Tagebuch von Margarethe Wirringa, item 16

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Sein Bursche, Schäfer, macht einige seiner

Arbeiten für ihn. -

Frau Neddermeyer kam am 17.5. wieder

auf Zimmer No. 5. Ihr Mann ist zur Zeit

wegen Gesichtsausschlag im Lazarett,

darf aber auch viel heraus u. mit ihr

zusammen sein. Frau N. gedenkt den

ganzen Sommer hierzubleiben, d. h. wenn

sie Genehmigung erhält. - Wie unser

Johann in der ersten Zeit noch in Gera

Reuß im Lazarett lag, schickte er uns

ein schönes Paket was unter anderem

etwa 1 Pfund schönen echten Tee enthielt.

Das war mal eine Freude! Diese Sachen

hätte er in Frankreich erbeutet u.

glücklicherweise in einem Sandsack bei sich

behalten können. Seine anderen Sachen

die er erbeutet hatte, sowie seine Brieftasche

u.s.w. hätte er alles in Stich lassen

müssen, wie er verwundet ge-

worden. Er schreibt, sie hätten damals soviel

erbeutet, daß er uns wohl hätte

für 1000 Mk. Waren schicken können.

Ebenso Hinrich auch; nur sie können

ja nicht alles mitschleppen.

Das Wetter ist hier alle Tage recht schön,

mitunter beinahe heiß. Auch in Frankreich

sei es so. - In der letzten Zeit war

hier öfter Fliegergefahr. Es kamen schon

einige Male die feindlichen Flieger

nach Borkum u. Umgegend. Vorige

Woche soll in Borkum ein feindliches

Flugzeug heruntergeschossen sein, (englisch)

2 Mann seien tot u. 3 Mann hätten

wir als Gefangene bekommen von

 

rechte Seite

der Besatzung. Die Engl. Flotte

soll vorhin auch mal in Sicht gewesen

sein.

Freitag, d. 31. Mai bis Montag, d. 3. Juni.

Heute erhielten wir einen Brief von Johann

in dem er mitteilt, daß es ihm in

Neustadt weit besser gefällt als in Gera,

weil dort die Verpflegung besser sei, und

auch wär` es hier gemütlicher.

Das Wetter ist schön. In der Natur grünt,

sprießt u. blüht es. Wir bekommen

noch Lebensmittel aus Dornum, die Tante

dort für uns einkauft. Hanne war

um Pfingsten einige Tage dorthin. Wir

können noch oft einen Menschen glücklich

machen, indem wir ihnen Lebensmittel:

Bohnen, Erbsen, Sauerkraut,

Steckrüben u. sonstiges verkaufen. Wir hatten

vor allem genug eingekauft die fremden

Arbeiter holten auch schon öfter solches von uns.

Auch erfreuen wir hin u. wieder mal ein

Kind mit einem Butterbrot. Viele Leute

haben alles recht knapp.

 

Dienstag, d. 4. Juni bis Dienstag, d. 2. Juli.

Es wird in der letzten Zeit Hindenburgs-

spende zum Besten der Kriegsbeschädigten,

gesammelt. Für letztere wird in jeder

Beziehung aufs beste gesorgt, damit sie

sorgenfrei ihre Zukunft entgegen sehen dürfen.

Johann schrieb, er hätte auch in der Stadt

(Neustadt) gesammelt, Kornblumen

und Karten verkauft. Hier wurde in der

Schule u. im Kino gesammelt. 11 Tage

war hier des Abends Theater im Kurtheater


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Sein Bursche, Schäfer, macht einige seiner

Arbeiten für ihn. -

Frau Neddermeyer kam am 17.5. wieder

auf Zimmer No. 5. Ihr Mann ist zur Zeit

wegen Gesichtsausschlag im Lazarett,

darf aber auch viel heraus u. mit ihr

zusammen sein. Frau N. gedenkt den

ganzen Sommer hierzubleiben, d. h. wenn

sie Genehmigung erhält. - Wie unser

Johann in der ersten Zeit noch in Gera

Reuß im Lazarett lag, schickte er uns

ein schönes Paket was unter anderem

etwa 1 Pfund schönen echten Tee enthielt.

Das war mal eine Freude! Diese Sachen

hätte er in Frankreich erbeutet u.

glücklicherweise in einem Sandsack bei sich

behalten können. Seine anderen Sachen

die er erbeutet hatte, sowie seine Brieftasche

u.s.w. hätte er alles in Stich lassen

müssen, wie er verwundet ge-

worden. Er schreibt, sie hätten damals soviel

erbeutet, daß er uns wohl hätte

für 1000 Mk. Waren schicken können.

Ebenso Hinrich auch; nur sie können

ja nicht alles mitschleppen.

Das Wetter ist hier alle Tage recht schön,

mitunter beinahe heiß. Auch in Frankreich

sei es so. - In der letzten Zeit war

hier öfter Fliegergefahr. Es kamen schon

einige Male die feindlichen Flieger

nach Borkum u. Umgegend. Vorige

Woche soll in Borkum ein feindliches

Flugzeug heruntergeschossen sein, (englisch)

2 Mann seien tot u. 3 Mann hätten

wir als Gefangene bekommen von

 

rechte Seite

der Besatzung. Die Engl. Flotte

soll vorhin auch mal in Sicht gewesen

sein.

Freitag, d. 31. Mai bis Montag, d. 3. Juni.

Heute erhielten wir einen Brief von Johann

in dem er mitteilt, daß es ihm in

Neustadt weit besser gefällt als in Gera,

weil dort die Verpflegung besser sei, und

auch wär` es hier gemütlicher.

Das Wetter ist schön. In der Natur grünt,

sprießt u. blüht es. Wir bekommen

noch Lebensmittel aus Dornum, die Tante

dort für uns einkauft. Hanne war

um Pfingsten einige Tage dorthin. Wir

können noch oft einen Menschen glücklich

machen, indem wir ihnen Lebensmittel:

Bohnen, Erbsen, Sauerkraut,

Steckrüben u. sonstiges verkaufen. Wir hatten

vor allem genug eingekauft die fremden

Arbeiter holten auch schon öfter solches von uns.

Auch erfreuen wir hin u. wieder mal ein

Kind mit einem Butterbrot. Viele Leute

haben alles recht knapp.

 

Dienstag, d. 4. Juni bis Dienstag, d. 2. Juli.

Es wird in der letzten Zeit Hindenburgs-

spende zum Besten der Kriegsbeschädigten,

gesammelt. Für letztere wird in jeder

Beziehung aufs beste gesorgt, damit sie

sorgenfrei ihre Zukunft entgegen sehen dürfen.

Johann schrieb, er hätte auch in der Stadt

(Neustadt) gesammelt, Kornblumen

und Karten verkauft. Hier wurde in der

Schule u. im Kino gesammelt. 11 Tage

war hier des Abends Theater im Kurtheater



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  • January 15, 2017 19:58:23 Rolf Kranz

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    Sein Bursche, Schäfer, macht einige seiner

    Arbeiten für ihn. -

    Frau Neddermeyer kam am 17.5. wieder

    auf Zimmer No. 5. Ihr Mann ist zur Zeit

    wegen Gesichtsausschlag im Lazarett,

    darf aber auch viel heraus u. mit ihr

    zusammen sein. Frau N. gedenkt den

    ganzen Sommer hierzubleiben, d. h. wenn

    sie Genehmigung erhält. - Wie unser

    Johann in der ersten Zeit noch in Gera

    Reuß im Lazarett lag, schickte er uns

    ein schönes Paket was unter anderem

    etwa 1 Pfund schönen echten Tee enthielt.

    Das war mal eine Freude! Diese Sachen

    hätte er in Frankreich erbeutet u.

    glücklicherweise in einem Sandsack bei sich

    behalten können. Seine anderen Sachen

    die er erbeutet hatte, sowie seine Brieftasche

    u.s.w. hätte er alles in Stich lassen

    müssen, wie er verwundet ge-

    worden. Er schreibt, sie hätten damals soviel

    erbeutet, daß er uns wohl hätte

    für 1000 Mk. Waren schicken können.

    Ebenso Hinrich auch; nur sie können

    ja nicht alles mitschleppen.

    Das Wetter ist hier alle Tage recht schön,

    mitunter beinahe heiß. Auch in Frankreich

    sei es so. - In der letzten Zeit war

    hier öfter Fliegergefahr. Es kamen schon

    einige Male die feindlichen Flieger

    nach Borkum u. Umgegend. Vorige

    Woche soll in Borkum ein feindliches

    Flugzeug heruntergeschossen sein, (englisch)

    2 Mann seien tot u. 3 Mann hätten

    wir als Gefangene bekommen von

     

    rechte Seite

    der Besatzung. Die Engl. Flotte

    soll vorhin auch mal in Sicht gewesen

    sein.

    Freitag, d. 31. Mai bis Montag, d. 3. Juni.

    Heute erhielten wir einen Brief von Johann

    in dem er mitteilt, daß es ihm in

    Neustadt weit besser gefällt als in Gera,

    weil dort die Verpflegung besser sei, und

    auch wär` es hier gemütlicher.

    Das Wetter ist schön. In der Natur grünt,

    sprießt u. blüht es. Wir bekommen

    noch Lebensmittel aus Dornum, die Tante

    dort für uns einkauft. Hanne war

    um Pfingsten einige Tage dorthin. Wir

    können noch oft einen Menschen glücklich

    machen, indem wir ihnen Lebensmittel:

    Bohnen, Erbsen, Sauerkraut,

    Steckrüben u. sonstiges verkaufen. Wir hatten

    vor allem genug eingekauft die fremden

    Arbeiter holten auch schon öfter solches von uns.

    Auch erfreuen wir hin u. wieder mal ein

    Kind mit einem Butterbrot. Viele Leute

    haben alles recht knapp.

     

    Dienstag, d. 4. Juni bis Dienstag, d. 2. Juli.

    Es wird in der letzten Zeit Hindenburgs-

    spende zum Besten der Kriegsbeschädigten,

    gesammelt. Für letztere wird in jeder

    Beziehung aufs beste gesorgt, damit sie

    sorgenfrei ihre Zukunft entgegen sehen dürfen.

    Johann schrieb, er hätte auch in der Stadt

    (Neustadt) gesammelt, Kornblumen

    und Karten verkauft. Hier wurde in der

    Schule u. im Kino gesammelt. 11 Tage

    war hier des Abends Theater im Kurtheater


  • January 9, 2017 10:52:53 Kappandra

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    Sein Bursche, Schäfer, macht einige seiner

    Arbeiten für ihn. -

    Frau Neddermeyer kam am 17.5. wieder

    auf Zimmer No. 5. Ihr Mann ist zur Zeit

    wegen Gesichtsausschlag im Lazarett,

    darf aber auch viel heraus u. mit ihr

    zusammen sein. Frau N. gedenkt den

    ganzen Sommer hierzubleiben, d. h. wenn

    sie Genehmigung erhält. - Wie unser

    Johann in der ersten Zeit noch in Gera

    Reuß im Lazarett lag, schickte er uns

    ein schönes Paket was unter anderem

    etwa 1 Pfund schönen echten Tee enthielt.

    Das war mal eine Freude! Diese Sachen

    hätte er in Frankreich erbeutet u. glück-

    licherweise in einem Sandsack bei sich

    behalten können. Seine anderen Sachen

    die er erbeutet hatte, sowie seine Brief-

    tasche u.s.w. hätte er alles in Stich las-

    sen müssen, wie er verwundet ge-

    worden. Er schreibt, sie hätten damals so-

    viel erbeutet, daß es uns wohl hätte

    für 1000 Mk. Waren schicken können.

    Ebenso Hinrich auch; nur sie können

    ja  nicht alles mitschleppen.

    Das Wetter ist hier alle Tage recht schön,

    mitunter beinahe heiß. Auch in Frank-

    reich sei es so. - In der letzten Zeit war

    hier öfter Fliegergefahr. Es kamen schon

    einige Male die feindlichen Flieger

    nach Borkum u. Umgegend. Vorige

    Woche soll in Borkum ein feindliches

    Flugzeug heruntergeschossen sein, (englisch)

    2 Mann seien tot u. 3 Mann hätten

    wir als Gefangene bekommen von

     

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    der Insassen Besatzung. Die Engl. Flotte

    soll vorhin auch mal in Sicht gewesen

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    Freitag, d. 31. Mai bis Montag, d. 3. Juni

    Heute erhielten wir einen Brief von Johann

    in dem er mitteilt, daß es ihm in

    Neustadt weit besser gefällt als in Gera,

    weil dort die Verpflegung besser sei, und

    auch wär es hier gemütlicher.

    Das Wetter ist schön. In der Natur grünt,

    sprießt u. blüht es. Wir bekommen

    noch Lebensmittel aus Dornum, die Tante

    dort für uns einkauft. Hanne war

    um Pfingsten einige Tage dorhin. Wir

    können noch oft einen Menschen glück-

    lich machen, in dem wir ihnen Lebens-

    mittel: Bohnen, Erbsen, Sauerkreut,

    Steckrüben u. sonstiges verkaufen. Wir hat-

    ten vor allem genug eingekauft die frem-

    den Arbeiter holten auch schoon öfter solches von uns.

    Auch erfreuen wir hin u. wieder mal ein

    Kind mit einem Butterbrot. Viele Leute

    haben alles recht knapp.

     

    Dienstag, d. 4. Juni bis Dienstag, d. 2. Juli

    Es wird in der letzten Zeit Hindenburgs-

    spende zum Lasten der Kriegsbeschädigten,

    gesammelt. Für letztere wird in jeder

    Beziehung aufs beste gesorgt, damit sie sor-

    genfrei ihre Zukunft entgegen sehen dürfen.

    Johann schrieb, er hätte auch in der Stadt

    (Neustadt) gesammelt, Kornblumen

    und Karten verkauft. Hier wurde in der

    Schule u. im Kino gesammelt. 11 Tage

    war hier des Abends Theater im Kurtheater



  • January 9, 2017 10:52:45 Kappandra

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    Sein Bursche, Schäfer, macht einige seiner

    Arbeiten für ihn. -

    Frau Neddermeyer kam am 17.5. wieder

    auf Zimmer No. 5. Ihr Mann ist zur Zeit

    wegen Gesichtsausschlag im Lazarett,

    darf aber auch viel heraus u. mit ihr

    zusammen sein. Frau N. gedenkt den

    ganzen Sommer hierzubleiben, d. h. wenn

    sie Genehmigung erhält. - Wie unser

    Johann in der ersten Zeit noch in Gera

    Reuß im Lazarett lag, schickte er uns

    ein schönes Paket was unter anderem

    etwa 1 Pfund schönen echten Tee enthielt.

    Das war mal eine Freude! Diese Sachen

    hätte er in Frankreich erbeutet u. glück-

    licherweise in einem Sandsack bei sich

    behalten können. Seine anderen Sachen

    die er erbeutet hatte, sowie seine Brief-

    tasche u.s.w. hätte er alles in Stich las-

    sen müssen, wie er verwundet ge-

    worden. Er schreibt, sie hätten damals so-

    viel erbeutet, daß es uns wohl hätte

    für 1000 Mk. Waren schicken können.

    Ebenso Hinrich auch; nur sie können

    ja  nicht alles mitschleppen.

    Das Wetter ist hier alle Tage recht schön,

    mitunter beinahe heiß. Auch in Frank-

    reich sei es so. - In der letzten Zeit war

    hier öfter Fliegergefahr. Es kamen schon

    einige Male die feindlichen Flieger

    nach Borkum u. Umgegend. Vorige

    Woche soll in Borkum ein feindliches

    Flugzeug heruntergeschossen sein, (englisch)

    2 Mann seien tot u. 3 Mann hätten

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    der Insassen Besatzung. Die Engl. Flotte

    soll vorhin auch mal in Sicht gewesen

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    Freitag, d. 31. Mai bis Montag, d. 3. Juni

    Heute erhielten wir einen Brief von Johann

    in dem er mitteilt, daß es ihm in

    Neustadt weit besser gefällt als in Gera,

    weil dort die Verpflegung besser sei, und

    auch wär es hier gemütlicher.

    Das Wetter ist schön. In der Natur grünt,

    sprießt u. blüht es. Wir bekommen

    noch Lebensmittel aus Dornum, die Tante

    dort für uns einkauft. Hanne war

    um Pfingsten einige Tage dorhin. Wir

    können noch oft einen Menschen glück-

    lich machen, in dem wir ihnen Lebens-

    mittel: Bohnen, Erbsen, Sauerkreut,

    Steckrüben u. sonstiges verkaufen. Wir hat-

    ten vor allem genug eingekauft die frem-

    den Arbeiter holten auch schoon öfter solches von uns.

    Auch erfreuen wir hin u. wieder mal ein

    Kind mit einem Butterbrot. Viele Leute

    haben alles recht knapp.

     

    Dienstag, d. 4. Juni bis Dienstag, d. 2. Juli

    Es wird in der letzten Zeit Hindenburgs-

    spende zum Lasten der Kriegsbeschädigten,

    gesammelt. Für letztere wird in jeder

    Beziehung aufs beste gesorgt, damit sie sor-

    genfrei ihre Zukunft entgegen sehen dürfen.

    Johann schrieb, er hätte auch in der Stadt

    (Neustadt) gesammelt, Kornblumen

    und Karten verkauft. Hier wurde in der

    Schule u. im Kino gesammelt. 11 Tage

    war hier des Abends Theater im Kurtheater


  • January 9, 2017 10:51:24 Kappandra

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    Sein Bursche, Schäfer, macht einige seiner

    Arbeiten für ihn. -

    Frau Neddermeyer kam am 17.5. wieder

    auf Zimmer No. 5. Ihr Mann ist zur Zeit

    wegen Gesichtsausschlag im Lazarett,

    darf aber auch viel heraus u. mit ihr

    zusammen sein. Frau N. gedenkt den

    ganzen Sommer hierzubleiben, d. h. wenn

    sie Genehmigung erhält. - Wie unser

    Johann in der ersten Zeit noch in Gera

    Reuß im Lazarett lag, schickte er uns

    ein schönes Paket was unter anderem

    etwa 1 Pfund schönen echten Tee enthielt.

    Das war mal eine Freude! Diese Sachen

    hätte er in Frankreich erbeutet u. glück-

    licherweise in einem Sandsack bei sich

    behalten können. Seine anderen Sachen

    die er erbeutet hatte, sowie seine Brief-

    tasche u.s.w. hätte er alles in Stich las-

    sen müssen, wie er verwundet ge-

    worden. Er schreibt, sie hätten damals so-

    viel erbeutet, daß es uns wohl hätte

    für 1000 Mk. Waren schicken können.

    Ebenso Hinrich auch; nur sie können

    ja  nicht alles mitschleppen.

    Das Wetter ist hier alle Tage recht schön,

    mitunter beinahe heiß. Auch in Frank-

    reich sei es so. - In der letzten Zeit war

    hier öfter Fliegergefahr. Es kamen schon

    einige Male die feindlichen Flieger

    nach Borkum u. Umgegend. Vorige

    Woche soll in Borkum ein feindliches

    Flugzeug heruntergeschossen sein, (englisch)

    2 Mann seien tot u. 3 Mann hätten

    wir als Gefangene bekommen von

     

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    der Insassen Besatzung. Die Engl. Flotte

    soll vorhin auch mal in Sicht gewesen

    sein.

     

    Freitag, d. 31. Mai bis Montag, d. 3. Juni

    Heute erhielten wir einen Brief von Johann

    in dem er mitteilt, daß es ihm in

    Neustadt weit besser gefällt als in Gera,

    weil dort die Verpflegung besser sei, und

    auch wär es hier gemütlicher.

    Das Wetter ist schön. In der Natur grünt,

    sprießt u. blüht es. Wir bekommen

    noch Lebensmittel aus Dornum, die Tante

    dort für uns einkauft. Hanne war

    um Pfingsten einige Tage dorhin. Wir

    können noch oft einen Menschen glück-

    lich machen, in dem wir ihnen Lebens-

    mittel: Bohnen, Erbsen, Sauerkreut,

    Steckrüben u. sonstiges verkaufen. Wir hat-

    ten vor allem genug eingekauft die frem-

    den Arbeiter holten auch schoon öfter solches von uns.

    Auch erfreuen wir hin u. wieder mal ein

    Kind mit einem Butterbrot. Viele Leute

    haben alles recht knapp.

     

    Dienstag, d. 4. Juni bis Dienstag, d. 2. Juli

    Es wird in der letzten Zeit Hindenburgs-

    spende zum Lasten der Kriegsbeschädigten,

    gesammelt. Für letztere wird in jeder

    Beziehung aufs beste gesorgt, damit sie sor-

    genfrei ihre Zukunft entgegen sehen dürfen.

    Johann schrieb, er hätte auch in der Stadt

    (Neustadt) gesammelt, Kornblumen

    und Karten verkauft. Hier wurde in der

    Schule u. im Kino gesammelt. 11 Tage

    war hier des Abends ... im Kurtheater


  • January 9, 2017 10:50:30 Kappandra

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    Sein Bursche, Schäfer, macht einige seiner

    Arbeiten für ihn. -

    Frau Neddermeyer kam am 17.5. wieder

    auf Zimmer No. 5. Ihr Mann ist zur Zeit

    wegen Gesichtsausschlag im Lazarett,

    darf aber auch viel heraus u. mit ihr

    zusammen sein. Frau N. gedenkt den

    ganzen Sommer hierzubleiben, d. h. wenn

    sie Genehmigung erhält. - Wie unser

    Johann in der ersten Zeit noch in Gera

    Reuß im Lazarett lag, schickte er uns

    ein schönes Paket was unter anderem

    etwa 1 Pfund schönen echten Tee enthielt.

    Das war mal eine Freude! Diese Sachen

    hätte er in Frankreich erbeutet u. glück-

    licherweise in einem Sandsack bei sich

    behalten können. Seine anderen Sachen

    die er erbeutet hatte, sowie seine Brief-

    tasche u.s.w. hätte er alles in Stich las-

    sen müssen, wie er verwundet ge-

    worden. Er schreibt, sie hätten damals so-

    viel erbeutet, daß es uns wohl hätte

    für 1000 Mk. Waren schicken können.

    Ebenso Hinrich auch; nur sie können

    ja  nicht alles mitschleppen.

    Das Wetter ist hier alle Tage recht schön,

    mitunter beinahe heiß. Auch in Frank-

    reich sei es so. - In der letzten Zeit war

    hier öfter Fliegergefahr. Es kamen schon

    einige Male die feindlichen Flieger

    nach Borkum u. Umgegend. Vorige

    Woche soll in Borkum ein feindliches

    Flugzeug heruntergeschossen sein, (englisch)

    2 Mann seien tot u. 3 Mann hätten

    wir als Gefangene bekommen von


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    der Insassen Besatzung. Die Engl. Flotte

    soll vorhin auch mal in Sicht gewesen

    sein.


    Freitag, d. 31. Mai bis Montag, d. 3. Juni

    Heute erhielten wir einen Brief von Johann

    in dem er mitteilt, daß es ihm in

    Neustadt weit besser gefällt als in GEra,

    weil dort die Verpflegung besser sei, und

    auch wär es hier gemütlicher.

    Das Wetter ist schön. In der Natur grünt,

    sprießt u. blüht es. Wir bekommen

    noch Lebensmittel aus Dornum, die Tante

    dort für uns einkauft. Hanne war

    um Pfingsten einige Tage dorhin. Wir

    können noch oft einen Menschen glück-

    lich machen, in dem wir ihnen Lebens-

    mittel: Bohnen, Erbsen, Sauerkreut,

    Steckrüben u. sonstiges verkaufen. Wir hat-

    ten vor allem genug eingekauft die frem-

    den Arbeiter holten auch schoon öfter solches von uns.

    Auch erfreuen wir hin u. wieder mal ein

    Kind mit einem Butterbrot. Viele Leute

    haben alles recht knapp.


    Dienstag, d. 4. Juni bis Dienstag, d. 2. Juli

    Es wird in der letzten Zeit Hindenburgs-

    spende zum Lasten der Kriegsbeschädigten,

    gesammelt. Für letztere wird in jeder

    Beziehung aufs beste gesorgt, damit sie sor-

    genfrei ihre Zukunft entgegen sehen dürfen.

    Johann schrieb, er hätte auch in der Stadt

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    und Karten verkauft. Hier wurde in der

    Schule u. im Kino gesammelt. 11 Tage

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    Norderney

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14705 / 160791
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Johanna Senkowski
Licence
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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