Telegraphist Alfred Pöge an der Westfront am Chemin des Dames, item 76

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Lfd. Nr. 27.


Unsere Reparaturenan Funkergeräten nahmen immer mehr zu.

Damit ich mich etwas einarbeiten sollten, wurde ich im Juni nach

Saarbrücken zum Funkermechanikerkursus geschickt. Mein Quartier

war in einer ehemaligen Brauereri. Das Schlafen wollte mir garnicht

gefallen, denn ich war meine schönen Federbetten gewöhnt. Der

Dienst war ja zur Not noch auszuhalten. Sehr oft hauten wir des

Abends uber den Zapfen, denn in Saarbrücken konnte man noch

allen Vergnügungen nachgehen. Nur eines war schlecht in

der Stadt. Fast jeden Abend und die Nacht wurden wir von den

französischen Fiegern Heimgesucht. Saarbrücken war ein grösserer

Etappenort mit zahlreichen Kommandostellen und aus diesem Grunde

wurde die Stadt regelmässig mit Bomben belegt. Grosse Zerstörungen

waren bereits angerichtet worden, trotz den vielen Abwehrgeschüt=

zen und Scheinwerfern, welche die Stadt umgaben.


Als ich wieder zurückkehrte nach Albersdorf, wollte das

Gerücht nicht verstummen, das der Schiessplatz aufgelöst werden

sollte. Es war ein General-Kommando in den Ort geplant worden.

Die vielen Leitungen, welche nach dem Orte gebaut worden, be=

stätigten unsere Vermutung.


Ende September wurde es auch wirklich war. Die Bevölkerung

war richtig traurig, das wir sie nun verlassen wollten, dem wir

waren hier wie zu Hause gewesen. Leider waren die intimen

Beziehungen zu der Bevölkerung bei einigen Kameraden nicht ohne

Folgen geblieben, drei oder vier kleine Fernsprecher waren auf

dem besten Wege auf die Welt zu kommen. Fast alle Leute weinten,

als wir uns am 28. 9. fertig machten zur Abreise. Alles war in

Kisten und Wagen verpackt worden.


Am 30. 9. ging die Fahrt los, um in Insmingen verladen

zu werden. Uns war es selber nicht leicht geworden, von den

Leuten zu trennen. Viele kinder und junge Mädchen haben uns noch

bis an die Bahn gebracht. Ich habe später und auch nach dem

Kriege noch oft Briefe in französischer Sprache mit verschie=

denen Leute gewechselt.


Unsere Bestimmugsstation war Hördt im Elsass. Es war

ein ganz schönes Dörfchen in der Nähe von Strassburg. Wir wurden

wieder in Privatquartieren untergebracht. Zwei Mann bekamen

immer eine Stube. Ich hatte wieder einen sehr guten Griff gemacht.

In einem kleinem Bauerngute, wo zwei ältere Leute mit ihrer

Tochter wohnten, fand ich eine sehr schöne Unterkunft. Die Werk=

statt und den Park richteten wir wieder in dem Gasthofe ein.

Ich hatte meine Werkstattganz für mich. Der Wachmeister sas

nicht wieder mit bei uns, er hatte ein Zimmer für sich bekommen.


Der Dienst war wieder wir immer. Mit den Leuten hatte

ich mich sehr bald angefreundet. Von der Feldküche brauchte ich

Überhaupt kein Essen, die Leute versorgten mich voll und ganz.

Die Elsässer waren an und für sich viel freundlicher, wie die

Lothringer und vor allen Dingen rein Deutsch.


Ich habe sogar den Leuten das Elektrische Licht

gelegt. Der Mann hatte das Material in Strassburg besorgt und

ich habe ihm die ganzen Gebäude mit Licht gelegt. Sehr viel

gutes habe ich von den Leuten gehabt. Die Tochter, eine kleine

20 jährige von ungefähr einem Gewicht von 1.50 Ctr. brachte sich

bald um mit mir.


Fortsetzung Blatt 28.


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Lfd. Nr. 27.


Unsere Reparaturenan Funkergeräten nahmen immer mehr zu.

Damit ich mich etwas einarbeiten sollten, wurde ich im Juni nach

Saarbrücken zum Funkermechanikerkursus geschickt. Mein Quartier

war in einer ehemaligen Brauereri. Das Schlafen wollte mir garnicht

gefallen, denn ich war meine schönen Federbetten gewöhnt. Der

Dienst war ja zur Not noch auszuhalten. Sehr oft hauten wir des

Abends uber den Zapfen, denn in Saarbrücken konnte man noch

allen Vergnügungen nachgehen. Nur eines war schlecht in

der Stadt. Fast jeden Abend und die Nacht wurden wir von den

französischen Fiegern Heimgesucht. Saarbrücken war ein grösserer

Etappenort mit zahlreichen Kommandostellen und aus diesem Grunde

wurde die Stadt regelmässig mit Bomben belegt. Grosse Zerstörungen

waren bereits angerichtet worden, trotz den vielen Abwehrgeschüt=

zen und Scheinwerfern, welche die Stadt umgaben.


Als ich wieder zurückkehrte nach Albersdorf, wollte das

Gerücht nicht verstummen, das der Schiessplatz aufgelöst werden

sollte. Es war ein General-Kommando in den Ort geplant worden.

Die vielen Leitungen, welche nach dem Orte gebaut worden, be=

stätigten unsere Vermutung.


Ende September wurde es auch wirklich war. Die Bevölkerung

war richtig traurig, das wir sie nun verlassen wollten, dem wir

waren hier wie zu Hause gewesen. Leider waren die intimen

Beziehungen zu der Bevölkerung bei einigen Kameraden nicht ohne

Folgen geblieben, drei oder vier kleine Fernsprecher waren auf

dem besten Wege auf die Welt zu kommen. Fast alle Leute weinten,

als wir uns am 28. 9. fertig machten zur Abreise. Alles war in

Kisten und Wagen verpackt worden.


Am 30. 9. ging die Fahrt los, um in Insmingen verladen

zu werden. Uns war es selber nicht leicht geworden, von den

Leuten zu trennen. Viele kinder und junge Mädchen haben uns noch

bis an die Bahn gebracht. Ich habe später und auch nach dem

Kriege noch oft Briefe in französischer Sprache mit verschie=

denen Leute gewechselt.


Unsere Bestimmugsstation war Hördt im Elsass. Es war

ein ganz schönes Dörfchen in der Nähe von Strassburg. Wir wurden

wieder in Privatquartieren untergebracht. Zwei Mann bekamen

immer eine Stube. Ich hatte wieder einen sehr guten Griff gemacht.

In einem kleinem Bauerngute, wo zwei ältere Leute mit ihrer

Tochter wohnten, fand ich eine sehr schöne Unterkunft. Die Werk=

statt und den Park richteten wir wieder in dem Gasthofe ein.

Ich hatte meine Werkstattganz für mich. Der Wachmeister sas

nicht wieder mit bei uns, er hatte ein Zimmer für sich bekommen.


Der Dienst war wieder wir immer. Mit den Leuten hatte

ich mich sehr bald angefreundet. Von der Feldküche brauchte ich

Überhaupt kein Essen, die Leute versorgten mich voll und ganz.

Die Elsässer waren an und für sich viel freundlicher, wie die

Lothringer und vor allen Dingen rein Deutsch.


Ich habe sogar den Leuten das Elektrische Licht

gelegt. Der Mann hatte das Material in Strassburg besorgt und

ich habe ihm die ganzen Gebäude mit Licht gelegt. Sehr viel

gutes habe ich von den Leuten gehabt. Die Tochter, eine kleine

20 jährige von ungefähr einem Gewicht von 1.50 Ctr. brachte sich

bald um mit mir.


Fortsetzung Blatt 28.



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  • October 23, 2018 10:57:34 Sarika Jain

    Lfd. Nr. 27.


    Unsere Reparaturenan Funkergeräten nahmen immer mehr zu.

    Damit ich mich etwas einarbeiten sollten, wurde ich im Juni nach

    Saarbrücken zum Funkermechanikerkursus geschickt. Mein Quartier

    war in einer ehemaligen Brauereri. Das Schlafen wollte mir garnicht

    gefallen, denn ich war meine schönen Federbetten gewöhnt. Der

    Dienst war ja zur Not noch auszuhalten. Sehr oft hauten wir des

    Abends uber den Zapfen, denn in Saarbrücken konnte man noch

    allen Vergnügungen nachgehen. Nur eines war schlecht in

    der Stadt. Fast jeden Abend und die Nacht wurden wir von den

    französischen Fiegern Heimgesucht. Saarbrücken war ein grösserer

    Etappenort mit zahlreichen Kommandostellen und aus diesem Grunde

    wurde die Stadt regelmässig mit Bomben belegt. Grosse Zerstörungen

    waren bereits angerichtet worden, trotz den vielen Abwehrgeschüt=

    zen und Scheinwerfern, welche die Stadt umgaben.


    Als ich wieder zurückkehrte nach Albersdorf, wollte das

    Gerücht nicht verstummen, das der Schiessplatz aufgelöst werden

    sollte. Es war ein General-Kommando in den Ort geplant worden.

    Die vielen Leitungen, welche nach dem Orte gebaut worden, be=

    stätigten unsere Vermutung.


    Ende September wurde es auch wirklich war. Die Bevölkerung

    war richtig traurig, das wir sie nun verlassen wollten, dem wir

    waren hier wie zu Hause gewesen. Leider waren die intimen

    Beziehungen zu der Bevölkerung bei einigen Kameraden nicht ohne

    Folgen geblieben, drei oder vier kleine Fernsprecher waren auf

    dem besten Wege auf die Welt zu kommen. Fast alle Leute weinten,

    als wir uns am 28. 9. fertig machten zur Abreise. Alles war in

    Kisten und Wagen verpackt worden.


    Am 30. 9. ging die Fahrt los, um in Insmingen verladen

    zu werden. Uns war es selber nicht leicht geworden, von den

    Leuten zu trennen. Viele kinder und junge Mädchen haben uns noch

    bis an die Bahn gebracht. Ich habe später und auch nach dem

    Kriege noch oft Briefe in französischer Sprache mit verschie=

    denen Leute gewechselt.


    Unsere Bestimmugsstation war Hördt im Elsass. Es war

    ein ganz schönes Dörfchen in der Nähe von Strassburg. Wir wurden

    wieder in Privatquartieren untergebracht. Zwei Mann bekamen

    immer eine Stube. Ich hatte wieder einen sehr guten Griff gemacht.

    In einem kleinem Bauerngute, wo zwei ältere Leute mit ihrer

    Tochter wohnten, fand ich eine sehr schöne Unterkunft. Die Werk=

    statt und den Park richteten wir wieder in dem Gasthofe ein.

    Ich hatte meine Werkstattganz für mich. Der Wachmeister sas

    nicht wieder mit bei uns, er hatte ein Zimmer für sich bekommen.


    Der Dienst war wieder wir immer. Mit den Leuten hatte

    ich mich sehr bald angefreundet. Von der Feldküche brauchte ich

    Überhaupt kein Essen, die Leute versorgten mich voll und ganz.

    Die Elsässer waren an und für sich viel freundlicher, wie die

    Lothringer und vor allen Dingen rein Deutsch.


    Ich habe sogar den Leuten das Elektrische Licht

    gelegt. Der Mann hatte das Material in Strassburg besorgt und

    ich habe ihm die ganzen Gebäude mit Licht gelegt. Sehr viel

    gutes habe ich von den Leuten gehabt. Die Tochter, eine kleine

    20 jährige von ungefähr einem Gewicht von 1.50 Ctr. brachte sich

    bald um mit mir.


    Fortsetzung Blatt 28.


  • October 23, 2018 10:50:57 Sarika Jain

    Lfd. Nr. 27.


    Unsere Reparaturenan Funkergeräten nahmen immer mehr zu.

    Damit ich mich etwas einarbeiten sollten, wurde ich im Juni nach

    Saarbrücken zum Funkermechanikerkursus geschickt. Mein Quartier

    war in einer ehemaligen Brauereri. Das Schlafen wollte mir garnicht

    gefallen, denn ich war meine schönen Federbetten gewöhnt. Der

    Dienst war ja zur Not noch auszuhalten. Sehr oft hauten wir des

    Abends uber den Zapfen, denn in Saarbrücken konnte man noch

    allen Vergnügungen nachgehen. Nur eines war schlecht in

    der Stadt. Fast jeden Abend und die Nacht wurden wir von den

    französischen Fiegern Heimgesucht. Saarbrücken war ein grösserer

    Etappenort mit zahlreichen Kommandostellen und aus diesem Grunde

    wurde die Stadt regelmässig mit Bomben belegt. Grosse Zerstörungen

    waren bereits angerichtet worden, trotz den vielen Abwehrgeschüt=

    zen und Scheinwerfern, welche die Stadt umgaben.


    Als ich wieder zurückkehrte nach Albersdorf, wollte das

    Gerücht nicht verstummen, das der Schiessplatz aufgelöst werden

    sollte. Es war ein General-Kommando in den Ort geplant worden.

    Die vielen Leitungen, welche nach dem Orte gebaut worden, be=

    stätigten unsere Vermutung.


    Ende September wurde es auch wirklich war. Die Bevölkerung

    war richtig traurig, das wir sie nun verlassen wollten, dem wir

    waren hier wie zu Hause gewesen. Leider waren die intimen

    Beziehungen zu der Bevölkerung bei einigen Kameraden nicht ohne

    Folgen geblieben, drei oder vier kleine Fernsprecher waren auf

    dem besten Wege auf die Welt zu kommen. Fast alle Leute weinten,

    als wir uns am 28. 9. fertig machten zur Abreise. Alles war in

    Kisten und Wagen verpackt worden.


    Am 30. 9. ging die Fahrt los, um in Insmingen verladen

    zu werden. Uns war es selber nicht leicht geworden, von den

    Leuten zu trennen. Viele kinder und junge Mädchen haben uns noch

    bis an die Bahn gebracht. Ich habe später und auch nach dem

    Kriege noch oft Briefe in französischer Sprache mit verschie=

    denen Leute gewechselt.





  • October 23, 2018 10:49:08 Sarika Jain

    Lfd. Nr. 27.


    Unsere Reparaturenan Funkergeräten nahmen immer mehr zu.

    Damit ich mich etwas einarbeiten sollten, wurde ich im Juni nach

    Saarbrücken zum Funkermechanikerkursus geschickt. Mein Quartier

    war in einer ehemaligen Brauereri. Das Schlafen wollte mir garnicht

    gefallen, denn ich war meine schönen Federbetten gewöhnt. Der

    Dienst war ja zur Not noch auszuhalten. Sehr oft hauten wir des

    Abends uber den Zapfen, denn in Saarbrücken konnte man noch

    allen Vergnügungen nachgehen. Nur eines war schlecht in

    der Stadt. Fast jeden Abend und die Nacht wurden wir von den

    französischen Fiegern Heimgesucht. Saarbrücken war ein grösserer

    Etappenort mit zahlreichen Kommandostellen und aus diesem Grunde

    wurde die Stadt regelmässig mit Bomben belegt. Grosse Zerstörungen

    waren bereits angerichtet worden, trotz den vielen Abwehrgeschüt=

    zen und Scheinwerfern, welche die Stadt umgaben.


    Als ich wieder zurückkehrte nach Albersdorf, wollte das

    Gerücht nicht verstummen, das der Schiessplatz aufgelöst werden

    sollte. Es war ein General-Kommando in den Ort geplant worden.

    Die vielen Leitungen, welche nach dem Orte gebaut worden, be=

    stätigten unsere Vermutung.


    Ende September wurde es auch wirklich war. Die Bevölkerung

    war richtig traurig, das wir sie nun verlassen wollten, dem wir

    waren hier wie zu Hause gewesen. Leider waren die intimen

    Beziehungen zu der Bevölkerung bei einigen Kameraden nicht ohne

    Folgen geblieben, drei oder vier kleine Fernsprecher waren auf

    dem besten Wege auf die Welt zu kommen. Fast alle Leute weinten,

    als wir uns am 28. 9. fertig machten zur Abreise. Alles war in

    Kisten und Wagenverpackt worden.




  • October 23, 2018 10:44:50 Sarika Jain

    Lfd. Nr. 27.


    Unsere Reparaturenan Funkergeräten nahmen immer mehr zu.

    Damit ich mich etwas einarbeiten sollten, wurde ich im Juni nach

    Saarbrücken zum Funkermechanikerkursus geschickt. Mein Quartier

    war in einer ehemaligen Brauereri. Das Schlafen wollte mir garnicht

    gefallen, denn ich war meine schönen Federbetten gewöhnt. Der

    Dienst war ja zur Not noch auszuhalten. Sehr oft hauten wir des

    Abends uber den Zapfen, denn in Saarbrücken konnte man noch

    allen Vergnügungen nachgehen. Nur eines war schlecht in

    der Stadt. Fast jeden Abend und die Nacht wurden wir von den

    französischen Fiegern Heimgesucht. Saarbrücken war ein grösserer

    Etappenort mit zahlreichen Kommandostellen und aus diesem Grunde

    wurde die Stadt regelmässig mit Bomben belegt. Grosse Zerstörungen

    waren bereits angerichtet worden, trotz den vielen Abwehrgeschüt=

    zen und Scheinwerfern, welche die Stadt umgaben.




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  • 49.43849640000001||3.753441299999963||

    Chemin des Dames

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  • Story location Chemin des Dames


ID
12911 / 189466
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Marschall-Timm
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/



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