Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 73

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Seitenzählung 64R

in die Luft gesprengt. Nachmittags wagte sich

der Engländer vorsichtig weiter vor. - Auf dem

Marktplatz von Peronne hatte die Infanterie einen

gedeckten Tisch mit 2 Ratten u. einem

Schild "Wohl bekomm's, Tommy" gestellt - Abends

Abmarsch bei romantischer Beleuchtung, denn

überall, wo unsere Truppen abzogen, flog die

Brandfackel in die Dachsparren. Ich zählte auf

einmal 8 brennende Dörfer. Blutig rot züngelten

die Flammen in den nächtlichen, tiefschwarzen

Himmel. Das erste brennende Dorf war Bouvin-

court, durch dessen Gluthitze u. erstickenden

Qualm wir hindurch mußten. Grausig schön.

Schnaubend u. sich wild gebärdend stemmten

sich unsere Pferde u. mußten mit Gewalt

durchgebracht werden. - Dann durchfuhren wir

Beaumetz mit seinen leuchtenden, in sich

zusammenkrachenden Herrenhäusern. Hanicourt,

unser Protzenlager stand in einem Flammen-

meer. Funken, brennende Balken, Rauch

Seitenzählung 65

u. Hitze machten es fast unpassierbar. "O, armes

Frankreich" dachte ich bei mir, als ich durch all die

Verwüstungen ritt. Hinter uns stürzten die schönen

Baumalleen quer über die Chausseen u. mit

dumpfem Krach gingen Brücken u. Wegekreuzun-

gen in die Luft. Selbst die Obstbäume hatten

alle dran glauben müssen. - Auf dem Wege nach

Vendelles hatten wir 2 Stunden Aufenthalt, da

sich ein Wagen von uns festgefahren hatte. Inf.

zog an uns vorüber, unheimlich von den bren-

nenden Kriegsfackeln beleuchtet. Es erinnerte sehr

an den galiz. Feldzug, nur mit dem Unter-

schied, daß wir die Sich-zurückziehenden waren.

Nachts 3h passierten wir Vendelles, dessen Häuser

sämtlich gesprengt waren u. nur noch einem

einzigen Trümmerhaufen glichen. In Seque-

hart bezogen wir Quartier (* wo uns unser Haus-

wirt (Villenbesitzer) keck erklärte, er habe noch

keine Einquartierung gehabt u. nähme auch

keine solche, was uns natürlich wenig störte)

* in Cartigny passiert, folgende Seite

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Seitenzählung 64R

in die Luft gesprengt. Nachmittags wagte sich

der Engländer vorsichtig weiter vor. - Auf dem

Marktplatz von Peronne hatte die Infanterie einen

gedeckten Tisch mit 2 Ratten u. einem

Schild "Wohl bekomm's, Tommy" gestellt - Abends

Abmarsch bei romantischer Beleuchtung, denn

überall, wo unsere Truppen abzogen, flog die

Brandfackel in die Dachsparren. Ich zählte auf

einmal 8 brennende Dörfer. Blutig rot züngelten

die Flammen in den nächtlichen, tiefschwarzen

Himmel. Das erste brennende Dorf war Bouvin-

court, durch dessen Gluthitze u. erstickenden

Qualm wir hindurch mußten. Grausig schön.

Schnaubend u. sich wild gebärdend stemmten

sich unsere Pferde u. mußten mit Gewalt

durchgebracht werden. - Dann durchfuhren wir

Beaumetz mit seinen leuchtenden, in sich

zusammenkrachenden Herrenhäusern. Hanicourt,

unser Protzenlager stand in einem Flammen-

meer. Funken, brennende Balken, Rauch

Seitenzählung 65

u. Hitze machten es fast unpassierbar. "O, armes

Frankreich" dachte ich bei mir, als ich durch all die

Verwüstungen ritt. Hinter uns stürzten die schönen

Baumalleen quer über die Chausseen u. mit

dumpfem Krach gingen Brücken u. Wegekreuzun-

gen in die Luft. Selbst die Obstbäume hatten

alle dran glauben müssen. - Auf dem Wege nach

Vendelles hatten wir 2 Stunden Aufenthalt, da

sich ein Wagen von uns festgefahren hatte. Inf.

zog an uns vorüber, unheimlich von den bren-

nenden Kriegsfackeln beleuchtet. Es erinnerte sehr

an den galiz. Feldzug, nur mit dem Unter-

schied, daß wir die Sich-zurückziehenden waren.

Nachts 3h passierten wir Vendelles, dessen Häuser

sämtlich gesprengt waren u. nur noch einem

einzigen Trümmerhaufen glichen. In Seque-

hart bezogen wir Quartier (* wo uns unser Haus-

wirt (Villenbesitzer) keck erklärte, er habe noch

keine Einquartierung gehabt u. nähme auch

keine solche, was uns natürlich wenig störte)

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  • January 1, 2020 13:50:31 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 64R

    in die Luft gesprengt. Nachmittags wagte sich

    der Engländer vorsichtig weiter vor. - Auf dem

    Marktplatz von Peronne hatte die Infanterie einen

    gedeckten Tisch mit 2 Ratten u. einem

    Schild "Wohl bekomm's, Tommy" gestellt - Abends

    Abmarsch bei romantischer Beleuchtung, denn

    überall, wo unsere Truppen abzogen, flog die

    Brandfackel in die Dachsparren. Ich zählte auf

    einmal 8 brennende Dörfer. Blutig rot züngelten

    die Flammen in den nächtlichen, tiefschwarzen

    Himmel. Das erste brennende Dorf war Bouvin-

    court, durch dessen Gluthitze u. erstickenden

    Qualm wir hindurch mußten. Grausig schön.

    Schnaubend u. sich wild gebärdend stemmten

    sich unsere Pferde u. mußten mit Gewalt

    durchgebracht werden. - Dann durchfuhren wir

    Beaumetz mit seinen leuchtenden, in sich

    zusammenkrachenden Herrenhäusern. Hanicourt,

    unser Protzenlager stand in einem Flammen-

    meer. Funken, brennende Balken, Rauch

    Seitenzählung 65

    u. Hitze machten es fast unpassierbar. "O, armes

    Frankreich" dachte ich bei mir, als ich durch all die

    Verwüstungen ritt. Hinter uns stürzten die schönen

    Baumalleen quer über die Chausseen u. mit

    dumpfem Krach gingen Brücken u. Wegekreuzun-

    gen in die Luft. Selbst die Obstbäume hatten

    alle dran glauben müssen. - Auf dem Wege nach

    Vendelles hatten wir 2 Stunden Aufenthalt, da

    sich ein Wagen von uns festgefahren hatte. Inf.

    zog an uns vorüber, unheimlich von den bren-

    nenden Kriegsfackeln beleuchtet. Es erinnerte sehr

    an den galiz. Feldzug, nur mit dem Unter-

    schied, daß wir die Sich-zurückziehenden waren.

    Nachts 3h passierten wir Vendelles, dessen Häuser

    sämtlich gesprengt waren u. nur noch einem

    einzigen Trümmerhaufen glichen. In Seque-

    hart bezogen wir Quartier (* wo uns unser Haus-

    wirt (Villenbesitzer) keck erklärte, er habe noch

    keine Einquartierung gehabt u. nähme auch

    keine solche, was uns natürlich wenig störte)

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  • December 31, 2019 11:55:54 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 64R

    in die Luft gesprengt. Nachmittags wagte sich

    der Engländer vorsichtig weiter vor. - Auf dem

    Marktplatz von Peronne hatte die Infanterie einen

    gedeckten Tisch mit 2 Ratten u. einem

    Schild "Wohl bekomm's, Tommy" gestellt - Abends

    Abmarsch bei romantischer Beleuchtung, denn

    überall, wo unsere Truppen abzogen, flog die

    Brandfackel in die Dachsparren. Ich zählte auf

    einmal 8 brennende Dörfer. Blutig rot züngelten

    die Flammen in den nächtlichen, tiefschwarzen

    Himmel. Das erste brennende Dorf war Bouvin-

    court, durch dessen Gluthitze u. erstickenden

    Qualm wir hindurch mußten. Grausig schön.

    Schnaubend u. sich wild gebärdend stemmten

    sich unsere Pferde u. mußten mit Gewalt

    durchgebracht werden. - Dann durchfuhren wir

    Beaumetz mit seinen leuchtenden, in sich

    zusammenkrachenden Herrenhäusern. Hanicourt,

    unser Protzenlager stand in einem Flammen-

    meer. Funken, brennende Balken, Rauch

    Seitenzählung 65

    u. Hitze machten es fast unpassierbar. "O, armes

    Frankreich" dachte ich bei mir, als ich durch all die

    Verwüstungen ritt. Hinter uns stürzten die schönen

    Baumalleen quer über die Chausseen u. mit

    dumpfem Krach gingen Brücken u. Wegekreuzun-

    gen in die Luft. Selbst die Obstbäume hatten

    alle dran glauben müssen. - Auf dem Wege nach

    Vendelles hatten wir 2 Stunden Aufenthalt, da

    sich ein Wagen von uns festgefahren hatte. Inf.

    zog an uns vorüber, unheimlich von den bren-

    nenden Kriegsfackeln beleuchtet. Es erinnerte sehr

    an den galiz. Feldzug, nur mit dem Unter-

    schied, daß wir die Sich-zurückziehenden waren.

    Nachts 3h passierten wir Vendelles, dessen Häuser

    sämtlich gesprengt waren u. nur noch einem

    einzigen Trümmerhaufen glichen. In Seque-

    hart bezogen wir Quartier (* wo uns unser Haus-

    wirt (Villenbesitzer) keck erklärte, er habe noch

    keine Einquartierung gehabt u. nähme auch

    keine solche, was uns natürlich wenig störte)

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Description

Save description
  • 49.926198||2.9258671||13||

    Péronne

  • 49.8898091||3.0166863||13||

    Bouvincourt-en-Vermandois

  • 50.007298||3.020933||11||

    Beaumetz-lès-Cambrai

  • 49.9079389||3.0161103||11||

    Vendelles

  • 49.93019||3.3416494||13||

    Sequehart

  • 49.9110655||3.0152314||13||

    Cartigny

  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen
  • Document location Péronne
  • Additional document location Bouvincourt-en-Vermandois
  • Additional document location Beaumetz-lès-Cambrai
  • Additional document location Vendelles
  • Additional document location Sequehart
  • Additional document location Cartigny


ID
12595 / 144535
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


March 17, 1917 – March 17, 1917
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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