Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 86

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Seitenzählung 76R

1. August 1917.

Ritt nach vorn zur Orientierung. Uber unendlich lange

Knüppeldämme ging's durch die herrlichen Kiefern-

wälder. Dem Dorfe Spulmissing zu. - Es war eine

fürchterliche Hitze, was der Grund zu unserer Umkehr

in das Dorf war, wo wir in einem tiefen Wasserbecken

ein köstliches Bad nahmen. Nun erst gingen wir

an die Arbeit. Ein Hindernis hatten wir noch zu nehmen,

einen Obstgarten mit vielen Johannisbeeren u. Kirschen,

die wir uns gut schmecken ließen. Durch eine Wald-

schneise gelangten wir in ein Waldstück, von wo ein

verdeckter Laufgraben nach vorn führt. - Innerlich

mußte ich lächeln, als ich den Kampfgraben mit denen

des Westens verglich. Man sah kaum einmal einen

Posten, im ganzen Abschnitt nur 2 Maschinengewehre

u. 1 Minenwerfer. Die Aussicht war großartig. Im

Grunde zieht sich der langgestreckte Warsguneksee hin,

der durch Stauen der Ermissing von den Russen ent-

standen ist und ein glänzendes Hindernis zwischen

beiden Parteien bildet. Jenseits sah man die russ.

Seitenzählung 77

Vorposten. Schlauerweise haben die Russen ihren

Graben nicht vor dem Wald, sondern in demselben

gezogen, sodaß wir gar keine Ahnung von seinem

Verlaufe habe. - Indem wir nach rechts gingen,

kamen wir in das Dorf Wagulan u. auf den Wagulan-

kopf, wo wir das rechte Ende unseres Abschnittes erreicht

hatten. - Rückwärtsgehend an dem Friedhof Wagulans

vorbei, langten wir am Hochstand der 5/247 an. Im

Eiltempo ging es dann wieder zu Pferde der F-St zu.

12. August 1917.

Der Stumpfsinn u. die Langeweile plagen einen zu-

weilen bis zum Wahnsinn. - Für 2 Tage auf den

Hochstand kommandiert, der ein ganz interessantes Bau-

werk ist. An einer starken, mächtigen Fichte steigt

man wendeltreppenartig empor. Bis obenhin in

die Spitze zählt man 125 Stufen, die etwa eine Höhe

von 20 m ausmachen; so daß man sich an eine solche

Höhe erst gewöhnen muß. Als ich das erstemal oben war,

herrschte starker Wind, wodurch ich beinah durch das

sanfte Hin- u. Herwiegen die Seekrankheit bekam. -

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Seitenzählung 76R

1. August 1917.

Ritt nach vorn zur Orientierung. Uber unendlich lange

Knüppeldämme ging's durch die herrlichen Kiefern-

wälder. Dem Dorfe Spulmissing zu. - Es war eine

fürchterliche Hitze, was der Grund zu unserer Umkehr

in das Dorf war, wo wir in einem tiefen Wasserbecken

ein köstliches Bad nahmen. Nun erst gingen wir

an die Arbeit. Ein Hindernis hatten wir noch zu nehmen,

einen Obstgarten mit vielen Johannisbeeren u. Kirschen,

die wir uns gut schmecken ließen. Durch eine Wald-

schneise gelangten wir in ein Waldstück, von wo ein

verdeckter Laufgraben nach vorn führt. - Innerlich

mußte ich lächeln, als ich den Kampfgraben mit denen

des Westens verglich. Man sah kaum einmal einen

Posten, im ganzen Abschnitt nur 2 Maschinengewehre

u. 1 Minenwerfer. Die Aussicht war großartig. Im

Grunde zieht sich der langgestreckte Warsguneksee hin,

der durch Stauen der Ermissing von den Russen ent-

standen ist und ein glänzendes Hindernis zwischen

beiden Parteien bildet. Jenseits sah man die russ.

Seitenzählung 77

Vorposten. Schlauerweise haben die Russen ihren

Graben nicht vor dem Wald, sondern in demselben

gezogen, sodaß wir gar keine Ahnung von seinem

Verlaufe habe. - Indem wir nach rechts gingen,

kamen wir in das Dorf Wagulan u. auf den Wagulan-

kopf, wo wir das rechte Ende unseres Abschnittes erreicht

hatten. - Rückwärtsgehend an dem Friedhof Wagulans

vorbei, langten wir am Hochstand der 5/247 an. Im

Eiltempo ging es dann wieder zu Pferde der F-St zu.

12. August 1917.

Der Stumpfsinn u. die Langeweile plagen einen zu-

weilen bis zum Wahnsinn. - Für 2 Tage auf den

Hochstand kommandiert, der ein ganz interessantes Bau-

werk ist. An einer starken, mächtigen Fichte steigt

man wendeltreppenartig empor. Bis obenhin in

die Spitze zählt man 125 Stufen, die etwa eine Höhe

von 20 m ausmachen; so daß man sich an eine solche

Höhe erst gewöhnen muß. Als ich das erstemal oben war,

herrschte starker Wind, wodurch ich beinah durch das

sanfte Hin- u. Herwiegen die Seekrankheit bekam. -


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  • January 1, 2020 15:41:59 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 76R

    1. August 1917.

    Ritt nach vorn zur Orientierung. Uber unendlich lange

    Knüppeldämme ging's durch die herrlichen Kiefern-

    wälder. Dem Dorfe Spulmissing zu. - Es war eine

    fürchterliche Hitze, was der Grund zu unserer Umkehr

    in das Dorf war, wo wir in einem tiefen Wasserbecken

    ein köstliches Bad nahmen. Nun erst gingen wir

    an die Arbeit. Ein Hindernis hatten wir noch zu nehmen,

    einen Obstgarten mit vielen Johannisbeeren u. Kirschen,

    die wir uns gut schmecken ließen. Durch eine Wald-

    schneise gelangten wir in ein Waldstück, von wo ein

    verdeckter Laufgraben nach vorn führt. - Innerlich

    mußte ich lächeln, als ich den Kampfgraben mit denen

    des Westens verglich. Man sah kaum einmal einen

    Posten, im ganzen Abschnitt nur 2 Maschinengewehre

    u. 1 Minenwerfer. Die Aussicht war großartig. Im

    Grunde zieht sich der langgestreckte Warsguneksee hin,

    der durch Stauen der Ermissing von den Russen ent-

    standen ist und ein glänzendes Hindernis zwischen

    beiden Parteien bildet. Jenseits sah man die russ.

    Seitenzählung 77

    Vorposten. Schlauerweise haben die Russen ihren

    Graben nicht vor dem Wald, sondern in demselben

    gezogen, sodaß wir gar keine Ahnung von seinem

    Verlaufe habe. - Indem wir nach rechts gingen,

    kamen wir in das Dorf Wagulan u. auf den Wagulan-

    kopf, wo wir das rechte Ende unseres Abschnittes erreicht

    hatten. - Rückwärtsgehend an dem Friedhof Wagulans

    vorbei, langten wir am Hochstand der 5/247 an. Im

    Eiltempo ging es dann wieder zu Pferde der F-St zu.

    12. August 1917.

    Der Stumpfsinn u. die Langeweile plagen einen zu-

    weilen bis zum Wahnsinn. - Für 2 Tage auf den

    Hochstand kommandiert, der ein ganz interessantes Bau-

    werk ist. An einer starken, mächtigen Fichte steigt

    man wendeltreppenartig empor. Bis obenhin in

    die Spitze zählt man 125 Stufen, die etwa eine Höhe

    von 20 m ausmachen; so daß man sich an eine solche

    Höhe erst gewöhnen muß. Als ich das erstemal oben war,

    herrschte starker Wind, wodurch ich beinah durch das

    sanfte Hin- u. Herwiegen die Seekrankheit bekam. -


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  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen


ID
12595 / 144548
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


August 1, 1917 – August 12, 1917
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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