Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 89

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S. 163

ich benutzte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

diente mannigfaltigen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

den Bänken löffelten Andere ihre Mahlmahl, vor dem

Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

wurde geblättert. Durch den kalten Raum, der durch

verschiedene Fahnen und Seitenaltäre geschmückt war

klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

Sakristei und untersuchte den Bücherschrank. In der Ecke

des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

Regal. Ich schlug manche auf. In dem einen Buche

waren die Taten von Französinnen verherrlichst, die

irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien er

passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft der Anderen.

Nun ruht er in der Truhe paar hundert Kilometer

ostwärts. Auf dem Turm war Krieg - hier hauste

ein Beobachter mit starken Ferngläsern und Telephon.

Ich besah mir die Front, sah aber infolge des trüben


S. 164

Wetters nicht weit und daher auch nichts Besonderes. Dann

wurden Briefe geschrieben - und dann kam die Küche.

Vor Tagen hatte ich mir ein neues Hemd angefordert, da das

Alte zerissen und ärmellos geworden war, nun kam ein

neues Hemd, nicht ohne Bemerkungen des Feldwebels, dem

ich aber als Antwort einen besonders schönen Gruß bestellen

liess. Die Küche hatte grossen Fang getan - überall waren

infolge des Rückzuges viele Lebensmittellager frei geworden,

teilweise unter Zuhilfenahme von Fronttruppen geräumt

andere der Schnelligkeit halber geplündert worden. Es war

keine strenge Disziplin mehr in der Etappe - schon die

uns vor Bourlon bei Moeuvres ablösende 7 Kavallerie

Schützendivision rühmte sich das Proviantamt von Bourlon

ausgeräumt zu haben - man hörte darüber die

wildesten Gerüchte jedenfalls rauchten die Kerle den ganzen Tag.

Uns brachte die Küche die herrlichste Reissuppe - oh - wie

lange schon hatten wir keinen Reis mehr gesehen - immer

Dörrgemüse, Brennesselsuppe, Rüben, muffige Graupen, oder

Kohl und Kraut. Schönes weisses Brot wurde erst verteilt,

und einen 1a Bohnenkaffee mit Milch und Zucker. Wir

staunten nur und futterten uns satt. Milch im Kaffee

und Zucker, wir kannten nur noch schwach die Namen.

Dazu gabs Löhnung, Schnaps, Zigaretten - wir träumten

von besseren Zeiten, und schliefen im warmen Mist wie

im besten Federbett zu Haus.

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S. 163

ich benutzte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

diente mannigfaltigen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

den Bänken löffelten Andere ihre Mahlmahl, vor dem

Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

wurde geblättert. Durch den kalten Raum, der durch

verschiedene Fahnen und Seitenaltäre geschmückt war

klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

Sakristei und untersuchte den Bücherschrank. In der Ecke

des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

Regal. Ich schlug manche auf. In dem einen Buche

waren die Taten von Französinnen verherrlichst, die

irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien er

passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft der Anderen.

Nun ruht er in der Truhe paar hundert Kilometer

ostwärts. Auf dem Turm war Krieg - hier hauste

ein Beobachter mit starken Ferngläsern und Telephon.

Ich besah mir die Front, sah aber infolge des trüben


S. 164

Wetters nicht weit und daher auch nichts Besonderes. Dann

wurden Briefe geschrieben - und dann kam die Küche.

Vor Tagen hatte ich mir ein neues Hemd angefordert, da das

Alte zerissen und ärmellos geworden war, nun kam ein

neues Hemd, nicht ohne Bemerkungen des Feldwebels, dem

ich aber als Antwort einen besonders schönen Gruß bestellen

liess. Die Küche hatte grossen Fang getan - überall waren

infolge des Rückzuges viele Lebensmittellager frei geworden,

teilweise unter Zuhilfenahme von Fronttruppen geräumt

andere der Schnelligkeit halber geplündert worden. Es war

keine strenge Disziplin mehr in der Etappe - schon die

uns vor Bourlon bei Moeuvres ablösende 7 Kavallerie

Schützendivision rühmte sich das Proviantamt von Bourlon

ausgeräumt zu haben - man hörte darüber die

wildesten Gerüchte jedenfalls rauchten die Kerle den ganzen Tag.

Uns brachte die Küche die herrlichste Reissuppe - oh - wie

lange schon hatten wir keinen Reis mehr gesehen - immer

Dörrgemüse, Brennesselsuppe, Rüben, muffige Graupen, oder

Kohl und Kraut. Schönes weisses Brot wurde erst verteilt,

und einen 1a Bohnenkaffee mit Milch und Zucker. Wir

staunten nur und futterten uns satt. Milch im Kaffee

und Zucker, wir kannten nur noch schwach die Namen.

Dazu gabs Löhnung, Schnaps, Zigaretten - wir träumten

von besseren Zeiten, und schliefen im warmen Mist wie

im besten Federbett zu Haus.


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  • April 14, 2017 10:34:45 Rolf Kranz

    S. 163

    ich benutzte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

    diente mannigfaltigen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

    Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

    den Bänken löffelten Andere ihre Mahlmahl, vor dem

    Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

    wurde geblättert. Durch den kalten Raum, der durch

    verschiedene Fahnen und Seitenaltäre geschmückt war

    klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

    seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

    Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

    Sakristei und untersuchte den Bücherschrank. In der Ecke

    des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

    dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

    ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

    ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

    Regal. Ich schlug manche auf. In dem einen Buche

    waren die Taten von Französinnen verherrlichst, die

    irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

    U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

    diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien er

    passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft der Anderen.

    Nun ruht er in der Truhe paar hundert Kilometer

    ostwärts. Auf dem Turm war Krieg - hier hauste

    ein Beobachter mit starken Ferngläsern und Telephon.

    Ich besah mir die Front, sah aber infolge des trüben


    S. 164

    Wetters nicht weit und daher auch nichts Besonderes. Dann

    wurden Briefe geschrieben - und dann kam die Küche.

    Vor Tagen hatte ich mir ein neues Hemd angefordert, da das

    Alte zerissen und ärmellos geworden war, nun kam ein

    neues Hemd, nicht ohne Bemerkungen des Feldwebels, dem

    ich aber als Antwort einen besonders schönen Gruß bestellen

    liess. Die Küche hatte grossen Fang getan - überall waren

    infolge des Rückzuges viele Lebensmittellager frei geworden,

    teilweise unter Zuhilfenahme von Fronttruppen geräumt

    andere der Schnelligkeit halber geplündert worden. Es war

    keine strenge Disziplin mehr in der Etappe - schon die

    uns vor Bourlon bei Moeuvres ablösende 7 Kavallerie

    Schützendivision rühmte sich das Proviantamt von Bourlon

    ausgeräumt zu haben - man hörte darüber die

    wildesten Gerüchte jedenfalls rauchten die Kerle den ganzen Tag.

    Uns brachte die Küche die herrlichste Reissuppe - oh - wie

    lange schon hatten wir keinen Reis mehr gesehen - immer

    Dörrgemüse, Brennesselsuppe, Rüben, muffige Graupen, oder

    Kohl und Kraut. Schönes weisses Brot wurde erst verteilt,

    und einen 1a Bohnenkaffee mit Milch und Zucker. Wir

    staunten nur und futterten uns satt. Milch im Kaffee

    und Zucker, wir kannten nur noch schwach die Namen.

    Dazu gabs Löhnung, Schnaps, Zigaretten - wir träumten

    von besseren Zeiten, und schliefen im warmen Mist wie

    im besten Federbett zu Haus.

  • March 5, 2017 13:12:30 Rolf Kranz

    S. 163

    ich benutzte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

    diente mannigfaltigen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

    Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

    den Ränken löffelten Andere ihre Mahlmahl, vor dem

    Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

    wurde geblättert. Durch den kalten Raum, der durch

    verschiedene Fahnen und Seitenaltäre geschmückt war

    klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

    seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

    Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

    Sakristei und untersuchte den Bücherschrank. In der Ecke

    des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

    dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

    ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

    ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

    Regal. Ich schlug manche auf. In dem einen Buche

    waren die Taten von Französinnen verherrlichst, die

    irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

    U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

    diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien er

    passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft der Anderen.

    Nun ruht er in der Truhe paar hundert Kilometer

    ostwärts. Auf dem Turm war Krieg - hier hauste

    ein Beobachter mit starken Ferngläsern und Telephon.

    Ich besah mir die Front, sah aber infolge des trüben


    S. 164

    Wetters nicht weit und daher auch nichts Besonderes. Dann

    wurden Briefe geschrieben - und dann kam die Küche.

    Vor Tagen hatte ich mir ein neues Hemd angefordert, da das

    Alte zerissen und ärmellos geworden war, nun kam ein

    neues Hemd, nicht ohne Bemerkungen des Feldwebels, dem

    ich aber als Antwort einen besonders schönen Gruß bestellen

    liess. Die Küche hatte grossen Fang getan - überall waren

    infolge des Rückzuges viele Lebensmittellager frei geworden,

    teilweise unter Zuhilfenahme von Fronttruppen geräumt

    andere der Schnelligkeit halber geplündert worden. Es war

    keine strenge Disziplin mehr in der Etappe - schon die

    uns vor Bourlon bei Moeuvres ablösende 7 Kavallerie

    Schützendivision rühmte sich das Proviantamt von Bourlon

    ausgeräumt zu haben - man hörte darüber die

    wildesten Gerüchte jedenfalls rauchten die Kerle den ganzen Tag.

    Uns brachte die Küche die herrlichste Reissuppe - oh - wie

    lange schon hatten wir keinen Reis mehr gesehen - immer

    Dörrgemüse, Brennesselsuppe, Rüben, muffige Graupen, oder

    Kohl und Kraut. Schönes weisses Brot wurde erst verteilt,

    und einen 1a Bohmenkaffee mit Milch und Zucker. Wir

    staunten nur und futterten uns satt. Milch im Kaffe

    und Zucker, wir kannten nur noch schwach die Namen.

    Dazu gabs Löhnung, Schnaps, Zigaretten - wir träumten

    von besseren Zeiten, und schliefen im waren Mist wie

    im besten Federbett zu Haus.


  • February 1, 2017 21:27:08 Corinna Pichler (AUT)

    S. 163

    ich benützte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

    diente mannigfalligen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

    Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

    den Ränken löffelten Andere ihre Mallmahl, vordem

    Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

    wurde geblättert. Auch den kalten Raum, der durch

    verschiedene Fahnen und Seitenaltare geschmückt war

    klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

    seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

    Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

    Sakristei und untersuchte den Rückenschrank. In der Ecke

    des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

    dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

    ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

    ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

    Regal. Ich sellig manche auf. In dem einen Buche

    waren die Taten von Franzoösinnen verherrlichst, die

    irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

    U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

    diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien er

    passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft der Anderen.

    Nun ruht er in der Truhe paar hundert Kilometer

    ostwärts. Auf dem Turm war Krieg - hier hauste

    ein Beobachter mit starken Ferngläsrn und Telephon.

    Ich besah mir die Front, sah aber infolge des trüben


    S. 164

    Wetter nicht weit und daher auch nichts Besonderes. Dann

    wurdn Briefe geschrieben - und dann kan die Küche.

    Vor Tagen hatte ich mir ein neues Hemd angefordert, da das

    Alte zerissen und ärmelos geworden war, nun kam ein

    neues Hemd, nicht ohne Bemerkungen des Feldwebels den

    ich aber als Antwort einen besonders schönen Gruß bestellen

    liess. Die Küche hatte grossen Fang getan - überall waren

    infolge des Rückzuges viele Lebensmittellager frei geworden,

    teilweise und Zuhilfenahme von Fronttruppen geräumt

    andere der Schnelligkeit halber geplündert worden. Es war

    keine strenge Disziplin mehr in der Etappe - schon die

    uns vor Bourlon bei Moeuvres ablösende 7 Kavallerie

    Schützendivision rühmte sich das Proviantant von Bourlon

    ausgeräumt zu haben - man hörte darüber die

    wildesten Gerüchte jedenfalls rauchten die Kerle den ganzen Tag.

    Uns brachte die Küche die herrlichste Reissuppe - oh - wie

    lange schon hatten wir schon keinen Reis mehr gesehen - immer

    Dürrgemüse, Brennesselsuppe, Rüben, muffige Graupen, oder

    Kohl und Kraut. Schönes weisses Brot wurde erst verteilt,

    und einen 1a Bohmenkaffee mit Milch und Zucker. Wir

    staunten nur und futterten uns satt. Milch im Kaffe

    und Zucker, wir kannten nur noch schwach die Namen.

    Dazu gabs Löhnung, Schnaps, Zigaretten - wir träumten

    von besseren Zeiten, und schliefen im warem Mist wie

    im besten Federbett zu Haus.


  • February 1, 2017 21:27:02 Corinna Pichler (AUT)

    S. 163

    ich benützte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

    diente mannigfalligen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

    Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

    den Ränken löffelten Andere ihre Mallmahl, vordem

    Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

    wurde geblättert. Auch den kalten Raum, der durch

    verschiedene Fahnen und Seitenaltare geschmückt war

    klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

    seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

    Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

    Sakristei und untersuchte den Rückenschrank. In der Ecke

    des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

    dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

    ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

    ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

    Regal. Ich sellig manche auf. In dem einen Buche

    waren die Taten von Franzoösinnen verherrlichst, die

    irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

    U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

    diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien er

    passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft der Anderen.

    Nun ruht er in der Truhe paar hundert Kilometer

    ostwärts. Auf dem Turm war Krieg - hier hauste

    ein Beobachter mit starken Ferngläsrn und Telephon.

    Ich besah mir die Front, sah aber infolge des trüben


    S. 164

    Wetter nicht weit und daher auch nichts Besonderes. Dann

    wurdn Briefe geschrieben - und dann kan die Küche.

    Vor Tagen hatte ich mir ein neues Hemd angefordert, da das

    Alte zerissen und ärmelos geworden war, nun kam ein

    neues Hemd, nicht ohne Bemerkungen des Feldwebels den

    ich aber als Antwort einen besonders schönen Gruß bestellen

    liess. Die Küche hatte grossen Fang getan - überall waren

    infolge des Rückzuges viele Lebensmittellager frei geworden,

    teilweise und Zuhilfenahme von Fronttruppen geräumt

    andere der Schnelligkeit halber geplündert worden. Es war

    keine strenge Disziplin mehr in der Etappe - schon die

    uns vor Bourlon bei Moeuvres ablösende 7 Kavallerie

    Schützendivision rühmte sich das Proviantant von Bourlon

    ausgeräumt zu haben - man hörte darüber die

    wildesten Gerüchte jedenfalls rauchten die Kerle den ganzen Tag.

    Uns brachte die Küche die herrlichste Reissuppe - oh - wie

    lange schon hatten wir schon keinen Reis mehr gesehen - immer

    Dürrgemüse, Brennesselsuppe, Rüben, muffige Graupen, oder

    Kohl und Kraut. Schönes weisses Brot wurde erst verteilt,

    und einen 1a Bohmenkaffee mit Milch und Zucker. Wir

    staunten nur und futterten uns satt. Milch im Kaffe

    und Zucker, wir kannten nur noch schwach die Namen.

    Dazu gabs Löhnung, Schnaps, Zigaretten - wir träumten

    von besseren Zeiten, und schliefen im warem Mist wie

    im besten Federbest zu Haus.


  • February 1, 2017 21:20:12 Corinna Pichler (AUT)

    S. 163

    ich benützte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

    diente mannigfalligen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

    Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

    den Ränken löffelten Andere ihre Mallmahl, vordem

    Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

    wurde geblättert. Auch den kalten Raum, der durch

    verschiedene Fahnen und Seitenaltare geschmückt war

    klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

    seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

    Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

    Sakristei und untersuchte den Rückenschrank. In der Ecke

    des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

    dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

    ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

    ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

    Regal. Ich sellig manche auf. In dem einen Buche

    waren die Taten von Franzoösinnen verherrlichst, die

    irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

    U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

    diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien er

    passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft der Anderen.

    Nun ruht er in der Truhe paar hundert Kilometer

    ostwärts. Auf dem Turm war Krieg - hier hauste

    ein Beobachter mit starken Ferngläsrn und Telephon.

    Ich besah mir die Front, sah aber infolge des trüben


    S. 164



  • February 1, 2017 21:19:12 Corinna Pichler (AUT)

    S. 163

    ich benützte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

    diente mannigfalligen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

    Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

    den Ränken löffelten Andere ihre Mallmahl, vordem

    Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

    wurde geblättert. Auch den kalten Raum, der durch

    verschiedene Fahnen und Seitenaltare geschmückt war

    klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

    seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

    Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

    Sakristei und untersuchte den Rückenschrank. In der Ecke

    des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

    dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

    ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

    ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

    Regal. Ich sellig manche auf. In dem einen Buche

    waren die Taten von Franzoösinnen verherrlichst, die

    irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

    U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

    diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien er

    passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft der Anderen.



    S. 164



  • February 1, 2017 21:18:55 Corinna Pichler (AUT)

    S. 163

    ich benützte die Zeit um mich umzusehen. Die Kirche

    diente mannigfalligen Zwecken: In der einen Ecke schliefen

    Mannschaften auf Stroh, dort hockten Verwundete, auf

    den Ränken löffelten Andere ihre Mallmahl, vordem

    Altar standen Gruppen in der dicken offenen BIbel

    wurde geblättert. Auch den kalten Raum, der durch

    verschiedene Fahnen und Seitenaltare geschmückt war

    klangen Orgeltöne - irgendein Feldgrauer versuchte

    seine Kunst um diese vor dem Einschlafen in dem

    Kriegsgetümmel zu bewahren. Ich pilgerte in die

    Sakristei und untersuchte den Rückenschrank. In der Ecke

    des Zimmers lagen die Amtskleider des Predigers, auf

    dem Tisch lagen Waffen und Stahlhelme so war der

    ernste Raum in Kriegskleid geworfen. Stumm und

    ernst standen Bilder und dicke lateinische Werke im

    Regal. Ich sellig manche auf. In dem einen Buche

    waren die Taten von Franzoösinnen verherrlichst, die

    irgendwelche grosse Opfer für die Kirche geleistet hatten.

    U.a. fand ich einen kleinen Band: Napoleon I et l'amour.

    diesen nahm ich als Andenken mit - mir schien es

    passe wegen seiner Bilder nicht in die Gesellschaft


    S. 164



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    15873 / 169060
    Source
    http://europeana1914-1918.eu/...
    Contributor
    Heike Knothe
    License
    http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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