Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 2, item 6

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S. 8

      Irgend etwas hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste

Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?

Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht

der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder

los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit

drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu

schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im

üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war

heute Nacht alarmiert worden, und hat sich

bereitzuhalten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden

Moment angefordert werden. Das waren schlechte

Aussichten für das Osterfest, und unser Braten war bestellt.

Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,

dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die

M.G. Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde

befohlen die Fahrzeuge möglichst unauffällig zu packen, die

Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder

Kampftruppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des

Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand

man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub

zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den

Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich

gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es


S. 9

losgehen, wir sind bereit.

      Dennoch verlief der Ostersonntag ganz programmässig,

wir bekamen unseren, durch die Einwohner bereiten

Schweinebraten und waren lustig und guter Dinge.

Aber ein fremder Hauch lag dennoch über uns. Am

Sonnabend hatten wir noch teils neue Sachen empfangen,

denn der Winterfeldzug hatte die Alten stark mitgenommen,

so kam man sich gleich der Alarmbereitschaft in

Heimatgarnisonen "eingekleidet" vor, eingekleidet für den Tanz

der kommen sollte. Auch bekamen wir keinen

unumschränkten Urlaub, sondern mussten uns alle zwei Stunden

im Quartier melden. So hiess es denn Abschied nehmen

von dem schönen Flandernstädtchen, am gleichen Abend

rückten auch noch die Quartiermacher ab.


Foto 3:Tournai, Le Marché aux Poteries.     Phono-Photo, Tournai.


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S. 8

      Irgend etwas hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste

Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?

Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht

der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder

los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit

drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu

schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im

üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war

heute Nacht alarmiert worden, und hat sich

bereitzuhalten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden

Moment angefordert werden. Das waren schlechte

Aussichten für das Osterfest, und unser Braten war bestellt.

Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,

dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die

M.G. Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde

befohlen die Fahrzeuge möglichst unauffällig zu packen, die

Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder

Kampftruppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des

Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand

man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub

zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den

Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich

gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es


S. 9

losgehen, wir sind bereit.

      Dennoch verlief der Ostersonntag ganz programmässig,

wir bekamen unseren, durch die Einwohner bereiten

Schweinebraten und waren lustig und guter Dinge.

Aber ein fremder Hauch lag dennoch über uns. Am

Sonnabend hatten wir noch teils neue Sachen empfangen,

denn der Winterfeldzug hatte die Alten stark mitgenommen,

so kam man sich gleich der Alarmbereitschaft in

Heimatgarnisonen "eingekleidet" vor, eingekleidet für den Tanz

der kommen sollte. Auch bekamen wir keinen

unumschränkten Urlaub, sondern mussten uns alle zwei Stunden

im Quartier melden. So hiess es denn Abschied nehmen

von dem schönen Flandernstädtchen, am gleichen Abend

rückten auch noch die Quartiermacher ab.


Foto 3:Tournai, Le Marché aux Poteries.     Phono-Photo, Tournai.



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  • April 3, 2017 22:31:07 Rolf Kranz

    S. 8

          Irgend etwas hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste

    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?

    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht

    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder

    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit

    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu

    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im

    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war

    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich

    bereitzuhalten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden

    Moment angefordert werden. Das waren schlechte

    Aussichten für das Osterfest, und unser Braten war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,

    dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die

    M.G. Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde

    befohlen die Fahrzeuge möglichst unauffällig zu packen, die

    Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

    Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

    Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder

    Kampftruppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des

    Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand

    man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub

    zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den

    Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich

    gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es


    S. 9

    losgehen, wir sind bereit.

          Dennoch verlief der Ostersonntag ganz programmässig,

    wir bekamen unseren, durch die Einwohner bereiten

    Schweinebraten und waren lustig und guter Dinge.

    Aber ein fremder Hauch lag dennoch über uns. Am

    Sonnabend hatten wir noch teils neue Sachen empfangen,

    denn der Winterfeldzug hatte die Alten stark mitgenommen,

    so kam man sich gleich der Alarmbereitschaft in

    Heimatgarnisonen "eingekleidet" vor, eingekleidet für den Tanz

    der kommen sollte. Auch bekamen wir keinen

    unumschränkten Urlaub, sondern mussten uns alle zwei Stunden

    im Quartier melden. So hiess es denn Abschied nehmen

    von dem schönen Flandernstädtchen, am gleichen Abend

    rückten auch noch die Quartiermacher ab.


    Foto 3:Tournai, Le Marché aux Poteries.     Phono-Photo, Tournai.


  • January 28, 2017 11:09:36 Rolf Kranz

    S. 8

    Irgend etwas hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste

    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?

    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht

    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder

    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit

    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu

    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im

    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war

    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich

    bereitzuhalten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden

    Moment angefordert werden. Das waren schlechte

    Aussichten für das Osterfest, und unser Braten war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,

    dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die

    M.G. Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde

    befohlen die Fahrzeuge möglichst unauffällig zu packen, die

    Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

    Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

    Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder

    Kampftruppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des

    Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand

    man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub

    zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den

    Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich

    gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es


    S. 9

    losgehen, wir sind bereit.

    Dennoch verlief der Ostersonntag ganz programmässig,

    wir bekamen unseren, durch die Einwohner bereiten

    Schweinebraten und waren lustig und guter Dinge.

    Aber ein fremder Hauch lag dennoch über uns. Am

    Sonnabend hatten wir noch teils neue Sachen empfangen,

    denn der Winterfeldzug hatte die Alten stark mitgenommen,

    so kam man sich gleich der Alarmbereitschaft in

    Heimatgarnisonen "eingekleidet" vor, eingekleidet für den Tanz

    der kommen sollte. Auch bekamen wir keinen

    unumschränkten Urlaub, sondern mussten uns alle zwei Stunden

    im Quartier melden. So hiess es denn Abschied nehmen

    von dem schönen Flandernstädtchen, am gleichen Abend

    rückten auch noch die Quartiermacher ab.


    Foto 3:Tournai, Le Marché aux Poteries.     Phono-Photo, Tournai.



  • December 25, 2016 11:07:28 Corinna Pichler (AUT)

    S. 8

    Irgend etwas hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste

    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?

    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht

    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder

    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit

    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu

    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im

    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war

    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich

    bereitzuhalten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden

    Moment angefordert werden. Das waren schlechte

    Aussichten für das Osterfest, und unser Braten war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,

    dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die

    M.G. Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde

    befohlen die Fahrzeuge möglichst unauffällig zu packen, die

    Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

    Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

    Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder

    Kampftruppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des

    Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand

    man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub

    zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den

    Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich

    gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es


    S. 9

    losgehen, wir sind bereit.

    Dennoch verlief der Ostersonntag ganz programmässig,

    wir bekamen unseren, durch die Einwohner bereiten

    Schweinebraten und waren lustig und guter Dinge.

    Aber ein fremder Hauch lag dennoch über uns. Am

    Sonnabend hatten wir noch teils neue Sachen empfangen,

    denn der Winterfeldzug hatte die alten stark mitgenommen,

    so kam man sich gleich der Alarmbereitschaft in

    Heimatgarnisonen "eingekleidet" vor, eingekleidet für den Tanz

    der kommen sollte. Auch bekamen wir keinen

    unumschränkten Urlaub, sondern mussten uns alle zwei Stunden

    im Quartier melden. So hiess es denn Abschied nehmen

    von dem schönen Flandernstädtchen, am gleichen Abend

    rückten auch noch die Quartiermacher ab.


    Foto 3:Tournai, Le Marché aux Poteries.     Phono-Photo, Tournai.



  • December 25, 2016 11:06:41 Corinna Pichler (AUT)

    S. 8

    Irgend etwas hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste

    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?

    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht

    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder

    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit

    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu

    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im

    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war

    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich

    bereitzuhalten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden

    Moment angefordert werden. Das waren schlechte

    Aussichten für das Osterfest, und unser Braten war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,

    dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die

    M.G. Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde

    befohlen die Fahrzeuge möglichst unauffällig zu packen, die

    Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

    Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

    Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder

    Kampftruppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des

    Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand

    man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub

    zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den

    Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich

    gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es


    S. 9

    losgehen, wir sind bereit.

    Dennoch verlief der Ostersonntag ganz programmässig,

    wir bekamen unseren, durch die Einwohner bereiten

    Schweinebraten und waren lustig und guter Dinge.

    Aber ein fremder Hauch lag dennoch über uns. Am

    Sonnabend hatten wir noch teils neue Sachen empfangen,

    denn der Winterfeldzug hatte die alten stark mitgenommen,

    so kam man sich gleich der Alarmbereitschaft in

    Heimatgarnisonen "eingekleidet" vor, eingekleidet für den Tanz

    der kommen sollte. Auch bekamen wir keinen

    unumschränkten Urlaub, sondern mussten uns alle zwei Stunden

    im Quartier melden. So hiess es denn Abschied nehmen

    von dem schönen Flandernstädtchen, am gleichen Abend

    rückten auch noch die Quartiermacher ab.

    Bild

    Siegel (?) Tournai, Le Marchè aux Poteries.     Phono-Photo, Tournai.

    -9-


  • December 25, 2016 11:04:36 Corinna Pichler (AUT)

    S. 8

    Irgend etwas hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste

    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?

    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht

    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder

    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit

    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu

    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im

    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war

    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich

    bereitzuhalten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden

    Moment angefordert werden. Das waren schlechte

    Aussichten für das Osterfest, und unser Braten war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,

    dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die

    M.G. Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde

    befohlen die Fahrzeuge möglichst unauffällig zu packen, die

    Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

    Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

    Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder

    Kampftruppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des

    Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand

    man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub

    zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den

    Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich

    gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es


    S. 9

    losgehen, wir sind bereit.

    Dennoch verlief der ostersonntag ganz programmung,
    wir bekamen unseres, durch die Einwohner bereiten
    Schweinebraten und waren lustig und guter Dinge.

    Aber ein fremder Hauch lag dennoch über uns. Am
    Sonnabend hatten wir noch teils neue Sachen empfangen,
    denn der Winterfeldzug hatte die alten stark mitgenommen,
    so kam man sich gleich der Alarmbereitschaft in Heimat-
    garnisonen "eingekleidet" vor, eingekleidet für den Tanz
    der kommen sollte. Auch bekamen wir keinen unein-
    schränkten Urlaub, sondern mussten uns alle zwei Stunden
    im Quartier melden. So hiess es denn Abschied nehmen
    von dem schönen Flandernstädtchen, am gleichen Abendrückten auch noch die Quartirmacher ab.

    Bild

    Siegel (?) Tournai, Le Marchè aux Poteries.     Phono-Photo, Tournai.

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  • December 21, 2016 15:47:26 Fabian Schmidt

    Linke Seite

    Irgend etwas, hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste
    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?
    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht
    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder
    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit
    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu
    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im
    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war
    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich bereitzu-
    halten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden
    Moment angefordert werden. Das waren schlechte Aus-
    sichten für das osterfest, und unser Raton war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,
    dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die
    M.f Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde be-
    fohlen die Fahrzeige möglichst unauffällig zu packen, die
    Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

    Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

    Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder Kampf-
    truppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des
    Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand
    man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub
    zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den
    Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich
    gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es

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    Rechte Seite

    losgehen, wir sind bereit.

    Dennoch verlief der ostersonntag ganz programmung,
    wir bekamen unseres, durch die Einwohner bereiten
    Schweinebraten und waren lustig und guter Dinge.

    Aber ein fremder Hauch lag dennoch über uns. Am
    Sonnabend hatten wir noch teils neue Sachen empfangen,
    denn der Winterfeldzug hatte die alten stark mitgenommen,
    so kam man sich gleich der Alarmbereitschaft in Heimat-
    garnisonen "eingekleidet" vor, eingekleidet für den Tanz
    der kommen sollte. Auch bekamen wir keinen unein-
    schränkten Urlaub, sondern mussten uns alle zwei Stunden
    im Quartier melden. So hiess es denn Abschied nehmen
    von dem schönen Flandernstädtchen, am gleichen Abendrückten auch noch die Quartirmacher ab.

    Bild

    Siegel (?) Tournai, Le Marchè aux Poteries.     Phono-Photo, Tournai.

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  • December 19, 2016 20:53:27 Fabian Schmidt

    Linke Seite

    Irgend etwas, hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste
    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?
    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht
    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder
    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit
    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu
    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im
    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war
    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich bereitzu-
    halten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden
    Moment angefordert werden. Das waren schlechte Aus-
    sichten für das Osterfest, und unser Raton war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,
    dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die
    M.f Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde be-
    fohlen die Fahrzeige möglichst unauffällig zu packen, die
    Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

    Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

    Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder Kampf-
    truppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des
    Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand
    man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub
    zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den
    Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich
    gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es

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    Rechte Seite


  • December 19, 2016 20:15:38 Fabian Schmidt

    Linke Seite

    Irgend etwas, hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste
    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?
    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht
    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder
    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit
    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu
    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im
    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war
    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich bereitzu-
    halten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden
    Moment angefordert werden. Das waren schlechte Aus-
    sichten für das osterfest, und unser Raton war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,
    dafür wurde Befehl gegeben Patronen zu gurten und die
    M.f Waffen in Ordnung zu machen. Ebenso wurde be-
    fohlen die Fahrzeige möglichst unauffällig zu packen, die
    Sachen zu verstauen und die Munitionskästen zu füllen.

    Das ganze Lager glich einem aufgestörten Ameisenhaufen.

    Die Dienstordnung war aufgehoben, wir waren wieder Kampf-
    truppe. Der ganze Vormittag sowie ein grosser Teil des
    Nachmittags wurden Patronen gegurtet, und dabei fand
    man sich mit dem Gedanken ab, dass der Urlaub
    zu Wasser geworden. Alle Siebensachen wurden in den
    Tornister verstaut, unter das Bummelleben ein Strich
    gemacht, so nun war das Haus bestellt, jetzt kann es

    -8-


    Rechte Seite


  • December 19, 2016 20:11:56 Fabian Schmidt

    Linke Seite

    Irgend etwas, hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste
    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?
    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht
    der Mühe wert, in 1 Stunde geht das Exerzieren wieder
    los, schlaf nur, wir erfahren es noch früh genug. Damit
    drehte man sich auf die andere Seite und versuchte zu
    schlafen. Aber es gelang nicht mehr, die Ruhe war weg.

    Bald wurde auch geweckt und beim Antreten im
    üblichen Dienst erfuhren wir mehr. Die Division war
    heute Nacht alarmiert worden, und hat sich bereitzu-
    halten: Sie gehört zur Armeereserve, und kann jeden
    Moment angefordert werden. Das waren schlechte Aus-
    sichten für das osterfest, und unser Raton war bestellt.

    Der Exerzier- sowie jeglicher Aussendienst kam in Fortfall,


  • December 19, 2016 20:09:00 Fabian Schmidt

    Linke Seite

    Irgend etwas, hatte Unruhe gebracht, aber keiner wusste
    Bestimmtes. Alarmnachrichten? Abrücken? Wie?
    Ach was, schlaf nur weiter, irgend ein Latrinengerücht, nicht
    der Mühe wert, in 1 Stunde


Description

Save description
  • 50.6062617||3.3884435||

    Tournai, Vieux Marché aux Poteries

  • 50.2912494||2.7777485000000297||

    Schlacht von Arras

    ||1
Location(s)
  • Story location Schlacht von Arras
  • Document location Tournai, Vieux Marché aux Poteries


ID
15872 / 168798
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/



  • Western Front

  • Artillery
  • Prisoners of War
  • Propaganda
  • Tanks and Armoured Fighting Vehicles
  • Trench Life



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