Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 81

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S. 149

   Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiter hin

in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

uns für die Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

zwei Polsterlehnstühle, fein rot bezogen, aber ohne Beine.

Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einzige MG der

3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

gemeinsam.

       Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von                                30.IX/1.X.

Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

Komp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

sich bereits die Sprengladung, zur Bedienung ein Unteroffizier

und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

im Eckhaus, - hierselbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstören zu wollen,


S. 150

zu mindesten aber den Verkehr darüber unterbinden.

Ununterbrochen sausten Granaten, Schrappnell mit Zeit- oder

Aufschlagzündung hernieder. Die Erde bebte, die Häuser zitterten,

Staub, Rauch, Pulvergase und Wasser stob umher singende

Sprengsplitter dazwischen. Unzähligemale wurde die Leitung

für die Sprengladung zerschosen, oder durch in Karriere

dahineilenden Wagen zerissen. Schwerste Granaten verpflügten die

Nachbarschaft, zerstampften die Häuser oder peitschten das Wasser.

Langsam verging Stunde um Stunde. - Der Weg vom

Unterschlupf bis zur Brücke war lebensgefährlich, neben den

Eisenteilen und Bleikugeln regnete es Mauersteine, Dachziegeln

oder Glasscherben, - Die Haustüren anfangs alle geschlossen

wurden eingetreten oder eingeschlagen, um so wenigstens

in der Not in den Fluren dürftigen Schutz zu finden.

Die hölzernen Fensterläden waren bald zu Sieben

durchschlagen, oder wurden durch die Gewalt berstender Granaten

über die Straße geschleudert. Das Getöse und Gekrache

in der Nacht war unheimlich, bald hier bald dort,

sprangen die Feuergarben der Einschläge über die Dächer.

Das Straßenpflaster wurde zerschlagen oder von Schutt

verdeckt, tote Pferde lagen bald hier und da, zerbrochene

Wagen dazwischen. Während ich Mitternacht auf

Posten stand sank das Nebenhaus in Schutt und Asche.

EInige Pioniere kamen zu uns herüber von ihrer Uniform

war nichts mehr zu sehen, Kalk und Ziegelstaub verdeckte

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S. 149

   Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiter hin

in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

uns für die Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

zwei Polsterlehnstühle, fein rot bezogen, aber ohne Beine.

Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einzige MG der

3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

gemeinsam.

       Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von                                30.IX/1.X.

Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

Komp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

sich bereits die Sprengladung, zur Bedienung ein Unteroffizier

und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

im Eckhaus, - hierselbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstören zu wollen,


S. 150

zu mindesten aber den Verkehr darüber unterbinden.

Ununterbrochen sausten Granaten, Schrappnell mit Zeit- oder

Aufschlagzündung hernieder. Die Erde bebte, die Häuser zitterten,

Staub, Rauch, Pulvergase und Wasser stob umher singende

Sprengsplitter dazwischen. Unzähligemale wurde die Leitung

für die Sprengladung zerschosen, oder durch in Karriere

dahineilenden Wagen zerissen. Schwerste Granaten verpflügten die

Nachbarschaft, zerstampften die Häuser oder peitschten das Wasser.

Langsam verging Stunde um Stunde. - Der Weg vom

Unterschlupf bis zur Brücke war lebensgefährlich, neben den

Eisenteilen und Bleikugeln regnete es Mauersteine, Dachziegeln

oder Glasscherben, - Die Haustüren anfangs alle geschlossen

wurden eingetreten oder eingeschlagen, um so wenigstens

in der Not in den Fluren dürftigen Schutz zu finden.

Die hölzernen Fensterläden waren bald zu Sieben

durchschlagen, oder wurden durch die Gewalt berstender Granaten

über die Straße geschleudert. Das Getöse und Gekrache

in der Nacht war unheimlich, bald hier bald dort,

sprangen die Feuergarben der Einschläge über die Dächer.

Das Straßenpflaster wurde zerschlagen oder von Schutt

verdeckt, tote Pferde lagen bald hier und da, zerbrochene

Wagen dazwischen. Während ich Mitternacht auf

Posten stand sank das Nebenhaus in Schutt und Asche.

EInige Pioniere kamen zu uns herüber von ihrer Uniform

war nichts mehr zu sehen, Kalk und Ziegelstaub verdeckte


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  • April 14, 2017 09:22:57 Rolf Kranz

    S. 149

       Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiter hin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns für die Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, fein rot bezogen, aber ohne Beine.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einzige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.

           Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von                                30.IX/1.X.

    Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

    Komp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

    Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

    zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

    glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

    Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

    über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

    sich bereits die Sprengladung, zur Bedienung ein Unteroffizier

    und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

    im Eckhaus, - hierselbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

    schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstören zu wollen,


    S. 150

    zu mindesten aber den Verkehr darüber unterbinden.

    Ununterbrochen sausten Granaten, Schrappnell mit Zeit- oder

    Aufschlagzündung hernieder. Die Erde bebte, die Häuser zitterten,

    Staub, Rauch, Pulvergase und Wasser stob umher singende

    Sprengsplitter dazwischen. Unzähligemale wurde die Leitung

    für die Sprengladung zerschosen, oder durch in Karriere

    dahineilenden Wagen zerissen. Schwerste Granaten verpflügten die

    Nachbarschaft, zerstampften die Häuser oder peitschten das Wasser.

    Langsam verging Stunde um Stunde. - Der Weg vom

    Unterschlupf bis zur Brücke war lebensgefährlich, neben den

    Eisenteilen und Bleikugeln regnete es Mauersteine, Dachziegeln

    oder Glasscherben, - Die Haustüren anfangs alle geschlossen

    wurden eingetreten oder eingeschlagen, um so wenigstens

    in der Not in den Fluren dürftigen Schutz zu finden.

    Die hölzernen Fensterläden waren bald zu Sieben

    durchschlagen, oder wurden durch die Gewalt berstender Granaten

    über die Straße geschleudert. Das Getöse und Gekrache

    in der Nacht war unheimlich, bald hier bald dort,

    sprangen die Feuergarben der Einschläge über die Dächer.

    Das Straßenpflaster wurde zerschlagen oder von Schutt

    verdeckt, tote Pferde lagen bald hier und da, zerbrochene

    Wagen dazwischen. Während ich Mitternacht auf

    Posten stand sank das Nebenhaus in Schutt und Asche.

    EInige Pioniere kamen zu uns herüber von ihrer Uniform

    war nichts mehr zu sehen, Kalk und Ziegelstaub verdeckte

  • March 4, 2017 22:21:37 Rolf Kranz

    S. 149

    Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiter hin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns fürdie Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, fein rot bezogen, aber ohne Beine.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.

    Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von                                30.IX/1.X.

    Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

    Komp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

    Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

    zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

    glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

    Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

    über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

    sich bereits die Sprengladung, nur Bedienung ein Unteroffizier

    und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

    im Eckhaus, - hier selbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

    schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstören zu wollen,


    S. 150

    zu mindesten aber den Verkehr darüber unterbinden.

    Ununterbrochen sausten Granaten, Schrappnell mit Zeit- oder

    Aufschlagzündung hernieder. Die Erde bebte, die Häuser zitterten,

    Staub, Rauch, Pulvergase und Wasser stob umher singende

    Sprengsplitter dazwischen. Unzähligemale wurde die Leitung

    für die Sprengladung zerschosen, oder durch in Karriere

    dahineilenden Wagen zerissen. Schwerste Granaten verpflügten die

    Nachbarschaft, zerstampften die Häuser oder peitschten das Wasser.

    Langsam verging Stunde um Stunde. - Der Weg vom

    Unterschlupf bis zur Brücke war lebensgefährlich, neben den

    Eisenteilen und Bleikugeln regnete es Mauersteine, Dachziegeln

    oder Glasscherben, - Die Haustüren anfangs alle geschlossen

    wurden eingetreten oder eingeschlagen, um so wenigstens

    in der Not in den Fluren dürftigen Schutz zu finden.

    Die hölzernen Fensterläden waren bald zu Sieben

    durchschlagen, oder wurden durch die Gewalt berstender Granaten

    über die Strasse geschleudert. Das Getöse und Gebrocke

    in der Nacht war unheimlich, bald hier bald dort,

    sprangen die Feuergarben der Einschläge über die Dächer.

    Das Strassenpflaster wurde zerschlagen oder von Schutt

    verdeckt, tote Pferde lagen bald hier und da, zerbrochene

    Wagen dazwischen. Während ich Mitternacht auf

    Posten stand sank das Nebenhaus in Schutt und Asche.

    EInige Pioniere kamen zu uns herüber von ihrer Uniform

    war nichts mehr zu sehen, Kalk und Ziegelstaub verdeckte


  • January 29, 2017 18:13:14 Corinna Pichler (AUT)

    S. 149

    Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiterhin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns fürdie Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, für rot bezogen, aber ohne Bein.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.

    [30.IX/1.X.] Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von

    Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

    KOmp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

    Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

    zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

    glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

    Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

    über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

    sich bereits die Sprengladung, nur Bedienung ein Unteroffizier

    und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

    im Eckhaus, - hier selbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

    schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstört zu wollen,


    S. 150

    zu mindesten abr den Verkehr darüber unterbinden.

    Ununterbrochen sausten Granaten, Schrappnell mit Zeit der

    Aufschlagzündung hernieder. Die Erde bebte,die Häuser zittern,

    Staub, Rauch, Pulvergase und Wasser stob umher singende

    Sorengsplitter dazwischen. Unzähligemale wurde die Leutung

    für die Sprungladung zerschosen, oder durch in Karoriere

    dahinseinenden Wagen zerissen. Schwerste Granaten verpflügten die

    Nachbarschaft, zerstampften die Häuser oder peitschten das Wasser.

    Langsam verging Stunde um Stunde. - Der Weg vom

    Unterschlupf bis zur Brücke war lebensgefährlich, neben den

    Eisenteilen und Bleikugeln regnete es Mauersteine, Dachziegeln

    oder Glasscherben, - Die haustüren anfangs alle geschlossen

    wurden eingetreten oder eingeschlagen, um so wenigstens

    in der Not in den Fluren dürftigen Schutz zu finden.

    Die hözernen Fensterläden waren bald zu Sieben

    durchschlagen, oder wurden durch die Gewalt berstender Granaten

    über die Strasse geschleudert. Das Getöse und Gebrocke

    in der Nacht war unheimlich, bald hier bald dort,

    sprangen die Feuergarben der Einschläge über die Dächer.

    Das Strassenpflaster wurde zerschlagen oder von Schutt

    verdeckt, tote Pferde lagen bald hier und da, zerbrochene

    Wagen dazwischen. Während ich Mitternacht auf

    Posten stand sank das Nebenhaus in Schutt und Asche.

    EInige Pioniere kamen zu uns herüber von ihrer Uniform

    war nichts mehr zu sehen, Kalk und Ziegelstaub verdeckte


  • January 29, 2017 18:12:54 Corinna Pichler (AUT)

    S. 149

    Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiterhin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns fürdie Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, für rot bezogen, aber ohne Bein.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.

    [30.IX/1.X.] Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von

    Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

    KOmp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

    Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

    zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

    glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

    Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

    über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

    sich bereits die Sprengladung, nur Bedienung ein Unteroffizier

    und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

    im Eckhaus, - hier selbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

    schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstört zu wollen,


    S. 150

    zu mindesten abr den Verkehr darüber unterbinden.

    Ununterbrochen sausten Granaten, Schrappnell mit Zeit der

    Aufschlagzündung hernieder. Die Erde bebte,die Häuser zittern,

    Staub, Rauch, Pulvergase und Wasser stob umher singende

    Sorengsplitter dazwischen. Unzähligemale wurde die Leutung

    für die Sprungladung zerschosen, oder durch in Karoriere

    dahinseinenden Wagen zerissen. Schwerste Granaten verpflügten die

    Nachbarschaft, zerstampften die Häuser oder peitschten das Wasser.

    Langsam verging Stunde um Stunde. - Der Weg vom

    Unterschlupf bis zur Brücke war lebensgefährlich, neben den

    Eisenteilen und Bleikugeln regnete es Mauersteine, Dachziegeln

    oder Glasscherben, - Die haustüren anfangs alle geschlossen

    wurden eingetreten oder eingeschlagen, um so wenigstens

    in der Not in den Fluren dürftigen Schutz zu finden.

    Die hözernen Fensterläden waren bald zu Sieben

    durchschlagen, oder wurden durch die Gewalt berstender Granaten

    über die Strasse geschleudert. Das Getöse und Gebrocke

    in der Nacht war unheimlich, bald hier bald dort,

    sprangen die Feuergarben der Einschläge über die Dächer.

    Das Strassenpflaster wurde zerschlagen oder von Schutt

    verdeckt, tote Pferde lagen bald hier und da, zerbrochene

    Wagen dazwischen. Während ich Mitternacht auf

    Posten stand sank das Nebenhaus in Schutt und Asche.

    EInige Pioniere kamen zu uns herüber von ihrer Uniform


  • January 29, 2017 18:10:34 Corinna Pichler (AUT)

    S. 149

    Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiterhin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns fürdie Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, für rot bezogen, aber ohne Bein.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.

    [30.IX/1.X.] Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von

    Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

    KOmp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

    Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

    zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

    glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

    Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

    über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

    sich bereits die Sprengladung, nur Bedienung ein Unteroffizier

    und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

    im Eckhaus, - hier selbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

    schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstört zu wollen,


    S. 150

    zu mindesten abr den Verkehr darüber unterbinden.

    Ununterbrochen sausten Granaten, Schrappnell mit Zeit der

    Aufschlagzündung hernieder. Die Erde bebte,die Häuser zittern,

    Staub, Rauch, Pulvergase und Wasser stob umher singende

    Sorengsplitter dazwischen. Unzähligemale wurde die Leutung

    für die Sprungladung zerschosen, oder durch in Karoriere

    dahinseinenden Wagen zerissen. Schwerste Granaten verpflügten die

    Nachbarschaft, zerstampften die Häuser oder peitschten das Wasser.

    Langsam verging Stunde um Stunde. - Der Weg vom

    Unterschlupf bis zur Brücke war lebensgefährlich, neben den

    Eisenteilen und Bleikugeln regnete es Mauersteine, Dachziegeln

    oder Glasscherben, - Die haustüren anfangs alle geschlossen

    wurden eingetreten oder eingeschlagen, um so wenigstens

    in der Not in den Fluren dürftigen Schutz zu finden.

    Die hözernen Fensterläden waren bald zu Sieben

    durchschlagen, oder wurden durch die Gewalt berstender Granaten

    über die Strasse geschleudert. Das Getöse und Gebroc


  • January 29, 2017 18:06:20 Corinna Pichler (AUT)

    S. 149

    Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiterhin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns fürdie Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, für rot bezogen, aber ohne Bein.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.

    [30.IX/1.X.] Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von

    Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

    KOmp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

    Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

    zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

    glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

    Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

    über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

    sich bereits die Sprengladung, nur Bedienung ein Unteroffizier

    und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

    im Eckhaus, - hier selbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

    schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstört zu wollen,


    S. 150

    zu mindesten abr den Verkehr darüber unterbinden.

    Ununterbrochen sausten Granaten, Schrappnell mit Zeit der

    Aufschlagzündung hernieder. Die Erde bebte,die Häuser zittern,

    Staub, Rauch, Pulvergase und Wasser stob umher singende

    Sorengsplitter dazwischen. Unzähligemale wurde die Leutung

    für die Sprungladung zerschosen, oder durch in Karoriere

    dahinseinenden Wagen zerissen.


  • January 29, 2017 18:03:43 Corinna Pichler (AUT)

    S. 149

    Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiterhin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns fürdie Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, für rot bezogen, aber ohne Bein.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.

    [30.IX/1.X.] Die 2. M.G.K. hatte noch 4 Gewehre, 3 wurden von

    Unteroffizieren, das 4 von mir geführt, und wurde ja nach Stärke der

    KOmp. bald aufgestellt bald eingeteilt, dazu kam nun noch

    Nr. 5 der 3. M.G.K.. Am Canal sollten Posten ausgestellt werden

    zwecks Meldung eines Angriffes. Die Gefreiten mussten daran

    glauben; Wir 3 wurden alle 2 Stunden, die Schützen alle

    Stunden abgelöst. Nummer 1 hatte ich - Lage: Eine Brücke

    über einen Canal, diesseits Häuser. Unter der Brücke befand

    sich bereits die Sprengladung, nur Bedienung ein Unteroffizier

    und 2 Mann einer Pionierkomp. - Quartier das Estaminent

    im Eckhaus, - hier selbst auch unser Aufenthalt. Der Feind

    schien die Brücke durch Artillerietreffer zerstört zu wollen,


    S. 150


  • January 29, 2017 17:59:57 Corinna Pichler (AUT)

    S. 149

    Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiterhin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns fürdie Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, für rot bezogen, aber ohne Bein.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.

    [30.IX/1.X.]


    S. 150


  • January 29, 2017 17:59:39 Corinna Pichler (AUT)

    S. 149

    Wir kamen über Schloss Ramilly nach Escoudoeuvres.

    Überall lag starkes Artilleriefeuer. In Escoudoevres lagen wir zunächst

    unter grossen Kesseln einer Brauerei - in deren Hof ein grosses

    Lager von Handgranaten und kleinen Minen und unzähligen

    Kisten von MG Munition war. Später zogen wir weiterhin

    in eine Gruppe zurückliegender Häuser. Hier wollten wir es

    uns fürdie Nacht bequem machen. Mein Lager bildeten

    zwei Polsterlehnstühle, für rot bezogen, aber ohne Bein.

    Die Kompagnie erhielt Verstärkung durch das noch einige MG der

    3 M.G.K. (ein Gefreiter und paar Mann) wo die andern Leute

    waren blieb unbekannt. wir hatten im Übrigen vom 30.IX bis 4.X.

    keine direkte Stellung mit der Infanterie unserers Regiments

    gemeinsam.


    S. 150


  • January 28, 2017 21:50:47 Corinna Pichler (AUT)

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  • 50.194347||3.266366||

    Escaudoevres

Location(s)
  • Document location Escaudoevres
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ID
15873 / 169052
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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