Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 1, item 39

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S. 61

      Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11:00 kam

unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug von

dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

"Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

fand sich dann auch. - In stockdusterer Nacht harrten wir

der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1:00 nachts

Abmarsch. Am dunklen Horizont gehen Leuchtkugeln hoch         27. VIII.16.

steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus dem

er zu kommen scheint, das ist die Front, die vorderste Linie.

Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

von hunderten von ehernen Mäulern, die sich auftun ihre

Eisensaaten Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


S. 62

überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

Pferdeenkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6:00 ging es

schon weiter. Haplincourt-Bancourt-Bapaume. Sonntag

wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

liegen auf deinem Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.D. meldeten wir uns, der 2te

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S. 61

      Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11:00 kam

unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug von

dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

"Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

fand sich dann auch. - In stockdusterer Nacht harrten wir

der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1:00 nachts

Abmarsch. Am dunklen Horizont gehen Leuchtkugeln hoch         27. VIII.16.

steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus dem

er zu kommen scheint, das ist die Front, die vorderste Linie.

Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

von hunderten von ehernen Mäulern, die sich auftun ihre

Eisensaaten Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


S. 62

überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

Pferdeenkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6:00 ging es

schon weiter. Haplincourt-Bancourt-Bapaume. Sonntag

wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

liegen auf deinem Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.D. meldeten wir uns, der 2te


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  • March 26, 2017 21:16:11 Rolf Kranz

    S. 61

          Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11:00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug von

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdusterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1:00 nachts

    Abmarsch. Am dunklen Horizont gehen Leuchtkugeln hoch         27. VIII.16.

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus dem

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vorderste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ehernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensaaten Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeenkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6:00 ging es

    schon weiter. Haplincourt-Bancourt-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinem Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.D. meldeten wir uns, der 2te

  • March 25, 2017 22:18:49 Rolf Kranz

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11:00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug von

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdusterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1:00 nachts

    Abmarsch. Am dunklen Horizont gehen Leuchtkugeln hoch         27. VIII.16.

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus dem

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vorderste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ehernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensaaten Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeenkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6:00 ging es

    schon weiter. Haplincourt-Bancourt-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinem Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.D. meldeten wir uns, der 2te


  • March 25, 2017 22:17:02 Rolf Kranz

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11:00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug von

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdusterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1:00 nachts

    Abmarsch. Am dunklen Horizont gehen Leuchtkugeln hoch         27. VIII.16.

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus dem

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vorderste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ehernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensaaten Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeenkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6:00 ging es

    schon weiter. Haplincourt-Beincourt-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinem Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.D. meldeten wir uns, der 2te


  • March 25, 2017 22:13:46 Rolf Kranz

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11:00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug von

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdusterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1:00 nachts

    Abmarsch. Am dunklen Horizont gehen Leuchtkugeln hoch         27. VIII.16.

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus dem

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vorderste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ehernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensaaten Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeenkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6:00 ging es

    schon weiter. Haplincourt-Reincourt-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinem Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.D. meldeten wir uns, der 2te


  • January 13, 2017 23:02:17 Rolf Kranz

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug von

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII.16.] Am dunklen Horizont gehen Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus dem

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ehernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensaaten Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeenkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haplincourt-Reincourt-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinem Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 25, 2016 10:52:21 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII.16.] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensä[u]len Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeexkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haplincourt-Reincourt-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinen Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 25, 2016 10:47:25 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII.16.] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensä[u]len Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeexkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haplinecourt-Reincourt-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen Namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinen Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto 24: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 25, 2016 10:45:23 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII.16.] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensä[u]len Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Scheune Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeexkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haptinevart-Reineviert-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinen Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 25, 2016 10:45:13 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII.16.] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensä[u]len Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin umher, bis wir in einer Schleuse Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeexkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haptinevart-Reineviert-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinen Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 25, 2016 10:45:05 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII.16.] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensä[u]len Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zunächst

    im Kreise darin unter, bis wir in einer Schleuse Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeexkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haptinevart-Reineviert-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinen Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 25, 2016 10:44:38 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII.16.] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensä[u]len Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen, fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zurrück

    im Kreise darin unter, bis wir in einer Schleuse Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeexkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haptinevart-Reineviert-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinen Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 25, 2016 10:44:22 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit seinen 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fand sich dann auch. - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser Führer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII.16.] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensä[u]len Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zurrück

    im Kreise darin unter, bis wir in einer Schleuse Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeexkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haptinevart-Reineviert-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinen Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 19, 2016 14:33:22 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit sinem 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fans sich dann auch, - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser FÜhrer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII 16] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensälen Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen fangen wir schon an zu


    S. 62

    überhören. Eine Neugierde trieb uns vorwärts, es konnte nicht

    schnell genug gehen, wir erreichten ein Dorf, rannten aber zurrück

    im Kreise darin unter, bis wir in einer Schleuse Quartier

    bezogen. Noch war die Streu warm, es stank zwar nach

    Pferdeexkrienemten, aber wir schliefen nach den ersten Murren

    wie in Abrahams Schloss. - Aber nicht lange um 6.00 ging es

    schon weiter. Haptinevart-Reineviert-Bapaume. Sonntag

    wars, vor 8 Tagen läuteten uns noch die Glocken der

    Reichshauptstadt, heute drönten Kanonen. Bapaume - wie oft noch

    hörten wir deinen namen? wie viel von unseren Kameraden

    liegen auf deinen Kirchhof? - aber heute wussten wir von all

    dem noch nichts. Hier war äusserst lebhafter Betrieb wie in


    Foto: Ansicht der Stadt Bapaume vor dem Kriege.


    jeder Etappenstadt, dicht hinter der Front. Noch waren Zivilisten

    da, selbst Frauen, aber sie verschwanden im Feldgrau Tausender.

    Beim Geschäftszimmer der 1. G.R.R. meldeten wir uns, der 2te


  • December 19, 2016 14:26:38 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.

    Mühsam kletterte man herunter mit sinem 7 Sachen. 29

    Mann waren von uns zur Stelle der 30. pennte irgendwo und

    fans sich dann auch, - In stockdüsterer Nacht harrten wir

    der Dinge die kommen sollten, unser FÜhrer erkundigte

    sich erst telephonisch über das "Wohin". Um 1.00 nachts

    Abmarsch. [27. VIII 16] Am dunklen Horizont geben Leuchtkugeln hoch

    steil steigen sie an, beleuchten einen bestimmten Fleck, und

    neigen sich in sanften Bogen zur Erde nieder, verlöschen,

    andere treten an ihre Stelle, und so steigt Stern um Stern hoch,

    leuchtet einige Sekunden, und taucht in das Nichts aus de

    er zu kommen scheint, das ist die Front, die vordeste Linie.

    Noch sind wir weit, weit ab um irgendwas zu sehen, dafür

    begleitet uns aber seit 24 Stunden das eintönige Donnern

    von hunderten von ebernen Mäulern, die sich auftun ihre

    Eisensälen Freund und Feind entgegen zu schleuden. Und dieses

    Geräusch, das wir erst seit gestern kennen fangen wir schon an zu



    S. 62


  • December 19, 2016 14:18:22 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem. Um 11.00 kam

    unter Pusten und Fauchen der Transportzug, alle Wagen voll

    beladen, aber alle mussten wir mit, also auf eigene Faust

    ein Plätzel erobert. Ich fand mit Stoch auf einem

    Schotterwagen Platz. Langsam, ganz behutsam rollte der Zug vn

    dannen, es fing an zu regnen, zum Glück nur paar Minuten,

    und die Zeltbahn trat erstmalig in praktische Verwendung.

    "Velu" Endstation. Kein Mond, kein Stern, keine Laterne,

    nur das Aufblitzen der Taschenlampen, alle Mann raus.



    S. 62


  • December 19, 2016 14:14:43 Corinna Pichler (AUT)

    S. 61

    Als wir müde wurden und vom Bahnhof, nicht runter durften

    machten wir es uns auf blanker Erde bequem.



    S. 62


Description

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  • 50.104438||2.850171||

    Bapaume

  • 50.090228||2.931426||

    Haplincourt

  • 50.1012119||2.890065||

    Bancourt

  • 51.14917321173399||14.993941222412104||

    Görlitz

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ID
12796 / 168590
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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