Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 2, item 42

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S. 52

nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringte

wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. Das Dorf Gavrelle, dessen

Ruinen vor uns lagen musste also eine starke engl. Besatzung

haben. - Am gleichen Abend ging Oberleutnant von

Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Deckung hatten,

liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

laut meldeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

gesehen?" Hätte er gewusst, dass wir erst hinter ihm das M.G.

schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

uns gefahren. Leutnant Stölting ein schon älterer

Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

vor wenigen Tagen (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

selbst Patronen beim Sturm geschleppt hatte, leider ist er bei

Wyschote 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetzte, gefallen.

      Am gleichen Tage, wäre es auch mir beinahe schlimm

ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


S. 53

mit, kaum aber waren wir wenige Sekunden, mit dem

Oberkörper über Deckung aufgetaucht, als die Geschossgarbe eines

engl. M.Gs. wenige Schritte direckt vor uns einschlug, natürlich

verschwanden wir im Nu, und hüteten uns vor nochmaliger

Unachtsamkeit, die uns leicht das Leben hätte kosten können.

Der Engländer passte also genau auf! - Tatsächlich holte in

der Nacht eine Patrouille noch zwei unverwundete Engländer

und ein Lewisgewehr aus dem Zwischengelände, diese hatten

also noch zwei Tage und Nächte zwischen unserer Vorstellung und

ersten Linie gelegen. - Um Mitternacht brachten mir die

Essenholer einen Einschreibbrief von daheim mit 50 Mark, sonst

musste man diese immer persönlich von Schreibstube holen,

diesmal erhielt ich ihn in den Graben, mit soviel Geld wusste

ich hier vorn natürlich nichts anzufangen, umso lieber aber

erfreuten mich Augenblicklich die lieben Zeilen.

      In der gleichen Nacht wurden nun auch endlich die

gefallenen Engländer gesammelt, 23 Mann, welche noch

in kurzem Unkreis um unseren M.G.Stand lagen, sie

wurden hinter dem Graben beerdigt, dabei war auch der

inzwischen verstorbene Schwerverwundete, welcher mich beim

Gang durch den Graben vor 2 Tagen um Wasser gebeten hatte.

Als er schon verstorben war, nahm ich mir seine Wickel-Gamaschen an

mich, in der Tache trug er ein Bild seiner Frau und eines Kindes.

Als ich später wieder durch den Graben kam, hatte man ihm

schon die Stiefel ausgezogen. - Während  nun auch die Engländer

beerdigt waren, lagen die Gefallenen 2 Kameraden unser M.G.K.

immer noch im Graben. Die Komp. schickte erst in folgender

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S. 52

nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringte

wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. Das Dorf Gavrelle, dessen

Ruinen vor uns lagen musste also eine starke engl. Besatzung

haben. - Am gleichen Abend ging Oberleutnant von

Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Deckung hatten,

liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

laut meldeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

gesehen?" Hätte er gewusst, dass wir erst hinter ihm das M.G.

schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

uns gefahren. Leutnant Stölting ein schon älterer

Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

vor wenigen Tagen (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

selbst Patronen beim Sturm geschleppt hatte, leider ist er bei

Wyschote 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetzte, gefallen.

      Am gleichen Tage, wäre es auch mir beinahe schlimm

ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


S. 53

mit, kaum aber waren wir wenige Sekunden, mit dem

Oberkörper über Deckung aufgetaucht, als die Geschossgarbe eines

engl. M.Gs. wenige Schritte direckt vor uns einschlug, natürlich

verschwanden wir im Nu, und hüteten uns vor nochmaliger

Unachtsamkeit, die uns leicht das Leben hätte kosten können.

Der Engländer passte also genau auf! - Tatsächlich holte in

der Nacht eine Patrouille noch zwei unverwundete Engländer

und ein Lewisgewehr aus dem Zwischengelände, diese hatten

also noch zwei Tage und Nächte zwischen unserer Vorstellung und

ersten Linie gelegen. - Um Mitternacht brachten mir die

Essenholer einen Einschreibbrief von daheim mit 50 Mark, sonst

musste man diese immer persönlich von Schreibstube holen,

diesmal erhielt ich ihn in den Graben, mit soviel Geld wusste

ich hier vorn natürlich nichts anzufangen, umso lieber aber

erfreuten mich Augenblicklich die lieben Zeilen.

      In der gleichen Nacht wurden nun auch endlich die

gefallenen Engländer gesammelt, 23 Mann, welche noch

in kurzem Unkreis um unseren M.G.Stand lagen, sie

wurden hinter dem Graben beerdigt, dabei war auch der

inzwischen verstorbene Schwerverwundete, welcher mich beim

Gang durch den Graben vor 2 Tagen um Wasser gebeten hatte.

Als er schon verstorben war, nahm ich mir seine Wickel-Gamaschen an

mich, in der Tache trug er ein Bild seiner Frau und eines Kindes.

Als ich später wieder durch den Graben kam, hatte man ihm

schon die Stiefel ausgezogen. - Während  nun auch die Engländer

beerdigt waren, lagen die Gefallenen 2 Kameraden unser M.G.K.

immer noch im Graben. Die Komp. schickte erst in folgender


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  • April 5, 2017 19:48:28 Rolf Kranz

    S. 52

    nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringte

    wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

    Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. Das Dorf Gavrelle, dessen

    Ruinen vor uns lagen musste also eine starke engl. Besatzung

    haben. - Am gleichen Abend ging Oberleutnant von

    Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

    lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

    suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Deckung hatten,

    liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

    zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

    beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

    laut meldeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

    gesehen?" Hätte er gewusst, dass wir erst hinter ihm das M.G.

    schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

    uns gefahren. Leutnant Stölting ein schon älterer

    Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

    vor wenigen Tagen (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

    Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

    selbst Patronen beim Sturm geschleppt hatte, leider ist er bei

    Wyschote 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

    wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetzte, gefallen.

          Am gleichen Tage, wäre es auch mir beinahe schlimm

    ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

    dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

    scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

    besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

    Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


    S. 53

    mit, kaum aber waren wir wenige Sekunden, mit dem

    Oberkörper über Deckung aufgetaucht, als die Geschossgarbe eines

    engl. M.Gs. wenige Schritte direckt vor uns einschlug, natürlich

    verschwanden wir im Nu, und hüteten uns vor nochmaliger

    Unachtsamkeit, die uns leicht das Leben hätte kosten können.

    Der Engländer passte also genau auf! - Tatsächlich holte in

    der Nacht eine Patrouille noch zwei unverwundete Engländer

    und ein Lewisgewehr aus dem Zwischengelände, diese hatten

    also noch zwei Tage und Nächte zwischen unserer Vorstellung und

    ersten Linie gelegen. - Um Mitternacht brachten mir die

    Essenholer einen Einschreibbrief von daheim mit 50 Mark, sonst

    musste man diese immer persönlich von Schreibstube holen,

    diesmal erhielt ich ihn in den Graben, mit soviel Geld wusste

    ich hier vorn natürlich nichts anzufangen, umso lieber aber

    erfreuten mich Augenblicklich die lieben Zeilen.

          In der gleichen Nacht wurden nun auch endlich die

    gefallenen Engländer gesammelt, 23 Mann, welche noch

    in kurzem Unkreis um unseren M.G.Stand lagen, sie

    wurden hinter dem Graben beerdigt, dabei war auch der

    inzwischen verstorbene Schwerverwundete, welcher mich beim

    Gang durch den Graben vor 2 Tagen um Wasser gebeten hatte.

    Als er schon verstorben war, nahm ich mir seine Wickel-Gamaschen an

    mich, in der Tache trug er ein Bild seiner Frau und eines Kindes.

    Als ich später wieder durch den Graben kam, hatte man ihm

    schon die Stiefel ausgezogen. - Während  nun auch die Engländer

    beerdigt waren, lagen die Gefallenen 2 Kameraden unser M.G.K.

    immer noch im Graben. Die Komp. schickte erst in folgender

  • February 6, 2017 22:57:09 Rolf Kranz

    S. 52

    nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringte

    wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

    Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. Das Dorf Gavrelle, dessen

    Ruinen vor uns lagen musste also eine starke engl. Besatzung

    haben. - Am gleichen Abend ging Oberleutnant von

    Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

    lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

    suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Deckung hatten,

    liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

    zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

    beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

    laut medeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

    gesehen?" Hätte er gewusst, dass wir erst hinter ihm das M.G.

    schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

    uns gefahren. Leutnant Stölting ein schon älterer

    Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

    vor wenigen Tagen (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

    Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

    selbst Patronen beim Sturmee geschleppt hatte, leider ist er bei

    Wyschote 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

    wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetzte, gefallen.

    Am gleichen Tage, wäre es auch nur beinahe schlimm

    ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

    dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

    scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

    besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

    Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


    S. 53

    mit, kaum aber waren wir wenige Sekunden, mit den

    Oberkörper über Deckung aufgetaucht, als die Geschossgarbe eines

    engl. M.Gs. wenige Schritte direckt vor uns einschlug, natürlich

    verschwanden wir im Nu, und hüteten uns vor nochmaliger

    Unachtsamkeit, die uns leicht das Leben hätte kosten können.

    Der Engländer passte also genau auf! - Tatsächlich holte in

    der Nacht eine Patrouille noch zwei unverwundete Engländer

    und ein Lewisgewehr aus dem Zwischengelände, diese hatten

    also noch zwei Tage und Nächte zwischen unserer Vorstellung und

    ersten Linie gelegen. - Um Mitternacht brachten mir die

    Essenholer einen Einschreibbrief von daheim mit 50 Mark, sonst

    musste man diese immer persönlich von Schreibstube holen,

    diesmal erhielt ich ihn in den Graben, mit soviel Geld wusste

    ich hier vorn natürlich nichts anzufangen, umso lieber aber

    erfreuten mich Augenblicklich die lieben Zeilen.

    In der gleichen Nacht wurden nun auch endlich die

    gefallenen Engländer gesammelt, 23 Mann, welche noch

    in kurzem Unkreis um unseren M.G.Stand lagen, sie

    wurden hinter dem Graben beerdigt, dabei war auch der

    inzwischen verstorbene Schwerverwundete, welcher mich beim

    Gang durch den Graben vor 2 Tagen um Wasser gebeten hatte.

    Als er schon verstorben war, nahm ich mir seine Wickel-Gamaschen an

    mich, in der Tache trug er ein Bild seiner Frau und eines Kindes.

    Als ich später wieder durch den Graben kam, hatte man ihm

    schon die Stiefel ausgezogen. - Während  nun auch die Engländer

    beerdigt waren, lagen die Gefallenen 2 Kameraden unser M.G.K.

    immer noch im Graben. Die Komp. schickte erst in folgender


  • December 29, 2016 09:06:28 Corinna Pichler (AUT)

    S. 52

    nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringtn

    wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

    Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. das Dorf Gavrelle, dessen

    Ruinen vor uns liegen musste also eine starke engl. Besatzung

    haben. - Am gleichen Abend ging Oberleutnant von

    Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

    lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

    suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Dekung hatten,

    liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

    zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

    beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

    laut medeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

    gesehen?" Hätte er gewusst, dass wir erst hinter ihm das M.G.

    schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

    uns gefahren. Leutnant Stölding ein schon älterer

    Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

    vor wenigen Tagen (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

    Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

    selbst Patronen beim Gleisse geschleppt hatte, leider ist er bei

    Wegsdacte 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

    wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetze, gefallen.

    Am gleichen Tage, wäre es auch nur beinahe schlimm

    ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

    dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

    scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

    besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

    Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


    S. 53

    mit, kaum aber waren wir wenige Sekunden, mit den

    Oberkörper über Deckung aufgetaucht, als die Geschossgarbe eines

    engl. M.Gs. wenige Schritte direckt vor uns einschlug, natürlich

    verschwanden wir im Nu, und hüteten uns vor nochmaliger

    Unachtsamkeit, die uns leicht das Leben hätte kosten können.

    Der Engländer passte also genau auf! - Tatsächlich holte in

    der Nacht eine Patrouille noch zwei unverwundete Engländer

    und ein Lewisgewehr aus dem Zwischengelände, diese hatten

    also noch zwei Tage und Nächte zwischen unserer Vorstellung und

    ersten Linie gelegen. - Um Mitternacht brachten mir die

    Essenholer einen Einschreibbrief von daheim mit 50 Mark, sonst

    musste man diese immer persönlich von Schreibstube holen,

    diesmal erhielt ich ih in den Graben, mit soviel Geld wusste

    ich hier vorn natürlich nichts anzufangen, umso lieber aber

    erfreuten mich Augenblicklich die lieben Zeilen.

    In der gleichen Nacht wurden nun auch endlich die

    gefallenen Engländer gesammelt, 23 Mann, welche noch

    in kurzem Unkreis um unseren M.G.Stand lagen, sie

    wurden hinter dem Graben beerdigt, dabei war auch der

    inzwischen verstorbene Schwerverwundete, welcher mich beim

    Gang durch den Graben vor 2 Tagen im Wasser gebeten hatte.

    Als er schon verstorben war, nahm ich mir seine Wickel-Gamaschen an

    mich, in der Tache trug er ein Bild seiner Frau und eines Kindes.

    Alsich später wieder durch den Graben kam, hatte man ihm

    schon die Stiefel ausgezogen. - Während  nun auch die Engländer

    beerdigt waren, lagen die Gefallenen 2 Kameraden unser M.G.K.

    immer noch im Graben. Die Komp. schickte erst in folgender


  • December 29, 2016 09:05:30 Corinna Pichler (AUT)

    S. 52

    nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringtn

    wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

    Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. das Dorf Gavrelle, dessen

    Ruinen vor uns liegen musste also eine starke engl. Besatzung

    haben. - Am gleichen Abend ging Oberleutnant von

    Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

    lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

    suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Dekung hatten,

    liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

    zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

    beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

    laut medeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

    gesehen?" Hätte er gewusst, dass wir erst hinter ihm das M.G.

    schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

    uns gefahren. Leutnant Stölding ein schon älterer

    Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

    vor wenigen Tagem (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

    Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

    selbst Patronen beim Gleisse geschleppt hatte, leder ist er bei

    Wegsdacte 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

    wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetze, gefallen.

    Am gleichen Tage, wäre es auch nur beinahe schlimm

    ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

    dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

    scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

    besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

    Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


    S. 53

    mit, kaum aber waren wir wenige Sekunden, mit den

    Oberkörper über Deckung aufgetaucht, als die Geschossgarbe eines

    engl. M.Gs. wenige Schritte direckt vor uns einschlug, natürlich

    verschwanden wir im Nu, und hüteten uns vor nochmaliger

    Unachtsamkeit, die uns leicht das Leben hätte kosten können.

    Der Engländer passte also genau auf! - Tatsächlich holte in

    der Nacht eine Patrouille noch zwei unverwundete Engländer

    und ein Lewisgewehr aus dem Zwischengelände, diese hatten

    also noch zwei Tage und Nächte zwischen unserer Vorstellung und

    ersten Linie gelegen. - Um Mitternacht brachten mir die

    Essenholer einen Einschreibbrief von daheim mit 50 Mark, sonst

    musste man diese immer persönlich von Schreibstube holen,

    diesmal erhielt ich ih in den Graben, mit soviel Geld wusste

    ich hier vorn natürlich nichts anzufangen, umso lieber aber

    erfreuten mich Augenblicklich die lieben Zeilen.

    In der gleichen Nacht wurden nun auch endlich die

    gefallenen Engländer gesammelt, 23 Mann, welche noch

    in kurzem Unkreis um unseren M.G.Stand lagen, sie

    wurden hinter dem Graben beerdigt, dabei war auch der

    inzwischen verstorbene Schwerverwundete, welcher mich beim

    Gang durch den Graben vor 2 Tagen im Wasser gebeten hatte.

    Als er schon verstorben war, nahm ich mir seine Wickel-Gamaschen an

    mich, in der Tache trug er ein Bild seiner Frau und eines Kindes.

    Alsich später wieder durch den Graben kam, hatte man ihm

    schon die Stiefel ausgezogen. - Während  nun auch die Engländer

    beerdigt waren, lagen die Gefallenen 2 Kameraden unser M.G.K.

    immer noch im Graben. Die Komp. schickte erst in folgender


  • December 29, 2016 08:55:55 Corinna Pichler (AUT)

    S. 52

    nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringtn

    wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

    Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. das Dorf Gavrelle, dessen

    Ruinen vor uns lagen musste also eine starke engl. Besatzung

    haben. - Am gleichen Abdn ging Oberleutnant von

    Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

    lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

    suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Dekung hatten,

    liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

    zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

    beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

    laut medeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

    gesehen?" Hätte er gewusst, dass erst hinte rihm das M.G.

    schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

    uns gefahren. Leutnant Stölding ein schon älterer

    Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

    vor wenigen Tagem (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

    Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

    selbst Patronen beim Gleisse geschleppt hatte, leder ist er bei

    Wegsdacte 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

    wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetze, gefallen.

    Am gleichen Tage, wäre es auch nur beinahe schlimm

    ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

    dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

    scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

    besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

    Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


    S. 53

    mit, kaum aber waren wir wenige Sekunden, mit den

    Oberkörper über Deckung aufgetaucht, als die Geschossgarbe eines

    engl. M.Gs. wenige Schritte direckt vor uns einschlug, natürlich

    verschwanden wir im Nu, und hüteten uns vor nochmaliger

    Unachtsamkeit, die uns leicht das Leben hätte kosten können.

    Der Engländer passte also genau auf! - Tatsächlich holte in

    der Nacht eine Patrouille noch zwei unverwundete Engländer

    und ein Lewisgewehr aus dem Zwischengelände, diese hatten

    also noch zwei Tage und Nächte zwischen unserer Vorstellung und

    ersten Linie gelegen. - Um Mitternacht brachten mir die

    Essenholer einen Einschreibbrief von daheim mit 50 Mark, sonst

    musste man diese immer persönlich von Schreibstube holen,

    diesmal erhielt ich ih in den Graben, mit soviel Geld wusste

    ich hier vorn natürlich nichts anzufangen, umso lieber aber

    erfreuten mich Augenblicklich die lieben Zeilen.

    In der gleichen Nacht wurden nun auch endlich die

    gefallenen Engländer gesammelt, 23 Mann, welche noch

    in kurzem Unkreis um unseren M.G.Stand lagen, sie

    wurden hinter dem Graben beerdigt, dabei war auch der

    inzwischen verstorbene Schwerverwundete, welcher mich beim

    Gang durch den Graben vor 2 Tagen im Wasser gebeten hatte.

    Als er schon verstorben war, nahm ich mir seine Wickel-Gamaschen an

    mich, in der Tache trug er ein Bild seiner Frau und eines Kindes.

    Alsich später wieder durch den Graben kam, hatte man ihm

    schon die Stiefel ausgezogen. - Während  nun auch die Engländer

    beerdigt waren, lagen die Gefallenen 2 Kameraden unser M.G.K.

    immer noch im Graben. Die Komp. schickte erst in folgender


  • December 29, 2016 08:55:47 Corinna Pichler (AUT)

    S. 52

    nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringtn

    wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

    Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. das Dorf Gavrelle, dessen

    Ruinen vor uns lagen musste also eine starke engl. Besatzung

    haben. - Am gleichen Abdn ging Oberleutnant von

    Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

    lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

    suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Dekung hatten,

    liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

    zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

    beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

    laut medeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

    gesehen?" Hätte er gewusst, dass erst hinte rihm das M.G.

    schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

    uns gefahren. Leutnant Stölding ein schon älterer

    Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

    vor wenigen Tagem (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

    Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

    selbst Patronen beim Gleisse geschleppt hatte, leder ist er bei

    Wegsdacte 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

    wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetze, gefallen.

    Am gleichen Tage, wäre es auch nur beinahe schlimm

    ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

    dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

    scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

    besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

    Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


    S. 53

    mit, kaum aber waren wir wenige Sekunden, mit den

    Oberkörper über Deckung aufgetaucht, als die Geschossgarbe eines

    engl. M.Gs. wenige Schritte direckt vor uns einschlug, natürlich

    verschwanden wir im Nu, und hüteten uns vor nochmaliger

    Unachtsamkeit, die uns leicht das Leben hätte kosten können.

    Der Engländer passte also genau auf! - Tatsächlich holte in

    der Nacht eine Patrouille noch zwei unverwundete Engländer

    und ein Lewisgewehr aus dem Zwischengelände, diese hatten

    also noch zwei Tage und Nächte zwischen unserer Vorstellung und

    ersten Linie gelegen. - Um Mitternacht brachten mir die

    Essenholer einen Einschreibbrief von daheim mit 50 Mark, sonst

    musste man diese immer persönlich von Schreibstube holen,

    diesmal erhielt ich ih in den Graben, mit soviel Geld wusste

    ich hier vorn natürlich nichts anzufangen, umso lieber aber

    erfreuten mich Augenblicklich die lieben Zeilen.

    In der gleichen Nacht wurden nun auch endlich die

    gefallenen Engländer gesammelt, 23 Mann, welche noch

    in kurzem Unkreis um unseren M.G.Stand lagen, sie

    wurden hinter dem Graben beerdigt, dabei war auch der

    inzwischen verstorbene Schwerverwundete, welcher mich beim

    Gang durch den Graben vor 2 Tagen im Wasser gebeten hatte.

    Als er schon verstorben war, nahm ich mir seine Wiglel-Gamaschen an

    mich, in der Tache trug er ein Bild seiner Frau und eines Kindes.

    Alsich später wieder durch den Graben kam, hatte man ihm

    schon die Stiefel ausgezogen. - Während  nun auch die Engländer

    beerdigt waren, lagen die Gefallenen 2 Kameraden unser M.G.K.

    immer noch im Graben. Die Komp. schickte erst in folgender


  • December 29, 2016 08:47:32 Corinna Pichler (AUT)

    S. 52

    nicht geschossen, so taten wir gleiches, wohl 50 Mann umringtn

    wohl die Absturzstelle, und boten gerade für unser M.G. ein gutes

    Ziel, dennoch übten wir Nachsicht. das Dorf Gavrelle, dessen

    Ruinen vor uns lagen musste also eine starke engl. Besatzung

    haben. - Am gleichen Abdn ging Oberleutnant von

    Blankenburg die Stellung ab. Obgleich es noch reichlich hell war (cr. 9.00)

    lief er auf Deckung in Begleitung des Leutnants Stölting und

    suchte die M.Gs., da wir das Unsrige noch nicht auf Dekung hatten,

    liessen wir ihn vorbeigehen, um dann das M.G. schussbereit

    zu machen, kaum 50 Schritt hinter uns wendete er, da er schon

    beim Nachbarregiment war, und rief nach uns, worauf wir

    laut medeten: "Donnerwetter" sagte er "hab ich Euch gar nicht

    gesehen?" Hätte er gewusst, dass erst hinte rihm das M.G.

    schussbereit gemacht hätten, so wäre er als leibhaftiger Teufel zwischen

    uns gefahren. Leutnant Stölding ein schon älterer

    Reserveoffizier hatte sich schon an der Somme ausgezeichnet, und sich

    vor wenigen Tagem (28.IV) hier bei Arras das EK I geholt.

    Er war ein äusserst strammer und liebenswürdiger Führer, der

    selbst Patronen beim Gleisse geschleppt hatte, leder ist er bei

    Wegsdacte 4 Wochen später, ebenfalls in erster Linie, als er

    wiederrum persönlich ausgefallene Mannschaften ersetze, gefallen.

    Am gleichen Tage, wäre es auch nur beinahe schlimm

    ergangen. Beim Nachbargewehr hatte ich durch Schütze Ziege erfahren,

    dass vor unserem Gewehr in einem Loch noch lebende Engländer

    scheinbar verwundet liegen sollten, um von unserem Stande

    besser sehen zu können holte ich mir, nach erfolglosen Versuch, das

    Glas und als U[n]terlage Patronenkästen. Mein Gewehrführer beobachtete


    S. 53



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  • 50.2912494||2.7777485000000297||

    Schlacht von Arras

    ||1
Location(s)
  • Story location Schlacht von Arras


ID
15872 / 168836
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/



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