Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 2, item 57

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S. 80

Foto: Witscheete Kirche

Witscheete, bekannt durch die Schlacht bei Messines, oder im

Witschate Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


 Die Schlacht im Witscheete Bogen.


           Am Sonnabend hatten wir noch die Löhnung                                 3.VI.1917.

ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


S. 81

   Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

glaubte kein Mensch daran.

      Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

davor standen hier und dort plötzlich die Geiser

einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

dichtesten war, lag das vielgenannte Dorf Wytscheete, da die Front

einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wytschetebogen,

in dessen Mittelpunkt das Dorf Messines lag, auch das eine

stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf um

sein Feuer aufzunehemen. Bei jedem Schuss sahen wir ein

mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde

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S. 80

Foto: Witscheete Kirche

Witscheete, bekannt durch die Schlacht bei Messines, oder im

Witschate Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


 Die Schlacht im Witscheete Bogen.


           Am Sonnabend hatten wir noch die Löhnung                                 3.VI.1917.

ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


S. 81

   Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

glaubte kein Mensch daran.

      Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

davor standen hier und dort plötzlich die Geiser

einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

dichtesten war, lag das vielgenannte Dorf Wytscheete, da die Front

einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wytschetebogen,

in dessen Mittelpunkt das Dorf Messines lag, auch das eine

stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf um

sein Feuer aufzunehemen. Bei jedem Schuss sahen wir ein

mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


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  • April 7, 2017 20:17:35 Rolf Kranz

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Witscheete, bekannt durch die Schlacht bei Messines, oder im

    Witschate Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


     Die Schlacht im Witscheete Bogen.


               Am Sonnabend hatten wir noch die Löhnung                                 3.VI.1917.

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

       Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

          Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Geiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorf Wytscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wytschetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messines lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf um

    sein Feuer aufzunehemen. Bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde

  • February 19, 2017 21:33:55 Rolf Kranz

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messines, oder im

    Witschate Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.


    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Löhnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

    Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

    Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Geiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorf Wytscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wytschetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messines lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf um

    sein Feuer aufzunehemen. Bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


  • January 1, 2017 10:33:24 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messines, oder im

    Witschate Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

    Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

    Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Heiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorf Wytscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wytschetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messines lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf uns[sic!]

    sein Feuer aufzunehemen. bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


  • January 1, 2017 10:32:57 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messines, oder im

    Witschate Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

    Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

    Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Heiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorf Wytscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wytscheetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messines lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf uns[sic!]

    sein Feuer aufzunehemen. bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


  • January 1, 2017 10:32:51 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messines, oder im

    Witschate Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

    Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

    Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Heiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorf Wigtscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wytscheetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messines lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf uns[sic!]

    sein Feuer aufzunehemen. bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


  • January 1, 2017 10:31:54 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messines, oder im

    Witscheete Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

    Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

    Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Heiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorf Wigtscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wigtscheetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messines lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf uns[sic!]

    sein Feuer aufzunehemen. bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


  • January 1, 2017 10:30:15 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messnes, oder im

    Witscheete Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

    Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

    Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Heiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Comines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorft Wigtscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wigtscheetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messeires lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf uns[sic!]

    sein Feuer aufzunehemen. bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


  • January 1, 2017 10:28:54 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messnes, oder im

    Witscheete Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

    Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

    Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Heiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Eomines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorft Wigtscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wigtscheetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messeires lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf uns[sic!]

    sein Feuer aufzunehemen. bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


  • January 1, 2017 10:27:55 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messnes, oder im

    Witscheete Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81

    Das Quartier bestand aus einem grossen Saal, das durch

    Bretterverschläge in 3 Zimmer geteilt worden war, es wurden sogleich alle

    Vorkehrungen getroffen uns häuslich niederzulassen. Ich weiss

    noch, dass wir ungehalten waren, dass wir am Sonntagnachmittag

    Stubendienst machen mussten. Es wurden aus einem anderen

    Raum Strohsäcke geholt, auch kleine Spinde, Wandbretter wurden

    errichtet und angenagelt und Nägel in die Wände geschlagen

    um daran unser Koppelzeug anzuhängen. Kurz es wurde

    gearbeitet als sollten wir wochenlang hier bleiben, und doch

    glaubte kein Mensch daran.

    Gegen Abend erstiegen wir den Fabrikturm, wir wollten

    doch sehen wie das Gelände ausschaut, wo wir hinein sollten.

    Mächtige Rauch und Staubwolken schlossen den Horiziont ab,

    davor standen hier und dort plötzlich die Heiser

    einschlagender Granaten, dazu die allbekannte Melodie der Geschütze. Es

    war ein Dröhnen ringsum wie in einer grossen Werkstatt.

    Vor uns lag das in Brand geschossene Dorf Eomines an der

    belgisch-französischen Grenze, im Hintergrunde wo der Rauch am

    dichtesten war, lag das vielgenannte Dorft Wegtscheete, da die Front

    einen grossen Bogen bildete hiess der Abschnitt der Wegtscheetebogen,

    in dessen Mittelpunkt das Dorf Messeires lag, auch das eine

    stark rauchende Trümmerstätte, dahinter der Kemmelberg.

    Es war ein schaurigschöner Blick von hoher Warte auf das nahe

    Schlachtfeld. Am Abend fuhr ein Eisenbahngeschütz auf uns[sic!]

    sein Feuer aufzunehemen. bei jedem Schuss sahen wir ein

    mächtiges Mündungsfeuer als Blitz in die begleitende schwarz

    braune Rauchwolke fahren, dann erfolgte ein Dröhnen, dass die Erde


  • January 1, 2017 10:20:29 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messnes, oder im

    Witscheete Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn, diesmal nur 2 Stunden Marsch. Wir erreichten

    Linselles und wurden in der Flachsfabrik untergebracht.


    S. 81


  • January 1, 2017 10:20:02 Corinna Pichler (AUT)

    S. 80

    Foto: Witscheete Kirche

    Wilscheete[sic!], bekannt durch die Schlacht bei Messnes, oder im

    Witscheete Bogen - Beginn der Flandenschlacht 1917.


    Die Schlacht im Witscheete Bogen.

    [3.VI.1917] Am Sonnabend hatten wir noch die Lohnung

    ausgezahlt  bekommen, und diese wurde in der Kantine

    gleich umgesetzt: Ein Schnäpschen auf frohes Soldatenleben,

    ein Paket Kekse und Schokolade, Briefpapier und wenn

    noch was übrig, wurde das Dasein gefeiert bei Bier und

    Kümmel, - dann im Quartier 17+4. So hoffen wir

    für den kommenden Sonntag auf Ruhe, aber schon am

    Vormittag, d. 3.VI. wurden wir alarmiert und rückten weiter

    nach vorn,



    S. 81


Description

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  • 50.739197||3.080101||

    Linselles

  • 50.7650099||3.006234||

    Comines

  • 50.7858578||2.8831131||

    Wytschaete

  • 50.76667846671059||2.8973265772460763||

    Mesen (Messines)

  • 50.7833333||2.8166667||

    Kemmelberg

  • 50.2912494||2.7777485000000297||

    Schlacht von Arras

    ||1
Location(s)
  • Story location Schlacht von Arras
  • Document location Linselles
  • Additional document location Comines
  • Additional document location Wytschaete
  • Additional document location Mesen (Messines)
  • Additional document location Kemmelberg
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ID
15872 / 168852
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
Licence
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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