Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 84

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Seitenzählung 74R

Ade, du mein lieb Heimatland, behüt dich Gott mit

all den Lieben darin. Von Brandenburg trennte ich

mich ohne innere Empfindung, aber doch bin ich ihm

zu Dank verpflichtet, da es mir seine Sommerfreuden

im vollsten Maße zu kosten gab. Das Kommando,

was man mit einem Druckposten vergleichen konnte,

zu dem wir aber ohne unser Zutun (Schiebung etc)

gekommen waren, war zu Ende.

24. Juli 1917.

Morgens 5 52 Abfahrt in Richtung Berlin. Was wird die

kommende Zeit bringen? - In Berlin mußten

wir umsteigen u. noch einen Marsch durch Berlin

machen nach dem Bahnhof Moabit. Es war mehr ein

Trauermarsch, als ein Militärtransport. Die Mannschaften

hatten derart viel Gepäck mit, sodaß sie es nicht

tragen konnten. Mit Mühe wurde ein Fiacre

aufgetrieben, der im Nu bis zum Brechen mit

Tornister u. Satteltaschen beladen war. Rechts u. links

gingen Sicherheitsleute, die die herunterkommenden

Gepäckstücke wieder hinaufstabelten. Ich hatte das

Seitenzählung 75

Getriebe über u. übergab den Transport einem Vize,

der denselben glücklich zum genannten Bahnhof brachte.

12 15 gondelten wir mit einem Infanterietransport,

mit dessen Führer ich die Reise zusammen unternahm

(Ltn. Dachmann). Im Laufe der Zeit war unser

Transport bis zu 950 Mann herangewachsen.

Weg über Straußberg, Kreuz, Nackel.

25. Juli 1917.

Uber Bromberg führte uns der Zug nach Dirschau, wo

wir auf einer prächtigen Eisenbahnbrücke mit schönen

Backsteintürmen an den Brückenköpfen die alte

Weichsel, die uns regen Schiffsverkehr zeigt, überfuhren.

Marienburg (Nogat) zeigte uns die Burg des Dtsch-

ritterordens in ihrer ganzen stattl. Schönheit. -

Kurz nachdem wir Elbing verlassen hatten, sandte

uns die Ostsee einen deutschen Gruß herüber aufs

Land in Form eines tüchtigen Seewindes. Auch zeigte

sie uns eins ihrer Kinder, das frische Haff, auf das

man von der Bahn aus einen herrlichen Ausblick

hat. Ganz am Horizont erstreckte sich in blauem

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Seitenzählung 74R

Ade, du mein lieb Heimatland, behüt dich Gott mit

all den Lieben darin. Von Brandenburg trennte ich

mich ohne innere Empfindung, aber doch bin ich ihm

zu Dank verpflichtet, da es mir seine Sommerfreuden

im vollsten Maße zu kosten gab. Das Kommando,

was man mit einem Druckposten vergleichen konnte,

zu dem wir aber ohne unser Zutun (Schiebung etc)

gekommen waren, war zu Ende.

24. Juli 1917.

Morgens 5 52 Abfahrt in Richtung Berlin. Was wird die

kommende Zeit bringen? - In Berlin mußten

wir umsteigen u. noch einen Marsch durch Berlin

machen nach dem Bahnhof Moabit. Es war mehr ein

Trauermarsch, als ein Militärtransport. Die Mannschaften

hatten derart viel Gepäck mit, sodaß sie es nicht

tragen konnten. Mit Mühe wurde ein Fiacre

aufgetrieben, der im Nu bis zum Brechen mit

Tornister u. Satteltaschen beladen war. Rechts u. links

gingen Sicherheitsleute, die die herunterkommenden

Gepäckstücke wieder hinaufstabelten. Ich hatte das

Seitenzählung 75

Getriebe über u. übergab den Transport einem Vize,

der denselben glücklich zum genannten Bahnhof brachte.

12 15 gondelten wir mit einem Infanterietransport,

mit dessen Führer ich die Reise zusammen unternahm

(Ltn. Dachmann). Im Laufe der Zeit war unser

Transport bis zu 950 Mann herangewachsen.

Weg über Straußberg, Kreuz, Nackel.

25. Juli 1917.

Uber Bromberg führte uns der Zug nach Dirschau, wo

wir auf einer prächtigen Eisenbahnbrücke mit schönen

Backsteintürmen an den Brückenköpfen die alte

Weichsel, die uns regen Schiffsverkehr zeigt, überfuhren.

Marienburg (Nogat) zeigte uns die Burg des Dtsch-

ritterordens in ihrer ganzen stattl. Schönheit. -

Kurz nachdem wir Elbing verlassen hatten, sandte

uns die Ostsee einen deutschen Gruß herüber aufs

Land in Form eines tüchtigen Seewindes. Auch zeigte

sie uns eins ihrer Kinder, das frische Haff, auf das

man von der Bahn aus einen herrlichen Ausblick

hat. Ganz am Horizont erstreckte sich in blauem


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  • January 1, 2020 15:03:17 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 74R

    Ade, du mein lieb Heimatland, behüt dich Gott mit

    all den Lieben darin. Von Brandenburg trennte ich

    mich ohne innere Empfindung, aber doch bin ich ihm

    zu Dank verpflichtet, da es mir seine Sommerfreuden

    im vollsten Maße zu kosten gab. Das Kommando,

    was man mit einem Druckposten vergleichen konnte,

    zu dem wir aber ohne unser Zutun (Schiebung etc)

    gekommen waren, war zu Ende.

    24. Juli 1917.

    Morgens 5 52 Abfahrt in Richtung Berlin. Was wird die

    kommende Zeit bringen? - In Berlin mußten

    wir umsteigen u. noch einen Marsch durch Berlin

    machen nach dem Bahnhof Moabit. Es war mehr ein

    Trauermarsch, als ein Militärtransport. Die Mannschaften

    hatten derart viel Gepäck mit, sodaß sie es nicht

    tragen konnten. Mit Mühe wurde ein Fiacre

    aufgetrieben, der im Nu bis zum Brechen mit

    Tornister u. Satteltaschen beladen war. Rechts u. links

    gingen Sicherheitsleute, die die herunterkommenden

    Gepäckstücke wieder hinaufstabelten. Ich hatte das

    Seitenzählung 75

    Getriebe über u. übergab den Transport einem Vize,

    der denselben glücklich zum genannten Bahnhof brachte.

    12 15 gondelten wir mit einem Infanterietransport,

    mit dessen Führer ich die Reise zusammen unternahm

    (Ltn. Dachmann). Im Laufe der Zeit war unser

    Transport bis zu 950 Mann herangewachsen.

    Weg über Straußberg, Kreuz, Nackel.

    25. Juli 1917.

    Uber Bromberg führte uns der Zug nach Dirschau, wo

    wir auf einer prächtigen Eisenbahnbrücke mit schönen

    Backsteintürmen an den Brückenköpfen die alte

    Weichsel, die uns regen Schiffsverkehr zeigt, überfuhren.

    Marienburg (Nogat) zeigte uns die Burg des Dtsch-

    ritterordens in ihrer ganzen stattl. Schönheit. -

    Kurz nachdem wir Elbing verlassen hatten, sandte

    uns die Ostsee einen deutschen Gruß herüber aufs

    Land in Form eines tüchtigen Seewindes. Auch zeigte

    sie uns eins ihrer Kinder, das frische Haff, auf das

    man von der Bahn aus einen herrlichen Ausblick

    hat. Ganz am Horizont erstreckte sich in blauem


  • January 1, 2020 15:01:22 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 74R

    Ade, du mein lieb Heimatland, behüt dich Gott mit

    all den Lieben darin. Von Brandenburg trennte ich

    mich ohne innere Empfindung, aber doch bin ich ihm

    zu Dank verpflichtet, da es mir seine Sommerfreuden

    im vollsten Maße zu kosten gab. Das Kommando,

    was man mit einem Druckposten vergleichen konnte,

    zu dem wir aber ohne unser Zutun (Schiebung etc)

    gekommen waren, war zu Ende.

    24. Juli 1917.

    Morgens 5 52 Abfahrt in Richtung Berlin. Was wird die

    kommende Zeit bringen? - In Berlin mußten

    wir umsteigen u. noch einen Marsch durch Berlin

    machen nach dem Bahnhof Moabit. Es war mehr ein

    Trauermarsch, als ein Militärtransport. Die Mannschaften

    hatten derart viel Gepäck mit, sodaß sie es nicht

    tragen konnten. Mit Mühe wurde ein Fiacre

    aufgetrieben, der im Nu bis zum Brechen mit

    Tornister u. Satteltaschen beladen war. Rechts u. links

    gingen Sicherheitsleute, die die herunterkommenden

    Gepäckstücke wieder hinaufstabelten. Ich hatte das

    Seitenzählung 75

    Getriebe über u. übergab den Transport einem Vize,

    der denselben glücklich zum genannten Bahnhof brachte.

    12 15 gondelten wir mit einem Infanterietransport,

    mit dessen Führer ich die Reise zusammen unternahm

    (Ltn. Dachmann). Im Laufe der Zeit war unser

    Transport bis zu 950 Mann herangewachsen.

    Weg über Straußberg, Kreuz, Nackel.

    25. Juli 1917.

    Uber Bromberg führte uns der Zug nach Dirschau, wo

    wir auf einer prächtigen Eisenbahnbrücke mit schönen

    Backsteintürmen an den Brückenköpfen die alte

    Weichsel, die uns regen Schiffsverkehr zeigt, überfuhren.

    Marienburg (Nogat) zeigte uns die Burg des Dtsch-

    ritterordens in ihrer ganzen stattl. Schönheit. -

    Kurz nachdem wir Elbing verlassen hatten, sandte

    uns die Ostsee einen deutschen Gruß herüber aufs

    Land in Form eines tüchtigen Seewindes. Auch zeigte

    sie uns eins ihrer Kinder, das frische Haff, auf das

    man von der Bahn aus einen herrlichen Ausblick

    hat. Ganz am Horizont erstreckte sich in blauem


  • January 1, 2020 14:55:52 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 74R

    Ade, du mein lieb Heimatland, behüt dich Gott mit

    all den Lieben darin. Von Brandenburg trennte ich

    mich ohne innere Empfindung, aber doch bin ich ihm

    zu Dank verpflichtet, da es mir seine Sommerfreuden

    im vollsten Maße zu kosten gab. Das Kommando,

    was man mit einem Druckposten vergleichen konnte,

    zu dem wir aber ohne unser Zutun (Schiebung etc)

    gekommen waren, war zu Ende.

    24. Juli 1917.

    Morgens 5 52 Abfahrt in Richtung Berlin. Was wird die

    kommende Zeit bringen? - In Berlin mußten

    wir umsteigen u. noch einen Marsch durch Berlin

    machen nach dem Bahnhof Moabit. Es war mehr ein

    Trauermarsch, als ein Militärtransport. Die Mannschaften

    hatten derart viel Gepäck mit, sodaß sie es nicht

    tragen konnten. Mit Mühe wurde ein Fiacre

    aufgetrieben, der im Nu bis zum Brechen mit

    Tornister u. Satteltaschen beladen war. Rechts u. links

    gingen Sicherheitsleute, die die herunterkommenden

    Gepäckstücke wieder hinaufstabelten. Ich hatte das

    Seitenzählung 75

    Getriebe über u. übergab den Transport einem Vize,

    der denselben glücklich zum genannten Bahnhof brachte.

    12 15 gondelten wir mit einem Infanterietransport,

    mit dessen Führer ich die Reise zusammen unternahm

    (Ltn. Dachmann). Im Laufe der Zeit war unser

    Transport bis zu 950 Mann herangewachsen.

    Weg über Straußberg, Kreuz, Nackel.

    25. Juli 1917.



Description

Save description
  • 52.4266773||12.5435391||11||

    Brandenburg an der Havel

  • 52.5068441||13.4247317||10||

    Berlin

  • 52.5584417||13.9171537||12||

    Strausberg

  • 52.8187527||12.5902615||12||

    Nackel

  • 53.1256871||18.0381824||11||

    Bydgoszcz (Bromberg)

  • 54.0909853||18.7824724||13||

    Dirschau

  • 54.0286533||19.0434608||13||

    Malbork (Marienburg)

  • 54.0896629||19.0985426||10||

    Nogat

  • 54.1987984||19.4346966||11||

    Elbląg (Elbing)

  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen
  • Document location Brandenburg an der Havel
  • Additional document location Berlin
  • Additional document location Strausberg
  • Additional document location Nackel
  • Additional document location Bydgoszcz (Bromberg)
  • Additional document location Dirschau
  • Additional document location Malbork (Marienburg)
  • Additional document location Nogat
  • Additional document location Elbląg (Elbing)


ID
12595 / 144546
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


July 23, 1917 – July 25, 1917
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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