Kriegsgefangenen-Zeitschrift aus Ripon / Yorkshire, item 21

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 item 21 

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Es sieht das traute Zimmer, hört des Kindes Worte:

"Ach Mutter, kommt der Vater noch nicht bald?"

""Doch, doch, mein Kind, gar bald wird er jetzt kommen.""-

Und endlich ist das langersehnte Ziel erreicht.

Vor mir das Haus, jetzt meine ganze Welt!

Dreimal hallt hell die Glocke durch die Räume

- Dasselbe Zeichen, wann ich immer kam. -

Und durch den Flur nun eilen hurt´ge Schritte;

Und rasch geöffnet ist die Tür.

Und seelig halt ich in den Armen die Gattin bald und bald das Kind.

Doch jetzt hinein in altvertraute Stuben!

Der Junge hat des Koffers sich bemächtigt

Und wühlet in den mitgebrachten Schätzen.

Er kennet keinen Völkerhass.

Die Schokolade schmeckt ihm gut, ja selbst der harte Schiffzwieback.

Dass Vater sie aus England mitgebracht,

Erhöht ihm nur der Dinge Wert.

Und ich, ich schau' beglückt sein hast'ges Treiben,

Bin seelig [sic] in der Geberfreude. -

Und Abend wird's.  S'ist grade Weihnachtsabend:

Wir stehen um den Lichterbaum,

Und Kind und Gattin halte innig ich umschlungen.

Zum erstenmal seit vielen Jahren im lieben Kreise dieses Fest.

Vergessen ist des Krieges Leid und des Gefangnen Trennungsschmerz.

Vom Lichterglanz, vom tiefren Glück geblendet

Sehn wir die rosige Zukunft unsrer Welt.

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Da hämmern unaufhörlich Regentropfen

Auf der Baracke holzgefügtes Dach

Und wecken mich aus süssem Schlummer.

Voll Schaudern schau' ich durch den nackten, kalten Raum.

Ach, all das Schöne war ja nur ein Traum.
Wir feiern Weihnacht hinter Drahtes Rechen.

Fast will es mir das Herz zerbrechen.


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Es sieht das traute Zimmer, hört des Kindes Worte:

"Ach Mutter, kommt der Vater noch nicht bald?"

""Doch, doch, mein Kind, gar bald wird er jetzt kommen.""-

Und endlich ist das langersehnte Ziel erreicht.

Vor mir das Haus, jetzt meine ganze Welt!

Dreimal hallt hell die Glocke durch die Räume

- Dasselbe Zeichen, wann ich immer kam. -

Und durch den Flur nun eilen hurt´ge Schritte;

Und rasch geöffnet ist die Tür.

Und seelig halt ich in den Armen die Gattin bald und bald das Kind.

Doch jetzt hinein in altvertraute Stuben!

Der Junge hat des Koffers sich bemächtigt

Und wühlet in den mitgebrachten Schätzen.

Er kennet keinen Völkerhass.

Die Schokolade schmeckt ihm gut, ja selbst der harte Schiffzwieback.

Dass Vater sie aus England mitgebracht,

Erhöht ihm nur der Dinge Wert.

Und ich, ich schau' beglückt sein hast'ges Treiben,

Bin seelig [sic] in der Geberfreude. -

Und Abend wird's.  S'ist grade Weihnachtsabend:

Wir stehen um den Lichterbaum,

Und Kind und Gattin halte innig ich umschlungen.

Zum erstenmal seit vielen Jahren im lieben Kreise dieses Fest.

Vergessen ist des Krieges Leid und des Gefangnen Trennungsschmerz.

Vom Lichterglanz, vom tiefren Glück geblendet

Sehn wir die rosige Zukunft unsrer Welt.

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Da hämmern unaufhörlich Regentropfen

Auf der Baracke holzgefügtes Dach

Und wecken mich aus süssem Schlummer.

Voll Schaudern schau' ich durch den nackten, kalten Raum.

Ach, all das Schöne war ja nur ein Traum.
Wir feiern Weihnacht hinter Drahtes Rechen.

Fast will es mir das Herz zerbrechen.


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  • May 20, 2018 20:12:01 Beate Jochem

     item 21 

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    Es sieht das traute Zimmer, hört des Kindes Worte:

    "Ach Mutter, kommt der Vater noch nicht bald?"

    ""Doch, doch, mein Kind, gar bald wird er jetzt kommen.""-

    Und endlich ist das langersehnte Ziel erreicht.

    Vor mir das Haus, jetzt meine ganze Welt!

    Dreimal hallt hell die Glocke durch die Räume

    - Dasselbe Zeichen, wann ich immer kam. -

    Und durch den Flur nun eilen hurt´ge Schritte;

    Und rasch geöffnet ist die Tür.

    Und seelig halt ich in den Armen die Gattin bald und bald das Kind.

    Doch jetzt hinein in altvertraute Stuben!

    Der Junge hat des Koffers sich bemächtigt

    Und wühlet in den mitgebrachten Schätzen.

    Er kennet keinen Völkerhass.

    Die Schokolade schmeckt ihm gut, ja selbst der harte Schiffzwieback.

    Dass Vater sie aus England mitgebracht,

    Erhöht ihm nur der Dinge Wert.

    Und ich, ich schau' beglückt sein hast'ges Treiben,

    Bin seelig [sic] in der Geberfreude. -

    Und Abend wird's.  S'ist grade Weihnachtsabend:

    Wir stehen um den Lichterbaum,

    Und Kind und Gattin halte innig ich umschlungen.

    Zum erstenmal seit vielen Jahren im lieben Kreise dieses Fest.

    Vergessen ist des Krieges Leid und des Gefangnen Trennungsschmerz.

    Vom Lichterglanz, vom tiefren Glück geblendet

    Sehn wir die rosige Zukunft unsrer Welt.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Da hämmern unaufhörlich Regentropfen

    Auf der Baracke holzgefügtes Dach

    Und wecken mich aus süssem Schlummer.

    Voll Schaudern schau' ich durch den nackten, kalten Raum.

    Ach, all das Schöne war ja nur ein Traum.
    Wir feiern Weihnacht hinter Drahtes Rechen.

    Fast will es mir das Herz zerbrechen.


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  • May 20, 2018 20:11:14 Beate Jochem

     item 21 

     linke Seite 

    Es sieht das traute Zimmer, hört des Kindes Worte:

    "Ach Mutter, kommt der Vater noch nicht bald?"

    ""Doch, doch, mein Kind, gar bald wird er jetzt kommen.""-

    Und endlich ist das langersehnte Ziel erreicht.

    Vor mir das Haus, jetzt meine ganze Welt!

    Dreimal hallt hell die Glocke durch die Räume

    - Dasselbe Zeichen, wann ich immer kam. -

    Und durch den Flur nun eilen hurt´ge Schritte;

    Und rasch geöffnet ist die Tür.

    Und seelig halt ich in den Armen die Gattin bald und bald das Kind.

    Doch jetzt hinein in altvertraute Stuben!

    Der Junge hat des Koffers sich bemächtigt

    Und wühlet in den mitgebrachten Schätzen.

    Er kennet keinen Völkerhass.

    Die Schokolade schmeckt ihm gut, ja selbst der harte Schiffzwieback.

    Dass Vater sie aus England mitgebracht,

    Erhöht ihm nur der Dinge Wert.

    Und ich, ich schau' beglückt sein hast'ges Treiben,

    Bin seelig [sic] in der Geberfreude. -

    Und Abend wird's.  S'ist grade Weihnachtsabend:

    Wir stehen um den Lichterbaum,

    Und Kind und Gattin halte innig ich umschlungen.

    Zum erstenmal seit vielen Jahren im lieben Kreise dieses Fest.

    Vergessen ist des Krieges Leid und des Gefangnen Trennungsschmerz.

    Vom Lichterglanz, vom tiefren Glück geblendet

    Sehn wir die rosige Zukunft unsrer Welt.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Da hämmern unaufhörlich Regentropfen

    Auf der Baracke holzgefügtes Dach

    Und wecken mich aus süssem Schlummer.

    Voll Schaudern schau' ich durch den nackten, kalten Raum.

    Ach, all das Schöne war ja nur ein Traum.
    Wir feiern Weihnacht hinter Drahtes Rechen.

    Fast will es mir das Herz zerbrechen.


  • April 4, 2018 13:04:07 Chrissie Lutze

     linke Seite 

    Es sieht das traute Zimmer, hört des Kindes Worte:

    "Ach mutter, kommt der Vater noch nicht bald?"

    ""Doch, doch, mein Kind, gar bald wird er jetzt kommen.""-

    Und endlich ist das langersehnte Ziel erreicht.

    Vor mir des Haus, jetzt meine ganze Welt!

    Dreimal hallt helll die Glocke durch die Räume

    - Dasselbe Zeichen, wann ich immer kam. -

    Und durch den Flur nun eilen hurtige Schritte;

    Und rasch geöffnet ist die Tür.

    Und seelig halt ich in den Armen die Gattin bald und bald das Kind.

    Doch jetzt hinein in altertraute Stuben!

    Der Junge hat des Koffers sich bemächtigt

    Und wühlet in den mitgebrachten Schätzen.

    Er kennet keinen Völkerhass.

    Die Schokolade schmeckt ihm gut, ja selbst der harte Schiffzwieback.

    Dass Vater sie aus England mitgebracht,

    Erhöht ihm nur der Dinge Wert.

    Und ich, ch schau' beglückt sein hast'ges Treiben,

    Bin seelig in der Geberfreude. -

    Und Abend wird's. S'ist grade Weihnachtsabend:

    Wir stehen um den Lichterbaum,

    Und Kind und Gattin halte innig ich umschlungen.

    Zum erstenmal seit vielen Jahren im lieben Kreise dieses Fest.

    Vergessen ist des Krieges Leid und des Gefangnen Trennungsschmerz.

    Vom Lichterglanz, vom tiefren Glück geblendet

    Sehn wir die rosige Zukunft unsrer Welt.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Da hämmern unaufhörlich Regentropfen

    Auf der Baracke holzgefügtes Dach

    Und wecken mich aus süssem Schlummer.

    Voll Schaudern schau' ich durch den nackten, kalten Raum.

    Ach, all das Schöne war ja nur ein Traum.
    Wir feiern Weihnacht hinter Drahtes Rechen.

    Fast will es mir das Herz zerbrechen.


  • April 4, 2018 13:03:58 Chrissie Lutze

     linke Seite 

    Es sieht das traute Zimmer, hört des Kindes Worte:

    "Ach mutter, kommt der Vater noch nicht bald?"

    ""Doch, doch, mein Kind, gar bald wird er jetzt kommen.""-

    Und endlich ist das langersehnte Ziel erreicht.

    Vor mir des Haus, jetzt meine ganze Welt!

    Dreimal hallt helll die Glocke durch die Räume

    - Dasselbe Zeichen, wann ich immer kam. -

    Und durch den Flur nun eilen hurtige Schritte;

    Und rasch geöffnet ist die Tür.

    Und seelig halt ich in den Armen die Gattin bald und bald das Kind.

    Doch jetzt hinein in altertraute Stuben!

    Der Junge hat des Koffers sich bemächtigt

    Und wühlet in den mitgebrachten Schätzen.

    Er kennet keinen Völkerhass.

    Die Schokolade schmeckt ihm gut, ja selbst der harte Schiffzwieback.

    Dass Vater sie aus England mitgebracht,

    Erhöht ihm nur der Dinge Wert.

    Und ich, ch schau' beglückt sein hast'ges Treiben,

    Bin seelig in der Geberfreude. -

    Und Abend wird's. S'ist grade Weihnachtsabend:

    Wir stehen um den Lichterbaum,

    Und Kind und Gattin halte innig ich umschlungen.

    Zum erstenmal seit vielen Jahren im lieben Kreise dieses Fest.

    Vergessen ist des Krieges Leid und des Gefangnen Trennungsschmerz.

    Vom Lichterglanz, vom tiefren Glück geblendet

    Sehn wir die rosige Zukunft unsrer Welt.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Da hämmern unaufhörlich Regentropfen

    Auf der Baracke holzgefügtes Dach

    Und wecken mich aus süssem Schlummer.

    Voll Schaudern schau' ich durch den nackten, kalten Raum.

    Ach, all das Schöne war ja nur ein Traum.
    Wir feiern Weihnacht hinter Drahtes Rechen.

    Fast will es mir das Herz zerbrechen.




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  • 54.1387805||-1.5242118||

    Ripon / Yorkshire (Groß-Britannien)

    ||1
Location(s)
  • Story location Ripon / Yorkshire (Groß-Britannien)


ID
1342 / 12583
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Elke und Rainer Kruse
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


Aug, 1919
  • Deutsch

  • Naval Warfare
  • Western Front

  • Magazine
  • Prisoners of War



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