Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 1, item 113

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S. 190

Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Leipziger

Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf freiem

Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu mir gesellte sich Einjähr[iger] Bratsch,

ebenfalls als einziger seines M.G. vom Warlencourt Riegel. Die

Nacht brach herein, und somit konnte der neue

Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

ganze Nacht zu wachen, Patronen bekamen wir bald genug,

denn die Infanterie sorgte in dieser Beziehung gut für uns.

Weniger allerdings für Verpflegung, die unsrige lag irgendwo,

aber auch hier wurde geholfen, ein Lt. und Komp.führer

sorgte für uns. Die Nacht war ruhig, zur Neugruppierung, wurden

am Morgen die M.Gs. durch die Reserve Gewehre neu besetzt.

Da dies durch die Verluste ca 8 Verwundete (1 Zug, 3 Gewehrführer)

die Besatzungen stark dezimiert waren. Mein M.G. kam

in den Artilleriestand im Leiziger Graben. Vorn zog die 1. Komp.

ein. Den ganzen Tag über hatten wir M.Gs zu reinigen,

die alle verdreckt waren. Hier fanden wir auch unsere

Verpflegung, pro Mann (durch das Ausfallen der Anderen) 2 Kg

Büchsenfleisch, aber kein Brot. - Vor dem Graben sahen wir

oft Tommys von Loch zu Loch springen, auch mehrere kurze

Feuerüberfälle, meist durch Minenwerfer fanden statt.

Um 10.00 Abends brachte ich nochmals angefordertes Gerät


S. 191

zum M.G. im Granatloch, plauderte noch eine geraume Zeit

und pilgerte seelenruhig zurück, um dann auf Posten zu

ziehen. Kaum war ich jedoch aufgezogen als ein neuer

Angriff stattfand. Äusserst heftiges Minenwerferfeuer richtete sich

auf den neuen Graben, auch schoss unsere Artillerie gleich

Sperrfeuer. Unaufhörlich flammten die roten Sprengpunkte

vor der Linie auf, dazwischen die Leuchtkugeln, welche die ganze

Umgebung hell beleuchteten und im Pulverdampf vorspringende

Schatten der Angeifer erkennen liessen, bald ertönte das dumpfe

Geknalle der Handgranaten, die M.Gs knatterten schon längst.

      Ein schaurig schöner Anblick. - Aber wiederrum mussten

wir die Stellung räumen, meiner Ansicht weil die Infanterie

nicht standhielt. Kurz darauf erfolgte Befehl zur Räumung

des Leipziger Grabens. Es ist ein eigenartiges Gefühl nachts nach

einem Angriff die Stellung zu räumen, und erfordert

Kaltblütigkeit und Ruhe des Führers. Aus dem Grevillers Riegel, die

nunmehrige 1 Linie, stiegen überall Leuchtraketen auf, die oft zwischen

uns niederfielen, somit dem Feinde unseren Aufenthalt verrieten

somit zischten auch dauernd Infanteriegeschose um uns her.

R.I.R. 64 versuchte noch einmal vergebens den Graben

wiederzuholen, desgleichen Lt. Müller (?) vom 1. G.R.R. am folgenden

morgen, aber mit dem Erfolg, dass er das verlorengegangene

M.G. der 1.M.G.K. bergen konnte. Auch fanden sich Unteroffz.

Thiering und seine Leute mit Gerät, die vermisst worden waren

wohlbehalten ein, sie waren, nachdem die Infanterie den Graben

verlassen hatte, nach rechts ausgewichen, und hatten die Nacht

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S. 190

Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Leipziger

Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf freiem

Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu mir gesellte sich Einjähr[iger] Bratsch,

ebenfalls als einziger seines M.G. vom Warlencourt Riegel. Die

Nacht brach herein, und somit konnte der neue

Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

ganze Nacht zu wachen, Patronen bekamen wir bald genug,

denn die Infanterie sorgte in dieser Beziehung gut für uns.

Weniger allerdings für Verpflegung, die unsrige lag irgendwo,

aber auch hier wurde geholfen, ein Lt. und Komp.führer

sorgte für uns. Die Nacht war ruhig, zur Neugruppierung, wurden

am Morgen die M.Gs. durch die Reserve Gewehre neu besetzt.

Da dies durch die Verluste ca 8 Verwundete (1 Zug, 3 Gewehrführer)

die Besatzungen stark dezimiert waren. Mein M.G. kam

in den Artilleriestand im Leiziger Graben. Vorn zog die 1. Komp.

ein. Den ganzen Tag über hatten wir M.Gs zu reinigen,

die alle verdreckt waren. Hier fanden wir auch unsere

Verpflegung, pro Mann (durch das Ausfallen der Anderen) 2 Kg

Büchsenfleisch, aber kein Brot. - Vor dem Graben sahen wir

oft Tommys von Loch zu Loch springen, auch mehrere kurze

Feuerüberfälle, meist durch Minenwerfer fanden statt.

Um 10.00 Abends brachte ich nochmals angefordertes Gerät


S. 191

zum M.G. im Granatloch, plauderte noch eine geraume Zeit

und pilgerte seelenruhig zurück, um dann auf Posten zu

ziehen. Kaum war ich jedoch aufgezogen als ein neuer

Angriff stattfand. Äusserst heftiges Minenwerferfeuer richtete sich

auf den neuen Graben, auch schoss unsere Artillerie gleich

Sperrfeuer. Unaufhörlich flammten die roten Sprengpunkte

vor der Linie auf, dazwischen die Leuchtkugeln, welche die ganze

Umgebung hell beleuchteten und im Pulverdampf vorspringende

Schatten der Angeifer erkennen liessen, bald ertönte das dumpfe

Geknalle der Handgranaten, die M.Gs knatterten schon längst.

      Ein schaurig schöner Anblick. - Aber wiederrum mussten

wir die Stellung räumen, meiner Ansicht weil die Infanterie

nicht standhielt. Kurz darauf erfolgte Befehl zur Räumung

des Leipziger Grabens. Es ist ein eigenartiges Gefühl nachts nach

einem Angriff die Stellung zu räumen, und erfordert

Kaltblütigkeit und Ruhe des Führers. Aus dem Grevillers Riegel, die

nunmehrige 1 Linie, stiegen überall Leuchtraketen auf, die oft zwischen

uns niederfielen, somit dem Feinde unseren Aufenthalt verrieten

somit zischten auch dauernd Infanteriegeschose um uns her.

R.I.R. 64 versuchte noch einmal vergebens den Graben

wiederzuholen, desgleichen Lt. Müller (?) vom 1. G.R.R. am folgenden

morgen, aber mit dem Erfolg, dass er das verlorengegangene

M.G. der 1.M.G.K. bergen konnte. Auch fanden sich Unteroffz.

Thiering und seine Leute mit Gerät, die vermisst worden waren

wohlbehalten ein, sie waren, nachdem die Infanterie den Graben

verlassen hatte, nach rechts ausgewichen, und hatten die Nacht


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  • April 2, 2017 09:51:34 Rolf Kranz

    S. 190

    Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Leipziger

    Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

    lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf freiem

    Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

    Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

    Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

    fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu mir gesellte sich Einjähr[iger] Bratsch,

    ebenfalls als einziger seines M.G. vom Warlencourt Riegel. Die

    Nacht brach herein, und somit konnte der neue

    Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

    ganze Nacht zu wachen, Patronen bekamen wir bald genug,

    denn die Infanterie sorgte in dieser Beziehung gut für uns.

    Weniger allerdings für Verpflegung, die unsrige lag irgendwo,

    aber auch hier wurde geholfen, ein Lt. und Komp.führer

    sorgte für uns. Die Nacht war ruhig, zur Neugruppierung, wurden

    am Morgen die M.Gs. durch die Reserve Gewehre neu besetzt.

    Da dies durch die Verluste ca 8 Verwundete (1 Zug, 3 Gewehrführer)

    die Besatzungen stark dezimiert waren. Mein M.G. kam

    in den Artilleriestand im Leiziger Graben. Vorn zog die 1. Komp.

    ein. Den ganzen Tag über hatten wir M.Gs zu reinigen,

    die alle verdreckt waren. Hier fanden wir auch unsere

    Verpflegung, pro Mann (durch das Ausfallen der Anderen) 2 Kg

    Büchsenfleisch, aber kein Brot. - Vor dem Graben sahen wir

    oft Tommys von Loch zu Loch springen, auch mehrere kurze

    Feuerüberfälle, meist durch Minenwerfer fanden statt.

    Um 10.00 Abends brachte ich nochmals angefordertes Gerät


    S. 191

    zum M.G. im Granatloch, plauderte noch eine geraume Zeit

    und pilgerte seelenruhig zurück, um dann auf Posten zu

    ziehen. Kaum war ich jedoch aufgezogen als ein neuer

    Angriff stattfand. Äusserst heftiges Minenwerferfeuer richtete sich

    auf den neuen Graben, auch schoss unsere Artillerie gleich

    Sperrfeuer. Unaufhörlich flammten die roten Sprengpunkte

    vor der Linie auf, dazwischen die Leuchtkugeln, welche die ganze

    Umgebung hell beleuchteten und im Pulverdampf vorspringende

    Schatten der Angeifer erkennen liessen, bald ertönte das dumpfe

    Geknalle der Handgranaten, die M.Gs knatterten schon längst.

          Ein schaurig schöner Anblick. - Aber wiederrum mussten

    wir die Stellung räumen, meiner Ansicht weil die Infanterie

    nicht standhielt. Kurz darauf erfolgte Befehl zur Räumung

    des Leipziger Grabens. Es ist ein eigenartiges Gefühl nachts nach

    einem Angriff die Stellung zu räumen, und erfordert

    Kaltblütigkeit und Ruhe des Führers. Aus dem Grevillers Riegel, die

    nunmehrige 1 Linie, stiegen überall Leuchtraketen auf, die oft zwischen

    uns niederfielen, somit dem Feinde unseren Aufenthalt verrieten

    somit zischten auch dauernd Infanteriegeschose um uns her.

    R.I.R. 64 versuchte noch einmal vergebens den Graben

    wiederzuholen, desgleichen Lt. Müller (?) vom 1. G.R.R. am folgenden

    morgen, aber mit dem Erfolg, dass er das verlorengegangene

    M.G. der 1.M.G.K. bergen konnte. Auch fanden sich Unteroffz.

    Thiering und seine Leute mit Gerät, die vermisst worden waren

    wohlbehalten ein, sie waren, nachdem die Infanterie den Graben

    verlassen hatte, nach rechts ausgewichen, und hatten die Nacht

  • January 24, 2017 18:18:02 Rolf Kranz

    S. 190

    Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Leipziger

    Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

    lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf freiem

    Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

    Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

    Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

    fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu mir gesellte sich Einjähr[iger] Bratsch,

    ebenfalls als einziger seines M.G. von Warlencourt Riegel. Die

    Nacht brach herein, und somit konnte der neue

    Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

    ganze Nacht zu wachen, Patronen bekamen wir bald genug,

    denn die Infanterie sorgte in dieser Beziehung gut für uns.

    Weniger allerdings für Verpflegung, die unsrige lag irgendwo,

    aber auch hier wurde geholfen, ein Lt. und Komp.führer

    sorgte für uns. Die Nacht war ruhig, zur Neugruppierung, wurden

    am Morgen die M.Gs. durch die Reserve Gewehre neu besetzt.

    Da dies durch die Verluste ca 8 Verwundete (1 Zug, 3 Gewehrführer)

    die Besatzungen stark dezimiert waren. Mein M.G. kam

    in den Artilleriestand im Leiziger Graben. Vorn zog die 1. Komp.

    ein. Den ganzen Tag über hatten wir M.Gs zu reinigen,

    die alle verdreckt waren. Hier fanden wir auch unsere

    Verpflegung, pro Mann (durch das Ausfallen der Anderen)

    Büchsenfleisch, aber kein Brot. - Vor den Graben sahen wir

    oft Tommys von Loch zu Loch springen, auch mehrere kurze

    Feuerüberfälle, meist durch Minenwerfer fanden statt.

    Um 10.00 Abends brachte ich nochmals angefordertes Gerät


    S. 191

    zum M.G. im Granatloch, plauderte noch eine geraume Zeit

    und pilgerte Seelenruhig zurück, um dann auf Posten zu

    ziehen. Kaum war ich jedoch aufgezogen als ein neuer

    Angriff stattfand. Äusserst heftiges Minenwerferfeuer richtete sich

    auf den neuen Graben, auch schoss unsere Artillerie gleich

    Sperrfeuer. Unaufhörlich flammten die roten Sprengpunkte

    vor der Linie auf, dazwischen die Leuchtkugeln, welche die ganze

    Umgebung hell beleuchteten und im Pulverdampf vorspringende

    Schatten der Angeifer erkennen liessen, bald ertönte das dumpfe

    Geknalle der Handgranaten, die M.Gs knatterten schon längst.

    Ein schaurig schöner Anblick. - Aber wiederrum mussten

    wir die Stellung räumen, meiner Ansicht weil die Infanterie

    nicht standhielt. Kurz darauf erfolgte Befehl zur Räumung

    des Leipziger Grabens. Es ist ein eigenartiges Gefühl nachts nach

    einem Angriff die Stellung zu räumen, und erfordert

    Kaltblütigkeit und Ruhe des Führers. Aus dem Grevillers Riegel, die

    nunmehrige 1 Linie, stiegen überall Leuchtraketen auf, die oft zwischen

    uns niederfielen, somit dem Feinde unseren Aufenthalt verrieten

    somit zischten auch dauernd Infanteriegeschose um uns her.

    R.I.R. 64 versuchte noch einmal vergebens den Graben

    wiederzuholen, desgleichen Lt. Müller (?) vom 1. G.R.R. am folgenden

    morgen, aber mit dem Erfolg, dass er das verlorengegangene

    M.G. der 1.M.G.K. bergen konnte. Auch fanden sich Unteroffz.

    Thiering und seine Leute mit Gerät, die vermisst worden waren

    wohlbehalten ein, sie waren, nachdem die Infanterie den Graben

    verlassen hatte, nach rechts ausgewichen, und hatten die Nacht


  • January 24, 2017 18:11:49 Rolf Kranz
  • December 24, 2016 13:26:05 Corinna Pichler (AUT)

    S. 190

    Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Lepziger

    Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

    lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf seinem

    Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

    Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

    Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

    fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu nur gesellte sich Eingabr. Bratsch,

    ebenfalls als einziger seines M.G. von Warlencourt Riegel. Die

    Nacht brach herein, und somit konnte der neue

    Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

    ganze Nacht zu wachen, Patronen bekamen wir bald genug,

    denn die Infanterie sorgte in dieser Beziehung gut für uns.

    Weniger allerdings für Verpflegung, die unsrige lag irgendwo,

    aber auch hier wurde geholfen, ein Lt. und Komp.führer

    sorgte für uns. Die Nacht war ruhig, zur Neugruppierung, wurden

    am Morgen die M.Gs. durch die Reserve Gewehre neu besetzt.

    Da dies durch die Verluste ca 8 Verwundete (1 Zug, 3 Gewehrführer)

    die Besatzungen stark dezimiert waren. Mein M.G. kam

    in den Artilleriestand im Leiziger Graben. Vorn zog die 1. Komp.

    ein. Den ganzen Tag über hatten wir M.Gs zu reinigen,

    die alle verdreckt waren. Hier fanden wir auch unsere

    Verpflegung, pro Mann (durch das Ausfallen der Anderen)

    Büchsenfleisch, aber kein Brot. - Vor den Graben sahen wir

    oft Tommys von Loch zu Loch springen, auch mehrere kurze

    Feuerüberfälle, meist durch Minenwerfer fanden statt.

    Um 10.00 Abends brachte ich nochmals angefordertes Gerät


    S. 191

    zum M.G. im Granatloch, plauderte noch eine geraume Zeit

    und pilgerte Seelenruhig zurück, um dann auf Posten zu

    ziehen. Kaum war ich jedoch aufgezogen als ein neuer

    Angriff stattfand. Äusserst heftiges Minenwerferfeuer richtete sich

    auf den neuen Graben, auch schoss unsere Artellerie gleich

    Sperrfeuer. Unaufhörlich flammten die roten Sprengpunkte

    vor der Linie auf, dazwischen die Leuchtkugeln, welche die ganze

    Umgebung hell beleuchteten und im Pulverdampf vorspringende

    Schatten der Angeifer erkennen liessen, bald ertönte das dumpfe

    Geknalle der Handgranaten, die M.Gs knatterten schon längst.

    Ein schaurig schöner Anblick. - Aber wiederrum mussten

    wir die Stellung räumen, meiner Ansicht weil die Infanterie

    nicht standhielt. Kurz darauf erfolgte Befehlzur Räumung

    des Leipziger Grabens. Es ist ein eigenartiges Gefühl nachts nach

    einem Angriff die Stellung zu räumen, und erfordert

    Kaltblutigkeit und Ruhe des Führers. Aus dem Grevillers Riegel, die

    nunmehrige 1 Linie, stiegen überall Leuchtraketen auf, die oft zwischen

    uns niederfielen, somit dem Feinde unseren Aufenthalt verrieten

    somit zischten auch dauernd Infanteriegeschose um uns her.

    R.I.R. 64 versuchte noch einmal vergebens den Graben

    wiederzuholen, desgleichen Lt. Müller (?) vom 1. G.R.R. am folgenden

    morgen, aber mit dem Erfolg, dass er das verlorengegangenem

    M.G. der 1.M.G.K. bergen konnte. Auch fanden sich Unteroffz.

    Thierung und seine Leute mit Gerät, die vermisst worden waren

    wohlbehalten ein, sie waren, nachdem die Infanterie den Graben

    verlassen hatte, nach rechts ausgewichen, und hatten die Nacht


  • December 24, 2016 13:25:33 Corinna Pichler (AUT)

    S. 190

    Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Lepziger

    Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

    lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf seinem

    Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

    Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

    Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

    fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu nur gesellte sich Eingabr. Bratsch,

    ebenfalls als einziger seines M.G. von Warlencourt Riegel. Die

    Nacht brach herein, und somit konnte der neue

    Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

    ganze Nacht zu wachen, Patronen bekamen wir bald genug,

    denn die Infanterie sorgte in dieser Beziehung gut für uns.

    Weniger allerdings für Verpflegung, die unsrige lag irgendwo,

    aber auch hier wurde geholfen, ein Lt. und Komp.führer

    sorgte für uns. Die Nacht war ruhig, zur Neugruppierung, wurden

    am Morgen die M.Gs. durch die Reserve Gewehre neu besetzt.

    Da dies durch die Verluste ca 8 Verwundete (1 Zug, 3 Gewehrführer)

    die Besatzungen stark dezimiert waren. Mein M.G. kam

    in den Artilleriestand im Leiziger Graben. Vorn zog die 1. Komp.

    ein. Den ganzen Tag über hatten wir M.Gs zu reinigen,

    die alle verdreckt waren. Hier fanden wir auch unsere

    Verpflegung, pro Mann (durch das Ausfallen der Anderen)

    Büchsenfleisch, aber kein Brot. - Vor den Graben sahen wir

    oft Tommys von Loch zu Loch springen, auch mehrere kurze

    Feuerüberfälle, meist durch Minenwerfer fanden statt.

    Um 10.00 Abends brachte ich nochmals angefordertes Gerät


    S. 191

    zum M.G. im Granatloch, plauderte noch eine geraume Zeit

    und pilgerte Seelenruhig zurück, um dann auf Posten zu

    ziehen. Kaum war ich jedoch aufgezogen als ein neuer

    Angriff stattfand. Äusserst heftiges Minenwerferfeuer richtete sich

    auf den neuen Graben, auch schoss unsere Artellerie gleich

    Sperrfeuer. Unaufhörlich flammten die roten Sprengpunkte

    vor der Linie auf, dazwischen die Leuchtkugeln, welche die ganze

    Umgebung hell beleuchteten und im Pulverdampf vorspringende

    Schatten der Angeifer erkennen liessen, bald ertönte das dumpfe

    Geknalle der Handgranaten, die M.Gs knatterten schon längst.

    Ein schaurig schöner Anblick. - Aber wiederrum mussten

    wir die Stellung räumen, meiner Ansicht weil die Infanterie

    nicht standhielt. Kurz darauf erfolgte Befehlzur Räumung

    des Leipziger Grabens. Es ist ein eigenartiges Gefühl nachts nach

    einem Angriff die Stellung zu räumen, und erfordert

    Kaltblutigkeit und Ruhe des Führers. Aus dem Grevillers Riegel, die

    nunmehrige 1 Linie, stiegen überall Leuchtraketen auf, die oft zwischen

    uns niederfielen, somit dem Feinde unseren Aufenthalt verrieten

    somit zischten auch dauernd Infanteriegeschose um uns her.

    R.I.R. 64 versuchte noch einmal vergebens den Graben

    wiederzuholen, desgleichen Lt. Müller (?) vom 1. G.R.R. am folgenden

    morgen, aber mit dem Erfolg, dass er das verlorengegangenem

    M.G. der 1.M.G.K. bergen konnte. Auch fanden sich Unteroffz.

    Thierung und seine Leute mit Gerät, die vermisst worden waren

    wohlbehalten ein, sie waren, nachdem die Infanterie den Graben

    verlassen hatte, nach rechts ausgewichen, und hatten die


  • December 24, 2016 13:17:32 Corinna Pichler (AUT)

    S. 190

    Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Lepziger

    Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

    lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf seinem

    Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

    Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

    Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

    fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu nur gesellte sich Eingabr. Bratsch,

    ebenfalls als einziger seines M.G. von Warlencourt Riegel. Die

    Nacht brach herein, und somit konnte der neue

    Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

    ganze Nacht zu wachen, Patronen bekamen wir bald genug,

    denn die Infanterie sorgte in dieser Beziehung gut für uns.

    Weniger allerdings für Verpflegung, die unsrige lag irgendwo,

    aber auch hier wurde geholfen, ein Lt. und Komp.führer

    sorgte für uns. Die Nacht war ruhig, zur Neugruppierung, wurden

    am Morgen die M.Gs. durch die Reserve Gewehre neu besetzt.

    Da dies durch die Verluste ca 8 Verwundete (1 Zug, 3 Gewehrführer)

    die Besatzungen stark dezimiert waren. Mein M.G. kam

    in den Artilleriestand im Leiziger Graben. Vorn zog die 1. Komp.

    ein. Den ganzen Tag über hatten wir M.Gs zu reinigen,

    die alle verdreckt waren. Hier fanden wir auch unsere

    Verpflegung, pro Mann (durch das Ausfallen der Anderen)

    Büchsenfleisch, aber kein Brot. - Vor den Graben sahen wir

    oft Tommys von Loch zu Loch springen, auch mehrere kurze

    Feuerüberfälle, meist durch Minenwerfer fanden statt.

    Um 10.00 Abends brachte ich nochmals angefordertes Gerät


    S. 191

    zum M.G. im Granatloch, plauderte noch eine geraume Zeit

    und pilgerte Seelenruhig zurück, um dann auf Posten zu

    ziehen. Kaum war ich jedoch aufgezogen als ein neuer

    Angriff stattfand. Äusserst heftiges Minenwerferfeuer richtete sich

    auf den neuen Graben, auch schoss unsere Artellerie gleich

    Sperrfeuer.


  • December 24, 2016 13:15:25 Corinna Pichler (AUT)

    S. 190

    Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Lepziger

    Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

    lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf seinem

    Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

    Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

    Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

    fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu nur gesellte sich Eingabr. Bratsch,

    ebenfalls als einziger seines M.G. von Warlencourt Riegel. Die

    Nacht brach herein, und somit konnte der neue

    Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

    ganze Nacht zu wachen, Patronen bekamen wir bald genug,

    denn die Infanterie sorgte in dieser Beziehung gut für uns.

    Weniger allerdings für Verpflegung, die unsrige lag irgendwo,

    aber auch hier wurde geholfen, ein Lt. und Komp.führer

    sorgte für uns. Die Nacht war ruhig, zur Neugruppierung, wurden

    am Morgen die M.Gs. durch die Reserve Gewehre neu besetzt.

    Da dies durch die Verluste ca 8 Verwundete (1 Zug, 3 Gewehrführer)

    die Besatzungen stark dezimiert waren. Mein M.G. kam

    in den Artilleriestand im Leiziger Graben. Vorn zog die 1. Komp.

    ein. Den ganzen Tag über hatten wir M.Gs zu reinigen,

    die alle verdreckt waren. Hier fanden wir auch unsere

    Verpflegung, pro Mann (durch das Ausfallen der Anderen)

    Büchsenfleisch, aber kein Brot. - Vor den Graben sahen wir

    oft Tommys von Loch zu Loch springen, auch mehrere kurze

    Feuerüberfälle, meist durch Minenwerfer fanden statt.

    Um 10.00 Abends brachte ich nochmals angefordertes Gerät


    S. 191


  • December 24, 2016 13:11:29 Corinna Pichler (AUT)

    S. 190

    Gefr. Kempe, Kühn, ? und ich, gingen dann vor, der Lepziger

    Graben war ein Morast, in der Nähe des Artilleriestandes

    lagen schon mehrere Tote. Es wurde eine neue Stellung auf seinem

    Felde (rot punktierte Linie  - auf der Scizze) bezogen. Ein

    Granatloch, welches rasch vertieft war wurde unser M.G. Stand.

    Aber noch wenige Zeit später hatten wir 2 Verwundete, auch

    fiel als 3. Gefr. Kempe aus. Zu nur gesellte sich Eingabr. Bratsch,

    ebenfalls als einziger seines M.G. von Warlencourt Riegel. Die

    Nacht brach herein, und somit konnte der neue

    Verbindungsgraben gebaut werden. (rot punktierte Linie) Wir 2 hatten die

    ganze Nacht zu wachen.


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12796 / 168664
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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