Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 59

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Seitenzählung 50R

linker Hand den Unterstand des 1. Geschützes,

der aber wenig bewohnt wird, da das herrliche Wetter

hinauslockt u. wir den Geschützstand zur Wohnstube

eingerichtet haben. Dann folgt der B-W-Stollen.

Diesem gegenüber befindet sich ein Quergang,

der zum Offiz.stollen führte. Rechts herum gelangen

wir aufwärts in den 1. Geschützstand. So geht es

unterirdisch weiter zu den andern Geschützen.

Zeichnung 1. Geschütz

bei Givenchy

29/VII 16.

9. August 1916.

Mit Ltn. v. B. u. 2 Telefonisten wurde ich als Artillerie-

beobachter auf 5 Tage in den Schützengraben

kommandiert, was sehr interessant war, da wir

einen solchen Minierkrieg, wie er hier betrieben

wurde, noch garnicht gesehen hatten. Wir richteten

uns in unserm Artilleriestollen gemütlich ein,

den wir aber an demselben Abend noch verlassen

Seitenzählung 51

mußten, da die Engländer die ganze dortige Stellung

unterminiert hatten u. wir das unheimliche, grauen-

erregende Picken der engl. Hammer u. Meißel un-

aufhörlich vernahmen. Wahnsinn konnte einen packen,

wenn man beim Schlafengehen die Totenuhr tacken

hörten u sich vergegenwärtigte, in der nächsten

Minute in die Luft geschleudert zu werden. Wir be-

kammen einen Stollen in 3. Linie zugewiesen,

wo wir uns viel wohler fühlten. Beim Durchgehen der

Stellung kamen wir an die mächtigen Trichter, die

in der letzten Offensive gesprengt worden waren

u. ganze Grabensysteme der engl. Stellung mit

genommen hatten. Der größte derselben ist 8-10 m

tief u. hat einen Durchmesser von 50-60 m. An

seiner Sohle war ein Pionierlager eingerichtet mit

tiefen Stollen. Zur Sprengung sind 120 Zentner

Dynamit gebraucht worden. So reiht sich Trichter an

Trichter. - Während unserer Zeit wurden auch 2 Spren-

gungen vorgenommen. Einmal wurde ein Minen-

stollen von uns in die Luft gejagt, weil man

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Seitenzählung 50R

linker Hand den Unterstand des 1. Geschützes,

der aber wenig bewohnt wird, da das herrliche Wetter

hinauslockt u. wir den Geschützstand zur Wohnstube

eingerichtet haben. Dann folgt der B-W-Stollen.

Diesem gegenüber befindet sich ein Quergang,

der zum Offiz.stollen führte. Rechts herum gelangen

wir aufwärts in den 1. Geschützstand. So geht es

unterirdisch weiter zu den andern Geschützen.

Zeichnung 1. Geschütz

bei Givenchy

29/VII 16.

9. August 1916.

Mit Ltn. v. B. u. 2 Telefonisten wurde ich als Artillerie-

beobachter auf 5 Tage in den Schützengraben

kommandiert, was sehr interessant war, da wir

einen solchen Minierkrieg, wie er hier betrieben

wurde, noch garnicht gesehen hatten. Wir richteten

uns in unserm Artilleriestollen gemütlich ein,

den wir aber an demselben Abend noch verlassen

Seitenzählung 51

mußten, da die Engländer die ganze dortige Stellung

unterminiert hatten u. wir das unheimliche, grauen-

erregende Picken der engl. Hammer u. Meißel un-

aufhörlich vernahmen. Wahnsinn konnte einen packen,

wenn man beim Schlafengehen die Totenuhr tacken

hörten u sich vergegenwärtigte, in der nächsten

Minute in die Luft geschleudert zu werden. Wir be-

kammen einen Stollen in 3. Linie zugewiesen,

wo wir uns viel wohler fühlten. Beim Durchgehen der

Stellung kamen wir an die mächtigen Trichter, die

in der letzten Offensive gesprengt worden waren

u. ganze Grabensysteme der engl. Stellung mit

genommen hatten. Der größte derselben ist 8-10 m

tief u. hat einen Durchmesser von 50-60 m. An

seiner Sohle war ein Pionierlager eingerichtet mit

tiefen Stollen. Zur Sprengung sind 120 Zentner

Dynamit gebraucht worden. So reiht sich Trichter an

Trichter. - Während unserer Zeit wurden auch 2 Spren-

gungen vorgenommen. Einmal wurde ein Minen-

stollen von uns in die Luft gejagt, weil man


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  • December 29, 2019 14:53:38 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 50R

    linker Hand den Unterstand des 1. Geschützes,

    der aber wenig bewohnt wird, da das herrliche Wetter

    hinauslockt u. wir den Geschützstand zur Wohnstube

    eingerichtet haben. Dann folgt der B-W-Stollen.

    Diesem gegenüber befindet sich ein Quergang,

    der zum Offiz.stollen führte. Rechts herum gelangen

    wir aufwärts in den 1. Geschützstand. So geht es

    unterirdisch weiter zu den andern Geschützen.

    Zeichnung 1. Geschütz

    bei Givenchy

    29/VII 16.

    9. August 1916.

    Mit Ltn. v. B. u. 2 Telefonisten wurde ich als Artillerie-

    beobachter auf 5 Tage in den Schützengraben

    kommandiert, was sehr interessant war, da wir

    einen solchen Minierkrieg, wie er hier betrieben

    wurde, noch garnicht gesehen hatten. Wir richteten

    uns in unserm Artilleriestollen gemütlich ein,

    den wir aber an demselben Abend noch verlassen

    Seitenzählung 51

    mußten, da die Engländer die ganze dortige Stellung

    unterminiert hatten u. wir das unheimliche, grauen-

    erregende Picken der engl. Hammer u. Meißel un-

    aufhörlich vernahmen. Wahnsinn konnte einen packen,

    wenn man beim Schlafengehen die Totenuhr tacken

    hörten u sich vergegenwärtigte, in der nächsten

    Minute in die Luft geschleudert zu werden. Wir be-

    kammen einen Stollen in 3. Linie zugewiesen,

    wo wir uns viel wohler fühlten. Beim Durchgehen der

    Stellung kamen wir an die mächtigen Trichter, die

    in der letzten Offensive gesprengt worden waren

    u. ganze Grabensysteme der engl. Stellung mit

    genommen hatten. Der größte derselben ist 8-10 m

    tief u. hat einen Durchmesser von 50-60 m. An

    seiner Sohle war ein Pionierlager eingerichtet mit

    tiefen Stollen. Zur Sprengung sind 120 Zentner

    Dynamit gebraucht worden. So reiht sich Trichter an

    Trichter. - Während unserer Zeit wurden auch 2 Spren-

    gungen vorgenommen. Einmal wurde ein Minen-

    stollen von uns in die Luft gejagt, weil man


  • December 28, 2019 18:10:48 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 50R

    linker Hand den Unterstand des 1. Geschützes,

    der aber wenig bewohnt wird, da das herrliche Wetter

    hinauslockt u. wir den Geschützstand zur Wohnstube

    eingerichtet haben.


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  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen


ID
12595 / 144520
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


July 24, 1916 – August 9, 1916
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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