Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 27

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Seitenzählung 18R

30. Mai 1915.

Die Nacht, die wir heute erlebt haben, war

wirklich eine Nacht des Schreckens. Man konnte

sich in die Hölle versetzt denken, so tobte der

Schlachtenlärm. Eingeleitet wurde der Tanz

durch heftiges Infanteriefeuer, dann fielen die

Kanonen mit erschütterndem Gebrüll ein.

Wie durch ein Wunder wurden wir verschont.

Nach 14 Tagen bekamen wir zum ersten Mal

wieder Post.

31. Mai 1915.

Der Russe bereitet seinen Rückmarsch vor, was

wir an den Wanderbatterien erkannten.

1. Juni 1915. Ruhe.

2. Juni 1915.

Unerträgliche Hitze. Heute gelangte auch die

Nachricht vom Fall Przemysl's.

4. Juni 1915.

Allgemeiner Russenrückzug an unserer

Front, den wir durch tapferes Feuern stark

Seitenzählung 19

erschwerten. Die Infanterie lobte den guten Beschuß.

Unser Beobachtungsoffz. wurde beim Inf. Major

zum Danke dafür zum Abendbrot eingeladen

u. wir sagten:

"Einer für alle."

5. Juni 1915.

Heute erfuhren wir von dem Eintritt Italien's

in den Weltkrieg gegen uns. - Oft war mein

Sehnen nach dem Land der Schönheit u. Kunst ge-

richtet, von dessen vergangener Größe u. Pracht noch die Überreste

der Tempel, der öffentlichen Gebäude u. der reichen

Patrizierpaläste zeugen u. Bände erzählen

können. Wie schön u. sonnig erschienst du mir

im Geiste u. wie häßlich ist nun dein Bild

durch deine Schuld entstellt worden. Klein, ehr-

u. treulos stehst du nun vor der ganzen Welt.

Durch Ländergier u. leere Versprechungen ließest

du dich blenden u. griffest zu zu deinem

eignen Unheil. - Und seinem sichern Lohn ent-

geht ein Judas nie. - Dann aber wird sich

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Seitenzählung 18R

30. Mai 1915.

Die Nacht, die wir heute erlebt haben, war

wirklich eine Nacht des Schreckens. Man konnte

sich in die Hölle versetzt denken, so tobte der

Schlachtenlärm. Eingeleitet wurde der Tanz

durch heftiges Infanteriefeuer, dann fielen die

Kanonen mit erschütterndem Gebrüll ein.

Wie durch ein Wunder wurden wir verschont.

Nach 14 Tagen bekamen wir zum ersten Mal

wieder Post.

31. Mai 1915.

Der Russe bereitet seinen Rückmarsch vor, was

wir an den Wanderbatterien erkannten.

1. Juni 1915. Ruhe.

2. Juni 1915.

Unerträgliche Hitze. Heute gelangte auch die

Nachricht vom Fall Przemysl's.

4. Juni 1915.

Allgemeiner Russenrückzug an unserer

Front, den wir durch tapferes Feuern stark

Seitenzählung 19

erschwerten. Die Infanterie lobte den guten Beschuß.

Unser Beobachtungsoffz. wurde beim Inf. Major

zum Danke dafür zum Abendbrot eingeladen

u. wir sagten:

"Einer für alle."

5. Juni 1915.

Heute erfuhren wir von dem Eintritt Italien's

in den Weltkrieg gegen uns. - Oft war mein

Sehnen nach dem Land der Schönheit u. Kunst ge-

richtet, von dessen vergangener Größe u. Pracht noch die Überreste

der Tempel, der öffentlichen Gebäude u. der reichen

Patrizierpaläste zeugen u. Bände erzählen

können. Wie schön u. sonnig erschienst du mir

im Geiste u. wie häßlich ist nun dein Bild

durch deine Schuld entstellt worden. Klein, ehr-

u. treulos stehst du nun vor der ganzen Welt.

Durch Ländergier u. leere Versprechungen ließest

du dich blenden u. griffest zu zu deinem

eignen Unheil. - Und seinem sichern Lohn ent-

geht ein Judas nie. - Dann aber wird sich


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  • December 21, 2019 21:11:46 Evelyn Weiser

    Seitenzählung 18R

    30. Mai 1915.

    Die Nacht, die wir heute erlebt haben, war

    wirklich eine Nacht des Schreckens. Man konnte

    sich in die Hölle versetzt denken, so tobte der

    Schlachtenlärm. Eingeleitet wurde der Tanz

    durch heftiges Infanteriefeuer, dann fielen die

    Kanonen mit erschütterndem Gebrüll ein.

    Wie durch ein Wunder wurden wir verschont.

    Nach 14 Tagen bekamen wir zum ersten Mal

    wieder Post.

    31. Mai 1915.

    Der Russe bereitet seinen Rückmarsch vor, was

    wir an den Wanderbatterien erkannten.

    1. Juni 1915. Ruhe.

    2. Juni 1915.

    Unerträgliche Hitze. Heute gelangte auch die

    Nachricht vom Fall Przemysl's.

    4. Juni 1915.

    Allgemeiner Russenrückzug an unserer

    Front, den wir durch tapferes Feuern stark

    Seitenzählung 19

    erschwerten. Die Infanterie lobte den guten Beschuß.

    Unser Beobachtungsoffz. wurde beim Inf. Major

    zum Danke dafür zum Abendbrot eingeladen

    u. wir sagten:

    "Einer für alle."

    5. Juni 1915.

    Heute erfuhren wir von dem Eintritt Italien's

    in den Weltkrieg gegen uns. - Oft war mein

    Sehnen nach dem Land der Schönheit u. Kunst ge-

    richtet, von dessen vergangener Größe u. Pracht noch die Überreste

    der Tempel, der öffentlichen Gebäude u. der reichen

    Patrizierpaläste zeugen u. Bände erzählen

    können. Wie schön u. sonnig erschienst du mir

    im Geiste u. wie häßlich ist nun dein Bild

    durch deine Schuld entstellt worden. Klein, ehr-

    u. treulos stehst du nun vor der ganzen Welt.

    Durch Ländergier u. leere Versprechungen ließest

    du dich blenden u. griffest zu zu deinem

    eignen Unheil. - Und seinem sichern Lohn ent-

    geht ein Judas nie. - Dann aber wird sich


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  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen


ID
12595 / 144483
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


May 30, 1915 – June 5, 1915
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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