Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 82

Edit transcription:
...
Transcription saved
Enhance your transcribing experience by using full-screen mode

Transcription

You have to be logged in to transcribe. Please login or register and click the pencil-button again

S. 151

Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

wimmerten Verschüttete, die Rettungsarbeit kam schon zu

spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Unterstand

abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste                            1.X.

wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

Platz schlug, vor Schreck ruschten wir die Treppen zurück,

dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

aber den Weg durch die Gärten hinter den Häusern.

Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

verwundet, fünf Minuten später, Sanitäter hatten

ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

ausser Befehlen, dass vor paar Tagen verliehene EK I

zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

Am Nachmittag zurück nach Escoudoeuvres  - inzwischen

waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


S. 152

    Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

wir da.  - Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten                 2./3.X.

für Versprengte zu kochen, die des Bataillons fand uns nicht.

Jedoch brachte uns der Küchenmeisteroffizier Nöckel Schnaps,

Zucker, Zigaretten und Post. Da wir nicht mehr abgelöst

wurden, bestellten wir uns bei der Küche für unsere Löhnung

gleich Zigaretten. - Der Schnaps wurde verteilt, jedoch ermahnte

Lt. Ziege die Komp. nicht zu trinken, da wir nichts zu essen

hatten - trotzdem waren wir aber bald selig, sangen und

liessen es uns guter Dinge sein. - Draussen heulte die Hölle,

wir schliefen. Selbst der Posten im Hausflur pennte.

Als wir am Morgen erwachten hatte das Haus kein Dach

mehr, die erste Etage war von Schrappnells aufs Neue

verwüstet, die Granitschwellen vor dem Haustor waren

zerschlagen, verstreut - und die Kompagnie hatte

geschlafen. Auf der Straße ein grauenvolles Bild. Zusammen            3.X.

gesunkene Häuser deren Däche oft auf der Straße lagen,

zu beiden Seiten, die Straße selbst zerfurcht und mit

grossen Trichtern besät - Ein toter Radfahrer neben

dem zerfetzten Stahlross - Brust und Arm zerissen. Eine

Gulaschkanone welche ein Rad verloren hatte mitten in

einem Granatloch. - Der Inhalt eine prächtige dampfende

Graupensuppe sie stillte uns den Hunger - pro Kopf 2 Kochgeschirre. -


Transcription saved

S. 151

Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

wimmerten Verschüttete, die Rettungsarbeit kam schon zu

spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Unterstand

abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste                            1.X.

wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

Platz schlug, vor Schreck ruschten wir die Treppen zurück,

dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

aber den Weg durch die Gärten hinter den Häusern.

Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

verwundet, fünf Minuten später, Sanitäter hatten

ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

ausser Befehlen, dass vor paar Tagen verliehene EK I

zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

Am Nachmittag zurück nach Escoudoeuvres  - inzwischen

waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


S. 152

    Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

wir da.  - Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten                 2./3.X.

für Versprengte zu kochen, die des Bataillons fand uns nicht.

Jedoch brachte uns der Küchenmeisteroffizier Nöckel Schnaps,

Zucker, Zigaretten und Post. Da wir nicht mehr abgelöst

wurden, bestellten wir uns bei der Küche für unsere Löhnung

gleich Zigaretten. - Der Schnaps wurde verteilt, jedoch ermahnte

Lt. Ziege die Komp. nicht zu trinken, da wir nichts zu essen

hatten - trotzdem waren wir aber bald selig, sangen und

liessen es uns guter Dinge sein. - Draussen heulte die Hölle,

wir schliefen. Selbst der Posten im Hausflur pennte.

Als wir am Morgen erwachten hatte das Haus kein Dach

mehr, die erste Etage war von Schrappnells aufs Neue

verwüstet, die Granitschwellen vor dem Haustor waren

zerschlagen, verstreut - und die Kompagnie hatte

geschlafen. Auf der Straße ein grauenvolles Bild. Zusammen            3.X.

gesunkene Häuser deren Däche oft auf der Straße lagen,

zu beiden Seiten, die Straße selbst zerfurcht und mit

grossen Trichtern besät - Ein toter Radfahrer neben

dem zerfetzten Stahlross - Brust und Arm zerissen. Eine

Gulaschkanone welche ein Rad verloren hatte mitten in

einem Granatloch. - Der Inhalt eine prächtige dampfende

Graupensuppe sie stillte uns den Hunger - pro Kopf 2 Kochgeschirre. -



Transcription history
  • April 14, 2017 09:29:13 Rolf Kranz

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschüttete, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Unterstand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste                            1.X.

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten hinter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später, Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar Tagen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudoeuvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152

        Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

    Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

    hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

    wir da.  - Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten                 2./3.X.

    für Versprengte zu kochen, die des Bataillons fand uns nicht.

    Jedoch brachte uns der Küchenmeisteroffizier Nöckel Schnaps,

    Zucker, Zigaretten und Post. Da wir nicht mehr abgelöst

    wurden, bestellten wir uns bei der Küche für unsere Löhnung

    gleich Zigaretten. - Der Schnaps wurde verteilt, jedoch ermahnte

    Lt. Ziege die Komp. nicht zu trinken, da wir nichts zu essen

    hatten - trotzdem waren wir aber bald selig, sangen und

    liessen es uns guter Dinge sein. - Draussen heulte die Hölle,

    wir schliefen. Selbst der Posten im Hausflur pennte.

    Als wir am Morgen erwachten hatte das Haus kein Dach

    mehr, die erste Etage war von Schrappnells aufs Neue

    verwüstet, die Granitschwellen vor dem Haustor waren

    zerschlagen, verstreut - und die Kompagnie hatte

    geschlafen. Auf der Straße ein grauenvolles Bild. Zusammen            3.X.

    gesunkene Häuser deren Däche oft auf der Straße lagen,

    zu beiden Seiten, die Straße selbst zerfurcht und mit

    grossen Trichtern besät - Ein toter Radfahrer neben

    dem zerfetzten Stahlross - Brust und Arm zerissen. Eine

    Gulaschkanone welche ein Rad verloren hatte mitten in

    einem Granatloch. - Der Inhalt eine prächtige dampfende

    Graupensuppe sie stillte uns den Hunger - pro Kopf 2 Kochgeschirre. -


  • March 5, 2017 12:35:09 Rolf Kranz

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschütterte, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Unterstand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste                            1.X.

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten hinter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später, Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar Tagen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudouvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152

    Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

    Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

    hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

    wir da.  - Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten                 2./3.X.

    für Versprengte zu kochen, die des Bataillons fand uns nicht.

    Jedoch brachte uns der Küchenmeisteroffizier Nöckel Schnaps,

    Zucker, Zigaretten und Post. Da wir nicht mehr abgelöst

    wurden, bestellten wir uns bei der Küche für unsere Löhnung

    gleich Zigaretten. - Der Schnaps wurde verteilt, jedoch ermahnte

    Lt. Ziege die Komp. nicht zu trinken, da wir nichts zu essen

    hatten - trotzdem waren wir aber bald selig, sangen und

    liessen es uns guter Dinge sein. - Draussen heulte die Hölle,

    wir schliefen. Selbst der Posten im Hausflur pennte.

    Als wir am Morgen erwachten hatte das Haus kein Dach

    mehr, die erste Etage war von Schrappnells aufs Neue

    verwüstet, die Granitschwellen vor dem Haustor waren

    zerschlagen, verstreut - und die Kompagnie hatte

    geschlafen. Auf der Strasse ein grauenvolles Bild. Zusammen            3.X.

    gesunkene Häuser deren Däche ofter auf der Strasse lagen,

    zu beiden Seiten, die Strasse selbst zerfurcht und mit

    grossen Trichtern besät - Ein toter Radfahrer neben

    dem zerfetzten Stahlross - Brust und Arm zerissen. Eine

    Gulaschkanone welche ein Rad verloren hatte mitten in

    einem Granatloch. - Der Inhalt eine prächtige dampfende

    Graupensuppe sie stillte uns den Hunger - pro Kopf 2 Kochgeschirre. -



  • March 5, 2017 12:33:58 Rolf Kranz

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschütterte, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Unterstand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste                            1.X.

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten hinter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später, Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar Tagen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudouvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152

    Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

    Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

    hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

    wir da.  - Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten                 2./3.X.

    für Versprengte zu kochen, die des Bataillons fand uns nicht.

    Jedoch brachte uns der Küchenmeisteroffizier Nöckel Schnaps,

    Zucker, Zigaretten und Post. Da wir nicht mehr abgelöst

    wurden, bestellten wir uns bei der Küche für unsere Löhnung

    gleich Zigaretten. - Der Schnaps wurde verteilt, jedoch ermahnte

    Lt. Ziege die Komp. nicht zu trinken, da wir nichts zu essen

    hatten - trotzdem waren wir aber bald selig, sangen und

    liessen es uns guter Dinge sein. - Draussen heulte die Hölle,

    wir schliefen. Selbst der Posten im Hausflur pennte.

    Als wir am Morgen erwachten hatte das Haus kein Dach

    mehr, die erste Etage war von Schrappnells aufs Neue

    verwüstet, die Granitschwellen vor dem Haustor waren

    zerschlagen, verstreut - und die Kompagnie hatte

    geschlafen. Auf der Strasse ein grauenvolles Bild. Zusammen            3.X.

    gesunkene Häuser deren Däche ofter auf der Strasse lagen,

    zu beiden Seiten, die Strasse selbst zerfurcht und mit

    grossen Trichtern besät - Ein toter Radfahrer neben

    dem zerfetzten Stahlross - Brust und Arm zerissen. Eine

    Gulaschkanone welche ein Rad verloren hatte mitten in

    einem Granatloch. - Der Inhalt eine prächtige dampfende

    Graupensuppe sie sollte uns den Hunger - pro Kopf 2 Kochgeschirre. -



  • January 29, 2017 18:35:33 Corinna Pichler (AUT)

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschütterte, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Unterstand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    [1.X.] Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten[sic!] wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten inter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar Tagen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudouvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152

    Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

    Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

    hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

    wir da.  - [2./3.X.] Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten

    für Versprengte zu kochen, die des Bataillons fand uns nicht.

    Jedoch brachte uns der Küchenmeisteroffizier Nöckel Schnaps,

    Zucker, Zigaretten und Post. Da wir nicht mehr abgelöst

    wurden, bestellten wir uns bei der Küche für unsere Löhnung

    gleich Zigaretten. - Der Schnaps wurde verteilt, jedoch ermahnte

    Lt. Ziege die Komp. nicht zu trinken, da wir nichts zu essen

    hatten - trotzdem waren wir aber bald selig, sangen und

    liessen es uns guter Dinge sein. - Draussen heulte die Höle,

    wir schliefen. Selbst der Posten im Hausflur pennte.

    Als wir am Morgen erwachten hatte das Haus kein Dach

    mehr, die erste Etage war von Schrappnells aufs Neue

    verwüstet, die Granitschwellen vor dem Haustor waren

    zerschlagen, verstreut - und die Kompagnie hatte

    geschlafen. [3.X.] Auf der Strasse ein grauenvolles Bild. Zusammen

    gesunkene Häuser deren Däche ofter auf der Strasse lagen,

    zu beiden Seiten, die Strasse selbst zerfurcht und mit

    grossen Trichtern besät - Ein toter Radfahrer neben

    dem zerfetzten Stahlross - Brust und Arm zerissen. Eine

    Gulaschkanone welche ein Rad verloren hatte mitten in

    einem Granatloch. - Der Inhalt eine prächtige dampfende

    Graupensuppe sie sollte uns den Hunger - pro Kopf 2 Kochgeschirre. -



  • January 29, 2017 18:35:01 Corinna Pichler (AUT)

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschütterte, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Untestand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    [1.X.] Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten[sic!] wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten inter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar Tagen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudouvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152

    Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

    Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

    hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

    wir da.  - [2./3.X.] Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten

    für Versprengte zu kochen, die des Bataillons fand uns nicht.

    Jedoch brachte uns der Küchenmeisteroffizier Nöckel Schnaps,

    Zucker, Zigaretten und Post. Da wir nicht mehr abgelöst

    wurden, bestellten wir uns bei der Küche für unsere Löhnung

    gleich Zigaretten. - Der Schnaps wurde verteilt, jedoch ermahnte

    Lt. Ziege die Komp. nicht zu trinken, da wir nichts zu essen

    hatten - trotzdem waren wir aber bald selig, sangen und

    liessen es uns guter Dinge sein. - Draussen heulte die Höle,

    wir schliefen. Selbst der Posten im Hausflur pennte.

    Als wir am Morgen erwachten hatte das Haus kein Dach

    mehr, die erste Etage war von Schrappnells aufs Neue

    verwüstet, die Granitschwellen vor dem Haustor waren

    zerschlagen, verstreut - und die Kompagnie hatte

    geschlafen. [3.X.] Auf der Strasse ein grauenvolles Bild. Zusammen

    gesunkene Häuser deren Däche ofter auf der Strasse lagen,

    zu beiden Seiten, die Strasse selbst zerfurcht und mit

    grossen Trichtern besät - Ein toter Radfahrer neben

    dem zerfetzten Stahlross - Brust und Arm zerissen. Eine

    Gulaschkanone welche ein Rad verloren hatte mitten in

    einem Granatloch. - Der Inhalt eine prächtige dampfende

    Graupensuppe sie sollte uns den Hunger - pro Kopf 2 Kochgeschirre. -



  • January 29, 2017 18:33:11 Corinna Pichler (AUT)

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschütterte, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Untestand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    [1.X.] Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten[sic!] wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten inter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar agen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudouvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152

    Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

    Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

    hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

    wir da.  - [2./3.X.] Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten

    für Versprengte zu kochen, die des Bataillons fand uns nicht.

    Jedoch brachte uns der Küchenmeisteroffizier Nöckel Schnaps,

    Zucker, Zigaretten und Post. Da wir nicht mehr abgelöst

    wurden, bestellten wir uns bei der Küche für unsere Löhnung

    gleich Zigaretten. - Der Schnaps wurde verteilt, jedoch ermahnte

    Lt. Ziege die Komp. nicht zu trinken, da wir nichts zu essen

    hatten - trotzdem waren wir aber bald selig, sangen und

    liessen es uns guter Dinge sein. - Draussen heulte die Höle,

    wir schliefen. Selbst der Posten im Hausflur pennte.

    Als wir am Morgen erwachten hatte das Haus kein Dach

    mehr, die erste Etage war von Schrappnells aufs Neue

    verwüstet, die Granitschwellen vor dem Haustor waren

    zerschlagen, verstreut - und die Kompagnie hatte

    geschlafen. [3.X.] Auf der Strasse ein grauenvolles Bild. Zusammen

    gesunkene Häuser deren Däche ofter auf der Strasse lagen,

    zu beiden Seiten, die Strasse selbst zerfurcht und mit

    grossen Trichtern besät - Ein toter Radfahrer neben

    dem zerfetzten Stahlross - Brust und Arm zerissen. Eine

    Gulaschkanone welche ein Rad verloren hatte mitten in

    einem Granatloch. - Der Inhalt eine prächtige dampfende

    Graupensuppe sie sollte uns den Hunger - pro Kopf 2 Kochgeschirre -



  • January 29, 2017 18:25:02 Corinna Pichler (AUT)

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschütterte, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Untestand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    [1.X.] Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten[sic!] wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten inter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar agen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudouvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152

    Hier im Keller sass nun die ganze M.G.K. versammelt. Ein

    Leutnant und Kompagnieführer ohne Mannschaften war

    hinzugekommen. Ohne Verpflegung, Kaffee und Tabak sassen

    wir da.  - [2./3.X.] Die Küche der M.G.K. kam nicht, die hatte hinten

    für



  • January 29, 2017 18:23:55 Corinna Pichler (AUT)

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschütterte, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Untestand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    [1.X.] Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten[sic!] wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten inter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar agen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai-Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudouvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152




  • January 29, 2017 18:23:41 Corinna Pichler (AUT)

    S. 151

    Rock und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    wimmerten Verschütterte, die Rettungsarbeit kam schon zu

    spät. Heilfroh war ich als ich den Weg zum Untestand

    abermals glücklich zurückgelegt hatte, eine Haustüre kam

    mir nachgeflogen, Steine trommelten auf meinen Helm.

    Im roten Lehnsessel war ich bald eingeschlafen und

    war ärgerlich schon so bald wieder geweckt zu werden.

    [1.X.] Aber die 4 Stunden Schlaf waren um ich musste

    wieder raus, mit meinem Schützen wollte ich gerade

    losrennen als eine Granate auf den kleinen freien

    Platz schlug, vor Schreck ruschten[sic!] wir die Treppen zurück,

    dann los, von Hausüt zu Haustür sprangen wir

    voran - welch ein Bild bot die Strasse. Am Morgen

    erneut heftiger Beschuss, ich wurde zurückgeholt, wählte

    aber den Weg durch die Gärten inter den Häusern.

    Die Kompagnie wich der erneuten Beschiessung aus.

    Lt. Hildebrandt, der Bataillons Adjudant war da,

    beim Überklettern einer Mauer wurde er am Bein

    verwundet, fünf Minuten später Sanitäter hatten

    ihn mitgenommen, kam eine Ordonnanz, um ihm

    ausser Befehlen, dass vor paar agen verliehene EK I

    zu bringen. Wir zogen zur Bahn Cambrai.Zwii.

    Am Nachmittag zurück nach Escoudouvres  - inzwischen

    waren alle Keller 10cm hoch unter Wasser - Grundwasser.

    Wir zogen zur ehemaligen Ortskommandantur.


    S. 152



  • January 29, 2017 18:13:49 Corinna Pichler (AUT)

    S. 151

    Rck und Kragen, Hände und Gesicht. Unter den Trümmern

    weiss

    S. 152



Description

Save description
  • 50.194347||3.266366||

    Escaudoevres

Location(s)
  • Document location Escaudoevres


ID
15873 / 169053
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/







Notes and questions

Login to leave a note