Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 1, item 46

Edit transcription:
...
Transcription saved
Enhance your transcribing experience by using full-screen mode

Transcription

You have to be logged in to transcribe. Please login or register and click the pencil-button again

S. 75

So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

öfteren platzten Schrappnels dicht über uns und schickten ihre

Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

Boden. Aber man gewöhnt sich daran.

Man schläft sogar

und liesst irgendein

Stück steinalte

Zeitung, die zerknüllt

und speckig, als

Einwickelpapier irgend

einer Liebesgabe

gedient hatte.

Tagsüber wartet man


Foto 26: Granateneinschlag


eben auf den Abend.

Und um sich die vom

kauern krumm +

lahmgelegenen Beine

und Gliedmassen

wieder gelenkig zu

laufen. Dann

mit anbrechender

Dunkelheit werden

die Postenlöcher wieder

dichter besetzt, und

man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

angestekt schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


S. 76

denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

Schwung und es ist auf Deckung, Patronenkästen auf, geladen, tack tack

tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

und dann folgt Schuss auf Schuss von hüben und drüben. Die

Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Bersten, und

weisse Nebelwolken verschleiern die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

langsam ebbt, das Getöse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Leuchtkugeln häufiger auf,

nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.

Transcription saved

S. 75

So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

öfteren platzten Schrappnels dicht über uns und schickten ihre

Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

Boden. Aber man gewöhnt sich daran.

Man schläft sogar

und liesst irgendein

Stück steinalte

Zeitung, die zerknüllt

und speckig, als

Einwickelpapier irgend

einer Liebesgabe

gedient hatte.

Tagsüber wartet man


Foto 26: Granateneinschlag


eben auf den Abend.

Und um sich die vom

kauern krumm +

lahmgelegenen Beine

und Gliedmassen

wieder gelenkig zu

laufen. Dann

mit anbrechender

Dunkelheit werden

die Postenlöcher wieder

dichter besetzt, und

man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

angestekt schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


S. 76

denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

Schwung und es ist auf Deckung, Patronenkästen auf, geladen, tack tack

tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

und dann folgt Schuss auf Schuss von hüben und drüben. Die

Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Bersten, und

weisse Nebelwolken verschleiern die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

langsam ebbt, das Getöse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Leuchtkugeln häufiger auf,

nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


Transcription history
  • March 26, 2017 09:20:59 Rolf Kranz

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnels dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aber man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    kauern krumm +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angestekt schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronenkästen auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hüben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Bersten, und

    weisse Nebelwolken verschleiern die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getöse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Leuchtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.

  • January 13, 2017 23:55:03 Rolf Kranz

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnels dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    kauern krumm +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angestekt schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronenkästen auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hüben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Bersten, und

    weisse Nebelwolken verschleiern die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getöse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Leuchtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:26:00 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Bersten, und

    weisse Nebelwolken resselliern die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Leuchtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:25:28 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Bersten, und

    weisse Nebelwolken ressellieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Leuchtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:24:48 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Bersten, und

    weisse Nebelwolken ressellieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:24:29 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Bersten, und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:24:11 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte spritzen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:23:47 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:23:23 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zur Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:23:13 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dorten gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch und höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:22:49 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dorten kommen die dumpfen Schläge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:22:35 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dorten zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:22:23 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, fiebernd

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:21:55 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf Deckung, Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:21:42 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst eins, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:21:28 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    dazwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:21:06 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer Knall, dem 3, 4 andere

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:20:23 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.Gs. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:20:17 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn,

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:19:47 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Tak tak

    der M.Gs. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:19:20 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Leuchtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:19:13 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert wieder ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:19:05 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauemn,hämmern +

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu

    laufen. Dann

    mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt, und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:18:13 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    bauem kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:17:44 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto 26: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:17:32 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgend

    einer Liebesgabe

    gedient hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:17:02 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und speckig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:16:41 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einschlag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:16:34 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einsellag zitternden

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:16:11 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem Einsellag dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:15:34 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fielen auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:15:07 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schickten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fuhren auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:15:02 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappnell dicht über uns und schiekten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fuhren auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:14:48 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und sehen uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappell dicht über uns und schiekten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fuhren auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 27, 2016 21:14:41 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und steken uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappell dicht über uns und schiekten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fuhren auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 20, 2016 08:32:32 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und ... uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappell dicht über uns und schiekten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fuhren auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, ergeht, gurgelnd und surrend

    nach vorn. Drei, vier Sprengpunkte sprechen kurz nebeneinander auf,

    und dann folgt Schuss auf Schuss von hieben und drüben. Die

    Hölle ist los. Ohrenbetäubend ist das Krachen und Berstem und

    weisse Nebelwolken resedieren die Erde, so dass die Leuchtkugeln nur

    mühsam mit ihrem Licht hindurchdringen. Immer und immer

    steigen gelbe Raketen auf, bis sie nach einer Stunde verschwinden,

    langsam ebbt, das Getäse ab, ein Geschütz nach dem andern schweigt,

    ebenso die M.Gs, paarmal noch steigen Lichtkugeln häufiger auf,

    nochmals hallt heiser ein M.G., dann ist wieder still, bis auf den

    immerwährenden Donner von nah und fern, rechts + links, vorn und hinten.


  • December 20, 2016 08:27:25 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und ... uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappell dicht über uns und schiekten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fuhren auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76

    denn des Nachts stecken die Gewehrschüsse an. Wir sind wieder am

    minieren, haben uns warm gearbeitet und wischen uns mit schmutzigen

    Händen den Schweiss aus der Stirn. Da, ein scharfer KNall, dem 3, 4 anderer

    folgen, und wieder, und wieder, andauernd jetzt. MGs hämmern

    derzwischen erst ein, dann zwei, mehrere, das dumpfe Krachen

    von Handgranaten ertönt. Mit einem Sprung sind wir am Gewehr, ein

    Schwung und es ist auf ..., Patronentasten auf, geladen, tack tack

    tack, paar Schuss raus, hoch in die Nacht. Es ist in Ordnung, ...

    beobachten wir nach rechts herüber, dortin zucken unaufhörlich Feuergarben

    auf, von dortin kommen die dumpfen Schlüge der Wurfgranaten, und

    dortin gehen auf paar hundert Meterlänge unaufhörlich

    Leuchtkugeln hoch. Eine Rakete hastet hoch ud höher, platzt und lässt

    2 gelbe Sterne zu Erde fallen; gleich darauuf noch eine, weiter hinter

    wird das Signal wiederholt, noch weiter hinten ebenfalls an 3 Stellen

    fast gleichzeitig und paar Sekunden später, krachts im Rücken 3, 4 mal.

    Die erste Salve, einer unserer Batterien, er


  • December 20, 2016 08:17:39 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und ... uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappell dicht über uns und schiekten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fuhren auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.

    Denn mit anbrechender

    Dunkelheit werden

    die Postenlöcher wieder

    dichter besetzt und

    man stiert weiter ins Dunkle. Beobachet die Lichtkugeln, die

    mitunterlang irgend ein Stück Erde beleuchten, und hört aufs Taktak

    der M.G. die eingeschossen werden. - Nichts von Besonderheit wird

    wahrgenommen. Da plötzlich steigen in schneller Folge mehrere

    Leuchtkugeln auf, Schüsse knallen, ein M.G. hämmert. Die Nachbarn

    angesteht schiessen auch, andere M.G. fallen ein. Haben sie was

    beobachtet, schwerlich, so ists jede Nacht, irgendjemand glaubt etwas

    gesehen zu haben und ballert drauf los, andere zum Zeitvertreib mit,


    S. 76



  • December 20, 2016 08:12:30 Corinna Pichler (AUT)

    S. 75

    So hausten wir Tage und Nächte im Graben, und ... uns

    gegenseitig an. Am Tage war das Feuer lebhaft geworden, des

    öfteren platzten Schrappell dicht über uns und schiekten ihre

    Bleikugeln in den Graben, wo sie in der Wand stecken blieben, oder

    auf den Boden rollten, auch Granaten waren paarmal in der Nähe

    geplatzt und rissen neue Löcher zu den Alten, und Erdklumpen

    fuhren auch bei uns hernieder auf den bei jedem hin ...... dem

    Boden. Aller man gewöhnt sich daran.

    Man schläft sogar

    und liesst irgendein

    Stück  steinalte

    Zeitung, die zerknüllt

    und spielig, als

    Einwickelpapier irgendeiner

    lieber gabe gedient

    hatte.

    Tagsüber wartet man


    Foto: Granateneinschlag


    eben auf den Abend.

    Und um sich die vom

    Bauern kommen t

    lahmgelegenen Beine

    und Gliedmassen

    wieder gelenkig zu laufen.


    S. 76


  • December 19, 2016 17:01:49 Corinna Pichler (AUT)

Description

Save description
  • 51.14917321173399||14.993941222412104||

    Görlitz

    ||1
Location(s)
  • Story location Görlitz
Login and add location


ID
12796 / 168597
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
Licence
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


Login to edit the languages

Login to edit the fronts
  • Western Front

Login to add keywords
  • Artillery
  • Propaganda
  • Recruitment and Conscription
  • Trench Life

Login and add links

Notes and questions

Login to leave a note