Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 89

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Seitenzählung 79R

4. Oktober 1917.

4 45 morgens in Skalmiercyze

12 30 mitt. " Koljuschki

10 30 abends " Maltin

5. Oktober 1917.

7 30 morgens in Grodno, wo wir sehr erstaunten,

die 8 Bttr. beim Ausladen zu sehen. Pferde u. Mann-

schaften wurden in der Kaserne untergebracht, während

wir Bürgerquartiere bekamen in einem ziemlich ver-

wahrlosten Hause, was wir aber bald in Ordnung brachten.

Grodno ist das typische Bild eines russ. Ortes. Durch

die schönen Kirchen ein ansprechendes Weichbild, aber

ärmliche Häuser, kleine armselige Krämerläden (Be-

sitzer meist Juden). Enge stinkende Straßen u schlechtes

Pflaster aus runden Feldsteinen. - Märchenhaft wirkt

direkt die Orthodoxe Kirche mit ihrer weißblauen Farbe

u. den 5 dunkelblauen Zwiebeltürmen, auf denen

sich goldene Sterne befinden. Ihr gegenüber am

Marktplatz steht die 2 türmige Pfarrkirche mit einem

kreuztragenden Jesus vor dem Eingang. Sämtliche

Seitenzählung 80

andern Kirchen u Klöster sind in Barockstil erbaut.

9. Oktober 1917.

Im Grodnoer Theater (jüdisch)

"Neweile" (Cadaver) Drama in 4 Aufzügen

Zum Schluß des Programmes werden Souffleur

u. Theatermissing angegeben.

Einen solchen Tiefstand der Bühnenkunst, wie der-

jenige in Grodno, habe ich noch nirgends gesehen. Nach

dem 3. akt verließen wir gelangweilt das Theater. -

Beifall war Händeklatschen u. aufrichtiges Gejohle

u. Gepfeife, sodaß wir fast den Lachkrampf bekamen.

Das Deutsch, was gesprochen wurde, verstanden wir

garnicht. Durch die paar Brocken deutsch, die wir

auffingen u durch die Bilder auf der Bühne

war unserer Fantasie keine Schranken gesetzt u.

konnte sich in unermeßliche Räume verirren.

20. Oktober 1917.

Ende unserer Grodnoer Zeit. Nachmitt. 3h verladen.

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Seitenzählung 79R

4. Oktober 1917.

4 45 morgens in Skalmiercyze

12 30 mitt. " Koljuschki

10 30 abends " Maltin

5. Oktober 1917.

7 30 morgens in Grodno, wo wir sehr erstaunten,

die 8 Bttr. beim Ausladen zu sehen. Pferde u. Mann-

schaften wurden in der Kaserne untergebracht, während

wir Bürgerquartiere bekamen in einem ziemlich ver-

wahrlosten Hause, was wir aber bald in Ordnung brachten.

Grodno ist das typische Bild eines russ. Ortes. Durch

die schönen Kirchen ein ansprechendes Weichbild, aber

ärmliche Häuser, kleine armselige Krämerläden (Be-

sitzer meist Juden). Enge stinkende Straßen u schlechtes

Pflaster aus runden Feldsteinen. - Märchenhaft wirkt

direkt die Orthodoxe Kirche mit ihrer weißblauen Farbe

u. den 5 dunkelblauen Zwiebeltürmen, auf denen

sich goldene Sterne befinden. Ihr gegenüber am

Marktplatz steht die 2 türmige Pfarrkirche mit einem

kreuztragenden Jesus vor dem Eingang. Sämtliche

Seitenzählung 80

andern Kirchen u Klöster sind in Barockstil erbaut.

9. Oktober 1917.

Im Grodnoer Theater (jüdisch)

"Neweile" (Cadaver) Drama in 4 Aufzügen

Zum Schluß des Programmes werden Souffleur

u. Theatermissing angegeben.

Einen solchen Tiefstand der Bühnenkunst, wie der-

jenige in Grodno, habe ich noch nirgends gesehen. Nach

dem 3. akt verließen wir gelangweilt das Theater. -

Beifall war Händeklatschen u. aufrichtiges Gejohle

u. Gepfeife, sodaß wir fast den Lachkrampf bekamen.

Das Deutsch, was gesprochen wurde, verstanden wir

garnicht. Durch die paar Brocken deutsch, die wir

auffingen u durch die Bilder auf der Bühne

war unserer Fantasie keine Schranken gesetzt u.

konnte sich in unermeßliche Räume verirren.

20. Oktober 1917.

Ende unserer Grodnoer Zeit. Nachmitt. 3h verladen.


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  • January 1, 2020 17:09:45 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 79R

    4. Oktober 1917.

    4 45 morgens in Skalmiercyze

    12 30 mitt. " Koljuschki

    10 30 abends " Maltin

    5. Oktober 1917.

    7 30 morgens in Grodno, wo wir sehr erstaunten,

    die 8 Bttr. beim Ausladen zu sehen. Pferde u. Mann-

    schaften wurden in der Kaserne untergebracht, während

    wir Bürgerquartiere bekamen in einem ziemlich ver-

    wahrlosten Hause, was wir aber bald in Ordnung brachten.

    Grodno ist das typische Bild eines russ. Ortes. Durch

    die schönen Kirchen ein ansprechendes Weichbild, aber

    ärmliche Häuser, kleine armselige Krämerläden (Be-

    sitzer meist Juden). Enge stinkende Straßen u schlechtes

    Pflaster aus runden Feldsteinen. - Märchenhaft wirkt

    direkt die Orthodoxe Kirche mit ihrer weißblauen Farbe

    u. den 5 dunkelblauen Zwiebeltürmen, auf denen

    sich goldene Sterne befinden. Ihr gegenüber am

    Marktplatz steht die 2 türmige Pfarrkirche mit einem

    kreuztragenden Jesus vor dem Eingang. Sämtliche

    Seitenzählung 80

    andern Kirchen u Klöster sind in Barockstil erbaut.

    9. Oktober 1917.

    Im Grodnoer Theater (jüdisch)

    "Neweile" (Cadaver) Drama in 4 Aufzügen

    Zum Schluß des Programmes werden Souffleur

    u. Theatermissing angegeben.

    Einen solchen Tiefstand der Bühnenkunst, wie der-

    jenige in Grodno, habe ich noch nirgends gesehen. Nach

    dem 3. akt verließen wir gelangweilt das Theater. -

    Beifall war Händeklatschen u. aufrichtiges Gejohle

    u. Gepfeife, sodaß wir fast den Lachkrampf bekamen.

    Das Deutsch, was gesprochen wurde, verstanden wir

    garnicht. Durch die paar Brocken deutsch, die wir

    auffingen u durch die Bilder auf der Bühne

    war unserer Fantasie keine Schranken gesetzt u.

    konnte sich in unermeßliche Räume verirren.

    20. Oktober 1917.

    Ende unserer Grodnoer Zeit. Nachmitt. 3h verladen.


Description

Save description
  • 51.704693||17.9753494||14||

    Skalmierzyce

  • 52.4754007||16.9931692||7||

    Grodno

  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen
  • Document location Skalmierzyce
  • Additional document location Grodno


ID
12595 / 144551
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


October 4, 1917 – October 20, 1917
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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