Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 48

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Seitenzählung 39R

Betonstand stark beobachtet. Wir ließen den Rausch

vorübergehen u. bauten darauf unser Fernrohr im

Graben selber auf. Während Ltn. Lange durch das

Scherenfernrohr beobachtete, lugte ich mit meinem

Fernglas auf der andern Seite über die Brüstung

weg. - Wir hatten einen großartigen Einblick in das

fdl. Gelände (Etang-tal) u. bemerkten auch bald,

daß es für uns Arbeit gab. Ablösungen, die sich

am hellen Tage sammelten versprengten wir mit

Aufschlag u. Brennzunder u. trieben sie in die

mit Wasser gefüllten Laufgräben. Auch entdeckten

wir auf einer Höhe links starke Arbeitskomman-

dos, selbst mit Lasttieren. Wir richteten unsere

Haubitzen dorthin u. brachten den Frz. bei, daß

Unvorsichtigkeit immer gefährlich ist. Entsetzt

warfen sie ihre Stollenbretter u. Säcke den Abhang

hinunter u. rannten eiligst davon. So manchen

der Kerlen sahen wir auch ins Gras beißen.

Am nächsten Tage hatten die Franzmänner daselbst

einen Laufgraben ausgehoben, den wir aber

Seitenzählung 40

wieder entzweischossen. Auf der nächsten Anhöhe be-

schossen wir noch eine Lichtsignalstation. Daß die Franz.

sich so ungeniert hinter der Front bewegen, sind nur

unsere Beobachter schuld, weil sie nicht auf dem Posten

sind u. ihre Aufgabe viel zu leicht auffassen. Dieselben

müßten ganz anders auf dem Sprunge sein, dann wür-

de dem Frz. die Lust am Kriege eher vergehen. -

Sehr interessant u. abwechslungsreich war unsere Zeit

als Artilleriebeobachter; aber wir waren doch froh

als unsere Ablösung erschien.

27. Januar 1916. Kaiser's Geburtstag.

21. Februar 1916.

Am heutigen Tage erhielt unsere Batterie ein

ganzes Faß Bier. Nach dem Abendbrote begannen

wir das Gelage. Zwischendurch kam der Bericht von

unsern Erfolgen bei Verdun durch. Es war gerade

die rechte Zeit, wir ließen Vaterland u. Kaiser hoch-

leben u. sangen "Heil dir im Siegerkranz" und

"Deutschland über alles. Als die Nacht vorgerückt war,

legten wir uns aufs Ohr; doch nicht lange, denn

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Seitenzählung 39R

Betonstand stark beobachtet. Wir ließen den Rausch

vorübergehen u. bauten darauf unser Fernrohr im

Graben selber auf. Während Ltn. Lange durch das

Scherenfernrohr beobachtete, lugte ich mit meinem

Fernglas auf der andern Seite über die Brüstung

weg. - Wir hatten einen großartigen Einblick in das

fdl. Gelände (Etang-tal) u. bemerkten auch bald,

daß es für uns Arbeit gab. Ablösungen, die sich

am hellen Tage sammelten versprengten wir mit

Aufschlag u. Brennzunder u. trieben sie in die

mit Wasser gefüllten Laufgräben. Auch entdeckten

wir auf einer Höhe links starke Arbeitskomman-

dos, selbst mit Lasttieren. Wir richteten unsere

Haubitzen dorthin u. brachten den Frz. bei, daß

Unvorsichtigkeit immer gefährlich ist. Entsetzt

warfen sie ihre Stollenbretter u. Säcke den Abhang

hinunter u. rannten eiligst davon. So manchen

der Kerlen sahen wir auch ins Gras beißen.

Am nächsten Tage hatten die Franzmänner daselbst

einen Laufgraben ausgehoben, den wir aber

Seitenzählung 40

wieder entzweischossen. Auf der nächsten Anhöhe be-

schossen wir noch eine Lichtsignalstation. Daß die Franz.

sich so ungeniert hinter der Front bewegen, sind nur

unsere Beobachter schuld, weil sie nicht auf dem Posten

sind u. ihre Aufgabe viel zu leicht auffassen. Dieselben

müßten ganz anders auf dem Sprunge sein, dann wür-

de dem Frz. die Lust am Kriege eher vergehen. -

Sehr interessant u. abwechslungsreich war unsere Zeit

als Artilleriebeobachter; aber wir waren doch froh

als unsere Ablösung erschien.

27. Januar 1916. Kaiser's Geburtstag.

21. Februar 1916.

Am heutigen Tage erhielt unsere Batterie ein

ganzes Faß Bier. Nach dem Abendbrote begannen

wir das Gelage. Zwischendurch kam der Bericht von

unsern Erfolgen bei Verdun durch. Es war gerade

die rechte Zeit, wir ließen Vaterland u. Kaiser hoch-

leben u. sangen "Heil dir im Siegerkranz" und

"Deutschland über alles. Als die Nacht vorgerückt war,

legten wir uns aufs Ohr; doch nicht lange, denn


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  • December 27, 2019 20:33:25 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 39R

    Betonstand stark beobachtet. Wir ließen den Rausch

    vorübergehen u. bauten darauf unser Fernrohr im

    Graben selber auf. Während Ltn. Lange durch das

    Scherenfernrohr beobachtete, lugte ich mit meinem

    Fernglas auf der andern Seite über die Brüstung

    weg. - Wir hatten einen großartigen Einblick in das

    fdl. Gelände (Etang-tal) u. bemerkten auch bald,

    daß es für uns Arbeit gab. Ablösungen, die sich

    am hellen Tage sammelten versprengten wir mit

    Aufschlag u. Brennzunder u. trieben sie in die

    mit Wasser gefüllten Laufgräben. Auch entdeckten

    wir auf einer Höhe links starke Arbeitskomman-

    dos, selbst mit Lasttieren. Wir richteten unsere

    Haubitzen dorthin u. brachten den Frz. bei, daß

    Unvorsichtigkeit immer gefährlich ist. Entsetzt

    warfen sie ihre Stollenbretter u. Säcke den Abhang

    hinunter u. rannten eiligst davon. So manchen

    der Kerlen sahen wir auch ins Gras beißen.

    Am nächsten Tage hatten die Franzmänner daselbst

    einen Laufgraben ausgehoben, den wir aber

    Seitenzählung 40

    wieder entzweischossen. Auf der nächsten Anhöhe be-

    schossen wir noch eine Lichtsignalstation. Daß die Franz.

    sich so ungeniert hinter der Front bewegen, sind nur

    unsere Beobachter schuld, weil sie nicht auf dem Posten

    sind u. ihre Aufgabe viel zu leicht auffassen. Dieselben

    müßten ganz anders auf dem Sprunge sein, dann wür-

    de dem Frz. die Lust am Kriege eher vergehen. -

    Sehr interessant u. abwechslungsreich war unsere Zeit

    als Artilleriebeobachter; aber wir waren doch froh

    als unsere Ablösung erschien.

    27. Januar 1916. Kaiser's Geburtstag.

    21. Februar 1916.

    Am heutigen Tage erhielt unsere Batterie ein

    ganzes Faß Bier. Nach dem Abendbrote begannen

    wir das Gelage. Zwischendurch kam der Bericht von

    unsern Erfolgen bei Verdun durch. Es war gerade

    die rechte Zeit, wir ließen Vaterland u. Kaiser hoch-

    leben u. sangen "Heil dir im Siegerkranz" und

    "Deutschland über alles. Als die Nacht vorgerückt war,

    legten wir uns aufs Ohr; doch nicht lange, denn


  • December 27, 2019 19:16:10 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 39R

    Betonstand stark beobachtet. Wir ließen den Rausch

    vorübergehen u. bauten darauf unser Fernrohr im

    Graben selber auf. Während Ltn. Lange durch das

    Scherenfernrohr beobachtete, lugte ich mit meinem

    Fernglas auf der andern Seite über die Brüstung

    weg. - Wir hatten einen großartigen Einblick in das

    fdl. Gelände (Etang-tal) u. bemerkten auch bald,

    daß es für uns Arbeit gab. Ablösungen, die sich

    am hellen Tage sammelten versprengten wir mit

    Aufschlag u. Brennzunder u. trieben sie in die

    mit Wasser gefüllten Laufgräben.


  • December 27, 2019 17:50:42 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 39R

    Betonstand stark beobachtet. Wir ließen den Rausch

    vorübergehen u. bauten darauf unser Fernrohr im

    Graben selber auf.


Description

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  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen


ID
12595 / 144505
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


January 25, 1916 – February 21, 1916
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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