Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 99

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Seitenzählung 88R

Den andern Bttrn. waren wir um km voraus, so daß

es uns schon unheimlich wurde, daß wir keine Menschen-

seele weit u. breit antrafen u. schließlich glaubten,

in eine Falle marschiert zu sein. Endlich erreichten

wir totmüde unser angewiesenes Quartier, ein

allein liegendes Gehöft, Lekirtowa, das von einer

russ. Flüchtlingsfamilie bewohnt wurde. - Uns graute

vor unserm Quartier, das von Dreck u. Schmutz einfach

starrte. Ein kleines Zimmer säuberten wir uns u.

legten uns, nachdem wir Feuer angemacht hatten, auf

einem Weidenbüdel schlafen. Gegen 12h weckte uns

der Ruf "Die Feldküche ist da" Schnell wollten wir

aufspringen, aber der beißende Qualm, der dicker

war als dick, zwang uns auf das Lager zurück.

Auf allen Vieren kriechend, gelangten wir zu Türe.

Und nun merkten wir auch, daß wir den Ofen-

schieber im Hausflur nicht herausgezogen hatten.

19. Februar 1918.

Morgens erwachten wir frierend u. Zähne klappernd bei

einer Kälte von -30°. Ich machte mich sofort auf den

Seitenzählung 89

Weg zur 9 Bttr., um meine Decken zu holen. Dann

bratete ich mir ein Stück Fleisch am Spieße, das etwas

zähe war, aber ganz gut schmeckte. Kurzer Marsch

nach Kleinmannsrode, wo wir Quartier bezogen.

20. Februar 1918.

Aussuchen der F-St zum Schutze des Dünaübergangs.

Auf dem Wege trafen wir ungefähr 25 russ. Schlitten,

die die Opfer der Revolution, die am Tage unseres Vor-

marsches durch die rote Garde in Dünaburg gefallen

waren, fortführten von dem Ort der blutigen Tat.

21. Februar 1918.

Besuch Dünaburgs. Auf dem Wege sah man ganze Reihen

von Pferden, die von den Russen erschossen waren u

woran sich jetzt wilde Hunde u. Raben labten. -

Dünaburg ist ein kläglicher Ort, mit dem Namen Stadt

garnicht zu bezeichnen. Wahl- u. stillos alles aufge-

baut u. hingekleckst. Das einzig Interessante waren

die Kirchen. Schwer enttäuscht kehrten wir zurück.

Nachmittags Umzug nach Kibernicki.

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Seitenzählung 88R

Den andern Bttrn. waren wir um km voraus, so daß

es uns schon unheimlich wurde, daß wir keine Menschen-

seele weit u. breit antrafen u. schließlich glaubten,

in eine Falle marschiert zu sein. Endlich erreichten

wir totmüde unser angewiesenes Quartier, ein

allein liegendes Gehöft, Lekirtowa, das von einer

russ. Flüchtlingsfamilie bewohnt wurde. - Uns graute

vor unserm Quartier, das von Dreck u. Schmutz einfach

starrte. Ein kleines Zimmer säuberten wir uns u.

legten uns, nachdem wir Feuer angemacht hatten, auf

einem Weidenbüdel schlafen. Gegen 12h weckte uns

der Ruf "Die Feldküche ist da" Schnell wollten wir

aufspringen, aber der beißende Qualm, der dicker

war als dick, zwang uns auf das Lager zurück.

Auf allen Vieren kriechend, gelangten wir zu Türe.

Und nun merkten wir auch, daß wir den Ofen-

schieber im Hausflur nicht herausgezogen hatten.

19. Februar 1918.

Morgens erwachten wir frierend u. Zähne klappernd bei

einer Kälte von -30°. Ich machte mich sofort auf den

Seitenzählung 89

Weg zur 9 Bttr., um meine Decken zu holen. Dann

bratete ich mir ein Stück Fleisch am Spieße, das etwas

zähe war, aber ganz gut schmeckte. Kurzer Marsch

nach Kleinmannsrode, wo wir Quartier bezogen.

20. Februar 1918.

Aussuchen der F-St zum Schutze des Dünaübergangs.

Auf dem Wege trafen wir ungefähr 25 russ. Schlitten,

die die Opfer der Revolution, die am Tage unseres Vor-

marsches durch die rote Garde in Dünaburg gefallen

waren, fortführten von dem Ort der blutigen Tat.

21. Februar 1918.

Besuch Dünaburgs. Auf dem Wege sah man ganze Reihen

von Pferden, die von den Russen erschossen waren u

woran sich jetzt wilde Hunde u. Raben labten. -

Dünaburg ist ein kläglicher Ort, mit dem Namen Stadt

garnicht zu bezeichnen. Wahl- u. stillos alles aufge-

baut u. hingekleckst. Das einzig Interessante waren

die Kirchen. Schwer enttäuscht kehrten wir zurück.

Nachmittags Umzug nach Kibernicki.


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  • January 1, 2020 21:56:02 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 88R

    Den andern Bttrn. waren wir um km voraus, so daß

    es uns schon unheimlich wurde, daß wir keine Menschen-

    seele weit u. breit antrafen u. schließlich glaubten,

    in eine Falle marschiert zu sein. Endlich erreichten

    wir totmüde unser angewiesenes Quartier, ein

    allein liegendes Gehöft, Lekirtowa, das von einer

    russ. Flüchtlingsfamilie bewohnt wurde. - Uns graute

    vor unserm Quartier, das von Dreck u. Schmutz einfach

    starrte. Ein kleines Zimmer säuberten wir uns u.

    legten uns, nachdem wir Feuer angemacht hatten, auf

    einem Weidenbüdel schlafen. Gegen 12h weckte uns

    der Ruf "Die Feldküche ist da" Schnell wollten wir

    aufspringen, aber der beißende Qualm, der dicker

    war als dick, zwang uns auf das Lager zurück.

    Auf allen Vieren kriechend, gelangten wir zu Türe.

    Und nun merkten wir auch, daß wir den Ofen-

    schieber im Hausflur nicht herausgezogen hatten.

    19. Februar 1918.

    Morgens erwachten wir frierend u. Zähne klappernd bei

    einer Kälte von -30°. Ich machte mich sofort auf den

    Seitenzählung 89

    Weg zur 9 Bttr., um meine Decken zu holen. Dann

    bratete ich mir ein Stück Fleisch am Spieße, das etwas

    zähe war, aber ganz gut schmeckte. Kurzer Marsch

    nach Kleinmannsrode, wo wir Quartier bezogen.

    20. Februar 1918.

    Aussuchen der F-St zum Schutze des Dünaübergangs.

    Auf dem Wege trafen wir ungefähr 25 russ. Schlitten,

    die die Opfer der Revolution, die am Tage unseres Vor-

    marsches durch die rote Garde in Dünaburg gefallen

    waren, fortführten von dem Ort der blutigen Tat.

    21. Februar 1918.

    Besuch Dünaburgs. Auf dem Wege sah man ganze Reihen

    von Pferden, die von den Russen erschossen waren u

    woran sich jetzt wilde Hunde u. Raben labten. -

    Dünaburg ist ein kläglicher Ort, mit dem Namen Stadt

    garnicht zu bezeichnen. Wahl- u. stillos alles aufge-

    baut u. hingekleckst. Das einzig Interessante waren

    die Kirchen. Schwer enttäuscht kehrten wir zurück.

    Nachmittags Umzug nach Kibernicki.


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  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

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Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen


ID
12595 / 144561
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


February 18, 1918 – February 21, 1918
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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