Leutnant der Reserve Ernst Hartung vom Feldartillerie-Regiment 247, item 18

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 Seitenzählung 9R

Sonntag durchfuhren wir Belgien zum größten

Teil

20. März 1915.

Am andern Morgen sahen wir die ersten An-

zeichen des Krieges. Bei Maubeuge zeigten sich

ganze Häuserreihen in Schutt u. Asche. In kunst-

voller Weise waren viele Brücken, die vom

Feinde gesprengt waren, von unsern Pionieren

wiederhergestellt worden. In Le Cateau wurden

wir ausgeladen u. bezogen Bürgerquartiere.

Mit der frz. Sprache standen wir auf gespanntem

Fuß, denn Schulfranzösisch u. die Sprache des frz.

Volkes ist ein gewaltiger Unterschied. Nach vielem

Verhandeln in einem Laden um eine Kerze

erfuhr ich, daß sie keine chandelles hatten. Wenig-

stens wußte ich, was eine Kerze auf Frz. heißt

u. saß am Abend in demselben dunklen

Zimmer wie vorher.

26. März 1915.

Der heutige Tag sollte uns mal wieder

Seitenzählung 10

unser Quartier verlegen lassen. Gegen Abend

als es dunkel wurde, wurde angespannt

u. wir nahmen den Weg zum Bahnhof, wo

wir bis abends 10h verladen sein mußten.

Diesmal wurden wir in Güterwagen mit

Bänken transportiert. Nach frostiger kalter Nacht

wurden wir in Amagne-Lucquy ausgeladen

u. dortselbst einquartiert. Nun sind wir der

Front schon um ein erhebliches näher gerückt.

Was uns der laute Kanonendonner anzeigte.

Das Dorf liegt zur Hälfte in Schutt. La guerre, c'est

malheur sagt der Franzose. Wir können uns

glücklich schätzen, daß sich der ungeheure Krieg

nicht auf Dtschlds Auen abspielt.

28. März 1915.

Heute habe ich das Glück gehabt, meine Post los-

zuwerden u. zwar auf dem Marsche zur Front.

29. März 1915.

Heute ist Palmensonntag u. denke an daheim

wo Hans konfirmiert wurde. Ich schickte meine

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 Seitenzählung 9R

Sonntag durchfuhren wir Belgien zum größten

Teil

20. März 1915.

Am andern Morgen sahen wir die ersten An-

zeichen des Krieges. Bei Maubeuge zeigten sich

ganze Häuserreihen in Schutt u. Asche. In kunst-

voller Weise waren viele Brücken, die vom

Feinde gesprengt waren, von unsern Pionieren

wiederhergestellt worden. In Le Cateau wurden

wir ausgeladen u. bezogen Bürgerquartiere.

Mit der frz. Sprache standen wir auf gespanntem

Fuß, denn Schulfranzösisch u. die Sprache des frz.

Volkes ist ein gewaltiger Unterschied. Nach vielem

Verhandeln in einem Laden um eine Kerze

erfuhr ich, daß sie keine chandelles hatten. Wenig-

stens wußte ich, was eine Kerze auf Frz. heißt

u. saß am Abend in demselben dunklen

Zimmer wie vorher.

26. März 1915.

Der heutige Tag sollte uns mal wieder

Seitenzählung 10

unser Quartier verlegen lassen. Gegen Abend

als es dunkel wurde, wurde angespannt

u. wir nahmen den Weg zum Bahnhof, wo

wir bis abends 10h verladen sein mußten.

Diesmal wurden wir in Güterwagen mit

Bänken transportiert. Nach frostiger kalter Nacht

wurden wir in Amagne-Lucquy ausgeladen

u. dortselbst einquartiert. Nun sind wir der

Front schon um ein erhebliches näher gerückt.

Was uns der laute Kanonendonner anzeigte.

Das Dorf liegt zur Hälfte in Schutt. La guerre, c'est

malheur sagt der Franzose. Wir können uns

glücklich schätzen, daß sich der ungeheure Krieg

nicht auf Dtschlds Auen abspielt.

28. März 1915.

Heute habe ich das Glück gehabt, meine Post los-

zuwerden u. zwar auf dem Marsche zur Front.

29. März 1915.

Heute ist Palmensonntag u. denke an daheim

wo Hans konfirmiert wurde. Ich schickte meine


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  • December 20, 2019 12:10:20 Evelyn Weiser

     Seitenzählung 9R

    Sonntag durchfuhren wir Belgien zum größten

    Teil

    20. März 1915.

    Am andern Morgen sahen wir die ersten An-

    zeichen des Krieges. Bei Maubeuge zeigten sich

    ganze Häuserreihen in Schutt u. Asche. In kunst-

    voller Weise waren viele Brücken, die vom

    Feinde gesprengt waren, von unsern Pionieren

    wiederhergestellt worden. In Le Cateau wurden

    wir ausgeladen u. bezogen Bürgerquartiere.

    Mit der frz. Sprache standen wir auf gespanntem

    Fuß, denn Schulfranzösisch u. die Sprache des frz.

    Volkes ist ein gewaltiger Unterschied. Nach vielem

    Verhandeln in einem Laden um eine Kerze

    erfuhr ich, daß sie keine chandelles hatten. Wenig-

    stens wußte ich, was eine Kerze auf Frz. heißt

    u. saß am Abend in demselben dunklen

    Zimmer wie vorher.

    26. März 1915.

    Der heutige Tag sollte uns mal wieder

    Seitenzählung 10

    unser Quartier verlegen lassen. Gegen Abend

    als es dunkel wurde, wurde angespannt

    u. wir nahmen den Weg zum Bahnhof, wo

    wir bis abends 10h verladen sein mußten.

    Diesmal wurden wir in Güterwagen mit

    Bänken transportiert. Nach frostiger kalter Nacht

    wurden wir in Amagne-Lucquy ausgeladen

    u. dortselbst einquartiert. Nun sind wir der

    Front schon um ein erhebliches näher gerückt.

    Was uns der laute Kanonendonner anzeigte.

    Das Dorf liegt zur Hälfte in Schutt. La guerre, c'est

    malheur sagt der Franzose. Wir können uns

    glücklich schätzen, daß sich der ungeheure Krieg

    nicht auf Dtschlds Auen abspielt.

    28. März 1915.

    Heute habe ich das Glück gehabt, meine Post los-

    zuwerden u. zwar auf dem Marsche zur Front.

    29. März 1915.

    Heute ist Palmensonntag u. denke an daheim

    wo Hans konfirmiert wurde. Ich schickte meine


  • December 20, 2019 12:08:47 Evelyn Weiser

     Seitenzählung 9R

    Sonntag durchfuhren wir Belgien zum größten

    Teil

    20. März 1915.

    Am andern Morgen sahen wir die ersten An-

    zeichen des Krieges. Bei Maubeuge zeigten sich

    ganze Häuserreihen in Schutt u. Asche. In kunst-

    voller Weise waren viele Brücken, die vom

    Feinde gesprengt waren, von unsern Pionieren

    wiederhergestellt worden. In Le Cateau wurden

    wir ausgeladen u. bezogen Bürgerquartiere.

    Mit der frz. Sprache standen wir auf gespanntem

    Fuß, denn Schulfranzösisch u. die Sprache des frz.

    Volkes ist ein gewaltiger Unterschied. Nach vielem

    Verhandeln in einem Laden um eine Kerze

    erfuhr ich, daß sie keine chandelles hatten. Wenig-

    stens wußte ich, was eine Kerze auf Frz. heißt

    u. saß am Abend in demselben dunklen

    Zimmer wie vorher.

    26. März 1915.

    Der heutige Tag sollte uns mal wieder

    Seitenzählung 10

    unser Quartier verlegen lassen. Gegen Abend

    als es dunkel wurde, wurde angespannt

    u. wir nahmen den Weg zum Bahnhof, wo

    wir bis abends 10h verladen sein mußten.

    Diesmal wurden wir in Güterwagen mit

    Bänken transportiert. Nach frostiger kalter Nacht

    wurden wir in Amagne-Lucquy ausgeladen

    u. dortselbst einquartiert. Nun sind wir der

    Front schon um ein erhebliches näher gerückt.

    Was uns der laute Kanonendonner anzeigte.

    Das Dorf liegt zur Hälfte in Schutt. La guerre, c'est

    malheur sagt der Franzose. Wir können uns

    glücklich schätzen, daß sich der ungeheure Krieg

    nicht auf Dtschlds Auen abspielt.

    28. März 1915.

    Heute habe ich das Glück gehabt, meine Post los-

    zuwerden u. zwar auf dem Marsche zur Front.

    29. März 1915.

    Heute ist Palmensonntag u. denke an daheim

    wo Hans konfirmiert wurde. Ich schickte meine


Description

Save description
  • 50.5010789||4.466112||7||

    Belgien

  • 50.2834254||3.9611054||13||

    Maubeuge

  • 50.0873629||3.5004951||8||

    Le Cateau

  • 49.513283||4.5040035||13||

    Amagne

  • 49.5072329||4.3549754||9||

    Lucquy

  • 50.1676885||23.034996999999976||

    Oleszyce, Polen

    ||1
Location(s)
  • Story location Oleszyce, Polen
  • Document location Belgien
  • Additional document location Maubeuge
  • Additional document location Le Cateau
  • Additional document location Amagne
  • Additional document location Lucquy


ID
12595 / 144474
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Choulant
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


March 18, 1915 – March 29, 1915
  • Deutsch

  • Eastern Front
  • Western Front

  • Artillery
  • Gas Warfare
  • Medical
  • Trench Life



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