der Motette "Euch tote Helden", komponiert

    von Kamerad Wilhelm Zippel (Berlin), den Feldgottesdienst

    einzuleiten:


    "Keiner hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben

    lässt für die Freude.

    In fremder Erde ruhet Ihr nach heil'gem Kampf fürs

    Vaterland,

    Und fremde Sterne halten Wacht dort über Eurer

    Grabesnacht.

    Doch Eurer Taten reife Saat, sie keimet still, es reift

    die Aehre,

    Bis Himmelskönigs Weckruf schallt und ew'ger Lorbeer

    einst Euch kröne.

    Selig sind die Toten, die dem herren sterben."


  • February 25, 2017 21:56:33 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem heldenhaften Führer dem Grafen zu Eulenburg

    Seiner gedacht hat nach siegreichem Angriff am letzten Tage

    des Weltkrieges, so gehen unsere Gedanken auch heute mit

    unseren besten Wünschen zu Ihm in die Ferne, wissend

    daß auch Er im Geiste hier unter uns weilt. Und nun

    Stillgestanden! Die Hüte ab! Unser geliebtes altes Erstes

    Garde-Regiment zu Fuß und sein hoher Regiments-Chef

    Hurra! Hurra! Hurra!


    Die Mauern der alten Kaserne erzittern von dem

    begeisterten, soldatisch knappen Hurraruf der vieltausendköpfigen

    Versammlung.  "Rührt euch!"


    Feierlich setzen die Musik des 1. Bataillons INfanterie-

    Regiments 9 und der, von Kamerad Alfred Herrmann

    trefflich geschulte Sängerchor der Traditionskompagnie ein, um

    S. 230


  • February 25, 2017 21:53:45 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    Wenn ich Sie nun auffordere, mit mir unseres Regimentes

    zu gedenken, so ist es selbstverständlich, daß wir dabei unseres

    hohen Chefs in alter Semper tails-Treue gedenken. Wir

    kennen keine Treue auf Zeit, wir kennen nur eine Treue auf

    Ewigkeit. So wie wir Seiner gedacht haben am ersten

    Mobilmachungstage, so wie wir Seiner gedacht haben unter den

    alten Eichen des belgischen Schlosses Mielmont, wenige Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Stunden

    vor unserem ersten Gefecht, und so wie die kleine tapfere Schar

    unter ihrem

    S. 230


  • February 25, 2017 21:51:21 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden zu sein, Bruder einer

    großen Familie, der, unseres alten Regiments. Richt mehr

    in Grenadiermuütze und blauem Rock, nicht mehr in Stahlhelm

    und Feldgrau, sondern im Bürgerrock unseres Semper

    talis-Bundes. Freuen Sie sich unserer schönen, in sommerlicher

    Pracht blühenden Garnisonstadt und ihrer alten Erinnerungen,

    mit der Geschichte unseres Regiments so eng verwachsen.

    S. 230


  • February 25, 2017 21:48:49 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern

    durch das Denkmal stets in Erinnerung bleiben. So sei der

    Tag der Ehrungunserer Toten geweiht.

    Er sei aber auch geweiht der Erinnerung an unser altes

    stolzes Regiment, dem ein jeder von uns soviel verdankt, das

    der Stolz seiner Könige und der Schrecken seiner Feinde war.

    Der Tag sei aber auch der Kameradschaft der Ueberlebenden

    geweiht. Legen Sie heute einmal den drückenden Tronister der

    Altagssorgen ab, vergessen Sie alles Trennende und häßliche

    unserer Tage und geben Sie sich hin der Freud, heute einmal

    wieder Kamerad unter Kameraden

    S. 230


  • February 25, 2017 21:47:04 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten. Am 9. wiedehrolte das mobile Regiment in

    Gegenwart seines hohen Chefs auf dem Lustgarten diesen Schwur.

    Und diesen Schwur haben wir gehalten! Einer Welt von

    Feinden gegenüber. In Sonderheit jene 4600 Kameraden

    vom

    Regiment und die 4000 Kameraden vom Reserveregiment,

    denen wir heute ein Erinnerungsmal errichten. Unsere

    Gedanken eilen in dankbarer Liebe hin zu ihren stillen Gräbern

    und legen heute einen Lorbeerreis auf diese nieder. Mögen

    sie in der Heimat liegen oder in Feindesland, auf Flanderns

    feuchten Wiesen und auf den Kreidebergen der Champagne,

    in den Dise- oder Marnetal, an der Aisne oder SOmme, in

    Galizien und Polens weiten Fluren oder den Wäldern Livlands,

    in befreiter oftpreußischer Erde oder auf dem Kamme der

    Karparthen. Sie sind in unserer Erinnerung unvergessen! Ihre

    Taten und ihr Heldentod soll den nachkommenden Geschlechtern


    S. 230


  • February 25, 2017 21:43:53 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    elektrischer Funke durch einen jeden von uns: jetzt wird es

    ernst, die Spannung der letzten Tage entlädt sich: Das ist

    der Krieg! Kurz darauf las uns Aktiven unser verehrter

    Kommandeur, General von Friedebrug, den Befehl Sr. Maj.

    zur Mobilmachung der Armee vor. Laut Mobilmachungsbefehl

    hatte ich die hohe Ehre, dies stolze Regiment zu übernehmen.

    Welche Auszeichnung und Fruede, diese auserwählte Schar

    zum Schutze der Heimat gegen den Feind führen zu können.

    Unsere erste gemeinsame Handlung war das Treuegelöbnis

    bis zum Tode unserem Könige und unserem Vaterlande, dessen

    drei brausende Hurras von diesen ehrwürdigen Mauern

    zurückschallten.

    S. 230


  • February 25, 2017 21:40:53 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!

    Als vor 10 Jahren am 1.August abends das 1. Bataillon

    von einem heißen Uebungsmarsche zurückkehrte, hieß es, das

    Regiment sei zum Appell bestellt. Da zuckte es wie ein

    S. 230


  • February 25, 2017 21:40:02 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    tadellos. Die jungen Soldaten fühlen, daß die Augen der

    alten Krieger gesoannt jede Bewegung verfolgen. Es gilt,

    eine strenge Prüfung zu bestehen, und - sie wird bestanden,

    mit hohem Lob. Die Tradition des Regiments ist bei dieser

    Kompagnie sorgsamst gewahrt.

    Die Frau Kronprinzessin ist mit den Prinzensöhnen

    erschienen und zu den Ehrengästen geleitet worden. Prinz

    Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand sind ihrem hohen Vater

    über den Kopf gewachsen; Prinz Wilhelm wäre in kurzer

    Zeit zum Dienst beim Regiment eingeteilt worden, wenn -

    ja wenn - . Immer wieder die schmerzliche Erinnerung

    an einstmals!

    Die Feier beginnt. Die Regimentskommandeure schreiten

    die Front der Batailllone ab. Suchend und prüfend

    verfolgen ihre Blicke die langen Reihen der großen, statlichen

    Gestalten. Jeder von ihnen findet alte Bekannte heraus.

    Ein Aufleuchten des Auges, ein kurzer Gruß besagen dem

    treugen Mann im schwarzen Rock: Trotz allem Wandel der

    Zeiten habe ich Dich nicht ergessen; wir bleiben die Alten!

    Aufgeschlossene Tiefkolonnen werden gebildet. In wenigen

    Minuten stehen die beiden Regimenter nebeneinander, vor

    dem Altar, auf dem Hofe des früheren I. und II. Bataillons

    zur Begrüßungsansprache Sr. königlichen Hoheit des Generalmajors

    Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, unter dessen

    Befehl vor 10 Jahren das Ersten Garde-Regiment ins Feld,

    gerückt war, bereit:


    Ansprache Seiner königlichen Hoheit des Prinzen

    Eitel-Friedrich von Preußen.

    Kameraden!


    S. 230


  • February 25, 2017 21:33:59 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen

    zu hören, die am 9.August 1914, gesprochen hatten. Und

    nun ist der Lustgarten uns verboten! - Auch der

    Gottesdienst muß auf dem Kasernenhof stattfinden. Eine bittere

    Enttäuschung! Und doch hat der Tasch auch sein Gutes:

    Kein störender Lärm dringt von der Straße hierher; die

    hohen Mauern der Kaserne halten das gesprochene Wort fest;

    nur das Glockenspiel zwingt die Redner ab und an zu einer

    kurzen Pause. Wir sind ganz unter uns. Der Gottesdienst

    wird in Wahrheit eine Familienfeier.

    Achtung! - Ein Ruck geht durch die Reihen. Die

    Regimenter stehen still. Mit dem Yord'schen Marsch rückt

    die Traditionskompagnie des Ersten Garde-Regiments zu Fuß,

    die 1. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9, unter

    Hauptmann Graf v. Matuschka von Portal V her auf den Platz

    und nimmt rechts vom Altar, hinter den Ehrengästen

    Aufstellung. Anmasch, Haltung, Griffe der Kompagnie sind

    S. 230


  • February 25, 2017 21:30:31 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    Wer vergißt jemals jenen erhebenden Feldgottesdienst vom

    9.August 1914, zu dem S.M. der Kaiser und König

    Sein Erstes Garde-Regiment zu Fuß und Sein 1.

    Garde-Reserve-Regiment, sie beide allein, vor ihrer Abfahr zur

    Westgrenze befohlen hatte! Und nun sind nach 10 Jahren

    die beiden Regimenter wieder versammelt, um der toten

    Kameraden zu gedenken und Gott zu danken, daß er trotz

    allem Unglück uns bis hierher gnädig geleitet hat. Da lag

    es so nahe, auch diesen Tag mit einem Feldgottesdienst auf

    unserem alten Lustgarten zu beginnen, noch einmal an der

    gleichen Stelle Worte der Demut und des Dankes, des Stolzes

    und der Zuversicht aus dem Munde der beiden Geistlichen


    S. 230


  • February 19, 2017 16:42:44 Corinna Pichler (AUT)

    S. 229

    unserer Könige Soldaten geworden. Erinnerungen an

    ungezählte Stunden strammen Dienstes, an Besichtigungen und

    lobende Anerkennung an Paraden vor dem Allerhöchsten

    Chefs des Regimens und Seinen fürstlichen Gästen sind für

    jeden von uns unauslöschich mit dem Lustgarten verbunden.

    S. 230


  • February 19, 2017 16:41:35 Corinna Pichler (AUT)

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    ID
    15873 / 169097
    Source
    http://europeana1914-1918.eu/...
    Contributor
    Heike Knothe
    License
    http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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