Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 100

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S. 183

unweit eines Waldes. Wir seien in Bromberg hiess es. Um

9.00 wurde der Zug vor die Rampen geholt. Wir waren

104 Stunden unterwegs gewesen und hatten etwa 1000              27.X.

Kilometer zurückgelegt - quer durch Deutschland. Auf den

Rampen standen in Reih und Glied die Bahren. Eine

grosse Anzahl von Sanitätern war versammelt, Ärzte

und Damen vom Roten Kreuz. Das Ausladen ging recht

flott, im Handumdrehen waren die Rampen voll von

Verwundeten. Die Damen reichten Kaffee und Zigaretten,

brachten Decken und Kissen und fragten nach Wünschen.

Es war schön das Bewusstsein zu haben, diese hier alle

danken den Kriegern für ihre Opfer. Auch ich befand

mich bald auf der Rampe - wurde dann weiter getragen,

und in einen Strassenbahnwagen geladen. Alles ging

flott mit  ausserordenlicher Behutsamkeit, kein Stoss

war zu spüren. Neugierige waren genug da. Einer

Gruppe von Frauen traten Tränen in die Augen als

sie zusahen, wie wir verladen wurden. Durch einigen

Strassen hindurch fuhren wir nach dem

Reservelazarett 1. Concordia.

      Freundliche Schwestern empfingen uns, wiesen uns

Betten an, fragten nach Wünschen. Immer noch nicht

hatten wir Gelegenheit gehabt uns gründlich zu waschen.

Am Nachmittag konnte ich baden. Kameraden halfen,

da ich ja in meinen Bewegungen behindert war. Das


S. 184

linke Bein konnte ich garnicht gebrauchen, es schmerzte recht.

      Dann wurde ich von der Schwester - Elisabeth - verbunden

und kam wieder ins Bett. Wenige Tage später, wechselten

die Schwestern mit der Einteilung und ich kam in die

fürsorgliche Pflege der netten Schwester Johanna Parduhn.

Dann kam der Arzt, untersuchte meine Wunden mit einer

Sonde, ordnete Tamponierung der Oberschenkelwunde an.

In das daumengrosse Loch wurde ein Gazestreifen

hineingestopft um den Eiter aufzusaugen - die Operations

-Schnittwunde im Schenkelinnen verheilte bald. - Die Rückenwunde

wurde mit Höllenstein [1] gebeitzt was auch recht angenehm

war. Das Tamponieren geschah jeden morgen und kostete

viel Überwundung, ich habe so manches Mal dabei die

Kissen zerbissen, tat aber der Wunde gut, die Heilung ging

recht rasch. Am Meisten bzw. auch am Längsten bereitete

die Wunde über der Ferse Schwierigkeiten, diese war grösser

geworden und heilte erst nach Monaten, als ich schon Zivil

trug, völlig zu. Vorläufig konnte ich an Laufen garnicht

denken, zur Stütze des Beines bekam ich einen

Sandsack ins Bett, so lag ich wochenlang auf der rechten

Seite.

      Gleich in den ersten Tagen bekam ich einen leichten

Grippe Anfall - der nach zwei Tagen behoben war. Kurz

vor meiner Verlegung - ich hatte sofort einen Antrag gestellt -

hatte ich einen zweiten recht kräftigen Anfall. Tagelang


[1] Höllenstein: Silbernitrat als Antisepticum

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S. 183

unweit eines Waldes. Wir seien in Bromberg hiess es. Um

9.00 wurde der Zug vor die Rampen geholt. Wir waren

104 Stunden unterwegs gewesen und hatten etwa 1000              27.X.

Kilometer zurückgelegt - quer durch Deutschland. Auf den

Rampen standen in Reih und Glied die Bahren. Eine

grosse Anzahl von Sanitätern war versammelt, Ärzte

und Damen vom Roten Kreuz. Das Ausladen ging recht

flott, im Handumdrehen waren die Rampen voll von

Verwundeten. Die Damen reichten Kaffee und Zigaretten,

brachten Decken und Kissen und fragten nach Wünschen.

Es war schön das Bewusstsein zu haben, diese hier alle

danken den Kriegern für ihre Opfer. Auch ich befand

mich bald auf der Rampe - wurde dann weiter getragen,

und in einen Strassenbahnwagen geladen. Alles ging

flott mit  ausserordenlicher Behutsamkeit, kein Stoss

war zu spüren. Neugierige waren genug da. Einer

Gruppe von Frauen traten Tränen in die Augen als

sie zusahen, wie wir verladen wurden. Durch einigen

Strassen hindurch fuhren wir nach dem

Reservelazarett 1. Concordia.

      Freundliche Schwestern empfingen uns, wiesen uns

Betten an, fragten nach Wünschen. Immer noch nicht

hatten wir Gelegenheit gehabt uns gründlich zu waschen.

Am Nachmittag konnte ich baden. Kameraden halfen,

da ich ja in meinen Bewegungen behindert war. Das


S. 184

linke Bein konnte ich garnicht gebrauchen, es schmerzte recht.

      Dann wurde ich von der Schwester - Elisabeth - verbunden

und kam wieder ins Bett. Wenige Tage später, wechselten

die Schwestern mit der Einteilung und ich kam in die

fürsorgliche Pflege der netten Schwester Johanna Parduhn.

Dann kam der Arzt, untersuchte meine Wunden mit einer

Sonde, ordnete Tamponierung der Oberschenkelwunde an.

In das daumengrosse Loch wurde ein Gazestreifen

hineingestopft um den Eiter aufzusaugen - die Operations

-Schnittwunde im Schenkelinnen verheilte bald. - Die Rückenwunde

wurde mit Höllenstein [1] gebeitzt was auch recht angenehm

war. Das Tamponieren geschah jeden morgen und kostete

viel Überwundung, ich habe so manches Mal dabei die

Kissen zerbissen, tat aber der Wunde gut, die Heilung ging

recht rasch. Am Meisten bzw. auch am Längsten bereitete

die Wunde über der Ferse Schwierigkeiten, diese war grösser

geworden und heilte erst nach Monaten, als ich schon Zivil

trug, völlig zu. Vorläufig konnte ich an Laufen garnicht

denken, zur Stütze des Beines bekam ich einen

Sandsack ins Bett, so lag ich wochenlang auf der rechten

Seite.

      Gleich in den ersten Tagen bekam ich einen leichten

Grippe Anfall - der nach zwei Tagen behoben war. Kurz

vor meiner Verlegung - ich hatte sofort einen Antrag gestellt -

hatte ich einen zweiten recht kräftigen Anfall. Tagelang


[1] Höllenstein: Silbernitrat als Antisepticum


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  • April 14, 2017 13:07:36 Rolf Kranz

    S. 183

    unweit eines Waldes. Wir seien in Bromberg hiess es. Um

    9.00 wurde der Zug vor die Rampen geholt. Wir waren

    104 Stunden unterwegs gewesen und hatten etwa 1000              27.X.

    Kilometer zurückgelegt - quer durch Deutschland. Auf den

    Rampen standen in Reih und Glied die Bahren. Eine

    grosse Anzahl von Sanitätern war versammelt, Ärzte

    und Damen vom Roten Kreuz. Das Ausladen ging recht

    flott, im Handumdrehen waren die Rampen voll von

    Verwundeten. Die Damen reichten Kaffee und Zigaretten,

    brachten Decken und Kissen und fragten nach Wünschen.

    Es war schön das Bewusstsein zu haben, diese hier alle

    danken den Kriegern für ihre Opfer. Auch ich befand

    mich bald auf der Rampe - wurde dann weiter getragen,

    und in einen Strassenbahnwagen geladen. Alles ging

    flott mit  ausserordenlicher Behutsamkeit, kein Stoss

    war zu spüren. Neugierige waren genug da. Einer

    Gruppe von Frauen traten Tränen in die Augen als

    sie zusahen, wie wir verladen wurden. Durch einigen

    Strassen hindurch fuhren wir nach dem

    Reservelazarett 1. Concordia.

          Freundliche Schwestern empfingen uns, wiesen uns

    Betten an, fragten nach Wünschen. Immer noch nicht

    hatten wir Gelegenheit gehabt uns gründlich zu waschen.

    Am Nachmittag konnte ich baden. Kameraden halfen,

    da ich ja in meinen Bewegungen behindert war. Das


    S. 184

    linke Bein konnte ich garnicht gebrauchen, es schmerzte recht.

          Dann wurde ich von der Schwester - Elisabeth - verbunden

    und kam wieder ins Bett. Wenige Tage später, wechselten

    die Schwestern mit der Einteilung und ich kam in die

    fürsorgliche Pflege der netten Schwester Johanna Parduhn.

    Dann kam der Arzt, untersuchte meine Wunden mit einer

    Sonde, ordnete Tamponierung der Oberschenkelwunde an.

    In das daumengrosse Loch wurde ein Gazestreifen

    hineingestopft um den Eiter aufzusaugen - die Operations

    -Schnittwunde im Schenkelinnen verheilte bald. - Die Rückenwunde

    wurde mit Höllenstein [1] gebeitzt was auch recht angenehm

    war. Das Tamponieren geschah jeden morgen und kostete

    viel Überwundung, ich habe so manches Mal dabei die

    Kissen zerbissen, tat aber der Wunde gut, die Heilung ging

    recht rasch. Am Meisten bzw. auch am Längsten bereitete

    die Wunde über der Ferse Schwierigkeiten, diese war grösser

    geworden und heilte erst nach Monaten, als ich schon Zivil

    trug, völlig zu. Vorläufig konnte ich an Laufen garnicht

    denken, zur Stütze des Beines bekam ich einen

    Sandsack ins Bett, so lag ich wochenlang auf der rechten

    Seite.

          Gleich in den ersten Tagen bekam ich einen leichten

    Grippe Anfall - der nach zwei Tagen behoben war. Kurz

    vor meiner Verlegung - ich hatte sofort einen Antrag gestellt -

    hatte ich einen zweiten recht kräftigen Anfall. Tagelang


    [1] Höllenstein: Silbernitrat als Antisepticum

  • April 14, 2017 13:05:39 Rolf Kranz

    S. 183

    unweit eines Waldes. Wir seien in Bromberg hiess es. Um

    9.00 wurde der Zug vor die Rampen geholt. Wir waren

    104 Stunden unterwegs gewesen und hatten etwa 1000              27.X.

    Kilometer zurückgelegt - quer durch Deutschland. Auf den

    Rampen standen in Reih und Glied die Bahren. Eine

    grosse Anzahl von Sanitätern war versammelt, Ärzte

    und Damen vom Roten Kreuz. Das Ausladen ging recht

    flott, im Handumdrehen waren die Rampen voll von

    Verwundeten. Die Damen reichten Kaffee und Zigaretten,

    brachten Decken und Kissen und fragten nach Wünschen.

    Es war schön das Bewusstsein zu haben, diese hier alle

    danken den Kriegern für ihre Opfer. Auch ich befand

    mich bald auf der Rampe - wurde dann weiter getragen,

    und in einen Strassenbahnwagen geladen. Alles ging

    flott mit  ausserordenlicher Behutsamkeit, kein Stoss

    war zu spüren. Neugierige waren genug da. Einer

    Gruppe von Frauen traten Tränen in die Augen als

    sie zusahen, wie wir verladen wurden. Durch einigen

    Strassen hindurch fuhren wir nach dem

    Reservelazarett 1. Concordia.

          Freundliche Schwestern empfingen uns, wiesen uns

    Betten an, fragten nach Wünschen. Immer noch nicht

    hatten wir Gelegenheit gehabt uns gründlich zu waschen.

    Am Nachmittag konnte ich baden. Kameraden halfen,

    da ich ja in meinen Bewegungen behindert war. Das


    S. 184

    linke Bein konnte ich garnicht gebrauchen, es schmerzte recht.

          Dann wurde ich von der Schwester - Elisabeth - verbunden

    und kam wieder ins Bett. Wenige Tage später, wechselten

    die Schwestern mit der Einteilung und ich kam in die

    fürsorgliche Pflege der netten Schwester Johanna Parduhn.

    Dann kam der Arzt, untersuchte meine Wunden mit einer

    Sonde, ordnete Tamponierung der Oberschenkelwunde an.

    In das daumengrosse Loch wurde ein Gazestreifen

    hineingestopft um den Eiter aufzusaugen - die Operations

    -Schnittwunde im Schenkelinnen verheilte bald. - Die Rückenwunde

    wurde mit Höllenstein gebeitzt was auch recht angenehm

    war. Das Tamponieren geschah jeden morgen und kostete

    viel Überwundung, ich habe so manches Mal dabei die

    Kissen zerbissen, tat aber der Wunde gut, die Heilung ging

    recht rasch. Am Meisten bzw. auch am Längsten bereitete

    die Wunde über der Ferse Schwierigkeiten, diese war grösser

    geworden und heilte erst nach Monaten, als ich schon Zivil

    trug, völlig zu. Vorläufig konnte ich an Laufen garnicht

    denken, zur Stütze des Beines bekam ich einen

    Sandsack ins Bett, so lag ich wochenlang auf der rechten

    Seite.

          Gleich in den ersten Tagen bekam ich einen leichten

    Grippe Anfall - der nach zwei Tagen behoben war. Kurz

    vor meiner Verlegung - ich hatte sofort einen Antrag gestellt -

    hatte ich einen zweiten recht kräftigen Anfall. Tagelang


  • April 14, 2017 13:00:53 Rolf Kranz

    S. 183

    unweit eines Waldes. Wir seien in Bromberg hiess es. Um

    9.00 wurde der Zug vor die Rampen geholt. Wir waren

    104 Stunden unterwegs gewesen und hatten etwa 1000              27.X.

    Kilometer zurückgelegt - quer durch Deutschland. Auf den

    Rampen standen in Reih und Glied die Bahren. Eine

    grosse Anzahl von Sanitätern war versammelt, Ärzte

    und Damen vom Roten Kreuz. Das Ausladen ging recht

    flott, im Handumdrehen waren die Rampen voll von

    Verwundeten. Die Damen reichten Kaffee und Zigaretten,

    brachten Decken und Kissen und fragten nach Wünschen.

    Es war schön das Bewusstsein zu haben, diese hier alle

    danken den Kriegern für ihre Opfer. Auch ich befand

    mich bald auf der Rampe - wurde dann weiter getragen,

    und in einen Strassenbahnwagen geladen. Alles ging

    flott mit  ausserordenlicher Behutsamkeit, kein Stoss

    war zu spüren. Neugierige waren genug da. Einer

    Gruppe von Frauen traten Tränen in die Augen als

    sie zusahen, wie wir verladen wurden. Durch einigen

    Strassen hindurch fuhren wir nach dem

    Reservelazarett 1. Concordia.

          Freundliche Schwestern empfingen uns, wiesen uns

    Betten an, fragten nach Wünschen. Immer noch nicht

    hatten wir Gelegenheit gehabt uns gründlich zu waschen.

    Am Nachmittag konnte ich baden. Kameraden halfen,

    da ich ja in meinen Bewegungen behindert war. Das


    S. 184

    linke Bein konnte ich garnicht gebrauchen, es schmerzte recht.

          Dann wurde ich von der Schwester - Elisabeth - verbunden

    und kam wieder ins Bett. Wenige Tage später, wechselten

    die Schwestern mit der Einteilung und ich kam in die

    fürsorgliche Pflege der netten Schwester Johanna Parduhn.

    Dann kam der Arzt, untersuchte meine Wunden mit einer

    Sonde, ordnete Tamponierung der Oberschenkelwunde an.

    In das daumengrosse Loch wurde ein Gazestreifen

    hineingestopft um den Eiter aufzusaugen - die

    Operations-Schnittwunde im Schenkelinnen verheilte bald. - Die Rückenwunde

    wurde mit Höllenstein gebeitzt was auch recht angenehm

    war. Das Tamponieren geschah jeden morgen und kostete

    viel Überwundung, ich habe so manches Mal dabei die

    Kissen zerbissen, tat aber der Wunde gut, die Heilung ging

    recht rasch. Am Meisten bzw. auch am Längsten bereitete

    die Wunde über der Ferse Schwierigkeiten, diese war grösser

    geworden und heilte erst nach Monaten, als ich schon Zivil

    trug, völlig zu. Vorläufig konnte ich an Laufen garnicht

    denken, zur Stütze des Beines bekam ich einen

    Sandsack ins Bett, so lag ich wochenlang auf der rechten

    Seite.

          Gleich in den ersten Tagen bekam ich einen leichten

    Grippe Anfall - der nach zwei Tagen behoben war. Kurz

    vor meiner Verlegung - ich hatte sofort einen Antrag gestellt -

    hatte ich einen zweiten recht kräftigen Anfall. Tagelang


  • March 5, 2017 17:40:42 Rolf Kranz

    S. 183

    unweit eines Waldes. Wir seien in Bromberg hiess es. Um

    9.00 wurde der Zug vor die Rampen geholt. Wir waren

    104 Stunden unterwegs gewesen und hatten etwa 1000              27.X.

    Kilometer zurückgelegt - quer durch Deutschland. Auf den

    Rampen standen in Reih und Glied die Bahren. Eine

    grosse Anzahl von Sanitätern war versammelt, Ärzte

    und Damen vom Roten Kreuz. Das Ausladen ging recht

    flott, im Handumdrehen waren die Rampen voll von

    Verwundeten. Die Damen reichten Kaffee und Zigaretten,

    brachten Decken und Kissen und fragten nach Wünschen.

    Es war schön das Bewusstsein zu haben, diese hier alle

    danken den Kriegern für ihre Opfer. Auch ich befand

    mich bald auf der Rampe - wurde dann weiter getragen,

    und in einen Strassenbahnwagen geladen. Alles ging

    flott mit  ausserordenlicher Behutsamkeit, kein Stoss

    war zu spüren. Neugierige waren genug da. Einer

    Gruppe von Frauen traten Tränen in die Augen als

    sie zusahen, wie wir verladen wurden. Durch einigen

    Strassen hindurch fuhren wir nach dem

    Reserveazarett 1. Concordia.

             Freundliche Schwestern empfingen uns, wiesen uns

    Betten an, fragten nach Wünschen. Immer noch nicht

    hatten wir Gelegenheit gehabt uns gründlich zu waschen.

    Am Nachmittag konnte ich baden. Kameraden halfen,

    da ich ja in meinen Bewegungen behindert war. Das


    S. 184

    linke Bein konnte ich garnicht gebrauchen, es schmerzte recht.

    Dann wurde ich von der Schwester - Elisabeth - verbunden

    und kam wieder ins Bett. Wenige Tage später, wechselten

    die Schwestern mit der Einteilung und ich kam in die

    fürsorgliche Pflege der netten Schwester Johanna Parduhn.

    Dann kam der Arzt, untersuchte meine Wunden mit einer

    Sonde, ordnete Tamponierung der Oberschenkelwunde an.

    In das daumengrosse Loch wurde ein Gazestreifen

    hineingestopft um den Eiter aufzusaugen - die

    Operations-Schnittwunde im Schenkelinnen verheilte bald. - Die Rückenwunde

    wurde mit Höllenstein gebeitzt was auch recht angenehm

    war. Das Tamponieren geschah jeden morgen und kostete

    viel Überwundung, ich habe so manches Mal dabei die

    Kissen zerbissen, tat aber der Wunde gut, die Heilung ging

    recht rasch. Am Meisten bzw. auch am Längsten bereitete

    die Wunde über der Ferse Schwierigkeiten, diese war grösser

    geworden und heilte erst nach Monaten, als ich schon Zivil

    trug, völlig zu. Vorläufig konnte ich an Laufen garnicht

    denken, zur Stütze des Beines bekam ich einen

    Sandsack ins Bett, so lag ich wochenlang auf der rechten

    Seite.

        Gleich in den ersten Tagen bekam ich einen leichten

    Grippe Anfalls - der nach zwei Tagen behoben war. Kurz

    vor meiner Verlegung - ich hatte sofort einen Antrag gestellt -

    hatte ich einen weiteren recht kräftigen Anfall. Tagelang


  • February 15, 2017 08:40:01 Corinna Pichler (AUT)

    S. 183

    unweit eines Waldes. Wir seien in Bromberg hiess es. Um

    9.00 wurde der Zug vor die Rampen geholt. Wir waren

    104 Stunden unterwegs gewesen und hatten etwa 1000

    Kilometer zurückgelegt - quer durch Deutschland. Auf dem

    Rampen standen in Reih und Glied die Bahnen. Eine

    grosse Anzahl von Sanitätern war versammelt, Ärzte

    und Damen vom Roten Kreuz. Das Ausladen ging recht

    flott, im Handumdrehen waren die Rampen voll von

    Verwundeten. Die Damen reichten Kaffee und Zigaretten,

    brachten Decken und Kissen und fragten nach Wünschen.

    Es war schön das Bewusstsein zu haben, diese hier alle

    danken den Kriegern für ihre Opfer. Auch ich befand

    mich bald auf der Rampe - wurde dann weiter getragen,

    und in einen Strassenbahnwagen geladen. Alles ging

    flott mit  ausserordenlicher Behutsamkeit, kein Stoss

    war zu spüren. Neugierige waren gengu da. Einer

    Gruppe von Frauen traten Tränen in die Augen als

    sie zusahen, wie wir verladen wurden. Durch einigen

    Strassen hindurch fuhren wir nach dem

    Reserveazarett 1. Concordia.

    Freundliche Schwestern empfingen uns, wiessen uns

    Bette an, fragten nach Wünschen. Immer noch nicht

    hatten wir Gelegenheit gehabt uns gründlich zu waschen.

    Am Nachmittag konnte ich baden. Kameraden halfen,

    da ich ja in meinen Bewegungen behindert war. Das


    S. 184

    linke Bein konnte ich garnicht gebrauchen, es schmerzte recht.

    Dann wurde ich von der Schwester - Elisabeth - verbunden

    und kam wieder ins Bett. Wenige Tage später, wechselten

    die Schwestern mit der Einteilung ich kam in die

    fürsorglich Pflege der netten Schwester Johanna Parduhn.

    Dann kam der Arzt, untersuchte meine Wunden mit einer

    Soonde, ordnete Tamponierung der Oberschenkelwunde an.

    INndas Daumengrosse Loch wurde ein Gazestreifen

    hineingestopft um das Eiter aufzusaugen - die

    Operations-Schnittwunde im Schenkelinnen verheilte bald. - Die Rückenwunde

    wurde mit Höllenstein gebutzt was auch recht angenehm

    war. Das Tamponieren geschah jeden morgen und kostete

    viel Überwundung, ich habe so manches Mal dabei die

    Kissen zerbissen, tat aber der Wunde gut, die Heilung ging

    recht rasch. Am Meisten bezw. auch am Längsten bereitete

    die Wunde über der Ferse Schwierigkeiten, diese war grösser

    geworden und heilte erst nach Monaten, als ich schon Zivil

    trug, völlig zu. Vorläufig konnte ich an Laufen garnicht

    denken, zur Stütze des Beines bekam ich einen

    Sandsack ins Bett, so lag ich wochenlang auf der rechten

    Seite.

    Gleich in den ersten Tagen bekam ich einen leichten

    Grippe Anfalls - der nach zwei Tagen behoben war. Kurz

    vor meiner Verlgeung - ich hatte sofort einen Antrag gestellt -

    hatte ich einen weiteren recht kräftigen Anfall. Tagelang


  • February 15, 2017 08:34:41 Corinna Pichler (AUT)

    S. 183

    unweit eines Waldes. Wir seien in Bromberg hiess es. Um

    9.00 wurde der Zug vor die Rampen geholt. Wir waren

    104 Stunden unterwegs gewesen und hatten etwa 1000

    Kilometer zurückgelegt - quer durch Deutschland. Auf dem

    Rampen standen in Reih und Glied die Bahnen. Eine

    grosse Anzahl von Sanitätern war versammelt, Ärzte

    und Damen vom Roten Kreuz. Das Ausladen ging recht

    flott, im Handumdrehen waren die Rampen voll von

    Verwundeten. Die Damen reichten Kaffee und Zigaretten,

    brachten Decken und Kissen und fragten nach Wünschen.

    Es war schön das Bewusstsein zu haben, diese hier alle

    danken den Kriegern für ihre Opfer. Auch ich befand

    mich bald auf der Rampe - wurde dann weiter getragen,

    und in einen Strassenbahnwagen geladen. Alles ging

    flott mit  ausserordenlicher Behutsamkeit, kein Stoss

    war zu spüren. Neugierige waren gengu da. Einer

    Gruppe von Frauen traten Tränen in die Augen als

    sie zusahen, wie wir verladen wurden. Durch einigen

    Strassen hindurch fuhren wir nach dem

    Reserveazarett 1. Concordia.

    Freundliche Schwestern empfingen uns, wiessen uns

    Bette an, fragten nach Wünschen. Immer noch nicht

    hatten wir Gelegenheit gehabt uns gründlich zu waschen.

    Am Nachmittag konnte ich baden. Kameraden halfen,

    da ich ja in meinen Bewegungen behindert war. Das


    S. 184



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  • 53.1234804||18.0084378||

    Bromberg

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ID
15873 / 169071
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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