Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 3, item 75

Edit transcription:
...
Transcription saved
Enhance your transcribing experience by using full-screen mode

Transcription

You have to be logged in to transcribe. Please login or register and click the pencil-button again

S. 137

verfolgte uns - Hier überschritt die Straße eine Höhe um weiter

nach vorn, ebenfalls in einen Hohlweg abzufallen. Der erste

Zug sprang geschlossen los. Kaum draussen - heulte es

durch die Luft und zwei Granaten platzten mitten auf der Straße.

Kurz darauf 2 weitere vorne im Hohlweg - Meldung

Unteroffizier Schmidt soeben gefallen. Nun kam unser

Zug an die Reihe, mein Gewehr zuerst. Ich teilte ein,

und befahl: sofort nachdem 2 Granaten (die kamen immer

zu zweien!) geplatzt wären, zuerst das M.G. raus, quer

über die Straße, über die kleine Böschung und weit nach

links ausholend, dann nach rechts vorn ins Tal, nach

dem Gewehr sofort die 2 Patronenträger los, ebenfalls  den

gleichen Weg, um eventuell das verlassenen Gewehr mit zu

nehmen, ich selbst wollte zuletzt loslaufen um so mein

Gewehr zu beobachten; dem zweiten Gewehr empfahl ich

gleiches zu tun. Jetzt krachten die beiden Granaten auf der

Straße, das Gewehr raus, alles lag bereit, die Patronenschütze

nach, sie kamen über die Straße, auf die Böschung

liefen erst links dann nach rechts, dann sprang ich los,

konnte es mir aber nicht verkneifen es anders zu machen,

indem ich allein die Straße lang lief. Hier lag auch

Utoffz. Schmidt am Straßenrand auf dem Rücken.

Blutflecke im Gesicht und Brust, die rechte Hand

verdreckt, der Wasserkessel zerschossen, eine Wasser und

Blutlache drumherum, davor das kleine Loch, wo die Brisanz-


S. 138

Granate aufgeschlagen war. Brisanz-Granate genannt, wegen ihrer

kolossalen leichten Empfindlichkeit beim Aufschlagen (Aufschlagzündung),

sie rissen ein kleines Loch, keine Waschschüssel gross

(entgegen den Zeitzündern an der Somme, die grosse Trichter

auswarfen) hatten aber eine Splitterwirkung, die unheimlich war.

Ungefährdet kam mein M.G. in der Senke an, die weiter

folgenden taten es ebenso - ohne jeglichen Verlust. - In der

Senke standen Luftschiffer mit der Bergung ihres Ballons

beschäftigt - von diesen besorgte sich einer meiner Leute

Stahlhelm und Gasmaske, die er in Neuville hatte zurückgelassen,

eine Leichtsinnigkeit die nur jungen Kriegern passierte, den

Älteren waren diese beiden Sachen wichtiger, als das täglich

Brot. Wir kamen sehr früh zur Kirche von St. Olle, wo wir

zunächst im Keller des Pfarrhauses Unterschlupf fanden.

Bald wurden wir mit dem Rufe "Tommy kommt"

alarmiert. Ein anwesender Hauptmann vom 2. Garde Res. Rgt,

wütete über die blödsinnige Alarmierungsformel - man solle

sagen - , der Feind greift an - dies sei nicht so erschreckend

als "Tommy kommt", wo man glauben könne er sei

schon da. - Na jedenfalls rannten wir alle hoch, an die Gewehre

welche rechts der Kirchhofsmauer aufgebaut wurden.

Im Talkessel, - St. Olly lag - das ganze Gelände

äusserst wellig - stürmte der Feind vor eigentümlicherweise

nach rechts, sodass er etwa 700m vor unseren

MGs entlang lief und uns die Flanke bot. In


Transcription saved

S. 137

verfolgte uns - Hier überschritt die Straße eine Höhe um weiter

nach vorn, ebenfalls in einen Hohlweg abzufallen. Der erste

Zug sprang geschlossen los. Kaum draussen - heulte es

durch die Luft und zwei Granaten platzten mitten auf der Straße.

Kurz darauf 2 weitere vorne im Hohlweg - Meldung

Unteroffizier Schmidt soeben gefallen. Nun kam unser

Zug an die Reihe, mein Gewehr zuerst. Ich teilte ein,

und befahl: sofort nachdem 2 Granaten (die kamen immer

zu zweien!) geplatzt wären, zuerst das M.G. raus, quer

über die Straße, über die kleine Böschung und weit nach

links ausholend, dann nach rechts vorn ins Tal, nach

dem Gewehr sofort die 2 Patronenträger los, ebenfalls  den

gleichen Weg, um eventuell das verlassenen Gewehr mit zu

nehmen, ich selbst wollte zuletzt loslaufen um so mein

Gewehr zu beobachten; dem zweiten Gewehr empfahl ich

gleiches zu tun. Jetzt krachten die beiden Granaten auf der

Straße, das Gewehr raus, alles lag bereit, die Patronenschütze

nach, sie kamen über die Straße, auf die Böschung

liefen erst links dann nach rechts, dann sprang ich los,

konnte es mir aber nicht verkneifen es anders zu machen,

indem ich allein die Straße lang lief. Hier lag auch

Utoffz. Schmidt am Straßenrand auf dem Rücken.

Blutflecke im Gesicht und Brust, die rechte Hand

verdreckt, der Wasserkessel zerschossen, eine Wasser und

Blutlache drumherum, davor das kleine Loch, wo die Brisanz-


S. 138

Granate aufgeschlagen war. Brisanz-Granate genannt, wegen ihrer

kolossalen leichten Empfindlichkeit beim Aufschlagen (Aufschlagzündung),

sie rissen ein kleines Loch, keine Waschschüssel gross

(entgegen den Zeitzündern an der Somme, die grosse Trichter

auswarfen) hatten aber eine Splitterwirkung, die unheimlich war.

Ungefährdet kam mein M.G. in der Senke an, die weiter

folgenden taten es ebenso - ohne jeglichen Verlust. - In der

Senke standen Luftschiffer mit der Bergung ihres Ballons

beschäftigt - von diesen besorgte sich einer meiner Leute

Stahlhelm und Gasmaske, die er in Neuville hatte zurückgelassen,

eine Leichtsinnigkeit die nur jungen Kriegern passierte, den

Älteren waren diese beiden Sachen wichtiger, als das täglich

Brot. Wir kamen sehr früh zur Kirche von St. Olle, wo wir

zunächst im Keller des Pfarrhauses Unterschlupf fanden.

Bald wurden wir mit dem Rufe "Tommy kommt"

alarmiert. Ein anwesender Hauptmann vom 2. Garde Res. Rgt,

wütete über die blödsinnige Alarmierungsformel - man solle

sagen - , der Feind greift an - dies sei nicht so erschreckend

als "Tommy kommt", wo man glauben könne er sei

schon da. - Na jedenfalls rannten wir alle hoch, an die Gewehre

welche rechts der Kirchhofsmauer aufgebaut wurden.

Im Talkessel, - St. Olly lag - das ganze Gelände

äusserst wellig - stürmte der Feind vor eigentümlicherweise

nach rechts, sodass er etwa 700m vor unseren

MGs entlang lief und uns die Flanke bot. In



Transcription history
  • April 14, 2017 08:32:14 Rolf Kranz

    S. 137

    verfolgte uns - Hier überschritt die Straße eine Höhe um weiter

    nach vorn, ebenfalls in einen Hohlweg abzufallen. Der erste

    Zug sprang geschlossen los. Kaum draussen - heulte es

    durch die Luft und zwei Granaten platzten mitten auf der Straße.

    Kurz darauf 2 weitere vorne im Hohlweg - Meldung

    Unteroffizier Schmidt soeben gefallen. Nun kam unser

    Zug an die Reihe, mein Gewehr zuerst. Ich teilte ein,

    und befahl: sofort nachdem 2 Granaten (die kamen immer

    zu zweien!) geplatzt wären, zuerst das M.G. raus, quer

    über die Straße, über die kleine Böschung und weit nach

    links ausholend, dann nach rechts vorn ins Tal, nach

    dem Gewehr sofort die 2 Patronenträger los, ebenfalls  den

    gleichen Weg, um eventuell das verlassenen Gewehr mit zu

    nehmen, ich selbst wollte zuletzt loslaufen um so mein

    Gewehr zu beobachten; dem zweiten Gewehr empfahl ich

    gleiches zu tun. Jetzt krachten die beiden Granaten auf der

    Straße, das Gewehr raus, alles lag bereit, die Patronenschütze

    nach, sie kamen über die Straße, auf die Böschung

    liefen erst links dann nach rechts, dann sprang ich los,

    konnte es mir aber nicht verkneifen es anders zu machen,

    indem ich allein die Straße lang lief. Hier lag auch

    Utoffz. Schmidt am Straßenrand auf dem Rücken.

    Blutflecke im Gesicht und Brust, die rechte Hand

    verdreckt, der Wasserkessel zerschossen, eine Wasser und

    Blutlache drumherum, davor das kleine Loch, wo die Brisanz-


    S. 138

    Granate aufgeschlagen war. Brisanz-Granate genannt, wegen ihrer

    kolossalen leichten Empfindlichkeit beim Aufschlagen (Aufschlagzündung),

    sie rissen ein kleines Loch, keine Waschschüssel gross

    (entgegen den Zeitzündern an der Somme, die grosse Trichter

    auswarfen) hatten aber eine Splitterwirkung, die unheimlich war.

    Ungefährdet kam mein M.G. in der Senke an, die weiter

    folgenden taten es ebenso - ohne jeglichen Verlust. - In der

    Senke standen Luftschiffer mit der Bergung ihres Ballons

    beschäftigt - von diesen besorgte sich einer meiner Leute

    Stahlhelm und Gasmaske, die er in Neuville hatte zurückgelassen,

    eine Leichtsinnigkeit die nur jungen Kriegern passierte, den

    Älteren waren diese beiden Sachen wichtiger, als das täglich

    Brot. Wir kamen sehr früh zur Kirche von St. Olle, wo wir

    zunächst im Keller des Pfarrhauses Unterschlupf fanden.

    Bald wurden wir mit dem Rufe "Tommy kommt"

    alarmiert. Ein anwesender Hauptmann vom 2. Garde Res. Rgt,

    wütete über die blödsinnige Alarmierungsformel - man solle

    sagen - , der Feind greift an - dies sei nicht so erschreckend

    als "Tommy kommt", wo man glauben könne er sei

    schon da. - Na jedenfalls rannten wir alle hoch, an die Gewehre

    welche rechts der Kirchhofsmauer aufgebaut wurden.

    Im Talkessel, - St. Olly lag - das ganze Gelände

    äusserst wellig - stürmte der Feind vor eigentümlicherweise

    nach rechts, sodass er etwa 700m vor unseren

    MGs entlang lief und uns die Flanke bot. In


  • March 4, 2017 08:37:43 Rolf Kranz

    S. 137

    verfolgte uns - Hier überschritt die Strasse eine Höhe um weiter

    nach vorn, ebenfalls in einen Hohlweg abzufallen. Der erste

    Zug sprang geschlossen los. Kaum draussen - heulte es

    durch die Luft und zwei Granaten platzten mitten auf der Strasse.

    Kurz darauf 2 weitere vorne im Hohlweg - Meldung

    Unteroffizier Schmidt soeben gefallen. Nun kam unser

    Zug an die Reihe, mein Gewehr zuerst. Ich teilte ein,

    und befahl: sofort nachdem 2 Granaten (die kamen immer

    zu zweien!) geplatzt waren, zuerst das M.G. raus, quer

    über die Strasse, über die kleine Böschung und weit nach

    links ausholend, dann nach rechts vorn ins Tal, nach

    dem Gewehr sofort die 2 Patronenträger los, ebenfalls  den

    gleichen Weg, um eventuell das verlassenen Gewehr mit zu

    nehmen, ich selbst wollte zuletzt loslaufen um so mein

    Gewehr zu beobachten; dem zweiten Gewehr empfahl ich

    gleiches zu tun. Jetzt krachten die beiden Granaten auf der

    Strasse, das Gewehr raus, alles lag bereit, die

    Patronenschützen nach, sie kamen über die Strasse, auf die Böschung

    liefen erst links dann nach rechts, dann sprang ich los,

    konnte es mir aber nicht verkneifen es anders zu machen,

    indem ich allein die Strasse lang lief. Hier lag auch

    Utoffz. Schmidt am Strassenrand auf dem Rücken.

    Blutflecke im Gesicht und Brust, die rechte Hand

    verdreckt, der Wasserkessel zerschossen, eine Wasser und

    Blutlache drumherum, davor das kleine Loch, wo die Brisanz-


    S. 138

    Granate aufgeschlagen war. Brisanz-Granate genannt, wegen ihrer

    kolossalen leichten Empfindlichkeit beim Aufschlagen (Aufschlagzündung),

    sie rissen ein kleines Loch, keine Waschschüssel gross

    (entgegen den Zeitzündern an der Somme, die grosse Trichter

    auswarfen) hatten aber eine Splitterwirkung, die unheimlich war.

    Ungefährdet kam mein M.G. in der Senke an, die weiter

    folgenden taten es ebenso - ohne jeglichen Verlust. - In der

    Senke standen Luftschiffer mit der Bergung ihres Ballons

    beschäftigt - von diesen besorgte sich einer meiner Leute

    Stahlhelm und Gasmaske, die er in Neuville hatte zurückgelassen,

    eine Leichtsinnigkeit die nur jungen Kriegern passierte, den

    Älteren waren diese beiden Sachen wichtiger, als das täglich

    Brot. Wir kamen sehr früh zur Kirche von St. Olle, wo wir

    zunächst im Keller des Pfarrhauses Unterschlupf fanden.

    Bald wurden wir mit dem Rufe "Tommy kommt"

    alarmiert. Ein anwesender Hauptmann vom 2. Garde Res. Rgt,

    wütete über die blödsinnige Alarmierungsformel - man solle

    sagen - , der Feind greift an - dies sei nicht so erschreckend

    als "Tommy kommt", wo man glauben könne er sei

    schon da. - Na jedenfalls rannten wir alle hoch, an die Gewehre

    welche rechts der Kirchhofsmauer aufgebaut wurden.

    Im Talkessel, - St. Olly lag - das ganze Gelände

    äusserst wellig - stürmte der Feind vor

    eigentümlicherweise nach rechts, sodass er etwa 700m vor unseren

    MGs entlang lief und uns die Flanke bot. In



  • January 25, 2017 21:39:47 Corinna Pichler (AUT)

    S. 137

    verfolgte uns - Hier überschritt die Strasse eine Höhe um weiter

    nach vorn, ebenfalls in einen Hohlweg abzufallen. Der erste

    Zug sprang geschlossen los. Kaum draussen - heulte es

    durch die Luft und zwei Granaten platzten mitten auf der Strasse.

    Kurz darauf 2 weitere vorne im Hohlweg - Meldung

    Unteroffizier Schmidt soeben gefallen. Nun kam unser

    Zug an die Ruhe, mein Gewehr zu erst. Ich teilte ein,

    und befahl: sofort nachdem 2 Granaten (die kamen immer

    zu zweien!) geplatzt waren, zuerst das M.G. raus, quer

    über die Strasse, über die kleine Böschung und weit nach

    links ausholend, dann nach rechts vorn ins Tal,

    nachdem Gewehr sofort die 2 Patronenträger los, ebenfalls  den

    gleichen Weg, um eventuell das verlassenen Gewehr mit zu

    nehmen, ich selbst wollte zuletzt loslaufen um so mein

    Gewehr zu beobachten; dem zweiten Gewehr empfahl ich

    gleiches zu tun. Jetzt krachten die beiden Granaten auf der

    Strasse, das Gewehr raus, alles lag bereit, die

    Patronenschützen nach, sie kamen über die Strasse, auf die Böschung

    liefen erst links dann nach rechts, dann sprang ich los,

    konnte es mir aber nicht verkneifen es anders zu machen,

    indem ich allein die Strasse lang lief. Hier lag auch

    Utoffz. [sic!] Schmidt am Strassenrand auf dem Rücken.

    Blutflecke im Gesicht und Brust, die rechte Hand

    verdreckt, der Wasserkessel zerschossen, eine Wasser und

    Blutlache drumherum, davor das kleine Loch, wo die Brisanz-


    S. 138

    Granate aufgeschlagen war. Brisanz-Granate genannt, wegen ihrer

    kolossalen leichten Empfindlichkeit beim Aufschlagen (Aufschlag zum

    Aug), sie rissen ein kleines Loch, keine Waschschüssel gross

    (entgegen den Zeitzündern an der Somme, die grosse Trichter aus

    warfen) hatten aber eine Splitterwirkung, die unheimlich war.

    Ungefährdet kam mein M.G. in der Senke an, die weiter

    folgenden taten es ebenso - ohne jeglichen Verlust. - In der

    Senke standen Luftschiffen mit der Verzug ihres Ballons

    beschäftigt - von diesen besorgte sich einer meiner Leute

    Stahlhelm und Gasmaske, die er in Neuville hatte zurückgelassen,

    eine Leichtsinnigkeit die nur jungen Kriegern passierte, den

    Älteren waren diese beiden Sachen wichtiger, als das täglich

    Brot. Wir kamen sehr früh zur Kirche von St. Olle, wo wir

    zunächst im Keller des Pfarrhauses Unterschlupf fanden.

    Bald wurden wir mit dem Rufe "Tommy kommt"

    alarmiert. Ein anwesender Hauptmann vom 2. Garde Res. Rgt,

    wutete über die blödsinnige Alarmierungsformel - man solle

    jagen - , der Fein greift an - dies sei nicht so erschreckend

    als "Tommy kommt", wo man glauben könne er sei

    schon da. - Na jedenfalls rannten wir alle hoch, an die Gewehre

    welche rechts der Kirchhofsmauer aufgebaut wurden-

    Im Talkessel, - St. Olly lag - das ganze Gelände

    äusserst wellig - stürmte der Feind vor

    eigentümlicherweise nach rechts, sodass er etwa 700m vor unseren

    MGs entlang lief und uns die Flanke bot. In



  • January 25, 2017 21:34:19 Corinna Pichler (AUT)

    S. 137

    verfolgte uns - Hier überschritt die Strasse eine Höhe um weiter

    nach vorn, ebenfalls in einen Hohlweg abzufallen. Der erste

    Zug sprang geschlossen los. Kaum draussen - heulte es

    durch die Luft und zwei Granaten platzten mitten auf der Strasse.

    Kurz darauf 2 weitere vorne im Hohlweg - Meldung

    Unteroffizier Schmidt soeben gefallen. Nun kam unser

    Zug an die Ruhe, mein Gewehr zu erst. Ich teilte ein,

    und befahl: sofort nachdem 2 Granaten (die kamen immer

    zu zweien!) geplatzt waren, zuerst das M.G. raus, quer

    über die Strasse, aber die kleine Böschung und weit nach

    links ausholend, dann nach rechts vorn ins Tal,

    nachdem Gewehr sofort die 2 Patronenträger los, ebenfalls  den

    gleichen Weg, um eventuell das verlassenen Gewehr mit zu

    nehmen, ich selbst wollte zuletzt loslaufen um so mein

    Gewehr zu beobachten; dem zweiten Gewehr empfahl ich

    gleiches zu tun. Jetzt krachten die beiden Granaten auf der

    Strasse, das Gewehr raus, alles lag bereit, die

    Patronenschützen nach, sie kamen über die Strasse, auf die Böschung

    liefen erst links dann nach rechts, dann sprang ich los,

    konnte es mir aber nicht verkneifen es anders zu machen,

    indem ich allein die Strasse lang lief. Hier lag auch

    Utoffz. [sic!] Schmidt am Strassenrand auf dem Rücken.

    Blutflecke im Gesicht und Brust, die rechte Hand

    verdreckt, der Wasserkessel zerschossen, eine Wasser und

    Blutlache drumherum, davor das kleine Loch, wo die Brisanz


    S. 138

    Granate aufgeschlagen war. Brisanz-Granate genannt, wegen ihrer

    kolossalen leichten Empfindlichkeit beim Aufschlagen (Aufschlag zum

    Aug), sie rissen ein kleines Loch, keinen Waschschüssel gross

    (entegen den Zeitündern an der Somme, die grosse Trichter aus

    warfen) hatten aber eine Splitterwirkung, die unheimlich war.

    Ungefährdet kam mein M.G. in der Senke an, die weiter

    folgenden taten es ebenso - ohne jeglichen Verlust. - In der

    Senke standen Luftschiffen mit der Verzug ihres Ballons

    beschäftigt - von diesen besorgte sich einer meiner Leute

    Stahlhelm und Gasmaske, die er in Neuville hatte zurückgelassen,

    eine Leichtsinnigkeit die nur jungen Kriegern passierte, den

    Älteren waren diese beiden Sachen wichtiger, als das täglich

    Brot. Wir kamen sehr früh zur Kirche von St. Olle, wo wir

    zunächst im Keller des Pfarrhauses Unterschlupf fanden.

    Bald wurden wir mit dem Rufe "Tommy kommt"

    alarmiert. Ein anwesender Hauptmann vom 2. Garde Res. Rgt,

    wutete über die blödsinnige Alarmierungsformel - man solle

    jagen - , der Fein greift an - dies sei nicht so erschreckend

    als "Tommy kommt", wo man glauben könne er sei

    schon da. - Na jedenfalls rannten wir alle hoch, an die Gewehre

    welche rechts der Kirchhofsmauer aufgebaut wurden-

    Im Talkessel, - St. Olly lag - das ganze Gelände

    äusserst wellig - stürmte der Feind vor

    eigentümlicherweise nach rechts, sodass er etwa 700m vor unseren

    MGs entlang lief und uns die Flanke bot. In



  • January 25, 2017 21:31:56 Corinna Pichler (AUT)

    S. 137

    verfolgte uns - Hier überschritt die Strasse eine Höhe um weiter

    nach vorn, ebenfalls in einen Hohlweg abzufallen. Der erste

    Zug sprang geschlossen los. Kaum draussen - heulte es

    durch die Luft und zwei Granaten platzten mitten auf der Strasse.

    Kurz darauf 2 weitere vorne im Hohlweg - Meldung

    Unteroffizier Schmidt soeben gefallen. Nun kam unser

    Zug an die Ruhe, mein Gewehr zu erst. Ich teilte ein,

    und befahl: sofort nachdem 2 Granaten (die kamen immer

    zu zweien!) geplatzt waren, zuerst das M.G. raus, quer

    über die Strasse, aber die kleine Böschung und weit nach

    links ausholend, dann nach rechts vorn ins Tal,

    nachdem Gewehr sofort die 2 Patronenträger los, ebenfalls  den

    gleichen Weg, um eventuell das verlassenen Gewehr mit zu

    nehmen, ich selbst wollte zuletzt loslaufen um so mein

    Gewehr zu beobachten; dem zweiten Gewehr empfahl ich

    gleiches zu tun. Jetzt krachten die beiden Granaten auf der

    Strasse, das Gewehr raus, alles lag bereit, die

    Patronenschützen nach, sie kamen über die Strasse, auf die Böschung

    liefen erst links dann nach rechts, dann sprang ich los,

    konnte es mir aber nicht verkneifen es anders zu machen,

    indem ich allein die Strasse lang lief. Hier lag auch

    Utoffz. [sic!] Schmidt am Strassenrand auf dem Rücken.

    Blutflecke im Gesicht und Brust, die rechte Hand

    verdreckt, der Wasserkessel zerschossen, eine Wasser und

    Blutlache drumherum, davor das kleine Loch, wo die Brisanz


    S. 138

    Granate aufgeschlagen war. Brisanz-Granate genannt, wegen ihrer

    kolossalen leichten Empfindlichkeit beim Aufschlagen (Aufschlag zum

    Aug), sie rissen ein kleines Loch, keinen Waschschüssel gross

    (entegen den Zeitündern an der Somme, die grosse Trichter aus

    warfen) hatten aber eine Splitterwirkung, die unheimlich war.

    Ungefährdet kam mein M.G. in der Senke an, die weiter

    folgenden taten es ebenso - ohne jeglichen Verlust. - In der

    Senke standen Luftschiffen mit der Verzug ihres Ballons

    beschäftigt - von diesen besorgte sich einer meiner Leute

    Stahlhelm und Gasmaske, die er in Neuville hatte zurückgelassen,

    eine Leichtsinnigkeit die nur jungen Kriegern passierte, den

    Älteren waren diese beiden Sachen wichtiger, als das täglich

    Brot. Wir kamen sehr früh zur Kirche von St. Olle, wo wir

    zunächst im Keller des Pfarrhauses Unterschlupf fanden.




  • January 25, 2017 21:27:52 Corinna Pichler (AUT)

    S. 137

    verfolgte uns - Hier überschritt die Strasse eine Höhe um weiter

    nach vorn, ebenfalls in einen Hohlweg abzufallen. Der erste

    Zug sprang geschlossen los. Kaum draussen - heulte es

    durch die Luft und zwei Granaten platzten mitten auf der Strasse.

    Kurz darauf 2 weitere vorne im Hohlweg - Meldung

    Unteroffizier Schmidt soeben gefallen. Nun kam unser

    Zug an die Ruhe, mein Gewehr zu erst. Ich teilte ein,

    und befahl: sofort nachdem 2 Granaten (die kamen immer

    zu zweien!) geplatzt waren, zuerst das M.G. raus, quer

    über die Strasse, aber die kleine Böschung und weit nach

    links ausholend, dann nach rechts vorn ins Tal,

    nachdem Gewehr sofort die 2 Patronenträger los, ebenfalls  den

    gleichen Weg, um eventuell das verlassenen Gewehr mit zu

    nehmen, ich selbst wollte zuletzt loslaufen um so mein

    Gewehr zu beobachten; dem zweiten Gewehr empfahl ich

    gleiches zu tun. Jetzt krachten die beiden Granaten auf der

    Strasse, das Gewehr raus, alles lag bereit, die

    Patronenschützen nach, sie kamen über die Strasse, auf die Böschung

    liefen erst links dann nach rechts, dann sprang ich los,

    konnte es mir aber nicht verkneifen es anders zu machen,

    indem ich allein die Strasse lang lief. Hier lag auch

    Utoffz. [sic!] Schmidt am Strassenrand auf dem Rücken.

    Blutflecke im Gesicht und Brust, die rechte Hand

    verdreckt, der Wasserkessel zerschossen, eine Wasser und

    Blutlache drumherum, davor das kleine Loch, wo die Brisanz


    S. 138

    Granate


Description

Save description
  • 50.19059||3.168697||

    St. Olle

Location(s)
  • Document location St. Olle
Login and add location


ID
15873 / 169046
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


Login to edit the languages

Login to edit the fronts

Login to add keywords

Login and add links

Notes and questions

Login to leave a note