Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 110

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  • March 5, 2017 18:12:56 Rolf Kranz

    S. 199

    s. item 108


    S. 200

    s. item 109


  • March 5, 2017 18:11:45 Rolf Kranz

    S. 199

    Es ist heute nicht mehr möglich die Stimmung zu

    beschreiben in welcher wir uns damals befanden. Wut, Scham

    und Verzweiflung war näher als der Wunsch zu wissen

    das der Friede kommen sollte - eine solche Erniedrigung

    des deutschen Volkes nach 4 langen Kriegsjahren war

    unglaublich - und dennoch musste der Kelch angenommen

    werden.

    Im Lazarett erfuhr man anfangs nicht viel. Das

    männliche Sanitätspersonal blieb den ganzen Tag über

    weg, auch die Ärzte liessen sich nicht sehen - wirr[sic!]

    konnten es nicht fassen, dass sich Offizere kaum mehr

    in Uniform auf der Strasse sehen lassen durften.

    Von Turmülten haben wir zum Glück nichts zu sehen

    bekommmen. Einzig und allein versahen die

    Krankenschwestern ihren Dienst - diese schliefen immer zum Teil

    sogar zu Hause  - mussten sie ja sogar das Geschirr

    aufwaschen u.a. mehr, weil das Personal einfach streikte.

    Es kam die treue Pflichterfüllung der Schwestern uns

    zur Untätigkeit Gezwungenen gegenüber gar nicht hoch

    genug eingeschätzt werden.

    Im Lazarett wurde nun den Vorschriften

    gemäss ein Soldatenrat beildet. Keiner wollte das

    Amt annehmen, endlich liess sich ein Sergeant

    dazu überreden. Zu seiner Ehre muss gesagt werden,

    dass er der Alte blieb und es ihm auch gelang, das


    S. 200

    s. item 109



  • February 15, 2017 10:56:02 Corinna Pichler (AUT)

    S. 199

    Es ist heute nicht mehr möglich die Stimmung zu

    beschreiben in welcher wir uns damals befanden. Wut, Scham

    und Verzweiflung war näher als der Wunsch zu wissen

    das der Friede kommen sollte - eine solche Erniedrigung

    des deutschen Volkes nach 4 langen Kriegsjahren war

    unglaublich - und dennoch musste der Kelch angenommen

    werden.

    Im Lazarett erfuhr man anfangs nicht viel. Das

    männliche Sanitätspersonal blieb den ganzen Tag über

    weg, auch die Ärzte liessen sich nicht sehen - wirr[sic!]

    konnten es nicht fassen, dass sich Offizere kaum mehr

    in Uniform auf der Strasse sehen lassen durften.

    Von Turmülten haben wir zum Glück nichts zu sehen

    bekommmen. Einzig und allein versahen die

    Krankenschwestern ihren Dienst - diese schliefen immer zum Teil

    sogar zu Hause  - mussten sie ja sogar das Geschirr

    aufwaschen u.a. mehr, weil das Personal einfach streikte.

    Es kam die treue Pflichterfüllung der Schwestern uns

    zur Untätigkeit Gezwungenen gegenüber gar nicht hoch

    genug eingeschätzt werden.

    Im Lazarett wurde nun den Vorschriften

    gemäss ein Soldatenrat beildet. Keiner wollte das

    Amt annehmen, endlich liess sich ein Sergeant

    dazu überreden. Zu seiner Ehre muss gesagt werden,

    dass er der Alte blieb und es ihm auch gelang, das


    S. 200

    Eingeklebt ein offener Zeitungsartikel:

    Soldaten und Mitbürger!

    Es herrscht unter den beurlaubten und den ortsfremden Soldaten

    grosse Unklarheit über Verpflegung, Löhnung und Entlassung. Diese Fragen

    wird der Arbeiter- und Soldatenrat in kürzester Zeit lösen. Die Wache der

    Bahnhofskommandantur ist zur Auskunft über all diese Fragen verpflichtet.

    Alle Zugreisten haben ihre Waffen bei der Bahnhofskommandantur abzugeben.

    Der Arbeiter- und Soldatenrat der Stadt Bomberg übt so lange die

    Regierungsgewalt aus, bis die Volksregierung neue Anweisungen erteilt hat.

    Vorgesetzte sind außerdienstlich nicht zu grüßen, Waffentragen ist für Militär

    und Zivil verboten mit Ausnahme der Mitglieder des Arbeiter- und

    Soldatenrates und der im Auftrage dieses Rates dienstuenden Wachen

    und Patronillen.

    Da von der neuen Regierung in kürzester Zeit eine Amnestie zu

    erwarten st, darf sein Gefängnis geöffnet werden. Anderwärts sind

    schwere Verbrecher befreit, die sofort wieder bei Einbruch und Diebstahl

    ertappt worden sind.

    Diese Menschen besudeln unsere reine Sache und geben Realstionären

    Gelegenheit, gegen uns zu wirken.

    Der Arbeiter- und Soldatenrat wird jede Plünderung und Gewalttat

    von Militär- und Zivilpersonen durch ein zu wählendes Stadtgericht

    unnachsichtlich bestrafen.

    Bromberg, den 12. November 1918.


    Der Vorstand

    des Arbeiter- und Soldatenrats

    Bromberg

    Stötzel. Wende. Schulz.

    Knaat. Grunert. Schendell.Neuhaus. Streubl.

    W. Dittmann, Bromberg. 184542


  • February 15, 2017 10:55:51 Corinna Pichler (AUT)

    S. 199

    Es ist heute nicht mehr möglich die Stimmung zu

    beschreiben in welcher wir uns damals befanden. Wut, Scham

    und Verzweiflung war näher als der Wunsch zu wissen

    das der Friede kommen sollte - eine solche Erniedrigung

    des deutschen Volkes nach 4 langen Kriegsjahren war

    unglaublich - und dennoch musste der Kelch angenommen

    werden.

    Im Lazarett erfuhr man anfangs nicht viel. Das

    männliche Sanitätspersonal blieb den ganzen Tag über

    weg, auch die Ärzte liessen sich nicht sehen - wirr[sic!]

    konnten es nicht fassen, dass sich Offizere kaum mehr

    in Uniform auf der Strasse sehen lassen durften.

    Von Turmülten haben wir zum Glück nichts zu sehen

    bekommmen. Einzig und allein versahen die

    Krankenschwestern ihren Dienst - diese schliefen immer zum Teil

    sogar zu Hause  - mussten sie ja sogar das Geschirr

    aufwaschen u.a. mehr, weil das Personal einfach streikte.

    Es kam die treue Pflichterfüllung der Schwestern uns

    zur Untätigkeit Gezwungenen gegenüber gar nicht hoch

    genug eingeschätzt werden.

    Im Lazarett wurde nun den Vorschriften

    gemäss ein Soldatenrat beildet. Keiner wollte das

    Amt annehmen, endlich liess sich ein Sergeant

    dazu überreden. Zu seiner Ehre muss gesagt werden,

    dass er der Alte blieb und es ihm auch gelang, das


    S. 200

    Eingeklebt ein offener Zeitungsartikel:

    Soldaten und Mitbürger!

    Es herrscht unter den beurlaubten und den ortsfremden Soldaten

    grosse Unklarheit über Verpflegung, Löhnung und Entlassung. Diese Fragen

    wird der Arbeiter- und Soldatenrat in kürzester Zeit lösen. Die Wache der

    Bahnhofskommandantur ist zur Auskunft über all diese Fragen verpflichtet.

    Alle Zugreisten haben ihre Waffen bei der Bahnhofskommandantur abzugeben.

    Der Arbeiter- und Soldatenrat der Stadt Bomberg übt so lange die

    Regierungsgewalt aus, bis die Volksregierung neue Anweisungen erteilt hat.

    Vorgesetzte sind außerdienstlich nicht zu grüßen, Waffentragen ist für Militär

    und Zivil verboten mit Ausnahme der Mitglieder des Arbeiter- und

    Soldatenrates und der im Auftrage dieses Rates dienstuenden Wachen

    und Patronillen.

    Da von der neuen Regierung in kürzester Zeit eine Amnestie zu

    erwarten st, darf sein Gefängnis geöffnet werden. Anderwärts sind

    schwere Verbrecher befreit, die sofort wieder bei Einbruch und Diebstahl

    ertappt worden sind.

    Diese Menschen besudeln unsere reine Sache und geben Realstionären

    Gelegenheit, gegen uns zu wirken.

    Der Arbeiter- und Soldatenrat wird jede Plünderung und Gewalttat

    von Militär- und Zivilpersonen durch ein zu wählendes Stadtgericht

    unnachsichtlich bestrafen.

    Bromberg, den 12. November 1918.


    Der Vorstand

    des Arbeiter- und Soldatenrats

    Bromberg

    Stötzel. Wende. Schulz.

    Knaat. Grunert. Schendell.Neuhaus. Streubl.

    

    W. Dittmann, Bromberg. 184542


  • February 15, 2017 10:47:15 Corinna Pichler (AUT)

    S. 199

    Es ist heute nicht mehr möglich die Stimmung zu

    beschreiben in welcher wir uns damals befanden. Wut, Scham

    und Verzweiflung war näher als der Wunsch zu wissen

    das der Friede kommen sollte - eine solche Erniedrigung

    des deutschen Volkes nach 4 langen Kriegsjahren war

    unglaublich - und dennoch musste der Kelch angenommen

    werden.

    Im Lazarett erfuhr man anfangs nicht viel. Das

    männliche Sanitätspersonal blieb den ganzen Tag über

    weg, auch die Ärzte liessen sich nicht sehen - wirr[sic!]

    konnten es nicht fassen, dass sich Offizere kaum mehr

    in Uniform auf der Strasse sehen lassen durften.

    Von Turmülten haben wir zum Glück nichts zu sehen

    bekommmen. Einzig und allein versahen die

    Krankenschwestern ihren Dienst - diese schliefen immer zum Teil

    sogar zu Hause  - mussten sie ja sogar das Geschirr

    aufwaschen u.a. mehr, weil das Personal einfach streikte.

    Es kam die treue Pflichterfüllung der Schwestern uns

    zur Untätigkeit Gezwungenen gegenüber gar nicht hoch

    genug eingeschätzt werden.

    Im Lazarett wurde nun den Vorschriften

    gemäss ein Soldatenrat beildet. Keiner wollte das

    Amt annehmen, endlich liess sich ein Sergeant

    dazu überreden. Zu seiner Ehre muss gesagt werden,

    dass er der Alte blieb und es ihm auch gelang, das


    S. 200

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    15873 / 169081
    Source
    http://europeana1914-1918.eu/...
    Contributor
    Heike Knothe
    License
    http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/







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