Telegraphist Alfred Pöge an der Westfront am Chemin des Dames, item 75

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Lfd. Nr. 26.


Sehr intim waren wir mit der Zeir mit der Zivilbevölkerung gewor=

den. Ich war bei allen Leuten wie zu Hause. Sehr oft ging ich zu

einer gewissen Madame König, deren nichte Geogette Royer aus

Rombach bei Metz sehr oft zu Besuch hier weilte. Hier war ich sehr

oft abends und wir vertrieben uns die Zeit mit Klavierspeilen und

Singen.


Das Weihnachtsfest 1917 kam langsam heran. Wir hatten

es vor sehr gemütlich zu feiern. Als Weihnachtsbraten hatten wir

und ein Schwein und ein Kalb besorgt. Es wirden kleine Portionen

gemacht und mit Kartoffeln und einem Teller Metzelsuppe fur eine

Mark verkauft. Dies gab es schon einen Tag vor Weihnachten.


Am heiligem Abend selbst ging es noch vornehmer her.

In der Kantine, einem ehemaligem Restaurant, wurden die Tische in

Hufeisenform gesezt. Weisse Tischdecken und gutes Geschirr hatten

wir uns in dem Dorfe geborgt. Hier sollte einer mal sagen, das es

Krieg war. Man wusste doch nicht, wir es noch kommen konnte und so

wurde eben die schöne Zeit ausgenutzt. Von dem ersparten Mehl hatten

wir und Kuchen gebacken. Das Kalb war geschlachtet

worden und jedem ein schöner Braten vorgesezt. Der Weihnachtsbaum

war mit kleinen Lämpchen aus den Signalgeräten illuminiert. Der

Abend wurde noch verschönt mit humoristischen-und konzertvorträgen.

Sogar einige Zivilisten hatten wir uns eingeladen. Etwas Kriti=

siert wurde unsere Verannstaltung freihlich von den anwesenden

Artelleriesten. Wir aber störten uns wenig daran, denn auch wir

hatten ja schon schlechte Zeiten an der Front durchgemacht.


Die nächste Zeit verging wieder mit dem üblichen

Dienst. Ich verdiente mit manche Lebensmittel in dem Dorfe durch

Ausführen kleinerer Arbeiten bei der Ortsbevölkerung.


Die Faschingszeit im Februar wurde auch sehr gemüt=

lich von uns gefeiert. wir fühlten uns hier wie in der Heimat.

In den Sommermonaten haben wir sehr viel in der Ernte mitge=

holfen. Wir haben es nie zu unserem Schaden machen brauchen.


Zu Pfingsten 1917 veranstallteten wir an der Strasse

 nach Nebingen im Walde ein Waldfest. Es war extra in dem Walde

eine Bühne errichtet worden und an Getränken hat es auch nicht

gefehlt. Sehr viele junge Mädchen aus der Umgegend waren erschienen

uns so kam eine sehr gemutlich-e Pfingststimmung zustande.


Zu unserem einjährigem Bestehen des Fernsprech=

Ausbildungs=Komandos wiederholten wir das Fest noch einmal. Für

viele Belustigungen hatten wir wieder gesorgt.


Unser Kommando war noch verstärkt worden durch

einen Briegtaubenschlag. Er wurde am Dorfausgang nach Nebingen

aufgestellt. Als wir die Tauben an die Gegend gewöhnt hatten,

wurden regelmässig Breiftaubenflüge unternommen. Bis nach Saar=

brucken brachten wir die Tauben in Körben, liessen sie dann los

und erwarteten sie wieder in Albesdorf. Einmal wurden uns

23 Tauben von einem Raubvogel verschlagen. Wir stellten die Tauben

zwar in einem Weinberge bei Insmingen fest, doch gelang es uns

nicht die Tauben wieder einzufangen.


Sehr viele Artelleriesten wurden im Brieftauben=

dienst ausgebildet, denn der Meldedienst an der Front ohne Tau=

ben, war unmöglich.


Fortsetzung Blatt 27.



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Lfd. Nr. 26.


Sehr intim waren wir mit der Zeir mit der Zivilbevölkerung gewor=

den. Ich war bei allen Leuten wie zu Hause. Sehr oft ging ich zu

einer gewissen Madame König, deren nichte Geogette Royer aus

Rombach bei Metz sehr oft zu Besuch hier weilte. Hier war ich sehr

oft abends und wir vertrieben uns die Zeit mit Klavierspeilen und

Singen.


Das Weihnachtsfest 1917 kam langsam heran. Wir hatten

es vor sehr gemütlich zu feiern. Als Weihnachtsbraten hatten wir

und ein Schwein und ein Kalb besorgt. Es wirden kleine Portionen

gemacht und mit Kartoffeln und einem Teller Metzelsuppe fur eine

Mark verkauft. Dies gab es schon einen Tag vor Weihnachten.


Am heiligem Abend selbst ging es noch vornehmer her.

In der Kantine, einem ehemaligem Restaurant, wurden die Tische in

Hufeisenform gesezt. Weisse Tischdecken und gutes Geschirr hatten

wir uns in dem Dorfe geborgt. Hier sollte einer mal sagen, das es

Krieg war. Man wusste doch nicht, wir es noch kommen konnte und so

wurde eben die schöne Zeit ausgenutzt. Von dem ersparten Mehl hatten

wir und Kuchen gebacken. Das Kalb war geschlachtet

worden und jedem ein schöner Braten vorgesezt. Der Weihnachtsbaum

war mit kleinen Lämpchen aus den Signalgeräten illuminiert. Der

Abend wurde noch verschönt mit humoristischen-und konzertvorträgen.

Sogar einige Zivilisten hatten wir uns eingeladen. Etwas Kriti=

siert wurde unsere Verannstaltung freihlich von den anwesenden

Artelleriesten. Wir aber störten uns wenig daran, denn auch wir

hatten ja schon schlechte Zeiten an der Front durchgemacht.


Die nächste Zeit verging wieder mit dem üblichen

Dienst. Ich verdiente mit manche Lebensmittel in dem Dorfe durch

Ausführen kleinerer Arbeiten bei der Ortsbevölkerung.


Die Faschingszeit im Februar wurde auch sehr gemüt=

lich von uns gefeiert. wir fühlten uns hier wie in der Heimat.

In den Sommermonaten haben wir sehr viel in der Ernte mitge=

holfen. Wir haben es nie zu unserem Schaden machen brauchen.


Zu Pfingsten 1917 veranstallteten wir an der Strasse

 nach Nebingen im Walde ein Waldfest. Es war extra in dem Walde

eine Bühne errichtet worden und an Getränken hat es auch nicht

gefehlt. Sehr viele junge Mädchen aus der Umgegend waren erschienen

uns so kam eine sehr gemutlich-e Pfingststimmung zustande.


Zu unserem einjährigem Bestehen des Fernsprech=

Ausbildungs=Komandos wiederholten wir das Fest noch einmal. Für

viele Belustigungen hatten wir wieder gesorgt.


Unser Kommando war noch verstärkt worden durch

einen Briegtaubenschlag. Er wurde am Dorfausgang nach Nebingen

aufgestellt. Als wir die Tauben an die Gegend gewöhnt hatten,

wurden regelmässig Breiftaubenflüge unternommen. Bis nach Saar=

brucken brachten wir die Tauben in Körben, liessen sie dann los

und erwarteten sie wieder in Albesdorf. Einmal wurden uns

23 Tauben von einem Raubvogel verschlagen. Wir stellten die Tauben

zwar in einem Weinberge bei Insmingen fest, doch gelang es uns

nicht die Tauben wieder einzufangen.


Sehr viele Artelleriesten wurden im Brieftauben=

dienst ausgebildet, denn der Meldedienst an der Front ohne Tau=

ben, war unmöglich.


Fortsetzung Blatt 27.




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  • October 23, 2018 09:20:09 Sarika Jain

    Lfd. Nr. 26.


    Sehr intim waren wir mit der Zeir mit der Zivilbevölkerung gewor=

    den. Ich war bei allen Leuten wie zu Hause. Sehr oft ging ich zu

    einer gewissen Madame König, deren nichte Geogette Royer aus

    Rombach bei Metz sehr oft zu Besuch hier weilte. Hier war ich sehr

    oft abends und wir vertrieben uns die Zeit mit Klavierspeilen und

    Singen.


    Das Weihnachtsfest 1917 kam langsam heran. Wir hatten

    es vor sehr gemütlich zu feiern. Als Weihnachtsbraten hatten wir

    und ein Schwein und ein Kalb besorgt. Es wirden kleine Portionen

    gemacht und mit Kartoffeln und einem Teller Metzelsuppe fur eine

    Mark verkauft. Dies gab es schon einen Tag vor Weihnachten.


    Am heiligem Abend selbst ging es noch vornehmer her.

    In der Kantine, einem ehemaligem Restaurant, wurden die Tische in

    Hufeisenform gesezt. Weisse Tischdecken und gutes Geschirr hatten

    wir uns in dem Dorfe geborgt. Hier sollte einer mal sagen, das es

    Krieg war. Man wusste doch nicht, wir es noch kommen konnte und so

    wurde eben die schöne Zeit ausgenutzt. Von dem ersparten Mehl hatten

    wir und Kuchen gebacken. Das Kalb war geschlachtet

    worden und jedem ein schöner Braten vorgesezt. Der Weihnachtsbaum

    war mit kleinen Lämpchen aus den Signalgeräten illuminiert. Der

    Abend wurde noch verschönt mit humoristischen-und konzertvorträgen.

    Sogar einige Zivilisten hatten wir uns eingeladen. Etwas Kriti=

    siert wurde unsere Verannstaltung freihlich von den anwesenden

    Artelleriesten. Wir aber störten uns wenig daran, denn auch wir

    hatten ja schon schlechte Zeiten an der Front durchgemacht.


    Die nächste Zeit verging wieder mit dem üblichen

    Dienst. Ich verdiente mit manche Lebensmittel in dem Dorfe durch

    Ausführen kleinerer Arbeiten bei der Ortsbevölkerung.


    Die Faschingszeit im Februar wurde auch sehr gemüt=

    lich von uns gefeiert. wir fühlten uns hier wie in der Heimat.

    In den Sommermonaten haben wir sehr viel in der Ernte mitge=

    holfen. Wir haben es nie zu unserem Schaden machen brauchen.


    Zu Pfingsten 1917 veranstallteten wir an der Strasse

     nach Nebingen im Walde ein Waldfest. Es war extra in dem Walde

    eine Bühne errichtet worden und an Getränken hat es auch nicht

    gefehlt. Sehr viele junge Mädchen aus der Umgegend waren erschienen

    uns so kam eine sehr gemutlich-e Pfingststimmung zustande.


    Zu unserem einjährigem Bestehen des Fernsprech=

    Ausbildungs=Komandos wiederholten wir das Fest noch einmal. Für

    viele Belustigungen hatten wir wieder gesorgt.


    Unser Kommando war noch verstärkt worden durch

    einen Briegtaubenschlag. Er wurde am Dorfausgang nach Nebingen

    aufgestellt. Als wir die Tauben an die Gegend gewöhnt hatten,

    wurden regelmässig Breiftaubenflüge unternommen. Bis nach Saar=

    brucken brachten wir die Tauben in Körben, liessen sie dann los

    und erwarteten sie wieder in Albesdorf. Einmal wurden uns

    23 Tauben von einem Raubvogel verschlagen. Wir stellten die Tauben

    zwar in einem Weinberge bei Insmingen fest, doch gelang es uns

    nicht die Tauben wieder einzufangen.


    Sehr viele Artelleriesten wurden im Brieftauben=

    dienst ausgebildet, denn der Meldedienst an der Front ohne Tau=

    ben, war unmöglich.


    Fortsetzung Blatt 27.



  • October 23, 2018 09:14:46 Sarika Jain

    Lfd. Nr. 26.


    Sehr intim waren wir mit der Zeir mit der Zivilbevölkerung gewor=

    den. Ich war bei allen Leuten wie zu Hause. Sehr oft ging ich zu

    einer gewissen Madame König, deren nichte Geogette Royer aus

    Rombach bei Metz sehr oft zu Besuch hier weilte. Hier war ich sehr

    oft abends und wir vertrieben uns die Zeit mit Klavierspeilen und

    Singen.


    Das Weihnachtsfest 1917 kam langsam heran. Wir hatten

    es vor sehr gemütlich zu feiern. Als Weihnachtsbraten hatten wir

    und ein Schwein und ein Kalb besorgt. Es wirden kleine Portionen

    gemacht und mit Kartoffeln und einem Teller Metzelsuppe fur eine

    Mark verkauft. Dies gab es schon einen Tag vor Weihnachten.


    Am heiligem Abend selbst ging es noch vornehmer her.

    In der Kantine, einem ehemaligem Restaurant, wurden die Tische in

    Hufeisenform gesezt. Weisse Tischdecken und gutes Geschirr hatten

    wir uns in dem Dorfe geborgt. Hier sollte einer mal sagen, das es

    Krieg war. Man wusste doch nicht, wir es noch kommen konnte und so

    wurde eben die schöne Zeit ausgenutzt. Von dem ersparten Mehl hatten

    wir und Kuchen gebacken. Das Kalb war geschlachtet

    worden und jedem ein schöner Braten vorgesezt. Der Weihnachtsbaum

    war mit kleinen Lämpchen aus den Signalgeräten illuminiert. Der

    Abend wurde noch verschönt mit humoristischen-und konzertvorträgen.

    Sogar einige Zivilisten hatten wir uns eingeladen. Etwas Kriti=

    siert wurde unsere Verannstaltung freihlich von den anwesenden

    Artelleriesten. Wir aber störten uns wenig daran, denn auch wir

    hatten ja schon schlechte Zeiten an der Front durchgemacht.


    Die nächste Zeit verging wieder mit dem üblichen

    Dienst. Ich verdiente mit manche Lebensmittel in dem Dorfe durch

    Ausführen kleinerer Arbeiten bei der Ortsbevölkerung.


    Die Faschingszeit im Februar wurde auch sehr gemüt=

    lich von uns gefeiert. wir fühlten uns hier wie in der Heimat.

    In den Sommermonaten haben wir sehr viel in der Ernte mitge=

    holfen. Wir haben es nie zu unserem Schaden machen brauchen.


    Zu Pfingsten 1917 veranstallteten wir an der Strasse

     nach Nebingen im Walde ein Waldfest. Es war extra in dem Walde

    eine Bühne errichtet worden und an Getränken hat es auch nicht

    gefehlt. Sehr viele junge Mädchen aus der Umgegend waren erschienen

    uns so kam eine sehr gemutlich-e Pfingststimmung zustande.





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  • 49.43849640000001||3.753441299999963||

    Chemin des Dames

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Location(s)
  • Story location Chemin des Dames


ID
12911 / 189465
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Marschall-Timm
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/



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  • Artillery
  • Trench Life



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