Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 1, item 63

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S. 108

Foto 50

der Somme Offensive

aufgesucht. Damals

waren bereits die

ersten paar Schüsse

hineingegangen,

hatten aber noch

wenig Schaden

angerichtet, die

Bevölkerung wohnte

noch darin und der Charakter der kleinen, aber lebhaften

Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

Spitzenfabrikation, und einem darauf begründetem Handel

behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender die von den

Engländern herbeigeschleppten Geschütze waren und je näher sie sich

im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schon

viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

zurückkam, bin ich doch entsetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

ausgeschrien, und doch ist dort nur ein scharfbegrenzter Auschnitt

wenn ich nicht irre der 8Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

nach Löwen kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


S. 109

Foto 51: Bapaume


war durchaus die ganze Stadt vernichtet. So etwas hatte ich noch

nicht gesehen. Es ist heut darin buchstäblich nicht ein einziges

Haus unversehrt. Nicht so, dass gewisse, etwa besonders ausgesetzte,

Viertel mehr zerstört sind als andere, sondern die Engländer müssen

mit einer erstaunlichen Systematik alles ziemlich gleichmässig

abgestreut haben. Dieses plötzliche, unvermittelte Nebeneinander

des letzten Bildes, das ich von Bapaume in Erinnerung trug, und

dessen, was ich heute vor meinen Augen sah, war erschütternd:

Gespenstig, wie mit leeren Augenhöhlen, stehen in den Gassen

die zerfetzten Häuschen, zu beiden Seiten der Schuttbedeckten

Strassendämme. Das Rathaus ist noch nicht zusammengestürzt,

aber sein Turm ist zersplittert, und in den Saal über der

graziösen Bogengalerie ist eine Granate hiereingeschlagen und

hat das Innere verwüstet. Der General Faidherbe ist nicht

mehr da. Lange Zeit hat er in heroischer Haltung auf dem

Postament gestanden, und deutscher Soldatenhumor hatte an

den Sockel die Worte angeschrieben: "Aushalten! Durchhalten."

Dann aber haben die Boches das Standbild ihres angeblichen

Besiegers von 1871 gerettet; sie haben es in das Provinzialmuseums

von Cambrai gebracht. Heut ist der Sockel leer. Die Engländer

schiessen noch täglich hinein und vervollständigen das

Werk der Zerstörung. Das Städtchen hatte kurz vor seinen

Untergang noch unter den Deutschen selbst einen Historiker

gefunden. In der "Korps Verlagsbuchhandlung Bapaume" -

tempi passati - erschien ein sehr geschmackvoll gedrucktes Büchlein

vom Kriegsfreiwilligen Dr. Ehrhardt unter dem Titel: Aus Städten

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S. 108

Foto 50

der Somme Offensive

aufgesucht. Damals

waren bereits die

ersten paar Schüsse

hineingegangen,

hatten aber noch

wenig Schaden

angerichtet, die

Bevölkerung wohnte

noch darin und der Charakter der kleinen, aber lebhaften

Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

Spitzenfabrikation, und einem darauf begründetem Handel

behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender die von den

Engländern herbeigeschleppten Geschütze waren und je näher sie sich

im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schon

viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

zurückkam, bin ich doch entsetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

ausgeschrien, und doch ist dort nur ein scharfbegrenzter Auschnitt

wenn ich nicht irre der 8Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

nach Löwen kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


S. 109

Foto 51: Bapaume


war durchaus die ganze Stadt vernichtet. So etwas hatte ich noch

nicht gesehen. Es ist heut darin buchstäblich nicht ein einziges

Haus unversehrt. Nicht so, dass gewisse, etwa besonders ausgesetzte,

Viertel mehr zerstört sind als andere, sondern die Engländer müssen

mit einer erstaunlichen Systematik alles ziemlich gleichmässig

abgestreut haben. Dieses plötzliche, unvermittelte Nebeneinander

des letzten Bildes, das ich von Bapaume in Erinnerung trug, und

dessen, was ich heute vor meinen Augen sah, war erschütternd:

Gespenstig, wie mit leeren Augenhöhlen, stehen in den Gassen

die zerfetzten Häuschen, zu beiden Seiten der Schuttbedeckten

Strassendämme. Das Rathaus ist noch nicht zusammengestürzt,

aber sein Turm ist zersplittert, und in den Saal über der

graziösen Bogengalerie ist eine Granate hiereingeschlagen und

hat das Innere verwüstet. Der General Faidherbe ist nicht

mehr da. Lange Zeit hat er in heroischer Haltung auf dem

Postament gestanden, und deutscher Soldatenhumor hatte an

den Sockel die Worte angeschrieben: "Aushalten! Durchhalten."

Dann aber haben die Boches das Standbild ihres angeblichen

Besiegers von 1871 gerettet; sie haben es in das Provinzialmuseums

von Cambrai gebracht. Heut ist der Sockel leer. Die Engländer

schiessen noch täglich hinein und vervollständigen das

Werk der Zerstörung. Das Städtchen hatte kurz vor seinen

Untergang noch unter den Deutschen selbst einen Historiker

gefunden. In der "Korps Verlagsbuchhandlung Bapaume" -

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vom Kriegsfreiwilligen Dr. Ehrhardt unter dem Titel: Aus Städten


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  • March 26, 2017 21:58:29 Rolf Kranz

    S. 108

    Foto 50

    der Somme Offensive

    aufgesucht. Damals

    waren bereits die

    ersten paar Schüsse

    hineingegangen,

    hatten aber noch

    wenig Schaden

    angerichtet, die

    Bevölkerung wohnte

    noch darin und der Charakter der kleinen, aber lebhaften

    Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

    hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

    Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

    Spitzenfabrikation, und einem darauf begründetem Handel

    behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

    Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender die von den

    Engländern herbeigeschleppten Geschütze waren und je näher sie sich

    im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schon

    viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

    zurückkam, bin ich doch entsetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

    wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

    ausgeschrien, und doch ist dort nur ein scharfbegrenzter Auschnitt

    wenn ich nicht irre der 8Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

    Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

    nach Löwen kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

    wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


    S. 109

    Foto 51: Bapaume


    war durchaus die ganze Stadt vernichtet. So etwas hatte ich noch

    nicht gesehen. Es ist heut darin buchstäblich nicht ein einziges

    Haus unversehrt. Nicht so, dass gewisse, etwa besonders ausgesetzte,

    Viertel mehr zerstört sind als andere, sondern die Engländer müssen

    mit einer erstaunlichen Systematik alles ziemlich gleichmässig

    abgestreut haben. Dieses plötzliche, unvermittelte Nebeneinander

    des letzten Bildes, das ich von Bapaume in Erinnerung trug, und

    dessen, was ich heute vor meinen Augen sah, war erschütternd:

    Gespenstig, wie mit leeren Augenhöhlen, stehen in den Gassen

    die zerfetzten Häuschen, zu beiden Seiten der Schuttbedeckten

    Strassendämme. Das Rathaus ist noch nicht zusammengestürzt,

    aber sein Turm ist zersplittert, und in den Saal über der

    graziösen Bogengalerie ist eine Granate hiereingeschlagen und

    hat das Innere verwüstet. Der General Faidherbe ist nicht

    mehr da. Lange Zeit hat er in heroischer Haltung auf dem

    Postament gestanden, und deutscher Soldatenhumor hatte an

    den Sockel die Worte angeschrieben: "Aushalten! Durchhalten."

    Dann aber haben die Boches das Standbild ihres angeblichen

    Besiegers von 1871 gerettet; sie haben es in das Provinzialmuseums

    von Cambrai gebracht. Heut ist der Sockel leer. Die Engländer

    schiessen noch täglich hinein und vervollständigen das

    Werk der Zerstörung. Das Städtchen hatte kurz vor seinen

    Untergang noch unter den Deutschen selbst einen Historiker

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  • January 14, 2017 17:02:35 Rolf Kranz

    S. 108

    Foto 50

    der Somme Offensive

    aufgesucht. Damals

    waren bereits die

    ersten paar Schüsse

    hineingegangen

    hatten aber noch

    wenig Schaden

    angerichtet, die

    Bevölkerung wohnte

    noch darin und der Charakter der kleinen, aber lebhaften

    Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

    hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

    Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

    Spitzenfabrikation, und einem darauf begründetem Handel

    behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

    Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender die von den

    Engländern herbeigeschleppten Geschütze waren und je näher sie sich

    im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schon

    viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

    zurückkam, bin ich doch entsetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

    wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

    ausgeschrien, und doch ist dort nur ein scharfbegrenzter Auschnitt

    wenn ich nicht irre der 8 Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

    Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

    nach Löwen kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

    wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


    S. 109

    Foto 51: Bapaume


    war durchaus die ganze Stadt vernichtet. So etwas hatte ich noch

    nicht gesehen. Es ist heut darin buchstäblich nicht ein einziges

    Haus unversehrt. Nicht so, dass gewisse, etwa besonders ausgesetzte,

    Viertel mehr zerstört sind als andere, sondern die Engländer müssen

    mit einer erstaunlichen Systematik alles ziemlich gleichmässig

    abgestreut haben. Dieses plötzliche, unvermittelte Nebeneinander

    des letzten Bildes, das ich von Bapaume in Erinnerung trug, und

    dessen, was ich heute vor meinen Augen sah, war erschütternd:

    Gespenstig, wie mit leeren Auggenhöhlen, stehen in den Gassen

    die zerfetzten Häuschen, zu beiden Seiten der Schuttbedeckten

    Strassendämme. Das Rathaus ist noch nicht zusammengestürzt,

    aber sein Turm ist zersplittert, und in den Saal über der

    graziösen Bogengalerie ist eine Granate hiereingeschlagen und

    hat das Innere verwüstet. Der General Faidherbe ist nicht

    mehr da. Lange Zeit hat er in heroischer Haltung auf dem

    Postament gestanden, und deutscher Soldatenhumor hatte an

    den Sockel die Worte angeschrieben: "Aushalten! Durchhalten."

    Dann aber haben die Boches das Standbild ihres angeblichen

    Besiegers von 1871 gerettet; sie haben es in das Provinzialmuseums

    von Cambrai gebracht. Heut ist der Sockel leer. Die Engländer

    schiessen noch täglich hinein und vervollständigen das

    Werk der Zerstörung. Das Städtchen hatte kurz vor seinen

    Untergang noch unter den Deutschen selbst einen Historiker

    gefunden. In der "Korps Verlagsbuchhandlung Bapaume" -

    tempi passati - erschien ein sehr geschmackvoll gedrucktes Büchlein

    vom Kriegsfreiwilligen Dr. Ehrhardt unter dem Titel: Aus Städten


  • December 20, 2016 16:33:50 Corinna Pichler (AUT)

    S. 108

    Foto 50


    der Sommeroffensive

    aufgesucht. Damals

    waren berits die

    ersten paar Schüsse

    hineingegangen

    hatten aber noch

    wenig Schaden

    angerichtet, die

    Bevölkerung wohnte

    noch darin und der Eharakter der kleinen, aber lebhaften

    Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

    hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

    Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

    Spitzenfabrikation, und einem darauf behründeten Handel

    behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

    Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender dei von den

    Engländern herbeigeschlepten Geschütze waren und je näher sie sich

    im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schn

    viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

    zurückkam, bin ich doch ensetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

    wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

    ausgeschrien, und doch ist dort nur en scharflagrenzenter Auschnitt

    wenn ich nicht irre der 8 Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

    Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

    nach Löwn kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

    wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


    S. 109

    Foto 51: Bapaume


    war durchaus die ganze Stadt vernichtet. So etwas hatte ich noch

    nicht gesehen. Es ist  ... darin buchstäblich nicht ein einziges

    Haus unversehrt. Nicht so, dass gewisse, etwa besonders ausgesetzt,

    Viertel mehr zerstört sind als andere, sondern die Engländer müssen

    mit einer erstaunlichen Systematik alles ziemlich gleichmässig

    abgestreut haben. Dieses plötzlich, unvermittelte Nebeneinander

    des letzten Bildes, das ich von Bapaume in Erinnerung trug, und

    dessen, was ich heute vor meinen Augen sah, war erschütternd:

    Gespenstig, wie mit leeren Auggenhöhlen, stehen in den Gassen

    die zerfetzten Häuschen, zu beiden Sälen der Schuttbedeckten

    Strassendämme. Das Rathaus ist noch nicht zusammengestürzt,

    aber sein Turm ist zersplittert, und in den Saal über der

    graziösen Bogengalerie ist eine Granate hiereingeschlagen und

    hat das Innere verwüstet. Der General Faidlarbe ist nicht

    mehr da. Lange Zeit hat er in heroischer Haltung auf dem

    Postament gestanden, und deutscher Soldatenkamer. hatte an

    den Sockel die Worte angeschrieben: "Aushalten! Durchhalten."

    Dann aber haben die Beitzer das Standbild ihres angeblichen

    Besiegers von 1871 gerettet; sie haben es in das Provinzialmuseums

    von Cambrai gebracht. Heut ist der Sockel leer. Die Engländer

    schiessen noch täglich hinein und vervollständigen das

    Werk der Zerstörung. Das Städtchen hatte kurz vor seinen

    Untergang noch unter den Deutschen selbst einen Historiker

    gefunden. In der "Korps Verlagsbuchhandlung Bapaume" -

    Lempipassati - erschien ein sehr geschmackvoll gedrucktes Büchlein

    von Kriegsfreiwilligen Dr. Lehrhumelt unter dem Titel: Aus Städter


  • December 20, 2016 16:24:15 Corinna Pichler (AUT)

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    Foto 50


    der Sommeroffensive

    aufgesucht. Damals

    waren berits die

    ersten paar Schüsse

    hineingegangen

    hatten aber noch

    wenig Schaden

    angerichtet, die

    Bevölkerung wohnte

    noch darin und der Eharakter der kleinen, aber lebhaften

    Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

    hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

    Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

    Spitzenfabrikation, und einem darauf behründeten Handel

    behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

    Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender dei von den

    Engländern herbeigeschlepten Geschütze waren und je näher sie sich

    im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schn

    viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

    zurückkam, bin ich doch ensetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

    wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

    ausgeschrien, und doch ist dort nur en scharflagrenzenter Auschnitt

    wenn ich nicht irre der 8 Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

    Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

    nach Löwn kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

    wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


    S. 109

    Foto 51: Bapaume


    war durchaus die ganze Stadt vernichtet. So etwas hatte ich noch

    nicht gesehen. Es ist  ... darin buchstäblich nicht ein einziges

    Haus unversehrt. Nicht so, dass gewisse, etwa besonders ausgesetzt,

    Viertel mehr zerstört sind als andere, sondern die Engländer müssen

    mit einer erstaunlichen Systematik alles ziemlich gleichmässig

    abgestreut haben. Dieses plötzlich, unvermittelte Nebeneinander

    des letzten Bildes das ich

    : "Aushalten! Durchhalten."

    Dann aber haben die Beitzer das Standbild ihres angeblichen

    Besiegers von 1871 gerettet; sie haben es in das Provinzialmuseums

    von Cambrai gebracht. Heut ist der Sockel leer. Die Engländer

    schiessen noch täglich hinein und vervollständigen das

    Werk der Zerstörung. Das Städtchen hatte kurz vor seinen

    Untergang noch unter den Deutschen selbst einen Historiker

    gefunden. In der "Korps Verlagsbuchhandlung Bapaume" -

    Lempipassati - erschien ein sehr geschmackvoll gedrucktes Büchlein

    von Kriegsfreiwilligen Dr. Lehrhumelt unter dem Titel: Aus Städter


  • December 20, 2016 16:20:58 Corinna Pichler (AUT)

    S. 108

    Foto 50


    der Sommeroffensive

    aufgesucht. Damals

    waren berits die

    ersten paar Schüsse

    hineingegangen

    hatten aber noch

    wenig Schaden

    angerichtet, die

    Bevölkerung wohnte

    noch darin und der Eharakter der kleinen, aber lebhaften

    Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

    hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

    Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

    Spitzenfabrikation, und einem darauf behründeten Handel

    behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

    Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender dei von den

    Engländern herbeigeschlepten Geschütze waren und je näher sie sich

    im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schn

    viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

    zurückkam, bin ich doch ensetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

    wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

    ausgeschrien, und doch ist dort nur en scharflagrenzenter Auschnitt

    wenn ich nicht irre der 8 Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

    Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

    nach Löwn kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

    wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


    S. 109

    Foto 51: Bapaume


    war durchaus die ganze Stadt vernichtet. So etwas hatte ich noch

    nicht gesehen. Es ist  ... darin buchstäblich nicht ein einziges

    Haus unversehrt. Nicht so, dass gewisse, etwa besonders ausgesetzt,

    Viertel mehr zerstört sind als andere, sondern die Engländer müssen

    mit einer erstaunlichen Systematik alles ziemlich gleichmässig

    abgestreut haben. Dieses plötzlich, unvermittelte Nebeneinander

    des letzten Bildes das ich



  • December 20, 2016 16:19:06 Corinna Pichler (AUT)

    S. 108

    Foto 50


    der Sommeroffensive

    aufgesucht. Damals

    waren berits die

    ersten paar Schüsse

    hineingegangen

    hatten aber noch

    wenig Schaden

    angerichtet, die

    Bevölkerung wohnte

    noch darin und der Eharakter der kleinen, aber lebhaften

    Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

    hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

    Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

    Spitzenfabrikation, und einem darauf behründeten Handel

    behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

    Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender dei von den

    Engländern herbeigeschlepten Geschütze waren und je näher sie sich

    im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schn

    viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

    zurückkam, bin ich doch ensetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

    wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

    ausgeschrien, und doch ist dort nur en scharflagrenzenter Auschnitt

    wenn ich nicht irre der 8 Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

    Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

    nach Löwn kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

    wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


    S. 109

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    war durchaus die ganze Stadt vernichtet. So etwas hatte ich noch

    nicht gesehen.


  • December 20, 2016 16:18:31 Corinna Pichler (AUT)

    S. 108

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    der Sommeroffensive

    aufgesucht. Damals

    waren berits die

    ersten paar Schüsse

    hineingegangen

    hatten aber noch

    wenig Schaden

    angerichtet, die

    Bevölkerung wohnte

    noch darin und der Eharakter der kleinen, aber lebhaften

    Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

    hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

    Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

    Spitzenfabrikation, und einem darauf behründeten Handel

    behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

    Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender dei von den

    Engländern herbeigeschlepten Geschütze waren und je näher sie sich

    im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schn

    viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

    zurückkam, bin ich doch ensetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

    wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

    ausgeschrien, und doch ist dort nur en scharflagrenzenter Auschnitt

    wenn ich nicht irre der 8 Teil der Stadt etwa, zerstört worden.

    Alles übrige blieb ganz unversehrt, so dass ich, als ich das erste Mal

    nach Löwn kam, von der anderen Seite her, es zunächst garnicht glauben

    wollte, und meinte, der Chauffeur hätte sich verfahren. Hier dagegen


    S. 109


  • December 20, 2016 16:17:23 Corinna Pichler (AUT)

    S. 108

    Foto 50


    der Sommeroffensive

    aufgesucht. Damals

    waren berits die

    ersten paar Schüsse

    hineingegangen

    hatten aber noch

    wenig Schaden

    angerichtet, die

    Bevölkerung wohnte

    noch darin und der Eharakter der kleinen, aber lebhaften

    Provinzstadt, die sich im Frieden, wie das ganze umliegende Gebiet

    hier, von der mannigfachen Industrie, der Herstellung von

    Rübenzucker, von Öl und Seife, von Töpfereien, der Strumpfweberei und

    Spitzenfabrikation, und einem darauf behründeten Handel

    behaglich genährt hatte, war noch gewahrt. Seitdem aber hat die

    Beschiessung immer mehr zugenommen, je weittragender dei von den

    Engländern herbeigeschlepten Geschütze waren und je näher sie sich

    im Lauf der Monate an Bepaume heranarbeiteten. Ich hatte schn

    viel gehört davon. Als ich aber in der vorigen Woche wieder dorthin

    zurückkam, bin ich doch ensetzt gewesen. Die Zerstörung von Löwen

    wird bekanntlich in der Welt als das non plus ultra von Verwüstung

    ausgeschrien, und doch ist dort nur en scharflagrenzenter Auschnitt

    wenn ich nicht irre der 8 Teil der Stadt etwa, zerstört worden.



    S. 109


Description

Save description
  • 50.104438||2.850171||

    Bapaume

  • 51.14917321173399||14.993941222412104||

    Görlitz

    ||1
Location(s)
  • Story location Görlitz
  • Document location Bapaume
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ID
12796 / 168614
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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