Tagebuch von Margarethe Wirringa, item 7

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...linke Seite:
Bestandsaufnahme von Bettwäsche. Es mußte
auf eine Postkarte oder einen Schein angegeben
werden und nach Berlin geschickt werden.
Unser Johann ging am Donnerstag, d. 27. 12.

wieder fort nach Düsseldorf. Es freut mich, daß
die Trennungsstunde wieder hinter uns ist. Als ich
am Abend vorher die Knöpfe seines Rockes 
u. Mantels putzte, war mein Herz schon
zum brechen schwer. Wir u. auch er, waren
sehr traurig, daß er wieder von hier fort
mußte. Doch hoffentlich gibt's bald Frieden,
man hofft es stark. Februar soll ihn uns
ja bringen, wie allgemein gesagt wird. 
In der Zeitung las ich kürzlich, es sollten
noch 380 000 Kriegsteilnehmer aus früheren
Feldzügen leben nach der letzten 
Schätzung. Am 1. Dezbr. war wieder allgemeine
Volkszählung. Unser Johann 
schrieb heute abend u. auch vorgestern, und 
Heinrich gestern. Beide hätten allerlei
Weihnachtspakete erhalten. Wenn die 
Gaben dieses Jahr auch karg u. spärlich
waren, ein jeder will doch gerne etwas
geben. Auch wir schickten allerlei
Päckchen ins Feld. Auch Hanne schickte wieder
eins an Kanonier Buschmann aus Düsseldorf, 
mit dem sie sich schon seit Weihnachten 1914
schreibt. Sie erfreut ihn schon öfter durch ein 
Paketchen.

Einiges über Sylvester 1917 und den 
Neujahrstag 1918. (Mittwoch, d. 2. Januar 18.)
-------------------------------------------------------------------

Unser Sylvester=Gedanke war, "wie es nächstes
Jahr an diesem Tage wohl ist !?" Der sehnliche
Wunsch - recht bald Frieden zu erhalten, begleitete
uns aus dem alten ins neue Jahr. Als

...rechte Seite:
Mutter und Hanne am S.[ylvester] =Abend aus der Kirche
kamen und wir zusammen in der Küche
saßen, sprachen wir von Vergangenheit und
Zukunft. Wir gedachten insbesondere unsern 
lb. Friedr., voren [vor einem] Jahr war er noch frisch und 
gesund und hat sehr wahrscheinlich gehofft auf
bessere Zeiten und baldige Heimkehr in 
die liebe Heimat. - Wir gingen am Sylv.=Abend
um die gewohnte Zeit zu Bette. Um Mitternacht
soll Konzert auf dem Marktplatz
gewesen sein. Es seien hier auch Männer
mit Teerfackeln vorübergegangen. - 
Das Wetter war an diesen beiden Tagen
winterlich. - Der gestrige Neujahrstag brachte
uns gleich am Morgen in freudige Stimmung.
Es hieß "England will Frieden!", auf 
der Post sei ein Telegramm gekommen.
Der Tag verlief sonst ganz ruhig. Die Nachbarn
u. wir sowie unsere Dame u. ihr Mann sprachen

uns gegenseitig unsere Glückwünsche
aus. Von Freunden, Verwandten u. Bekannten
auswärts, gingen uns allerlei Neujahrsgrüße
zu. Auch wir schickten, wie alljährlich, welche
fort. - In der Hinterstube feierten wir gestern 
abend Neujahr bei einer Flasche alkoholfreier
Pfefferminz (mit Sacharin gesüßt) und
mit einem derben Kriegshonigkuchen, den
wir am Vormittage gebackt hatten. Als Mutter
ihn seiner Härte nicht zuschneiden
konnte, mußte Vater sein Bestes leisten. 
Lachen mußte man auch drüber.

Dienstag, den 3. Januar bis Mittwoch, 23.1.

-------------------------------------------------------------

Gestern d. 22. las man die frohe Nachricht in der 
Zeitung: Friede mit der Ukraine! Hoffentlich
macht ganz Rußland bald Schluß mit 
dem Kriege und auch die anderen Mächte.



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...linke Seite:
Bestandsaufnahme von Bettwäsche. Es mußte
auf eine Postkarte oder einen Schein angegeben
werden und nach Berlin geschickt werden.
Unser Johann ging am Donnerstag, d. 27. 12.

wieder fort nach Düsseldorf. Es freut mich, daß
die Trennungsstunde wieder hinter uns ist. Als ich
am Abend vorher die Knöpfe seines Rockes 
u. Mantels putzte, war mein Herz schon
zum brechen schwer. Wir u. auch er, waren
sehr traurig, daß er wieder von hier fort
mußte. Doch hoffentlich gibt's bald Frieden,
man hofft es stark. Februar soll ihn uns
ja bringen, wie allgemein gesagt wird. 
In der Zeitung las ich kürzlich, es sollten
noch 380 000 Kriegsteilnehmer aus früheren
Feldzügen leben nach der letzten 
Schätzung. Am 1. Dezbr. war wieder allgemeine
Volkszählung. Unser Johann 
schrieb heute abend u. auch vorgestern, und 
Heinrich gestern. Beide hätten allerlei
Weihnachtspakete erhalten. Wenn die 
Gaben dieses Jahr auch karg u. spärlich
waren, ein jeder will doch gerne etwas
geben. Auch wir schickten allerlei
Päckchen ins Feld. Auch Hanne schickte wieder
eins an Kanonier Buschmann aus Düsseldorf, 
mit dem sie sich schon seit Weihnachten 1914
schreibt. Sie erfreut ihn schon öfter durch ein 
Paketchen.

Einiges über Sylvester 1917 und den 
Neujahrstag 1918. (Mittwoch, d. 2. Januar 18.)
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Unser Sylvester=Gedanke war, "wie es nächstes
Jahr an diesem Tage wohl ist !?" Der sehnliche
Wunsch - recht bald Frieden zu erhalten, begleitete
uns aus dem alten ins neue Jahr. Als

...rechte Seite:
Mutter und Hanne am S.[ylvester] =Abend aus der Kirche
kamen und wir zusammen in der Küche
saßen, sprachen wir von Vergangenheit und
Zukunft. Wir gedachten insbesondere unsern 
lb. Friedr., voren [vor einem] Jahr war er noch frisch und 
gesund und hat sehr wahrscheinlich gehofft auf
bessere Zeiten und baldige Heimkehr in 
die liebe Heimat. - Wir gingen am Sylv.=Abend
um die gewohnte Zeit zu Bette. Um Mitternacht
soll Konzert auf dem Marktplatz
gewesen sein. Es seien hier auch Männer
mit Teerfackeln vorübergegangen. - 
Das Wetter war an diesen beiden Tagen
winterlich. - Der gestrige Neujahrstag brachte
uns gleich am Morgen in freudige Stimmung.
Es hieß "England will Frieden!", auf 
der Post sei ein Telegramm gekommen.
Der Tag verlief sonst ganz ruhig. Die Nachbarn
u. wir sowie unsere Dame u. ihr Mann sprachen

uns gegenseitig unsere Glückwünsche
aus. Von Freunden, Verwandten u. Bekannten
auswärts, gingen uns allerlei Neujahrsgrüße
zu. Auch wir schickten, wie alljährlich, welche
fort. - In der Hinterstube feierten wir gestern 
abend Neujahr bei einer Flasche alkoholfreier
Pfefferminz (mit Sacharin gesüßt) und
mit einem derben Kriegshonigkuchen, den
wir am Vormittage gebackt hatten. Als Mutter
ihn seiner Härte nicht zuschneiden
konnte, mußte Vater sein Bestes leisten. 
Lachen mußte man auch drüber.

Dienstag, den 3. Januar bis Mittwoch, 23.1.

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Gestern d. 22. las man die frohe Nachricht in der 
Zeitung: Friede mit der Ukraine! Hoffentlich
macht ganz Rußland bald Schluß mit 
dem Kriege und auch die anderen Mächte.




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  • January 15, 2017 16:20:35 Rolf Kranz

    ...linke Seite:
    Bestandsaufnahme von Bettwäsche. Es mußte
    auf eine Postkarte oder einen Schein angegeben
    werden und nach Berlin geschickt werden.
    Unser Johann ging am Donnerstag, d. 27. 12.

    wieder fort nach Düsseldorf. Es freut mich, daß
    die Trennungsstunde wieder hinter uns ist. Als ich
    am Abend vorher die Knöpfe seines Rockes 
    u. Mantels putzte, war mein Herz schon
    zum brechen schwer. Wir u. auch er, waren
    sehr traurig, daß er wieder von hier fort
    mußte. Doch hoffentlich gibt's bald Frieden,
    man hofft es stark. Februar soll ihn uns
    ja bringen, wie allgemein gesagt wird. 
    In der Zeitung las ich kürzlich, es sollten
    noch 380 000 Kriegsteilnehmer aus früheren
    Feldzügen leben nach der letzten 
    Schätzung. Am 1. Dezbr. war wieder allgemeine
    Volkszählung. Unser Johann 
    schrieb heute abend u. auch vorgestern, und 
    Heinrich gestern. Beide hätten allerlei
    Weihnachtspakete erhalten. Wenn die 
    Gaben dieses Jahr auch karg u. spärlich
    waren, ein jeder will doch gerne etwas
    geben. Auch wir schickten allerlei
    Päckchen ins Feld. Auch Hanne schickte wieder
    eins an Kanonier Buschmann aus Düsseldorf, 
    mit dem sie sich schon seit Weihnachten 1914
    schreibt. Sie erfreut ihn schon öfter durch ein 
    Paketchen.

    Einiges über Sylvester 1917 und den 
    Neujahrstag 1918. (Mittwoch, d. 2. Januar 18.)
    -------------------------------------------------------------------

    Unser Sylvester=Gedanke war, "wie es nächstes
    Jahr an diesem Tage wohl ist !?" Der sehnliche
    Wunsch - recht bald Frieden zu erhalten, begleitete
    uns aus dem alten ins neue Jahr. Als

    ...rechte Seite:
    Mutter und Hanne am S.[ylvester] =Abend aus der Kirche
    kamen und wir zusammen in der Küche
    saßen, sprachen wir von Vergangenheit und
    Zukunft. Wir gedachten insbesondere unsern 
    lb. Friedr., voren [vor einem] Jahr war er noch frisch und 
    gesund und hat sehr wahrscheinlich gehofft auf
    bessere Zeiten und baldige Heimkehr in 
    die liebe Heimat. - Wir gingen am Sylv.=Abend
    um die gewohnte Zeit zu Bette. Um Mitternacht
    soll Konzert auf dem Marktplatz
    gewesen sein. Es seien hier auch Männer
    mit Teerfackeln vorübergegangen. - 
    Das Wetter war an diesen beiden Tagen
    winterlich. - Der gestrige Neujahrstag brachte
    uns gleich am Morgen in freudige Stimmung.
    Es hieß "England will Frieden!", auf 
    der Post sei ein Telegramm gekommen.
    Der Tag verlief sonst ganz ruhig. Die Nachbarn
    u. wir sowie unsere Dame u. ihr Mann sprachen

    uns gegenseitig unsere Glückwünsche
    aus. Von Freunden, Verwandten u. Bekannten
    auswärts, gingen uns allerlei Neujahrsgrüße
    zu. Auch wir schickten, wie alljährlich, welche
    fort. - In der Hinterstube feierten wir gestern 
    abend Neujahr bei einer Flasche alkoholfreier
    Pfefferminz (mit Sacharin gesüßt) und
    mit einem derben Kriegshonigkuchen, den
    wir am Vormittage gebackt hatten. Als Mutter
    ihn seiner Härte nicht zuschneiden
    konnte, mußte Vater sein Bestes leisten. 
    Lachen mußte man auch drüber.

    Dienstag, den 3. Januar bis Mittwoch, 23.1.

    -------------------------------------------------------------

    Gestern d. 22. las man die frohe Nachricht in der 
    Zeitung: Friede mit der Ukraine! Hoffentlich
    macht ganz Rußland bald Schluß mit 
    dem Kriege und auch die anderen Mächte.



  • November 12, 2016 18:26:42 Sabine Altmann (F&F)
    linke Seite:
    Bestandsaufnahme von Bettwäsche. Es mußte
    auf eine Postkarte oder einen [eingefügt]  Schein angegeben
    werden und nach Berlin geschickt werden.
    Unser Johann ging am Donnerstag, d. 27. 12.
    wieder fort nach Düsseldorf. Es freut mich, daß
    die Trennungsstunde wieder hinter uns ist. Als ich
    am Abend vorher die Knöpfe seines Rockes 
    u. Mantels putzte, war mein Herz schon
    zum brechen schwer. Wir u. auch er, waren
    sehr traurig, daß er wieder von hier fort
    mußte. Doch hoffentlich gibt's bald Frieden
    man hofft es stark. Februar soll ihn uns
    ja bringen, wie allgemein gesagt wird. 
    In der Zeitung las ich kürzlich, es sollten
    noch 380 000 Kriegsteilnehmer aus früheren
    Feldzügen leben nach der letzten 
    Schätzung. Am 1. Dezbr. war wieder allgemeiner
    Volkszählung. Unser Johann 
    schrieb heute abend u. auch vorgestern, und 
    Heinrich gesten. Beide hätten allerlei
    Weihnachtspakete erhalten. Wenn die 
    Gaben dieses Jahr auch karg u. spärlich
    waren, ein jeder will doch gerne etwas
    geben. Auch wir schickten allerlei
    Päckchen ins Feld. Auch Hanne schickte wieder
    eins an Kanonier Buschmann aus Düsseldorf, 
    mit dem sie sich schon Weihnachten 1914
    schreibt. Sie erfreut ihn schon öfter durch ein 
    Paketchen.

    Einiges über Sylvester 1917 und den 
    Neujahrstag 1918. (Mittwoch, d. 2. Januar 18.)
    [unterstrichen]
    Unser Sylvester=Gedanke war, "wie es nächstes
    Jahr an diesem Tage wohl ist!?" Der sehnliche
    Wunsch - recht bald Frieden zu erhalten, begleitete
    uns aus dem alten ins neue Jahr. Als

    rechte Seite:
    Mutter und Hanne am S.=Abend aus der Kirche
    kamen und wir zusammen in der Küche
    saßen, sprachen wir von Vergangenheit und
    Zukunft. Wir gedachten insbesondere unsern 
    lb. Friedr; voren Jahr war er nicht frisch und 
    gesund und hat sehrwahrscheinlich gehofft au
    bessere Zeiten und baldige Heimkehr in 
    die liebe Heimat. - Wir gingen am Sylv.=Abend
    um die gewohnte Zeit zu Bette. Um Mitternacht
    soll Konzert auf dem Marktplatz
    gewesen sein. Es seien hier auch Männer
    mit Teerfackeln vorübergegangen. - 
    Das Wetter war an diesen beiden TAgen
    winterlich. - Der gestrige Neujahrstag brachte
    uns gleich am Morgen in freudige Stimmung.
    Es hieß "England will Frieden!", Auf 
    der Post sei ein Telegramm gekommen.
    Der Tag verlief sonst ganz ruhig. Die Nachbarn
    u. wir sowie unsere Dame u. ihr Mann sprachen
    uns gegenseitig unsere Glückwünsche
    aus. Von Freunden, Verwandten u. Bekannten
    auswärts, gingen uns allerlei Neujahrsgrüße
    zu. Auch wir schickten, wie alljährlich, welche
    fort. - In der Hinterstube feierten wir gestern 
    abend Neujahr bei einer Flasche alkoholfreier
    Pfefferminz (mit Sacharin gesüßt) und
    mit einem derben Kriegshonigkuchen, den
    wir am Vormittage gebackt hatten. Als Mutter
    ihn [eingefügt] seiner Härte nicht zuschneiden
    konnte, mußte Vater sein Bestes leisten. 
    Lachen mußte man auch drüber.

    Dienstag, den 3. Januar bis Mittwoch, 23.1.
    [unterstrichen]
    Gestern d. 22. las man die frohe Nachricht in der 
    Zeitung: Friede mit der Ukraine! Hoffentlich
    macht ganz Rußland bald Schluß mit 
    dem Kriege und auch die anderen Mächte.




  • November 12, 2016 17:41:02 Sabine Altmann (F&F)
    linke Seite:
    Bestandsaufnahme von Bettwäsche. Es mußte
    auf eine Postkarte oder einen [eingefügt]  Schein angegeben
    werden und nach Berlin geschickt werden.
    Unser Johann ging am Donnerstag, d. 27. 12.
    wieder fort nach Düsseldorf. Es freut mich, 

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