Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 97

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Seitenzählung 86R

falten zu können. - Am Sonntag Morgen gings per

Wagen nach Nordhausen, von wo ich 8h vormitt. nach Berlin

abgondelte, wo ich Wilm nochmal auf Urlaub traf. - 

Durchfroren langte ich nach 27 stündiger Fahrt in Nowo

an, von wo mich der Schlitten wieder abholte. - Durch

meine Weihnachtspost, die sich inzwischen eingefunden hatte,

hatte ich nochmal eine kleine Nachfeier.

Wegen Offz.mangel zur 8. Bttr. kommandiert.

27. Januar 1918.

Geburtstag des Kaisers. Vormittags Gottesdienst.

Abends Feier bei der Abteilung, wo ein Taschenspieler

sehr zur Belustigung beitrug.

28. Januar 1918.

Nach einer langen Fahrt auf einer elenden Lorenbahn

bis Rautensee u. einer mühseligen Wanderung durch

verschneite Gefilde in Sagorinka zum M-G.-Kursus

eingetroffen. (Steinsee)

8. Februar 1918.

Abends 10h erhielten wir den Befehl, sofort zu unserm

Truppenteil zurückzukehren.

Seitenzählung 87

9. Februar 1918.

Mit Sack u. Pack gings morgens zurück zur Bttr. Der

Grund zu dem plötzlichen Schluß war der Abbruch der

Verhandlungen in Brest-Litowsk, welcher zugleich

eine "Wiederbesetzung" der Front nach sich zog. Unter-

wegs hatten wir noch nette Begleitung, nämlich österr.

Offz., die aus der Gefangenschaft entflohen waren. Sie

kamen aus allen Gegenden Rußlands: Aus dem Kaukasus,

Astrachan, Archangelsk etc. Der Herr, mit dem ich mich

unterhielt, kam aus dem Gefangenenlager Beresowka

an der mongolischen Grenze. Er hatte mit einem an-

dern Herrn einen Weg von 7500 km hinter sich. Den

letzten Teil des Wegs von Dünaburg bis zur Front machten

sie in einem Schlitten u. mußten 100 Rubel für die

Fahrt von 7 km bezahlen. In Gefangenschaft hatten sie viel

Freiheit. Sie durften sogar Urlaub in die nächsten Ortschaf-

ten einreichen. An Gehalt bekamen sie 50 Rubel, wovon

die Hälfte für Verpflegung verbraucht wurde. Zuletzt

hatten sie sogar ihre eigne Bäckerei im Lager. -

Rohe Behandlung käme oft vor, da ja das Volk im-

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Seitenzählung 86R

falten zu können. - Am Sonntag Morgen gings per

Wagen nach Nordhausen, von wo ich 8h vormitt. nach Berlin

abgondelte, wo ich Wilm nochmal auf Urlaub traf. - 

Durchfroren langte ich nach 27 stündiger Fahrt in Nowo

an, von wo mich der Schlitten wieder abholte. - Durch

meine Weihnachtspost, die sich inzwischen eingefunden hatte,

hatte ich nochmal eine kleine Nachfeier.

Wegen Offz.mangel zur 8. Bttr. kommandiert.

27. Januar 1918.

Geburtstag des Kaisers. Vormittags Gottesdienst.

Abends Feier bei der Abteilung, wo ein Taschenspieler

sehr zur Belustigung beitrug.

28. Januar 1918.

Nach einer langen Fahrt auf einer elenden Lorenbahn

bis Rautensee u. einer mühseligen Wanderung durch

verschneite Gefilde in Sagorinka zum M-G.-Kursus

eingetroffen. (Steinsee)

8. Februar 1918.

Abends 10h erhielten wir den Befehl, sofort zu unserm

Truppenteil zurückzukehren.

Seitenzählung 87

9. Februar 1918.

Mit Sack u. Pack gings morgens zurück zur Bttr. Der

Grund zu dem plötzlichen Schluß war der Abbruch der

Verhandlungen in Brest-Litowsk, welcher zugleich

eine "Wiederbesetzung" der Front nach sich zog. Unter-

wegs hatten wir noch nette Begleitung, nämlich österr.

Offz., die aus der Gefangenschaft entflohen waren. Sie

kamen aus allen Gegenden Rußlands: Aus dem Kaukasus,

Astrachan, Archangelsk etc. Der Herr, mit dem ich mich

unterhielt, kam aus dem Gefangenenlager Beresowka

an der mongolischen Grenze. Er hatte mit einem an-

dern Herrn einen Weg von 7500 km hinter sich. Den

letzten Teil des Wegs von Dünaburg bis zur Front machten

sie in einem Schlitten u. mußten 100 Rubel für die

Fahrt von 7 km bezahlen. In Gefangenschaft hatten sie viel

Freiheit. Sie durften sogar Urlaub in die nächsten Ortschaf-

ten einreichen. An Gehalt bekamen sie 50 Rubel, wovon

die Hälfte für Verpflegung verbraucht wurde. Zuletzt

hatten sie sogar ihre eigne Bäckerei im Lager. -

Rohe Behandlung käme oft vor, da ja das Volk im-


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  • January 1, 2020 21:22:22 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 86R

    falten zu können. - Am Sonntag Morgen gings per

    Wagen nach Nordhausen, von wo ich 8h vormitt. nach Berlin

    abgondelte, wo ich Wilm nochmal auf Urlaub traf. - 

    Durchfroren langte ich nach 27 stündiger Fahrt in Nowo

    an, von wo mich der Schlitten wieder abholte. - Durch

    meine Weihnachtspost, die sich inzwischen eingefunden hatte,

    hatte ich nochmal eine kleine Nachfeier.

    Wegen Offz.mangel zur 8. Bttr. kommandiert.

    27. Januar 1918.

    Geburtstag des Kaisers. Vormittags Gottesdienst.

    Abends Feier bei der Abteilung, wo ein Taschenspieler

    sehr zur Belustigung beitrug.

    28. Januar 1918.

    Nach einer langen Fahrt auf einer elenden Lorenbahn

    bis Rautensee u. einer mühseligen Wanderung durch

    verschneite Gefilde in Sagorinka zum M-G.-Kursus

    eingetroffen. (Steinsee)

    8. Februar 1918.

    Abends 10h erhielten wir den Befehl, sofort zu unserm

    Truppenteil zurückzukehren.

    Seitenzählung 87

    9. Februar 1918.

    Mit Sack u. Pack gings morgens zurück zur Bttr. Der

    Grund zu dem plötzlichen Schluß war der Abbruch der

    Verhandlungen in Brest-Litowsk, welcher zugleich

    eine "Wiederbesetzung" der Front nach sich zog. Unter-

    wegs hatten wir noch nette Begleitung, nämlich österr.

    Offz., die aus der Gefangenschaft entflohen waren. Sie

    kamen aus allen Gegenden Rußlands: Aus dem Kaukasus,

    Astrachan, Archangelsk etc. Der Herr, mit dem ich mich

    unterhielt, kam aus dem Gefangenenlager Beresowka

    an der mongolischen Grenze. Er hatte mit einem an-

    dern Herrn einen Weg von 7500 km hinter sich. Den

    letzten Teil des Wegs von Dünaburg bis zur Front machten

    sie in einem Schlitten u. mußten 100 Rubel für die

    Fahrt von 7 km bezahlen. In Gefangenschaft hatten sie viel

    Freiheit. Sie durften sogar Urlaub in die nächsten Ortschaf-

    ten einreichen. An Gehalt bekamen sie 50 Rubel, wovon

    die Hälfte für Verpflegung verbraucht wurde. Zuletzt

    hatten sie sogar ihre eigne Bäckerei im Lager. -

    Rohe Behandlung käme oft vor, da ja das Volk im-


  • January 1, 2020 21:20:42 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 86R

    falten zu können. - Am Sonntag Morgen gings per

    Wagen nach Nordhausen, von wo ich 8h vormitt. nach Berlin

    abgondelte, wo ich Wilm nochmal auf Urlaub traf. - 

    Durchfroren langte ich nach 27 stündiger Fahrt in Nowo

    an, von wo mich der Schlitten wieder abholte. - Durch

    meine Weihnachtspost, die sich inzwischen eingefunden hatte,

    hatte ich nochmal eine kleine Nachfeier.

    Wegen Offz.mangel zur 8. Bttr. kommandiert.

    27. Januar 1918.

    Geburtstag des Kaisers. Vormittags Gottesdienst.

    Abends Feier bei der Abteilung, wo ein Taschenspieler

    sehr zur Belustigung beitrug.

    28. Januar 1918.

    Nach einer langen Fahrt auf einer elenden Lorenbahn

    bis Rautensee u. einer mühseligen Wanderung durch

    verschneite Gefilde in Sagorinka zum M-G.-Kursus

    eingetroffen. (Steinsee)

    8. Februar 1918.

    Abends 10h erhielten wir den Befehl, sofort zu unserm

    Truppenteil zurückzukehren.

    Seitenzählung 87

    9. Februar 1918.

    Mit Sack u. Pack gings morgens zurück zur Bttr. Der

    Grund zu dem plötzlichen Schluß war der Abbruch der

    Verhandlungen in Brest-Litowsk, welcher zugleich

    eine "Wiederbesetzung" der Front nach sich zog. Unter-

    wegs hatten wir noch nette Begleitung, nämlich österr.

    Offz., die aus der Gefangenschaft entflohen waren. Sie

    kamen aus allen Gegenden Rußlands: Aus dem Kaukasus,

    Astrachan, Archangels etc. Der Herr, mit dem ich mich

    unterhielt, kam aus dem Gefangenenlager Beresowka

    an der mongolischen Grenze. Er hatte mit einem an-

    dern Herrn einen Weg von 7500 km hinter sich. Den

    letzten Teil des Wegs von Dünaburg bis zur Front machten

    sie in einem Schlitten u. mußten 100 Rubel für die

    Fahrt von 7 km bezahlen. In Gefangenschaft hatten sie viel

    Freiheit. Sie durften sogar Urlaub in die nächsten Ortschaf-

    ten einreichen. An Gehalt bekamen sie 50 Rubel, wovon

    die Hälfte für Verpflegung verbraucht wurde. Zuletzt

    hatten sie sogar ihre eigne Bäckerei im Lager. -

    Rohe Behandlung käme oft vor, da ja das Volk im-


Description

Save description
  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen


ID
12595 / 144559
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


January 23, 1918 – February 9, 1918
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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